Fuldaer
Centrumsverein sind allerdings gut genug, daß unsere Parteiblätter dem Volke von einer Spaltung des Centrums etwas vor- faseln können, aber unsereins glaubt doch an solche Märchen nicht. Nun lese ich in den tonangebende» Organen unserer Par» tei, alle liberalen Elemente sollten gemeinsame Front gegen das Centrum und die Conservativen machen. Das isi schön gesagt, aber das Wort „gemeinsam" hat doch so seine Haken. Zu den Liberalen gehören auch die Fortschrittspartei und die Secessionisten. Soll ich nun bi» nach den Wahlen fortschrittlich - secessionisiisch - nationalliberal
widerstrebt mir, Dich einem Leben der Ent- behrungen und der Sorge auszusetzen, obwohl ich weiß, daß wir Beide wohl den Muth haben würden, alle Widerwärtigkeiten des Lebens nöthigenfalls standhaft zu ertragen."
„Ich werde nach England zurückkehren, sobald ich eine günstige Stellung für mich finden werde, das heißt, wofern Du es nicht vorzichen solltest, zu mir hierhin zu kommen. Was hälft Du davon? Wir könnten uns ganz comfortable hier in Peru oder Mexiko niederlasien; Du würdest dort die reizenden Spanierinnen kennen lernen, die Dich lehren würden, ihre Cigaretten zu rauchen, den ganzen Tag zu schlafen und die ganze Nacht zu tanzen. Von Zeit zu Zeit würden wir dann eine Reise machen, so wie ich sie jetzt unternehme, die durchstchtigen, klaren Master irgend eines Flüster in leichter Pirouge durchschneiden und die jungfräulichen Wälder mit ihrer reichen, exotischen Vegetation, ihren mannichfaltigen Thieren und den unzähligen Legionen von Muskitos, die nicht verfehlen würden, Dich bei lebendigem Leibe bei jeder Gelegenheit anzufresten, durchwandern. Meine arme Mary! Ick sehe Deine - betrübte Miene schon im Geiste. Nein, fürchte
ehe ich Dir nicht dafür ein anderes verschaffen kann. UeberdieS gedenke ich eine kleine Beschreibung meiner Reise zu veröf- fentlichen, an deren Hand Du dann alle meine Erlebniste und Abenteuer verfolgen und meine Gefühle thcilen kannst."
Die Antwort Marie Leslie's zeigte Mer- ville, daß ste hinsichtlich des Zeitpunctes ihrer in Aussicht genommenen Verbindung mit ihm einverstanden war.
„Wie Du mir mittheilst, lieber Horace," schrieb sie ihm, „sind wir jetzt noch jung, und voll und üppig entfaltet sich das Leben vor unseren Augen. Beunruhige Dich nicht wegen meiner; von dem Zeitpuncte an, wo ich Dich glücklich und wohlauf weiß, kann ich Deine Rückkehr geduldig abwarten. Der Gedanke, Dich da weit hinten in so großer Ferne aufzusuchen, macht mich schaudern ; Du wirst wohl wenig Unternehmungsgeist in mir finden, aber es däucht mir, als ob ich nicht die geringste Neigung verspüre, mein liebes England zu verlosten.
„Georgine hat Dich, so denke ich, hin- sichtlrch des Dorfes auf dem Laufenden erhalten. Hat sie Dir mitgetheilt, daß wir einen neuen Pfarrer besitzen — Herrn Norris? Er hat letzten Sonntag gepredigt und schien größere Rednergabe zu besitzen als Herr Saunders einschläfernden Ange-
Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers' (Fortsetzung.)
Dritter Theil. ।
I.
an Grundsätzen und Zielen. Es ist leicht gesagt, „alle liberalen Elemente sollen ge- ineinsam Front machen," aber nicht leicht gethan. Die Gruppe Bennigsen hat keinen Credit und keinen Einfluß mehr; sie hat sich, unter uns gesagt, todt compromittirt; soll ich ein klein wenig secessionistisch schillern? Ich hätte wohl Lust dazu, aber wenn ich die ,Tribun«', die ,Magdeb. Ztg.' u. a. lese, dann schaudert mir förmlich. Diese Abtrünnigen haben ja noch weniger Respect vor Sr. Durchlaucht, wie der Fort- schritt! Sie nennen den Kanzler einen „rücksichtslosen, jähzornigen Charakter", der, „wo er seine eigenen Gedanken ausführe, nur unendliche Verwirrung bringe." Entsetzlich I Daß unsere „innere Politik trostlos und verfahren" ist, ist schon richtig, ab-r man sollte das doch nicht so frank
Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Schreiben eine» Nationalliberalen.
