Unfallversicherungs - Gesetzes ist mitzutheilen, daß der Minister des Innern die Regierungen angewiesen hat, von denjenigen Städten, welche Krankenhäuser besitzen, über die Verpflegungssätze, die für einheimische und nicht einheimische Kranke auf den Tag berechnet werden, Angaben einzuziehen, um dadurch für die Berechnung der in den §§ 9 und 10 des Gesetzentwurfes vorgesehenen Kosten des Heilverfahrens einige Anhaltspuncte zu gewinnen.
Franrreich.
* Paris, 23. Juli. Der französische Admiral in Sfax unterhandelt gegenwärtig mit Führern dortiger Eingesessenen, welche vielfach sich weigern, Sfax wieder zu betreten, aus Furcht vor den dort noch befindlichen Insurgenten, welche fortgesetzt in Kellern versteckt aufgefunden werden.
— Entgegen der Havarsschen Meldung von der beruhigten Stimmung in Afrika erhält die ,Republique francaise' Berichte, wonach ein allgemeiner Aufstand in Tunesien und Algerien vorbereitet wird, der über 190,000 Mann verfügt.
Provweielles u«d LoealeS»
* Fulda, 25. Juli. Künftigen Sonntag Nachmittag hält der hiesige Imker- Verein dahier eine öffentliche Versammlung, an welcher alle Bienenfreunde in der Stadt und Umgegend theilnehmen können. Wie wir hören, werden 2—3 Vorträge gehalten und eine Anzahl neuerer Imker-Utensilien ausgelegt und erklärt. Näheres wird noch bekannt gemacht werden.
— Unser Bürgerverein hat auch in diesem Jahre mit seinen Sommersesten bis jetzt kein Glück: die auf gestern anberaumte Waldparthie nach dem Görlos wurde durch das Regenwetter unmöglich gemacht.
— Nach den ersten Ergebnissen des Korndrusches läßt sich auf einen verhältnißmäßig reichen und in Qualität vorzüglichen Körnerertrag des Roggens schließen.
— Am 22. d. M. stürzte der ledige Joh. Stark von Oberbernards so unglücklich von einem Kirschbaum herab, daß sofort Pfarrer und Arzt zur Stelle geholt wurden.
— Gestern passirte eine 45 Köpfe starke Zigeunerbande, mit 8 zweispännigen Fuhrwerken versehen, durch Hünfeld und Fulda, mußte aber auf polizeilichen Befehl ihre Reise nach der preußischen Grenze unaufhaltsam fortsetzen.
— Das 50jährige Amtsjubiläum des Herrn Rectors Wehner zu Hünfeld wird definitiv Dienstag, den 16. August, gefeiert werden.
— Vor einigen Tagen ist in Steinbach, Amt Burghaun, ein junger verheiratheter Israelit am Sonnenstiche gestorben.
— Die Schulstelle zu Batten wird am 1. Sept. er. vacant. Der gegenwärtige Inhaber Herr Lehrer Schraub wird vom 1. Sept, ab die 1. Schulstelle zu Ober sinn antreten.
— In den nächsten Tagen wird die treffliche Monographie unseres verehrten Landsmannes Herrn Professor vr. Iofeph Rübsam in Regensburg über „Heinrich V. von Weilnau, Fürstabt von Fulda (1288—1313), ihre Fortsetzung erhalten. Während wir dem vor zwei Jahren erschienenen ersten Theile einen höchst lehr« reichen, gründlich wissenschaftlich bearbeiteten Rückblick auf die kirchen- und staatsrechtliche Stellung der exemten und reichsunmittelbaren Abtei Fulda verdanken, beschäftigt sich der zweite Theil mit der Regierungs- zeit und den Thaten des Fürstabtes Heinrich von Weilnau selbst, des hervorragendsten
Einer unter den Kirchenfürsten Fulda's. Als Anhang ist der neuen Schrift des Herrn vr. Rübsam ein Excurs über die Quellen des Hochstiftes Fulda beigegeben. Gewidmet ist dieselbe dem Herrn Archiv- rathe vr. Cornelius Will zu Regensburg. — Wir sind überzeugt, daß auch diesem zweiten Theile der Monographie unseres gelehrten und fleißigen Landsmannes, des Historikers Herrn vr. Joseph Rübsam, dieselbe günstige Aufnahme und Kritik zu Theil werden wird, welcher sich der erste Theil in den Kreisen der deutschen Geschichtsforscher zu erfreuen hatte. (Buch.)
