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Donnerstag, den 21. Jnli 188 l

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Phrase hatten sich ja auch zahlreiche kath. ! Philister, nicht wissend, war sie thaten, vor den Culturkampfrwagen vorspannen j lassen. Für die „Deutsche Einheit" hatten ! wir Deutschen Alle eben schon in unserer | frühesten Jugend geschwärmt — kein Wunder daher» daß dieser Wort wie ein Zauberschlag auf tausend Gemüther seine Wirkung ausübte. Kein Wunder aber auch, daß diejenige „Einheit", welche uns die Herren v. Bismarck, v. Bennigsen, Bam­berger und Comp. gegeben, sobald sie an ihren Früchten sich erkennen ließ, von gar manchem bayrisch-deutschen Patrioten nicht mehr als die Erfüllung des „Traums der Jugend" betrachtet werden konnte. Diese Ernüchterung mußte in Bayern naturge­mäß später eintreten als in Preußen. Tapfer, wie sie von jeher gewesen, wagten die „Culturkämpfer" die offene Schlacht gegen die katholische Kirche vorerst nur in einem überwiegend protestantischen Lande; in dem zu mehr als zwei Dritteln kath. Bayern sollte der Kampf zuvor mit ver­steckten Waffen geführt werden und dann erst wenn die Katholiken im Norden be­siegt, sollte der mörderische Streit im Süden beginnen, um so die Unterjochten aus jNord und Süd unter das einigende Dach der Nationalkirche unterzubringen. Hat man doch nicht einmal — nach Laskers offenem Geständniß — den „Culturkampf" in Preußen schon im Jahre 1869 zu be­ginnen gewagt, weil man sonst das über­wiegend katholische Süddeutschland vor der Vereinigung mit dem Norden miß- trauisch gemacht hätte. Es war ein po­

litischer Bauernfang, vu» ±out» v« ,,»w rale" Majorität des preußischen Abge­ordnetenhauses nicht zur Abstimmung über die von Gneist und den Logen veranlaßten Klosterflurmpetitionen schritt; aber der Fang war gelungen, denn sogar noch im Jahre 1875 gaben sich die Katholiken Bayerns nicht diejenige Mehrheit in ihrer Kammer, die sie trotz Wahlkreisgeometrie und sonstiger „liberal"-gouvernementaler Man­över hätten erzielen können. Das ist nun anders geworden. Bis hinauf zum Fuße der Alpen war es in den letzten Jahren den Bayern immer mehr zum Bewußtsein gekommen, daß sie nur eine Staffage für Bennigsens sandiges und sumpfiges Ber- linerthum abgegeben und nach dem national« vereinlichen Programm mit dem Juden . Lasker als Säulen im „Protestaiions- ; dome" des „evangelischen KaiserthumS" ! aufgestellt werden sollten. Deshalb haben sie ; sich ihrer Haut gewahrt und zwar so, daß : sie uns mit unter die Arme gegriffen ’ J haben. Denn ihr Sieg übt naturgemäß^ i einen Rückschlag auf die Pläne unfe j norddeutschen und Reichs-Culturkänip; ä aus, und doppelt erfreulich ist es, daß ge« j rade während der Hitze ihres Kampfes, : der Kanzler des deutschen Reiches sich auf i dem Schlachtfelde befunden und jo die Stärke j und Ausdauer der beiden Heere persönlich

zu beobachten in der Lage gewesen ist.

Deutscher Reich.

? * Berlin, 19. Juli. Von den die

Kaiserin behandelnden Aerzten, welche am 17. nach mehrtägiger Pause zu einer Con-

O Die Bedeutung des Wahlsieges der Katholiken in Bayern.

Das brave bayrische Volk hat durch sein neuerdings abgegebenes Plebiscit die schwachen Hoffnungen, welche unsere so be­drängten Culturpauker noch hegen konnten, vollends zu Schanden gemacht. Das ist die hauptsächlichste Bedeutung der soeben vollzogenen bayrischen Landtags- resp. Wahlmännerwahlen. Die ehemaligen Cul­turkämpfer von Profession suchen sich zwar an dieser ihnen unliebsamen Wahrheit vorbeizudrücken und bemühen sich, das ihnen unbequeme Wahlresultat auf allerlei vom Culturkampfe abseits liegende Motive zu­rückzuführen, z. B. auf die vermeintlich unpopuläre Wirthschaftrpolitik des Reichs­kanzlers, auf den „Scheinliberalismus" der Herren v. Schauß und Völk und was dergleichen zur Beschwichtigung ihrer selbst erfundene Redensarten mehr sein mögen; da sie aber zugeben, daß es die „Ultramontanen" sind, welche einen „glänzenden Sieg" erfochten haben, so wollen wir die Strohhalme nicht weiter untersuchen, mit der sie ihre sinkende Re­putation über Wasser zu halten sich an- strengen. Wir können davon um so mehr Abstand nehmen, als sie sich zu dem Ge­ständnisse verstehen, daß das „nationale Be­wußtsein" in Bayern in der Abnahme be­griffen sei. Dieses „nationale Bewußtsein" ist es ja eben gewesen, welches in den ersten Jahren des neuen deutschen Reiches den „Culturkampf," wie ihn die „Liberalen" ersonnen, zu einer Retchsinstitution gemacht hatte und im Banne der „nationalen"

