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Dienstag, den 19. Jnli UlHx
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ä Aus der Frankfurter Ausstellung.
„Geh' und sieh'," möchten wir Jedem zurufen, der für diese Ausstellung auch nur einiges Interesse in sich verspürt. Menschlicher Erfindungsgeist und menschliche Kunstfertigkeit feiern hier einen großen Triumph, es ist diese Ausstellung ein großartiges Spiegelbild unserer jetzigen Culturstufe. Unmittelbare Beziehungen zu der überirdischen Bestimmung der Menschheit möchten zwar dort wohl kaum zu entdecken sein; allein der wahrhaft Christgläubige weiß, daß es auch nicht ein einziges Ding in der Welt gibt, das nicht, wenn auch unbewußt, vielleicht selbst widerwillig, dem letzten und höchsten Ziele der Menschheit dienen muß, und so wird auch das christgläubige Ge- müth in den gewaltigen Ausstellungsräumen sich erhoben fühlen, wenn es auch bei den Millionen ausgestellten' Gegenstände'un- mittelbare Anklänge an Gott und Ewigkeit vermissen muß. Unwillkürlich müssen ja all' diese Erzeugnisse menschlichen Erfin- dungsgeistes und menschlicher Kunstfertig« k?it an Gott, als den Schöpfer des Menschen, erinnern, der Mensch ist aber wie v on so auch für Gott geschaffen, und sollen alle ihm von Gott verliehen geistigen und körperlichen Fähigkeiten nur seinem höchsten Endziele dienen. Immerhin wird es aber Einem wehmüthig um's Herz, wenn man, nachdem man Tags zuvor auf dem Ausstellungsplatze Hunderte von Menschen sich heiteren Lebens herumtreiben sah des anderen Morgens kaum vereinzelt eine fromme Seele
Madelon» ob
Nach dem Französischen von I. Rüttgers' (Fortsetzung.)
Gegen Ende eines düstern Märztages war es, wo Merville, nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte bei feiner Schwester an dem Hotel der Madame Treherne anlangte, in dem Westminister-Viertel. Er wollte cs sich nicht recht eingestehen, und doch war es so: Madelon nahm in diesem Augenblicke alle seine Gedanken in Anspruch. Hätte er selbst von ihr keinen Brief und keine Nachricht erhalten, so hätte er doch niemals das kleine Mädchen vergessen können, welches er zwei Mal in der Stunve der Betrübniß und der Gefahr aufgerichtet und beschützt hatte, und welches in seiner rührenden Einfalt aus Liebe und Zuneigung zu ihm mit so großer Ausdauer und Hingeb» ung die Ausführung eines mit so vielen Hindernissen der mannigfaltigsten Art verbundenen Unternehmens verfolgt hatte. Diese Erinnerung rührten ihn fast zu Thränen; er stellte sich Madelon vor, so wie er sie vor seiner Abreise nach der Krim gesehen hatte: ein hübsches bleiches Gesichtchen, blonde lockige Haare und ein einfaches schwarzseidenes Kleid; das war das Bild, io w e er sich allmählich in feiner Phantasie eingegraben hatte.
findet, die entweder im Dome vor dem SacramenthäuSchen kniet oder in der Liebfrauenkirche vor dem Bilde der schmerzhaften Gottesmutter betet. Doch wir .wollen ja von der Ausstellung reden.
Das Arrangement ist großartig, nach Außen und im Innern. Das Areal, auf welchem die Ausstellungsgebäulichkeiten, die vielen Pavillons, (Safes und Restaurants sich erheben, ist so umfangreich, daß ein großes Dorf mit vielen hundert Seelen, ja selbst ein ganzer Stadttheil darauf errichtet werden könnte. Schöne breite Wege gleich Straßen durchschneiden nach allen Richtungen die mit saftigem Grün und schattigen Bäumen bewachsene und darum stets auch eine erfrischende Atmosphäre cmshauchende, weithin ausgedehnte Fläche; vor dem Patent- Ausstellungsgebäude eine schöne große Terrasse; zwischen ersterem und dem ihm gerade gegenüber liegenden Gebäude für die balne- ologische Ausstellung zieht sich aber ein Wiesenteppich hin, dessen prachtvolle Schönheit aller Beschreibung spottet. In schwung- Hafter Sprache suchte bereits ein Artikel der ,Fuld. Ztg.' die große Schönheit dieses Wiesenteppichs zu schildern, allein Worte reichen hiezu nimmer mehr aus. Wenn man von der erwähnten Terrasse oder vom Balkon des Patent-Ausstellungsgebäudes aus diesen Wiesentepp ch betrachtet, meint man es seien in den buntesten Farben gestickte Teppiche über den Boden ausgebreitet, oder es seien diese bunten Teppiche in die Wiesenfläche hineingestickt. Schon hier gilt das Eingangs ausgesprochene Wort: „Geh' und i sieh!" !