Lieber Rudolph! Mit Wehmuth und Melancholie ergreife ich die Feder, denn es ist gerade kein erhebendes Gefühl, noch immer an der Wand zu kleben, an die wir gedrückt worden sind. Ich komme mir vor wie ein Schornsteinfeger, der in den Keller gestürzt ist, und Du begreifst meine Bekümmerniß, denn wer von einer hohen Stufe des Glanzes in die Tiefe purzelt, singt keine Jubel- und Siegeslieder. Das Rad der inner« Politik steht total still, und kein frischer Wind kräuselt die grüne Fläche des Sumpfes. Kaiser Wilhelm ist über Mainau nach Gastein gereist, der Kronprinz befindet sich in England, Bismarck in Kissingen, und selbst der Bunde», rath, der da» Kriselfieber scheut, ist heimgegangen, nachdem er den deutschen Volk»- wirthschaftsrath auf die lange Bank ge- schoben und die Hamburger Zollfrage genehmigt hatte. Nicht wahr, das sind Männer; sie lieben den Frieden und fügen sich. Gottlob sorgt da» Ausland für Stoff und Abwechslung: in Rußland Brände, in Bulgarien Dictatur, in Con- stantinopel Mordproceß, in Griechenland Freude und Jubel, in Belgien Agitation für das allgemeine Wahlrecht, in Frankreich Zänkereien in den Kammern und in Algerien der reine Hexensabath, Aufstand, Bombardement und Blutbäder. Dock» was sag' ich, — auch bei uns zu Hause ist genug los, man muß die Sache nur ver- ---------- 61"
stehen und ihr Geschmack abgewinnen sein? Das ist zu °iel °uf einmal! Mir
können Du weißt ick bin ein echter gruselt auch vor dem For chritt, well die
Liberaler nur ist es mir nicht recht klar, Regierungspreffe ihm aujs "^ue üinigs- ÄS1 S e^en ick b kennen soll', treue Gesinnungen abspricht und Bismarck von den Klopffechtern Nichts wissen wlll.
welche Farbe ich eigentlich bekennen soll.
Soll ich blindlings zu Bismarck halten, , «».. —- --77."'.TT.. . - «nna „„„ oder ihm so ein klein Bischen Opposition | Ich und nicht künigstreu W st n
machen ? Man wird absolut nicht klug in ; da zu machen? Ich ™ Ä» Ät# S i äsä
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An erstere g °7be ich offen gestanden, nicht, ? ®ie frönen £<xge non ^«9«^ ftnb »op kenn das Cmtrum ist viel zu schlau und | bei u„d vorsichtig, um mit den Conservativen - Zeiten entgegen. Es ist Gefahr tm^er Hand in Hand zu gehen, zumal der Frhr. zug, und wennl wrr nicht emrgs ' $
« Reibtife in der antisemitischen und wir total Bankerott. Aber rote sollen wir
voll nahm. Die Cremer'sche Brücke ist, Spinngewebe, und ich muß lachen, wenn < ich sehe, wie eine Mücke zu einem Ele» | phanten aufgeblasen wird. Der Fall? Cremer und die Differenzen im Berliner
D,e guiöaet Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und ^eiertag«^ ausgenommen. Man ^abonmtt^gegm^^L^^^ gringerlohn in Fulda eine Mark uni »X btt ®peMtion, Suttetmartt 9lr. 112,auswärts a6qe§0tt^l Mark und 50 R.-Pfg-, inS Haus gebracht 1 M°^»0Wg.
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Mehrere Jahre lang durckstreifte Horace das fcrngehaltene Land jenseits des atlantischen Oceans. Als er England verlassen hatte, gedachte er nur ungefähr zwei Jahre sich dort aufzuhalten; indeß in dem Augenblicke, wo er sich eben zur Rückreise an- schicken wollte, traf er Freunde an, welche nach dem Süden abgingen, und er entschloß sich, dieselben zu begleiten.
Weshalb," so schrieb er an seine Verlobte, soll ich eine derartige Gelegenheit versäu- men? Ich habe kaum das Land in etwa gesehen und die Reise, die man mir vor- geschlagen hat, gehört ohne Zweifel zu den intereffantesten, die es gibt. W r sind Beide jung und können wobl noch em wenig k .fren, ehe wir uns zum Bunde auf immer mrt nnander vereinigen. Ich bm fest über- zeugt, daß Du, liebe Mary, die Du ja m- 1 demselben Sinne oft mit mir gesprochen hast, meinem> Entschluffe beistimmen wirst. ■ -7'-^" verlange nicht von Dir, daß Uebngens ist unser 9 $ * ®u $ein trautes Heim verläffest, wo Deine
meinsamen^Heerd' gLden'zu^können; 's Tage so friedlich und glücklich dahinfließen,
M 160.
Samstag, den 16. Juli 1881.