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Erreyklika

unseres hl. Vaters Papst Leo XIII. über die weltliche Obrigkeit.

Ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischen Segen!

Der so lange andauernde verabscheuens« werthe Kampf gegen die göttliche Autori« tät der Kirche hat eine Wendung genommen, die vorauszusehen war; er bedroht die ge- sammte menschliche Gesellschaft und be­sonders die Gewalt der Regenten, auf der das allgemeine Wohl hauptsächlich beruht. — Gerade in unserer Zeit ist diese Erscheinung zu Tage getreten. Die die Völker bewegen­den Leidenschaften stoßen dreister denn je jedwede Regierungsgewalt von sich; die Zügellosigkeit ist groß und Aufstände sowie Unruhen ereignen sich so oft, daß den Leitern der Staaten nicht nur wiederholt der Gehorsam verweigert wird, sondern auch ihre persönliche Sicherheit eines ge­nügenden Schutzes zu entbehren scheint. Schon seit langer Zeit ist darauf hinge­arbeitet worden, daß sie bei der Menge verachtet und verhaßt wurden, und als der angesammelte Ingrimm dann in offenen Flammen ausbrach, hat man in ziemlich kurzen Zwischenräumen zu wiederholten Malen regierenden Fürsten auf meuchle­rische Weise sowie durch offene Mordan­schläge nach dem Leben getrachtet. Ganz Europa erschrak noch vor kurzem ob der verabscheuungrwürdtgen Ermordung eines so mächtigen Kaisers: noch sind wegen der Grauenhaft! gkert jenes Verbrechens die Gemüther erregt und doch scheuen ver­worfene Menschen sich nicht, gegen die

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

XVII. 1

Als er am folgenden Morgen an ihrer Thür klopfte, kam sie ihm mit niederge­schlagenen Augen entgegen; sie hatte sorg­fältige Toilette gemacht, ihre Robe war wieder ganz in Ordnung gebracht, uud man hätte in ihr jetzt kaum mehr das ungestüme, aufgebrachte Kind vom vorhergehenden Tage wiedererkannt.

„Guten Morgen, Madelon," redete erste an, „wie befindest Du Dich heute? Hast Du gut geschlafen?"

„Ich danke Ihnen, ich befinde mich sehr wohl. Ich war eben damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was ich beginnen soll, aber ich bin noch immer nicht recht ent» schlossen; könnten Sie mir nicht einen Rach geben?"

„Darüber wollen wir später sprechen," antwortete Merville; „aber zunächst wer­den wir etwas frühstücken müssen —"

„Herr Horace," sagte sie, ihn unterbrechend und ihn mit Thränen in den Augen an­blickend, „werden Sie mir meinen Zorn von gestern Abend verzeihen? Es thut mir sehr leid, ich versichere es Ihnen."

übrigen Fürsten Europas öffentlich schrecken­verkündende Drohungen auszustoßen.

Die dem Gemeinwohle augenscheinlich drohenden Gefahren bereiten Uns großen Kummer, weil Wir die persönliche Sicher­heit der Fürsten und die Ruhe der Staaten sowie das Wohl der Völker fast stündlich gefährdet sehen. — Und doch hatte die göttliche Kraft der christlichen Religion den s Staaten eine so kräftige Grundlage von Stetigkeit und Ordnung verliehen, sobald | sie erst ihre Sitten und Einrichtungen s durchdrungen hatte. Eine nicht geringe! und nicht die letzte Wirkung dieser Kraft s ist die billige und weise Abwägung von i Rechten und Pflichten zwischen Fürsten - und Völkern. Christi Gebot und Bei- \ spiel wirken in wunderbarer Weise darauf? hin, Unterthanen und Obrigkeit zur Er- t füllung ihrer Pflichten anzuhalten, und t wünschen beiden Theilen jene so naturge- * mäße Uebereinstimmung und Harmonie der Bestrebungen herbeizuführen, welche zur Folge hat, daß die öffentlichen Angelegen­heiten in Ruhe nnd Frieden geordnet wer­den. — Da Wir nun durch Gottes Gnade an die Spitze der katholischen Kirche gestellt sind, welche Christi Lehren bewahrt und deutet, so erachten Wir es, Ehrwürdige l Brüder, für Unsere Amtspflicht, allen in s Erinnerung zu rufen, was in dieser Be- | ziehung die katholische Wahrheit von jeder­mann verlangt; daraus wird sich dann | auch ergeben, mit welchen Mitteln und Wegen bei einer so gefahrvollen Lage das Staatswohl wahrgenommen werden muß.

