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Mittwoch, »en 20. Juli 188i
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Die Änihaet Reitunfl* ericüemt fc äai id), Sonn» unv Sreittiaae ausgenommen. Man abonnnr 1 gegen BorauödeKahlung zu Autdjk '«der Sxpedition^uttermarkt Nr. 112,auswärts bei dm PoMmtern. Der vierteijährliche Abonnementspreis bet,ägtaMchUeßlichSring-rlohntn Fulda nne Mark und 6@ R,Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bet dm Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg-, ins Hau« gebracht 1 Mart SO Pfg. Li, .tllustrirtrn Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Pfg-, auswärts am Postschalter 25 Pfg., ins HauS gebracht OP,g Inserate: Die Betitreile oder deren Raum 50 Pf»., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
ö Aus der Frankfurter Ausstellung.
(Schluß.)
Viele Ausstellungsgegenstände befinden sich außerhalb des eigentlichen Patentaus- stellungsgebäudes in Pavillons oder sonstigen entsprechenden Gebäulichkeiten. Auf einer unserer Wanderungen über den Ausstellungs- platz kamen wir vor eine Gebäulichkeit, auf der 2 hohe Maste sich befanden, zwifchen denen ein großes Segeltuch mit der Aufschrift: „Allerneueste Erfindung" befestigt war. Wir waren hier vor der Herberge der bereits von der ,Fuldaer Ztg.'erwähnten patentirtcn Schulbank. Wir treten ein, zugleich mit uns ein anderer Herr, seinen Aeußerungen nach ein Fuldaer Schulmann. Der Erfinder dieser allerneuesten Schulbank gibt uns mit größter Bereitwilligkeit die nöthige Erklärung über diese nach seiner Meinung unübertreffliche Erfindung. Was sehen wir? Eine zweisitzige schwarzlacklite Subsellie. Und worin bestand daran die allerneucste Erfindung? Einfach darin, daß die Sitzbank, sowie das Bänkchen zum Auf- stellen der Füße aus mehreren durch hölzerne Stifte zusammengehaltenen Brettchen bestand, von denen, um dem fortschreitenden Wachrthum der Schulkinder Rechnung zu tragen, von Semester zu Semester ein Brettchen herabgenommcn wird. Dos Brett zum Auflegen des Schreibheftes kann, wenn die Schreibstunbe kommt, mittelst einer angebrachten Mechanik um Handbreite zurückgeschoben werden, worauf am obersten Ende der Auflage das Tintenfaß, welches um nicht umgestoßen werden zu können, in eine
, Vertiefung eingesenkt und stark befestigt ist, - zum Vorschein kommr. Im Rücken der l Sitzbank, und zugleich die Rücklehne bildend, e ist ein verschließbares Schränkchen ange> $ bracht, das für die Bibliothek eines Schul- i jungen gewiß allzu geräumig ist. Tiefes s die allerneueste, als unübertrefflichste Elfin- l düng angepriesene, Schulsubsellie. Da wir 1 beiden Beschauer für diese amoviblen Sitz- ? und Fußbrettchen uns durchaus nicht be- I geistern konnten, auch bezüglich der ganz l senkrechten Stellung der Rücklehne, sowie l ferner hinsichtlich der allzugeringen Distanz 1 zwischen dem Schreibbrett und der Rücklehne, l derzufolge das Kind beim Schreiben eine | allzusteife, gar zu unbequeme Haltung anzu- \ nehmen gezwungen ist, unsere Bemerkungen I machten, und insbesondere noch hervorhoben, \ daß in großen einklassigen Schulen diese $ Erfindung gar nicht zu verwerthen sei, in- j dem sonst ganz unermeßliche Schulsäle er« j forderlich wären, hatten wir alsbald das - Wohlwollen des Erfinders und Ausstellers - verscherzt, wurden keines weiteren Wortes I mehr gewürdigt und durften noch froh sein, l ohne Ausfälle auf unsere ersichtliche Bor- | nirtheit uns entfernen zu können. Wahr- ’j lich, so sagten wir zu uns selber, als wir ? aus dem Bereiche des Erfinders der aller- \ neuesten, unübertrefflichen Schulsubsellie waren, bezüglich des Schulwesens wird in f der Neuzert doch allzuviel und allzugroßer - Humbug getrieben. 17 Jahre lang saßen . wir auf Schulbänken alter Construction, ; und haben hinsichtlich unserers körperlichen | Wachsthums dadurch nicht den geringsten Schaden genommen, wir glauben vielmehr,
daß wir in Bezug auf Körpergröße und Leibesumfang das normale Maß überschritten haben. Während unserer Elemen- tarschuljahre wurden wir auf so eine Schulbank alter Construction hie und da von unserem Lehrer auch übergelegt, und auf der verkehrten Fronte gehörig abgewandelt; auch dies hat uns nlchis geschadet und trug vielmehr, wie wir fest glauben, selbst zu Stärkung des Geistes bei. Die Neuzeit aber macht mit Schulplänen und Lesebüchern, Schulsälen und Subsellien unablässige Experimente, und doch hat die moderne Pädagogik in den Augen aller Vernünftigen längst schon glänzendes Fiasco gemacht. Diese Ausstellung an der patentirten Schulsubsellie möchle vielleicht die einzige sein, die wir an der ganzen Frankfurter Ausstellung zu machen hätten.
