JVi. 161
Sonntag, den 17. Juli 188-
)
n
7
t.
läßt es an auf diesem acht Tagen wo wir den
Aufmunterungen nicht fehlen, Wege voranzuschreiten. Seit befinden wir uns in London, ganzen Winter zubringen wer« Tante beabsichtigt jedes Jahr
>e •t !4
l I
L
ein heilsamer Thau auf die Gluth ihrer Natur, und die strahlende Klarheit derselben
schürte Kampf gegen die Kirche trägt doch mindestens so viel zur Untergrabung des christlichen Glaubens im Volke bei, als die
welche sonst den Kindern ihres Alters eigen zu sein pflegt; übrigens aber sehe ich gar keinen Fehler an ihr, den ich ihr vorwerfen könnte. Die arme Seele! Sie hat eine Neigung zum Guten, die überraschend ist,
int Parlamente sucht Eugen Richter sich zwar von dem Vorwurf rein zu waschen ein „Culturkämpfer" zu sein; wenn die Leute aber unter sich sind, dann donnert
verscheuchten allmählich stufenweise die Finsternisse, womit sie auf allen Seiten umgeben war. Vermöge dieses Lichts erschien ihr die Vergangenheit mit ihren schmerzvollen Erinnerungen unter einem ganz anderen Gefichtspuncte; aber sie sprach sich darüber vor Niemand offen aus, nicht einmal Horace gegenüber, der ja übrigens auch, das fühlte
gen promenircn.
„Ich hoffe, daß Sie uns so oft als möglich schreiben werden; Ihre Briefe bereiten mir immer so große Freude; ich denke mir so gerne die fernen Länder, in welchen Sie jetzt umherreisen, und die auch ich gerne sehen möchte. Ich weiß nicht, wie man es aushalten kann, immer an einem und demselben Orte zu leben, da doch die Welt so groß.ist und so viele
Z Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Schreiben eines Centrumsmannes.
Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
„Ich arbeite viel," schrieb sie ihm in diesen ihren kindlichen Correspondenzen, „meine Tante Adelaide findet, daß ich in meinen Studien Fortschritte mache, und
diesem Ereigniß mit einer gewiffen Beweg- I ung, und nennt es den großen Tag."
In der That bildete dies die Morgen- röthe eines neuen Lebens für Madelon. Schon hatten im Kloster zu Lüttich die Mittheilungen aus der katholischen Religions- \ lehre, welche die Schwestern ihr gemacht
den; meine _ .
um diese Zeit dorthin zu gehen. Das Haus welches wir bewohnen, liegt in dem Westminster-Viertel, nicht weit von der Abtei, welche wir zusammen besucht haben. Nach bet einen Seite geht es auf die Straße, .ach der anderen auf den Park von St. James hinaus, in welchem wir jeden Mor«
er: „Nieder mit der Heuchelei des Pfaffen- thums!" Wenn die Officiöfen dem Fortschritt einen „festen kirchlichen Standt- j punct" absprechen und ihn beschuldigen, z „eine Partei zu stärken, deren Wege noch-
Je trüber wir in die Zukunft blicken, um so fester müssen wir zusammen stehen. Es fehlt den deutschen Katholiken — Bayern leider ausgenommen — zwar nicht an Einigkeit, und keine Partei kann den . „ . . -
Reichstagswahlen so getrost und Zuversicht- wendig dahin führen, den christlichen lich entgegensehen wie wir; allein so lange l Glauben im deutschen Volke zu unter« das Centrum, trotz seiner Stärke auf sich « graben," so ist das allerdings sehr richtig, allein angewiesen ist, so lange in wichtigen 8 nur wundere ich mich über die Nnver« Fragen die Conservativen mit den Libe- | frorenheit der Osficiösen, die den Splitter ralen gehen, ist an wesentliche Aenderung im fortschrittlichen Auge sehen und den der bestehenden Zustände nicht zu denken, z Balken im eigenen Auge nicht gewahren. Hatte doch die .Kreuzztg.' das Organ des l Der unselige, auch von den Officwsen ge« Cultusministeriums, die Stirn, uns jüngst 3 " £ 4‘"
»; :c.
