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Freitag, den 22. Juli 1881
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O Ist der Papst in Rom wirklich frei? |
Die jüdisch, liberale Presse spottet 6e« | kanntlich gar weidlich über den „Gefangenen : im Vatikan" und erklärt es rundweg; immer wieder für eine tolle Unwahrheit, ; daß das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht unbehindert den Vatican verlassen s und sich frei durch die Straßen Roms 6e* \ wegen könne. In der Nacht vom 12. auf j den 13. Juli hat aber in der ewigen? Stadt ein Ereigniß ganz unzweideutig; dargethan, wie es dem hl. Vater ergehen ; würde, falls er einmal aufhören wollte, sich auf den Vatican und desien Garten zu beschränken: denn nicht einmal die sterblichen Ueberreste eines großen, vom römischen Volke einst hoch verehrten und von der ganzen katholischen Welt innig geliebten Papstes läßt die Rotte, welche- die Piemontesen in Rom importirt haben, ungestört die Straßen passiren. Bereits hat der ofsiciöse Telegraph über den scan- dalösen Vorgang gemeldet, aber in einer Weise, die darauf berechnet zu sein scheint, den Verdacht zu erregen, als treffe die Schuld die treuen Katholiken. Wir finden nun in der englischen „Limes", die bekanntlich nicht in päpstlichen Diensten steht, ein längeres Telegramm ihres römischen Correspondenten, welcher Augenzeuge der schmachvollen Tragödie gewesen ist, und lassen diesen Bericht in der Uebersetzung folgen, damit man uns nicht sage, von katholischer Seite werde der Vorfall tendenziös gefärbt. Das Telegramm der .Times' lautet: „Das bloße Gerücht, daß der Leichnam
des verstorbenen Papstes Pius IX. (aus der Peterskirche nach San Lorenzo) sollte übertragen werden, hatte am 12. Juli den den ganzen Tag die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Gegen 11 Uhr nachts waren zu beiden Seiten die Straßen, durch welche der Trauerzug sich bewegen sollte, von einem Ende der Stadt bis zum anderen mit Menschen dicht besetzt. All die angesehensten Familien der Einwohnerschaft, die Männer mit ihren Frauen und Kindern, erwarteten draußen den Zug, — der St. Peters-Platz war gefüllt mit Menschen. An der der Sa« cristei von St. Peter und der St. Martha- Thüre nahe gelegenen Stelle de» Platzes hatte sich eine große Anzahl von Personen mit Fackeln versammelt. Einige Minuten nach Mitternacht erschien dort unter dem Thorweg ein Leichenwagen, bedeckt mit einem karmosinrothen sammtnen Leichentuch (unter welchem der Sarg Pius IX. ruhte), und von sechs Pferden gezogen; voraus fuhr rin einfacher geschloffener Wagen; vier andere folgten ihm, in welchem sich diejenigen Mitglieder de» Kapitels von St. Peter und andere befanden, welche den Leichnam in San Lorenzo zu übergeben hatten. (Unser römischer d-Correspondent schreibt uns, daß hierzu bestimmt waren Msgr. Folicaldi nebst dem Pfarrer von St. Peter, ferner als Repräsentanten des Capitels vier Kanoniker, die Geheimkämmerer des Papstes waren, Msgr. Ricci, Maggiordomo Sr. Heiligkeit, und die apostolischen Protonotare, welche den Act der Uebergabe der Leiche aufzunehmen
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Madel»«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers- Fortsetzung.)
„Ich kann r» nicht unbedingt sagen," antwortete Madelon, „oft langweilte ich ■ mich daselbst, aber die Schwestern waren mir sehr gut, und heute noch denke ich gern an da» stille friedliche Hau» zurück. Wir wissen nicht immer, wann wir wirklich glücklich sind," fügte sie mit einem tiefen Seufzer hinzu.
E» trat einen Augenblick lang Stillschweigen ein, während dessen Madelon ganz in Gedanken versunken zu sein schien, und während Alice, rin wenig durch die etwa» seltsame Schönheit und die liebenswürdigen Manieren ihrer neuen Cousine verführt, sie fortwährend in ihrer naiven Bewunderung betrachtete, wobei sie ihren Blick abwechselnd auf sie selbst und dann auf den Spiegel richtete, der in der That auch ein allerliebstes Bild brauner üppig wallender Haare mit weißen und rothen Tausendschön durchflochten, zurückgab.
„Woran denkst Du?" sagte Madelon plötzlich.
„Ich weiß es nicht," stammelte Alice etwas überascht; dann als ob ihr die Worte unwillkürlich entschlüpft seien:
„O Cousine Madelon, wie schön bist Du l' rief sie in ihrer kindlichen Begeisterung.