— Der diesjährige Congreß selbstständiger Schneidermeister und Fachgenossen.Deutschlands findet vom 15. bis 17. August in Magdeburg statt. Auf der Tagesordnung des Congresses steht unter Anderem: Das Gesetz betreffend die Reform des Jnnungs- wesens, die Einrichtung von Rohstoff Associationen, die Ergebnisse des BundeS-Schutz- institutes, die Resultate der Petitionen betreffend die Gefängnißarbeit und die Mili- tär-Oeconomiehandwerker, der statistische Fragebogen, Meisterbriefe, obligatorische Lehrverträge und Lehrbriefe, Entlassungsscheine für Gesellen, Arbeitsnachweise-Bure- aus, das Geschenkgeben an reisende Gesellen, das Herbergswesen, das einheitliche Maßnahmen 2C. — Mit dem Congresse wird eine Ausstellung von Artikeln für Schneider verbunden sein.
— Der Unterrichtsminister hat im Einverständnisse mit den Ministern des Krieges und des Innern sämmtliche Provinzial- Schulcollegien angewiesen, darauf zu halten, daß das zum Nachsuchen für den einjährig- freiwilligen Militärdienst erforderliche Zeug- niß der Unbescholtenheit in jedem Falle abgesondert von dem die wissenschaftliche Fähigkeit bekundenden Zeugnisse selbstständig von den Directoren der dazu befugten höheren Lehranstalten ausgestellt werde. Die Rubrik „Betragen" in dem eigentlichen Schul- zeugniß bilde einen integrirenden Bestand- theil des letzteren und sei so auszufüllen, wie es bei den Schulzeugnissen üblich. Dagegen seien bei Ausstellung des Undeschol- tenheitszeugnisses die Grundsätze maßgebend, welche die Polizeibehörden bei Ausfertigung von Führungszeugnissen zu befolgen haben. Es macht dabei keinen Unterschied, ob das UnbescholtenheitSzeugniß gleichzeitig mit dem Schulzeugnisse oder erst später einem Schüler bei dem Nachsuchen des Bercchtigungszeug- nisses oder Eintritt in den Militärdienst er- theilt wird.
— Der diesjährige Verbandstag der hessischen Vorschuß- und Creditvercine fand am Montag den 18. d. M. in Alsfeld unter dem Vorsitz des Verbandsdirectors Herrn Diehls von Cassel statt. Es waren folgende Vereine durch etwa 40 Mitglieder vertreten: Alsfeld, Bleichenbach, Cassel, Friedbexg, Fulda, Gießen, Grünberg, Großalmerode, Hünfeld, Hersfeld, Laubach und Wieseck, außerdem hatten sich als Gäste Vorstandsmitglieder einiger benachbarten landwirthschaftlichen Darlehenskassen cinge- funden. Als Vertreter der Anwaltschaft war Ludolf Paristus von Berlin, als Gast Herr Thorwart von der deutschen Genossenschaftsbank anwesend. Als Delegirter des hiesigen Vorschußvereins wohnte dem Vereinstage der Director Herr B. I. Wähler bei. Zu nächstjährigem Verbandsorte wurde Friedberg bestimmt.
^Rimmels, 24. Juli. Seit der Kreuzwoche grassirt hier ein sehr bösartiges Fieber, dem schon mehrere auch jüngere Leute zum Opfer gefallen sind, viele lind Dank der unermüdeten Thätigkeit des Herrn Kreisphysikus vr. Ferrari wieder auf dem Wege der Besserung. — Auch in Molzbach
hat das Gewitter am vorigen Mittwoch zweimal eingeschlagen, jedoch ohne besonderen Schaden anzurichten.
