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JV1 167. Sonntag, den 24. In« 1881.

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Ä ver Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche NboimementspreiS beträgt ausschließlich B ringerlohn in Fulda eine Mark und iS R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., »uSwärtS Sei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins HauS gebracht 1 Mark SO Pfg. Di« Mustrirten SonntagsblLtter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S HauS gebracht 40 Pfg Inserate: Dir Hetitzeilo oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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»olitische Streifzüge.

Nachdruck verboten. -

Einigermaßen befremdend ist es, daß > trotz der entsetzlichen Hitze überall die | politische Mühle noch so stark im Gange \ ist. Deutschland hat freilich außer der | Wahlbewegung weder im Innern noch nach z Außen hin, irgend etwas BemerkenSwertheS ; aufzuweisen, und Fürst Bismarck wird dem i Grafen Hatzfeld, dem neuen Staatsfecretär z des Auswärtigen, als dieser den Kanzler in Kissingen besuchte, kaum etwas mehr als allgemeine Verhaltungsmaßregeln er- theilt haben; aber die übrigen Länder er­freuen sich dieser beneidenswerthen Ruhe keineswegs. Frankreich hätte, statt in Jubel und Trubel das Nationalfest zu feiern, Betrachtungen darüber anstellen sollen, woher es komme, daß es der „großen Z Nation" nicht möglich sei, den Aufstand in | Nordafrica zu bändigen und den schlauen Bu.Amena einzufangen; auch dürfte man - sich in Paris mit der Frage beschäftigen, z welche Folgen der tunesische Feldzug I möglicherweise haben wird, denn Italien, ; Spanien und England stehen auf den ■

Hinterbeinen, und die Türkei schürt den Fanatismus der Muhamedaner. — In Belgien ist die große Bewegung zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechtes, trotz der Um­züge in Brüffel, Mons und Verviers, im Sande verlaufen, denn als Frsre-Orban das Gespenst der Katholiken vorführte, da kroch Held Janson zu Kreuze. Fröre Orban darf nicht sterben, denn er will ja die kath. Kirche verderben; und siele er, so würde nicht der Radicalismus, sondernder Klericalismus siegen, und das darf nicht sein; deshalb schmierte er dem rasenden Roland Janson ein Compromißpflästerchen auf den Mund, und der „Bruder".Minister sitzt wieder im Sattel. — Die widerwär­tigste Erscheinung bot aber Rom, wohinter der Leiche de« großen Papstes Pius IX. der liberale Pöbel johlte, schrie, tobte, schlug und mit Steinen warf. Das nennt man sich „gebildet" betragen, und soviel Achtung zollt der liberale Janhagel der Majestät des Todes I Es, war doch immerhin dn Leichenzug, der sich durch die Straßen Rom's bewegte! Der tobte Pius konnte doch nicht dafür, daß die Liberalen bei den Muyicipal« wählen unterlegen sind! Aber, wenn etwas im Stande ist, die wahre Natur der Papst- und Kirchenhaffer klar zu legen, dann ist es die gegen das Papstthum gerichtete Demon­stration vom 13. Juli. Die ,Kö!n. Ztg/ sah in dem Leichenzuge nur dunkle Caroffen und Menschen, die mit „plärrendem Tone unverständliche Gebete liefen'; sie ärgerte sich auch, daß die Königin von Italien ihren Sohn von dem Erzbischof von Neapel firmen ließ und „soviel Werth auf diese

Form (!) legte." Ueberall guckt doch aus der Löwenhaut des „wahren Christenthums" das Eselsohr des nacktesten Unglaubens hervor.

Deutsches Reich.

* Berlin, 21. Juli^Das Centrum wird im Reichstage den Antrag stellen, die aufgehobenen Artikel 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung in die Reichs- verfaffung auf; nehmen. Damit würde ein wesentlicher Schritt zur Beseitigung des Culturkampfes gethan.

— Mit Rücksicht auf die Ernte ist von einigen Landräthen der östlichen Provinzen für die Zett vom 15. Juli bis 1. Sept, eine Verfügung erlaffen worden, wonach die Polizeibehörden des platten Landes angewiesen werden, in dieser Zeit keine Ge­nehmigung zur Abhaltung von Tanzbe­lustigungen zu ertheilen. Alle Gasthäuser müffen pünctlichst Abends 10 Uhr geschloffen werden; gegen Gastwirlhe, welche den reichlicheren Verdienst der ländlichen Ar­beiter während der Erntezeit dazu benutzen, um letzteren auf diesen Verdienst hin geistige Getränke im Uebermaß oder auf Credtt zu verabfolgen, wird in jedem einzelnen Falle außer der polizeilichen Be­strafung auch das Verfahren auf Con- cessionsentziehung eingeleitet.