Wenngleich der Mensch, von Hochmuth und Frechheit verleitet, oft die RegierungS- gewalr abzuschütteln versucht hat, so hat er es doch niemals dahin gebracht, über­haupt niemandem mehr zu gehorchen. Daß jemand vorhanden ist, der befiehlt, das fordert in jeder Vereinigung und Ver­bindung von Menschen ine reine Roth- Wendigkeit, wenn die Gesellschaft, eines Leiters ober regierenden Oberhauptes be­raubt, nicht auseinandergehen soll und sich nicht verhindert sehen will, das Ziel zu er- reichen, um besientwillewsir ciit|tanberi und begründet ,jl. — Wenngleich es nun un­möglich war, die Regierungsgewalt inner­halb der Staaten auszuheben, so sind doch alle Mittel aufgeboten worden, ihre Macht zu brechen uno ihre Würde zu schwächen, und zwar hauptsächlich uu 16. Jahrhundert, als beklagenswerlhe neue Ansichten so vieler sich bemächtigen. Seit jener Zeit hat die Menge nicht nur eine größere Frecheit, als billig war, zu erringen ge­strebt, sondern man gefiel sich auch darin, den Ursprung und die Bildung der mensch- lichen Gesellschaft nach Gutdünken sich zu- rechtzulegen. Nach dem Vorgänge von Männern, die im vergangenen Jahrhundert sich den Namen von Philosophen beilegten, behaupten auch in bet Neuzeit viele, alle Gewalt komme vom Volke, und übten die Lenker der Staaten sie nicht im eigenen Namen aus, sonbern im Auftrage des Volkes, und zwar unter der Bedingung, daß sie ihnen durch den Willen des Volkes, als ihres Auftraggebers, wieder entzogen werden könne. Anderer Meinuiig sind

„Es scheint mir," meinte Merville, „daß Sachen und einige Bucher von ihr enthält; wir gestern Abend Beide nicht recht wuß- in einem der letzteren stand ein englischer teil, was wir thaten; aber sprechen wir Name geschrieben; unglücklicherweise habe nicht mehr hiervon, komm mit mir und ich ich vergessen, welcher es wat —" werde Dich zu einer Dame führen, welche ; „Hieß er nicht Mabeleme Moore? ' Dich kennen zu lernen wünscht und Dich „Ja, jetzt erinnere ich mich desselben, das sehr lieben wird, dessen bin ich sicher." | war er; aber ich besitze auch noch einen

Sie gingen dann zusammen hinunter, - Brief, den ich gleichfalls in der Kiste ge-

und Horace führte Madelon in einen auf funken habe. Wenn Sie es wünschen, will

der ersten Etage gelegenen Salon. Ein ich ihn holen gehen."

Holzfeuer flackerte in dem Kamine und am \ „Za, ich möchte denselben gern sehen, Tische saß Madame Treherne. Es war liebes Kmd. Du wirst Dich vielleicht übet eine Frau von einigen vierzig Jahren, groß alle diese Fragen wundern; aber wenn ich und schlank, auf deren übrigens regelmäßigen ! mich nicht sehr täusche, war Deine Mutter Zügen eine gewisse Melancholie lag, ihr Auf- j eine meiner besten Freundinnen." treten und ihr ganzes Wesen waren wür- , Madelon verließ das Zimmer, und Ma­dig und ein wenig ceremoniös. \ baute Treherne begann den Thee zu bereiten.

„Mein liebes Kind," sagte sie, indem sie - „Sieht sie ihrer Muller ähnlich?" frag ihr die Hand reichte, „Horace hat mir oft ! Horace, der während der ganzen Unter- von Dir gesprochen. Du heißt Madeleine s reoung stille gefchwiegeir hatte.

Linders, nicht wat?" ,,O, ganz gewiß gleicht sie ihr; besonders

„Ja, Madame," antwortete sie ein wenig ; erinnern ihre Augen ganz an diejenigen schüchtern. ! Madeleine's."

„Deine Mutter war eine Engländerin — 2 „Sie werden sich darauf gefaßt halten ist's nicht so? — Wüßtest Du mir nicht ? müssen," sagte Horace nach einigen Augen-

- zu sagen, welchen Namen sie vor ihrer Ver- ! bilden, „daß sie für ihren Vater eine nahe-

- ehelichung trug?" [ zu abgöttliche Verehrung hegt; übrigens ist

i „Ich — ich weiß e» nicht, Madame; sie i dies ganz natürlich, denn er liebte sie

starb, als ich noch ganz klein war; aber i außerordentlich. Sie hielt ihn für das

im Kloster steht eine Kiste, die noch einige Muster der Vollkommenheit, und vielleicht