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Freitag, den 15. Inti 18ül

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EneyMka unseres hl. Vaters Papst Leo XIII. über die weltliche Obrigkeit. > (Schluß.)

Als die Leiter der Staaten christlich ge­worden, fuhr die Kirche mit noch größerem Eifer fort, zu bezeugen und zu lehren, wie unverletzlich heilig die Autorität der Herr­scher sei; infolge dessen erblickten die Völker in den Herrschern das Bild einer gewissen h. Majestät und da« flößte ihnen größere Ehrerbietung und Liebe gegen die Fürsten ein. Aus diesem Grunde hat ste in ihrer Weisheit auch dafür Sorge getragen, daß die Könige unter gottesdienstlicher Feier ihre Herrschaft antraten, was auch im Alten Testament von Gott angeordnet war. Und als die menschliche Gesellschaft, gleichsam aus den Ruinen des Römischen Reiches auferstanden, im Vertrauen auf die Kraft des Christenthums ein neues Leben begann, haben die Päpste durch Errichtung des hl. Reiches in außerordentlicher Weise der welt­lichen Herrschaft den Stempel der Heilig­keit aufgedrückt. Infolge besten wuchs das Ansehen und die Würde der Herrscher be­deutend: und ohne Zweifel wäre dadurch sowohl für die kirchliche wie für die bürger­liche Gesellschaft stet« der größte Nutzen erwachsen, wenn Fürsten und Völker immer dasselbe Ziel vor Augen gehabt hätten, wie die Kirche. Und in der That herrschte Ruhe und Glück, so lange die einträchtige Freundschaft zwischen beiden Gewalten an­dauerte. Wenn die Völker sich etwa durch Aufstand versündigten, war die Kirche so- ort bereit, den Frieden zu vermitteln, indem 60™

Madelon.

Nach bem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Am folgenden Tage hielt ein Reise­landauer vor dem Restaurant in Le Tkooz, und Madame Treherne und ihr Neffe stie­gen, in Begleitung Madelons ab, die, sobald sie Jeanne - Marie's ansichtig wurde, ihr entgegeneilte und sie herzlich umarmte. Ma­dame Treherne ließ sich auf einen der Holz- stühle nieder, welche in dem Saale des Cafö's standen, und knüpfte mit der guten Frau ein Gespräch an, während Madelon davoneilte um den Garten wieder zu sehen, den sie wenige Tage vorher, voll Freude und froher Hoffnung verlaffen hatte. Bei der Ungewißheit ihrer gegenwärtigen Lage preßte ihr der Anblick dieser Orte, wo sie so ruhige, glückliche Augenblicke verlebt hatte, und wo sie sich in so süße Hoffnungen ge- wiegt hatte, das Herz zusammen. Eiligen Schrittes stieg sie die Treppe wieder hin- auf, welche von biegsamen Besten und dunk­lem Blätterwerk bedeckt war, und vCtiat tief bewegt das kleine Zimmer, in welchem sie vier Monate lang gewohnt und über ihren Plänen und Träumereien gebrütet hatte. Was war Alles aus diesen golvencn Träumen, aus dieser herrlicherstrahlenden

sie die einzelnen an ihre Pflicht erinnerte, und heftigere Ausbrüche der Leidenschaften durch Güte wie durch Strenge niederhielt. Ebenso war sie, wenn die Fürsten sich Aus­schreitungen zu Schulden kommen ließen, bereit, sie an die Rechte, Bedürfniffe und berechtigten Wünsche der Völker zu erinnern, sie zur Billigkeit, Milde und Güte zu er­mahnen. Auf diese Weise wurden öfters die Gefahren der Unruhen und Bürger­kriege beseitigt.

Hingegen haben die in neuerer Zeit er­fundenen Lehren über die weltliche Obrig­keit schon viel Unglück über die Menschheit gebracht, und es ist zu fürchten, daß ihr in Zukunft die größten Uebel daraus erwach­sen werden. Denn wenn man leugnet, daß das Recht der Obrigkeit auf Gott als die Quelle desselben zurückzuführen sei, so heißt dies nichts anderes, als der weltlichen Herrschaft die schönste Zier rauben und ihre Kraft zerstören. Wenn man aber sagt, die weltliche Herrschaft hänge von der Meinung der Menge ab, so ist das eine grundfalsche Ansicht, nach welcher die Obrig- keit ein allzu leichtes und schwaches Funda­ment erhält. Durch solche Anschauungen werden die Leidenschaften des Volkes ange­stachelt, die dann zum großen Schaden des Staates schnell und leicht in unsinnigen Tumult, ja in offene Empörung ausbrechen. In der That sind der sogenannten Refor- mation, deren Helfer und Führer die kirch­liche wie die weltliche Gewalt durch neue Lehren von Grund "us bekämpft haben, heftige Bewegungen und die kühnsten Em­pörungen, insbesondere in Deutschland auf Zukunft geworden, für die sie gearbeitet, gelitten und so viele Gefahren und Hinder- niffe zu überwnden gesucht hatte?