— Die Zusammenkunft de« deutschen und österreichischen Kaisers findet definitiv in den ersten Tagen des August zu Gastein statt.

— Am 20. d. M. feierte der Hochw

68 .

Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. ! (Fortsetzung.)

„Ich muß," sagte er zu ihr, „sobald als ■ möglich auf den Brief des Doctors P . . . s antworten; ich werde dann auch mitMarie sprechen müffen."

„Ja, Sie thun recht, daß Sie dieselbez auf dem Laufenden erhalten," antwortete \ Madame Vavaffour; „aber ist es denn durch- ; aus nöthig, daß Sie sogleich eine Antwort | geben? Marie hat's nicht gern, das wissen i Sie, daß man sie drängt ; sie will Zeit haben \ um zu überlegen; übrigens wird sie darauf ; bestehen, Ihre Ansicht zu erfahren, ehe sie ? Ihnen die ihrige mittheilt."

„Das ist es gerade, was ich vermeiden ! möchte," sagte Horace etwas ungeduldig, j „Ich will sie in keiner Weise beeinflussen, und : es würde mir sehr leid thun, wenn sie meinen ? Neigungen die ihrigen zum Opfer brächte, - und dann später unglücklich sein würde." I

„Theurer Horace, Sie setzen doch gewiß . nicht voraus, daß Marie —" s

„Meine liebe Georgine, ich weiß, woran ich mich in dieser Hinsicht zu halten habe; j erlauben Sie mir, daß ich in dieser Sache ganz nach meinen persönlichen Ansichten und Neigungen handle." I

Dann begann er erregt das Zimmer zu durchmessen, während Madeleine ihm still­schweigend nachsah.

„Ich kenne Marie," sagte er dann gleich darauf; „wenn sie der Ansicht wäre, daß ich die Stelle anzunehmen wünschte, die man mir angeboten hat, so würde sie mir sagen: Acceptire dieselbe, ohne auch nur einen Au­genblick an sich selbst zu denken; aber es ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß, wenn sie einmal dort wäre, sie sich unaufhörlich nach England zurücksehnen und einen tiefen Widerwillen gegen die Umgebung fassen würde, in welcher sie dann leben müßte; es würde dies übrigens ganz natürlich fein; da sie au« ihrer Heimath niemals heraus­gekommen ist, so hat sie fremde Sitten und Gewohnheiten nie kennen gelernt."

„Sie verzichten also darauf?" sagte Ma­dame Vavaffour.

„Bitte sehr, das habe ich nicht gesagt; ich werde einfach die Frage an sie richten, ihr das Für und das Wider vorhalten und dann werde ich ihrer Meinung beitreten. Es scheint mir, daß sie sich nicht beklagen können wird."

„Sie wird sicherlich keine Klage führen," antwortete Madame Vavaffour; „aber sie wird darauf bestehen, ich wiederhole die«, sich auf Ihre Memung zu stützen."

Er antwortete nur in einigen unverständ­

lichen Worten, und Madelon frug dann ganz leise:

„Ist Herr Horace bezüglich seiner Reise nach Mentone noch unentschloffen?"

„Ja, er hat mit Dir darüber gesprochen, nicht wahr?" sagte Madame Vavaffour; \ „ich hoffe, daß er sich dafür entscheiden wird, - hinzugehen; das ist eine für ihn durchaus paffende Stelle."

- „Meinen Sie?" sagte Merville, der die l letzten Worte wohl gehört hatte; dann wandte | er stch, melancholisch lächelnd, zu dem jungen j Mädchen und sagte:

„Höre, Madelon, ich will Dir das Land beschreiben, in dem ich künftig wohnen soll: eine kleine an der Küste de« mittelländischen Meere« gelegene Stadt, vollkommen durch Berge geschützt; ein Winter, der angenehmer ist, als hier zu Lande der Frühling, Blumen das ganze Jahr hindurch, ausgedehnte Pflanz­ungen von Drangen, Olivenbäumen und 1 Weinstöcken, wie ein Amphitheater über­einander stehend, einem blauen, strahlenden Meer gegenüber, und dies Alles unter einem unvergleichlichen Himmel. Ist das nicht verlockend?"

„Nur allzu sehr, um wirklich so zu sein," sagte Madame Vavaffour lachend. „Ich meinestheils glaube nicht an ein solches irdisches Paradies."