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Madelon.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers' j (Fortsetzung.)

„Auf Marie!" rief der Doctor aus; „aber < weiß er denn nicht, daß sie mit Horace ver­lobt ist?"

„Eigentlich zweifle ich daran," antwor­tete Madame Vavassour; „die Sache ist ganz geheim gehalten worden; und außer uns, der Tante Adelaide und Fräulein Linders , weiß Niemand das Geringste davon und wenn Marie Herrn Norris nicht über die Sache aufklärl, so weiß ich wirklich nicht, i wer dies übernehmen soll."

„In diesem Falle wäre Marie sehr zu tadeln, und ich hätte große Lust, ihr zu sagen —"

„Ich denke," sagte Madame Vavassour, „daß es brsser sein wird, sich nicht darum zu kümmern. Marie ist alt genug, um wis« sen zu können, was sie thut; übrigens wird Horace in einigen Tagen hier sein, um seine Interessen wahrzunehmen."

„Eigentlich verstehe ich die Sache noch nicht recht," rief der Doctor aus. „Sollte Marie Norris wirklich erlauben, ernstlich um sie zu werben? Ich glaubte, daß schon eine tiefe Zuneigung zwischen ihr und Horace vorhanden sei!"

„Es war auch in der Thal so," antwor­tete Madame Vavassour, „damals als Ho- | race nach seiner Rückkehr aus der Krim in den Augen Marie's in dem Glanze eines Helden da stand, und als er seinerseits be­reit war, stch in das erste beste Mädchen zu verlieben, das ihm begegnete; aber das ist eine alte Geschichte, und seitdem sind sie einander sehr entfremdet geworden."

„Nun dann mögen Sie sich wieder nähern," meinte der Doctor; „so bald als möglich wäre das Beste."

„Ich zweifle sehr daran," antwortete Ma­dame Vavassour, „daß jemals wieder eine Annäherung zwischen ihnen stattfinden wird; sie gehen in ihren Ansichten und in ihrem Charakter ganz auseinander. Marie hat große Vorzüge, aber nicht solche, wie eine Frau Horace'S sie haben müßte und ich meinestheils würde mich sehr freuen, wenn es mit diesem unglücklichen Verhältnisse zum Bruche käme."

„Gut; aber Marie? Würde Marie's Zu- kunft nicht ganz zu Grunde gerichtet?"

„Sie wäre ja noch immer ungehindert, Herrn Norris zu heirathen, wenn sie wirk- ltche Zuneigung zu ihm hegt; indeß wie dem auch sein mag, ich werde noch heute Abend an meine Tante schreiben, und ich

werde sie bitten, uns Mademoiselle Linders auf einige Zeit anzuvertranen."

„Schön, lade Mademoiselle Linders ein; wenn Horace sich erst in sie verlieben würde, so würden alle Schwierigkeiten gehoben sein; aber man wird allerdings daran kaum denken."

Damit ging der Doctor, um sich zum Diner umzukleiden.

Als Madeleine in Westbury an langte, sah sie sich in eine für sie ganz neue Welt versetzt. Auf die Einsamkeit und die öden Gegenden Cornwallis' mit seinen Aussich­ten auf das Meer, die Berge und das Fir­mament, auf die strenge und eintönige Le­bensweise im Hause zu Westminster — auf alles dies folgte der reizende Anblick eines englischen Dorfes, das mitten in lieblichem Gebüsch, zwischen Wiesen und Ackerfeldern lag, dazu eine Häuslichkeit, die von Mor­gen bis Abends von den Spielen und der Munterkeit einer Menge von Kindern belebt war.

Besonders mit den letzteren machte Made­lon in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes Bekanntschaft. Madame Vavassour brachte ihr den wärmsten Empfang entgegen; aber die Sorge für ihre große Haushaltung ließen ihr nur wenige Mußestunden übrig; Miß Leslie war mit ihren Unterrichtsstunden in der Schule und ihren Besuchen in den Hüt-