, Sie kniete neben dem Bette nieder, das i noch so dastand, wie auch früher, als es > ihr Schmerzensleger gewesen. Ach weshalb , war sie nicht gestorben, ehe sie eine solch' i grausame Enttäuschung erleben, ehe dieser bittere Kummer ihr Herz verzehren mußte?

\ Inzwischen war Jeanne - Marie mit Ma- j dame Treherne in ein lebhaftes Gespräch ■ vertieft; indcß antwortete sie ziemlich trocken i auf die Fragen der letzteren, und wies jedes ' Entgelt wie eine Beleidigung zurück, wäh- i rend sie zugleich Horace einen Blick zuwarf, : in welchem sich em tiefes Mißtrauen deut- i lich genug aurprägte.

„Madelon," so sagte sie sich, „hat jetzt - reiche einflußreiche Freunde gefunden, sie wird ohne Zweifel mit ihnen von dannen s ziehen, sie wird glücklich sein und an mich ä nicht mehr denken."

; Aber einige Augenblicke darauf, al« sie ; Madelon suchen ging, kom diese ibr ent­gegen und thränenden Auges warf sich diese

• ihr in die Arme:

„O, Jeanne. Marie," sagte sie sobald sie ! fähig war, ein Wort hervorzubringen, we«. i halb kann ich nicht bei Euch bleiben? Wer- halb habe ich Euch jemals verlaffen? Ach

I dem Fuße gefolgt, und der blutige Bürger- krieg nahm eine solche Ausdehnung an, daß

| fast kein Ort von Verwüstung und Blut- j vergießen verschont blieb. Aus jener Häresie ; entwickelte sich im vorigen Jahrhunderte die falsche Philosophie, das sogenannte neue Recht, die Volksherrschaft, und die schranken- lose Ungebundenheit, in welcher sehr viele allein die Freiheit erblicken. Von da gelangte man zu den nächsten unseligen Lehren, k nämlich zum CommuniSmus, Socialismus , und Nihilismus, den höchsten Ausgeburten, ja fast dem Grabe der menschlichen ^Gesell-

; ichaft. Und leider bemühen sich nur allzu l viele, die Wirkungen dieser schon so großen < Uebel noch weiter zu verbreiten; unter dem i Vorwande, dem Volke zu helfen, haben sie ' bereits viel Elend und Unheil' hervorge- • rufen. Das, was Wir meinen, ist weder t unbekannt, noch sehr weit entfernt.

$ Das ist.um so schlimmer, weil den Fürsten ? angesichts solcher Gefahren nicht hinlänglich l geeignete Mittel zur Wiederherstellung der \ öffentlichen Ordnung und zur Beruhigung i der Gemüther zur Verfügung stehen. Sie ? erlassen Gesetze und glauben die öffentlichen i Ruhestörer mit strengen Strafen nieder- l halten zu sollen. Das ist zwar Recht, aber 1 dabei ist doch ernstlich zu erwägen, daß auch | die allerstrengsten Strafen allein den Staat i niemals zu erhalten vermögen. Die Furcht j ist nämlich, wie der hl. Thomas ganz zu- treffend sagt, „ein schwaches Fundament, i denn wer aus Furcht unterthänig ist, der l wird sich, falls ihm die Hoffnung auf Straflosigkeit winkt, um so heftiger gegen die Vorgesetzten erheben, je mehr er srüher jetzt sind die schönen, glücklichen Tage für mich dahin!"

j „Wie so?" frug Jeanne-Marie nicht wenig erstaunt. „Sind Deine Freunde Dir

i nicht gut genug? Und dieser junge Mann da — ist es nicht dieser Horace, von dem Du so oft gesprochen hast?"

„Ja er ist es selbst, im Gegentheil, er erzeigt mir so viel Güte; aber er wird ab­reisen — vielleicht für immer. — Ach, ich | bin sehr unglücklich!"

\ Einige Zeit schwiegen sie stille; dann er­hob Jeanne-Marie sich.

„Wir müssen hinunter gehen, meine Kleine, Madame wartet auf Dich; aber versprich mir, daß Du mich nicht vergessen wirst."

„Niemals!" rief Madelon au«, „niemals werde ich Euch vergessen, und wenn ich später kann, so werde ich Euch wieder be­suchen kommen."

Beide waren tief bewegt; aber es war Jeanne-Marie, die in ihrer tiefen gewal­tigen Zuneigung zu dem Kinde am meisten litt, obwohl sie keine Klage aussprach und keine Thräne vergoß.

Madame Treherne besaß ausgedehnte Güter in CornwalliS, wo sie die Zeit nach dem Tode ihres Gatten fast vollständig zu­gebracht hatte, und dorthin begab ste sich denn auch einige Tage nach ihrer Ankunft