o Borsch, 24. Juli. Am 20. d. M. zog wie sonstwärts auch hier Mittags ein schweres Gewitter heran. Während der ganze Himmel in nebelgraues Dunkel gehüllt war und nur am fernen Horizont ein unheimlicher schwefelgelber Schimmer hindurch leuchtete, fuhr zur Maria- Capelle vor dem Dorfe «in vielzackiger Blitz mit schmetterndem Donnerschlag hernieder. Alsbald schlugen am Dache in der Nähe des Thurmes die Flammen heraus und kaum hatte der Donner ausgerollt, so ertönten auch schon die Sturmglocken der Pfarrkirche. Die Ortsbewohner, welche für diese Capelle große Verehrung haben, zudem da sie im vorigen Jahre nach Angabe ihres Herrn Pfarrers von mehreren Künstlern im neumittelalterlich italienischen Style sehr schön restaurirt worden ist, waren in größter Erregung, als ob eines jeden eigenes Haus brenne und alsbald zur Hilfe bereit. Durch rasches Eingreifen gelang es das gewaltige Element zu bändigen, welches bei nur etwas Verzögerung und ungünstigerem Winde die ganze Capelle eingeäschert hätte. Ein Blitzstrahl war vom Dache herunter einem Fenster auf der Nordseite entlang mit Zertrümmerung der Fensterbank in die dicke Mauer eingedrungen und hatte in der Nähe des Fußbodens mit Hinter- laffung von 3 Löchern den Ausweg gefunden. Ein anderer Strahl war neben diesem Fenster quer durch die Mauer gegangen und war im Inneren des steinernen Thürgewandes, wo von der Feuersgluth noch die Wand schwarz geworden, herausgekommen. Am Altäre, welcher mit 23- gradigem Kuppelgolde, Blattsilber und Aluminium fast ganz vergoldet und versilbert Ist, und an der j Kanzel mit ihren vielen Goldstäben bezeugen - mancherlei schwarze Spuren, daß der Blitz darüber | hingefahren ist. Das nach allen Richtungen hin 1 ausgedehnte Metall hatte hier den Blitz angezvgen und zugleich abgeleitet. Die in Oel ausgeführten Teppichgemälde der Wände sind fast ganz unver- > sehrt geblieben. Zur Danksagung für die Er- l rettung aus großer Gefahr zog heute eine feier- < liche Procession zur Capelle, an welcher sich die j ganze Gemeinde betheiligte.
j * Marburg, 22. Juli. In einer j Lehmgrube in der Knutzbach wurden gestern ? zwei Arbeiter verschüttet. Der Eine blieb s auf der Stelle tobt, der Andere, an beiden | Beinen stark beschädigt, wurde in die Klinik j verbracht.
! * Frankfurt, 23.Juli. Gestern Abend
i verstarb plötzlich ein auf der Fahrgasse - wohnender Metzger unter den Anzeichen einer \ Arsenikvergiftung. Dem sofort hrrbeige« j rufenen Arzte, der ihn noch lebend traf, j theilte der Mann mit, daß er wegen Mangel | an Subsistenzmitteln sich selbst das Leben j genommen habe. Tie sofort zur Rettung \ des Vergifteten angewandten Gegenmittel ! blieben erfolglos. (Fr. Z.)
i • Alzenau, 20. Juli. Am 17. dfs. spendete der hochwürdigste Herr Dr. Franz Joseph v. Stein, Bischof von Würzburg, in der Pfarrkirche Hierselbst an die Firm- j linge von Bornheim, Hanau und der an- z grenzenden preußischen Orthschaften, (aus- | genommen Somborn und Rodenbach) die in Folge des unseligen „Culturkampfes" in der Heimath des Oberhirten entbehren, das hl. Sacrament der Firmung. Nicht zu verkennen war der Eindruck, den sowohl die erhebenden Worte des Herrn Bischofs vor der Firmung, als die hl. Handlung selbst auf alle Anwesenden hervorbrachte. Möge dieser Eindruck in den Herzen aller Gefirmten und aller Theilnebmer stets nach- klingen in ungescheutem Bekenntniß des Glaubens und im Festhalten an dem, was sie in der hl. Firmung versprochen haben!
Meiereolog. Beobachtungen d. Station Kulda.
Dat.
25
Std.
10
10
1—2
1—2
K-ittCt,
743,0
742,2
741,6 739,2
737,0
736,4
Barom.
Millim.
16,8 15,8 20,6 17,6
16,0
20,0
khirm. Celfiui.
Wind. rtchtmH
WSW WSW SSW SSW WSW NW
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