Treten wir ein in die Patentausstellung! In beinahe endloser Länge ziehen sich die Säle mit ihren einzelnen Abtheilungen hin, in denen sich die brillantesten Ausstellungs- Gegenstände in unüberschaubarer Menge an einander reihen. Um von deren Besichtigung den vollen Genuß und entsprechenden Nutzen zu schöpfen, müßte man eigentlich vollendeter Kunstkenner sein und ein gewisses Maß von technischen Kenntnissen besitzen» was insbesondere bei der Abtheil- lung für Maschinenwesen gilt. Weil aber gewiß nur wenige Beschauer diese Kenntnisse besitzen, darum steht man auch die große Masse manche Abtheilungen in aller Eile durchwandern und auf viele Gegenstände nur flüchtige Blicke werfen. Die stolze Dame verweilt höchstens einige Augenblicke länger bei den verschiedenartigen reichen Confections-Artikeln, der vornehme Cava- lier bei den schmucken Landauern, und Phaötons, der Liebhaber comfortabler Einrichtungen bei den prächtig ausgestatteten Wohn-, Speis« und Speisezimmern, der Leckermund sieht vielleicht längere Weile der Bereitung der Chocolade, der Goumand der künstlichen Brut und Mästung der Hühner zu; selten aber wird man Jemand gewahr, der einzelne Gegenstände mrt auf« merksamer Kennermiene prüft. Es ist aber auch der Ausstellungs-Gegenstände eine so große und verschiedene Menge, daß man an einem einzigen Tage in den Ausstellungsstunden von Morgens 6 bis Abends 8 Uhr unmöglich mehr als flüchtige Blicke und : selbst auch diese nur auf einzelne Thecke : der Ausstellung werfen kann. Anderseits
„Der Herr waren erst mit dem letzten Zuge erwartet," sagte der alte Diener, welcher ihm öffnete; „das Diner wird sogleich servirt werden und die Damen find wahrscheinlich im Salon."
Zu gleicher Zeit geleitete er ihn zu einem auf der ersten Etage gelegenen Gemach, das auf den Park hinausging. Bei dem röth- licherr Scheine des Kaminfeuers konnte er die mit Gemälde geschmückten Wände, ein Damast-Meublement, ein Piano und sodann noch die mit Hy-rcinthen und Crocus gefüllten Blumentische, welche vor den Fen- stern standen, unterscheiden. Wenige Augenblicke darauf schoben sich die Vorhänge, die einen Eingang dem Kamine gegenüber darstellten, auseinander und ein junges Mädchen erschien. Sie bl'eb zuerst stehen, als sie die Anwesenheit eines Fremden wahr« nahm. Dann nachdem sie sich einige Augenblicke stillschweigend angeblickt:
„Herr Horace!" rief sie mit dem Ausdruck des höchsten Erstaunens aus.
Er sah eine junge schlanke und anmuthige Person mit einem weißen Mouffelinkleide angethan vor sick, und zwei offene Arme streckten sich ihm freudig entgegen, um ihn zu umarmen, während zwei braune Augen vor Freude strahlten; das frühere Bild verschwand mit einem Male, und unter der
Veränderung, welche mit ihr vorgegangen war, erkannte er Madelon.
II.
In den ersten Tagen nach feiner Ankunft in London war Horace durch Besuche bei ' Freunden, durch Einladungen der mannig- ; faltigsten Art und durch tausenderlei andere i Dinge ganz in Anspruch genommen; kaum * daß er beim Frühstück seine Tante zu Ge« i sichte bekam.
। Eines Abends indeß, als er früher wie gewöhnlich nach Hause gekommen war, fand l er die Dame noch im Salon am Feuer l sitzen. Das Gespräch wurde bald lebhaft; i Horace kam natürlich sogleich aus feine Reise- | abenteuer zu sprechen, wobei er fein Reise- j tagebuch zu Hilfe nahm, aus welchem er ’ eine ganze Reihe der interessantesten Emzel- i heilen vorlas, indem er die einzelnen kur- | zen Aufzeichnungen durch nähere mündliche s Erläuterungen klarer und deutlicher zu machen i suchte. Madame Treherne befaß in hohem > Grade die Gabe zuzuhören; geschickt wußte 5 sie an der richtigen Stelle eine Frage ein« - zuschalten, und sie war auch soweit gebildet, \ daß es der Mühe werth war, ihr noch weitere ; Auskunft zu geben. Madelyn hielt unter ’ der freiesten herzlichsten Bewunderung ihren : Blick fest auf den Erzähler gerichtet und verschlang jedes seiner Worte.