„Und Du, Du kannst so hübsche Dinge sagen," antwortete Madelon lachend.
Sie gab der Kleinen die Hand, und sie an sich heranziehend, umarmte sie diesilbe innig:
„Ich bin sicher, daß wir gute Freunde sein werden, nicht wahr?"
„Ja," antwortete Alice kurz, indem sie schüchtern und wie verlegen den Blick senkte.
„Und Du wirst mich Madelon nennen wie — Dein Onkel Horace —."
„Er hat mir gesagt, daß ich Dich so nennen, sollte," rief Alice aus.
„Daran hat er wohl gethan; gib mir immer diesen Namen. Morgen wirst Du mich Euren Garten sehen lassen und die Tausendschön, die Du so gut hegst und pflegst."
Bald war zwischen den beiden Cousinen ein enges Freundschastsbündniß geschloffen, und wenn Alice durch ihre Unterrichtsstunden abgehalten war, vertraten drei hübsche von Munterkeit und Fröhlichkeit übersprudelnde Kinder ihre Stelle, di« Madelon gleichfalls für sich eingenommen hatte und unter denen sie sich so gern bewegte, wobei sie mit einer Anmuth und einer Bereitwilligkeit, die diese wohl zu schätzen wußten, selbst an ihren ausgelassensten Spielen theilnahm.
hatten. Die Red.) Als dieser einfache Leichenzug auf den Peters-Platz kam, schlossen sich ihm die erwähnten Fackelträger, ungefähr 2000, an. Die Theil« nehmer am Zuge sprachen Gebete für den Tobten; aber kaum hatte der Zug die Hälfte des Weges bis zur Engelsbrücke zurückgelegt, als störende Elemente ihre Anwesenheit kund gaben. Einige Männer stimmten Volkslieder an zum Spotte der Betenden, und es erhob sich ein Geschrei feindseligen und beleidigenden Charakters. Jndeß — da» war nur der Anfang. Al» der Leichenzug die Strada Papale passtrte, nahmen diese Exceffe an Heftigkeit zu, und ich will gleich hinzufügen, wurden in dieser Weise den ganzen Weg unaufhörlich von einer Gruppe verübt, die ebenso schnell, al» sie an einer Stelle von der Polizei zerstreut wurde, an einer anderen wieder auftauchte und mit wachsender Kühnheit vorging. Man hat die Zahl dieser Personen verschieden geschätzt auf 40 und 100. Nahe bei der Piazza Venezia machten sie den Versuch, die Fackelrr zu löschen und riefen einen vorübergehenden Conflict hervor. Um noch größeren Störungen vorzubeugen, wurde ein kleiner Truppentheil längs des Weges aufgestellt, indeß umsonst. Der Cordon wurde durchbrochen und die Attentäter bewegten sich der Via Nationale entlang an der Spitze des Zuges unter Absingung des Garibaldi-Liedes! Auf der Piazza di Termine wurden Steine auf die Wagen hinter der Leiche geworfen. Hier versuchte die Polizei nochmals, einen Cordon zu bilden,
Eines Tages ging Merville, unwillig über den betäubenden Lärm, welcher unter i seinem Bibliothekzimmer ertönte, in welchem ; er gerade bei seiner Arbeit saß, eiligst hin« ; unter, um bei der Bonne Beschwerde zu | führen.
| „Um Himmelswillen, Catherine," sagte er, i, die Thüre zum Kinderzimmer halb öffnend, \ „sorgen Sie doch, daß dieser unerträgliche : Lärm aufhöre."
\ Aber er blieb erstaunt stehen, während ; das Spiel mit einem Male aufhörte. Er i sah Madelon, erröthend und verlegen mitten 1 unter ihren jungen Freunden stehen. Der \ kleine Knabe Edwy, saß rittlings auf ihrem | Rücken, während Lina und Jcanne an ihrem
Kleide hingen. Sie hatten ihr die Haare ganz in Unordnung gebracht, so daß sie ihr wirr auf die Schultern herabfielen.
„Ich bitte sehr um Entschuldigung," sagte Horace lächelnd, als er die Verlegenheit des jungen Mädchens gewahrte; ich dachte nicht daran, daß Du hier wärest."
„Ich muß Sie um Entschuldigung bitten," sagte Madelon; „ich hätte daran denken sollen, daß Sie so sehr beschäftigt sind und daß Sie uns hier hören können. Wir werden künftig ein wenig ruhiger sein."
Er betrachtete sie, ohne etwas zu erwidern. Eine leichte Röthe übergoß ihre Züge;