Inzwischen war es 6 Uhr Abends geworben, die Ausstellungsgebäude und Pavillons werden sämmtlrch geschloßen, nun aber ward uns noch ein köstlicher Ohren» schmauß zu Theil. Die Musikcapelle hatte bereit» ihre Production begonnen, und eben trug ein Trompeten-Virtuose, begleitet von dem Orchester, einen Solo vor. Man sollte es nicht sür möglich halten, daß auf diesem Instrumente eine solche Virtuosiläl zu er- reichen, daß einer Trompete solche Töne voll Schmelz zu entlocken wären. Lautlos lauschte die Menge, wohlverdienter reicher Beifall lohnte am Schlüße .den Virtuosen. — Nun verließen nur den Ausstellungsplatz, um am folgenden Tage nach Besichtigung des Domes, der Liebfrauenkirche und des Thiergartens aus dem stnneverw'rren-
64 Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. [ (Fortsetzung.)
„Gedenken Sie sich nächstens zu heirathen?" frug Madame Treherne Horace etwas un- i vermittelt, nachdem Madelon der Saal ver- z laßen hatte. „Habens Sie bereits irgend einen bestimmten Entschluß hinsichtlich Ihrer f zukünftigen Lebensstellung gefaßt? Wo werden Sie sich niederlaßen?" i
„Viele Fragen auf einmal," sagte Ho- - race lachend. „Jndeß sollten Sie wirklich I keine Antwort auf diese Fragen, wenigstens \ auf eine derselben, wißen? Doctor Vavas- s sour hat mir das Anerbieten gemacht, sein Aflocis zu werden." s
„Und Sie haben auch occeptirt?"
„Noch nicht. Er hat mir ein halbes Jahr J Bedenkzeit gegeben. Bis dahin werde ich - mich mit der Veröffentlichung meiner Reise- Erinnerungen beschäftigen und mich — ein wenig ausruhen." V
„Es scheint mir nicht ganz recht zu sein," s sagte Madame Treherne, „daß Sie mit den Talenten, wie Sie sie besitzen, gehen und : sich in einem Dorfe einnisten wollen. Sie ■ könnten meiner Ansicht nach doch vielleicht j etwas Besseres als dies thun!"
„Ich weiß dies wohl," sagte er seufzend, :
„Jndeß bietet sich mir für den Augenblick nichts Anderes, und ich kann gewiß auch nicht fortwährend durch die Welt umherirren, schon meine Gesundheit würde mir dies nicht erlauben, und Marte würde sich schwer darin zurechlfinden können, sie kann sich in keiner Weise mit dem Gedanken vertraut machen, Westbury verlaßen zu sollen, und träumt seit Jahren nur von Einem: mich als Associs des Dockors zu sehen. Eine Weigerung meinerseits würde ihr sicherlich einen wahren Kummer bereiten; ich kann es nur als gerecht bezeichnen, ihr diesen zu ersparen, und auf das Reisen zu verzichten, um mich fest und dauernd niederzulassen."
Merville sank darauf in ein nachdenkliches Stillschweigen. In raschem Sprunge flogen seine Gedanken weit weg über Länder und Meere, um sich wieder mitten in jenes freie, wechselvolle bunte Leben, mitten in jene großartigen, wilden Scenerien zu versetzen, an welchen er sich so sehr ergötzt hatte. Er war freilich nicht wenig glücklich, daß er sich wieder in England befand; aber es widerstrebte ihm doch, sich an die Einförmigkeit eines Lebens auf einem Dorfe, wo er aller Freiheit beraubt sein würde, zu binden. Neue Gesichtskreise eröffneten sich ihm, neues Licht ging für ihn auf, das ihm immer klarer seine Fähigkeiten und seinen eigen t«
. lichen Beruf zeigte, und er begriff, obwohl i zu spät, daß er einen schweren, vielleicht \ nicht mehr gut zu machenden Fehler be« i gangen hatte, als er sich in ein näheres i Verhältniß mit einem Weibe einließ, das \ mit seinen Neigungen und seinen Ansichten nicht übereinstimmte und auch nicht sich damit in Einklang zu setzen suchte. Liebte sie ihn übrigens wirklich, diese Frau — und liebte ' sie ihn so sehr, daß das Opfer, welches er bringen sollte, dieser Liebe entsprach? War auch nur einige Aussicht auf Glück und Zufriedenheit in Verbindung, die er eingehen sollte? Schon früher waren ihm solche Gedanken gekommen — aber er Halle sie immer zurückgewiesen. Jetzt traten sie immer wieder und gebieterischer hervor. Welch" ein Mangel an Wärme und Begeisterung, als sie sich nach einer solch' langen Trennung wiedergesehen hatten! Nur allzu deutlich hatte er die schlecht verhehlte Gleichgiltigkeit, diese Verlegenheit, diese vergeblichen Bemühungen, den Zwang und die Lange- weile aus ihren Unterredung zu bannen, bemerkt. War es die Zeit und räumliche Entfernung, welche diese Veränderung bewirkt hatten, oder war von Anfang an zwifchen ihnen nicht das rechte Einverständ- niß vorhanden gewesen? Selbst damals hätte sich Merville nicht eingestanden, daß