25
:r
und sie zerren und reißen daran, wie Hunde an einem festen Knochen; mehr Verstand bekundete der französische Minister, der sich äußerte: „Leo XIII. hat sich in seiner Enc yklika als der beste Politiker erwiesen, der seit 300 Jahren auf dem päpstlichen Throne gesessen." Ob das wahr ist, will ich dahin gestellt sein lassen, aber das fleht fest: wenn die Völker auf dem Standpunct der Kirche und des katholischen Glaubens stehen, dann gibt's keine Revolutionen und Fürstenmorde; wenn die von Gott herstammende Autorität der weltlichen Gewalt eben deshalb respectirt wird, weil sie von Gott herrührt, dann sind die Staaten fester gegründet, als wenn die revolutionäre und naturalistische Volkssouveränetät verhimmelt wird. Das Wort des hl. Vaters, kurz vor dem neuen Attentate in Washington geschrieben, ist ein ernstes Mahnwort an die Fürsten, — möchte es allseitig« Beachtung finden!.....Heutzutage, wo das Ver
unglimpfen der katholischen Kirche Modesache geworden; wo jeder dumme Junge in Eisenbahncoupoe's, an Biertischen und in Zeitungen seine „Bildung" damit docu- mentircn zu können glaubt, daß er über den Papst und die Religion her fällt; wo in Preußen noch Priester vor Gericht gestellt werden, weil sie eine Mission abgehalten haben; wo in Belgien die Loge mit rücksichtsloser Brutalität gegen die Katho- lrken vorgeht, — da thut es Einem wohl, aus dem Munde von Ministern einmal vernünftige Ansichten zu hören. So sagte der Minister Barthelemy-St.-Hilaire in Paris am 5. d., als man freilich vergebens, wenn man bedenkt, wie ihre Erziehung gewesen ist, und ich glaube ihr auch keinerlei Hinderniß in den Weg legen zu sollen, daß sie die Uebungen ihrer Religion pünctlich hält. Binnen drei Monaten wird sie zur ersten Communion gehen, zu welcher sie sich eben vorbereitet, indem sie am Katechis- musunterrichte theilnimmt; sie spricht von
pflückt habe."
Ihrerseits schrieb Madame Treherne:
„Madelon macht große Fortschritte; sie ist sehr gewachsen und gleicht jeden Tag immer mehr ihrer Mutter, ohne jedoch den zarten Glanz ihrer Hautfarbe zu besitzen. , , - • . -
Ich hege das Vertrauen, daß die traurigen f hatten, wenn sie auch bei einem noch so Ereignisse ihrer Vergangenheit ihr allmäh- ungenügend vorbereiteten Terrain noch nrcht lich aus dem Gedächtnisse schwinden werden. | tiefet eindringen konnten, doch immerhin Wir sprechen niemals davon, und sie ist s mehr als ein Mal die religiösen Fiber bei durch ihre verschiedenen Beschäftigungen | ihr erzittern gemacht; jetzt fielen stemme
so sehr in Anspruch genommen, daß sie, ' r """......£ 111
so hoffe ich, gänzlich aufgehört hat, diesen traurigen, düsteren Erinnerungen nachzuhängen. Vielleicht fehlt es ihr noch einigermaßen an Munterkeit und Lebhaftigkeit,
| Irreligiosität und der Jndifferentismus der Liberalen und des Fortschritts.
Daß unsere Politik eine velfahrens ist, hin und her schwankt und bis in die Wurzel hinein krankt, brauche ich als Centrumsmann nicht zu sagen, darüber ist alle Welt sich einig. Auch daß unsere Zustände tröst« M" sind,' und die Regierung die Existenz l des Reiches gefährdet glaubt, geht daraus l hervor, daß sie das Socialistengesetz mit 1 eiserner Schärfe handhabt; sagte doch die >; Kaiserin einmal: „Wenn ich Berlin betrete, 5 glaube ich auf einen Vulcan zu treten." I Woher das? Der Papst hat in seiner l neuesten, herrlichen Encyklika die Antwort 'i darauf gegeben. Den Liberalen ist dieses ' welthistorische/Actenstück natürlich unbequem herrliche Sachen zu sehen sind. Meine Tante Adelaide würde ihrerseits noch lieber Cornwallis niemals verlassen, und es ist wirklich ein Beweis großer Güte, den sie mir gibt, daß sie nach London kommt, nur, damit ich Unterricht nehme und meinen Studien obliegen kann.
„Ich schicke Ihnen eine kleine Blume, welche ich in meinem kleinen Garten ge«
" Nuldaer Heituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Bormesbezahlung zu Fulbjct
z» bet Lxp-dition,Butt-rmarkt Nr. 112,auswärts bei dm Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementspEbstkägtauÄchtt-ßlichÄrrngerohnm Fulda ^neMarkund i sro 7A apf »gHSm&rfS Sei t bei bet ttbflvbdit 1 3Äötl unb 50 in» HAUS geokAchk 1 iZut« 8.) H.
Di« ,'illustrirten SonntagSMtter' der Fuldaer Zeitung losten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg-, auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Di« Petitreile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Ra>a.t.__
noch zu sagen, das Centrum habe wenig Aussicht auf organische Revision der Maigesetze, wenn es die Hand der Negierung nicht bereitwillig und ohne Rückhalt annähme! Also erst soll das Centrum willenlose Regierungspartei werden, dann wird man auch vielleicht an den Maigesetzen wieder elwas herumflicken! Das Schachern ist aber einmal unsere Sache nicht, und noch weniger Lust haben wir, in der Knoblochsauce herumzuschwimmen. Das Schicksal der Nationalliberalen ist eben nicht verlockend. Und mit solchen Leuten, die eine derartige Zumuthung an das Centrum stellen, geht der Abg. Cremer Hand in Hand! Die Liberalen hassen uns, und so uneins sie auch unter sich sind, so geschlossen treten sie ein, sobald es gegen Rom geht. Der Fortschritt ist nicht besser;
62