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Freitag, den 8. Juli 1881
tnAcheua tftgi >4, Soirw uns- F-isreag, ausgenommen. Ran aSonnirt g-grn Varsusbezatztung zu Fulda ä* 6» ^rprdition, Butlermarkt Nr.1 j.2,auswärts be- den Postämtern. Der vierteljährliche Abonaementsprers beträgt ausschließlich Srtngerlohn in Fulda eine Mark UN.
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* Centrum und »Culturkampf."
Die „liberale" Presie, welche fortfährt, von einem „Zerfalle des Centrums" zu fabeln, würde besser daran ihun, wenn sie vorerst sich über einen Punct aussprechen wollte, zu desien Erörterung ihr sattsam Gelegenheit geboten worden ist. Es ist wiederholt betont worden, daß von dem „Zerfall" einer Partei erst dann die Rebe sein könnte, wenn innerhalb derselben über diejenigen Fragen ein Streit ausgebrochen wäre, „welche ihr das Dasein gegeben haben.\ Daß das Centrum aber sein Dasein ausschließlich den gegen die katholische Kirche, sei es von politischen Parteien, sei es von der Regierung ausgegangenen Angriffen verdankt, ist eine Thatsache, welche Angesichts der vor Jedermann zu Tage liegenden Entstehungsgeschichte der Cent- rumsfraction von Niemanden bestritten wird. Folglich müßte nun die gegnerische Preffe, bevor sie von einem durch innere Meinungsverschiedenheiten herbeigeführten Untergange des Centrums redet, den Beweis erbringen, daß in der Fraction eine Differenz in kirchenpolitiscken Fragen herrsche. Das kann sie natürlich nicht und so werden denn für dar „liberale" Philisterium aus der Wirthschafispolitik oder sonst woher einige Blendlaternen herausgezogen, mittelst denen man den erwünschten Fractionsuntergang in magische Beleuchtung bringt. Da es ja möglich ist, daß sich auch Mancher aus unserm Lager durch den Schein täuschen läßt, so wollen wir zu Aller Rutz und Frommen einmal
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Madelon.
^«4 dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Unterdessen hatte sie immer noch nicht । ben Plan vergessen, der für sie eine ganze Zeit die Triebfeder ihres ganzen Thun - und Lastens gewesen war; das Mißlingen l desselben, weit entfernt, sie in ihrem Ent- ! schluffe zu ei schultern, hatte sie nur darin - bestärkt; aber schon war die große Frage ! vor ihren Geist getreten: woher das Geld i nehmen? Je mehr sie darüber nachdachte, * desto mehr überzeugte sie sich, daß das s einzige Mittel darin bestehe, es durch ihre ; Arbeit zu erwerben, und dabei blieb sie ; auch stehen. Jeanne-Marie bemerkte so- i gleich eine ungewöhnliche Aufregung an ; ihr, ein brennendes Verlangen thättg zu l fein und sie war ganz glücklich, als sie ihr - eines Morgens, nachdem der Arzt sich ent- s sernt hatte, mittheilen konnte, daß sie im \ Laufe des Nachmittags auf eine Stunde s aufstehen könne.
„Er findet mich also bester?" rief । Madelon freudig aus.
„Gewiß, Deine Kräfte nehmen mit jedem Tage zu, und bald wirst Du wieder völlig hergestellt sein."
„Und warn werde ich denn ausgehen
an folgende allbekannten Thatsachen erinnern: Die Centrumsfraction entstand im preußischen Abgeordnetenhause, als Anfangs i der fünfziger Jahre der damalige Cultus- Minister v. Raumer ein Verbot gegen die Jesuitenmiffionen und gegen den Besuch des Collegium Germanicum in Rom erließ. Nebenbei bemerkt, bewies dieser Vorgang, daß die Katholiken in Preußen noch gar » nicht der Gewährleistung ihrer Rechte sicher ; sind, auch wenn, wie es in jener Zeit der I Fall war, die „Conservativen" in Regierung und Parlament die Herrschaft haben. Der Gerechtigkeitssinn Friedrich Wilhelm IV. behob indeß ziemlich bald die Klagen der Katholiken und ihrer parlamentarischen Vertreter und so löste sich denn die Fraction, welche sich „die katholische" genannt hatte, von selbst langsam auf, oder blieb wenigstens uicht in dem Rahmen des früheren festen I Organismus bestehen, weil die Ursachen ihres Daseins geschwunden waren. Als dann Mitte der sechsziger Jahre eine Anzahl Handelsverträge aus freihändlerischer Basis \ abgeschlossen wurden, und die Grundfrage i der Wirthschafispolitik: Freihandel oder l Schutzzoll? aufs Tapet kam, war diese i Frage nicht stark genhg, die alte feste Organisation im Centrum — zu schaffen, die- , I selbe erneuerte sich vielmehr erst als die i \ allzu ungeduldigen „Liberalen" ihren vor- - eiligen 1869er Klostersturm inscenirten. < So bildete sich die heutige Fraction des ! Centrums im Abgeordnetenhause 1870 und ■ im neuen deutschen Reichstage 1871. Man ! sieht also, daß Culturkampf und Centrum ! sich regelmäßig verhalten haben wie Ursache können? Eine Reise zum Beispiel machen können?"
„Du hast es also so eilig mich zu verlassen?"
1 „Freilich," antwortete Madelon in ihrer Einfalt; „ich muß durchaus abreisen, so- ! bald als möglich." \
Jeanne-Marie seufzte und über ihr Gesicht ; glitt ein Zug des Unwillens; die arme l Frau glaubte, das Herz müsse ihr brechen i bei dem Gedanken an das, was sie seitens l Madelon als Gleichgiltigkeit ihr gegenüber l ansehen mußte. Madelon war weder gleich- ? giltig noch undankbar; aber die fixe Idee, - welche sich in ihrem Geiste nun einmal fest- l gesetzt hatte, ließ für andere Gedanken gar j keinen Raum mehr, und so mußte Jeder s ihren Charakter für sehr eigennützig und s selbstsüchtig halten, — Eigenschaften, die $ ihr doch durchaus fremd waren. Einige § Minuten lang schwieg sie still, während ihre l Züge durch die neu aufsteigende Hoffnung s wie neu belebt zu sein schienen; dann wandte s sie sich an ihre treue Pflegerin und meinte; j
„Jeanne-Marie, wollten Sie mir nicht. mein Kleid und meine anderen Sachen I irgendwo hinlegen, wo ich sie sehen könnte? | Denn ich will mich sogleich erheben."
Diesem Wunsche wurde alsbald willfahrt, i und bald lag ihr ganzer Anzug, sorgfältig |
und Folge. Ja das Causalitätsverhältniß beider Begriffe war ein so vollständiges, ■ daß von der jedesmaligen Jntensiv-tät des ■ „Culturkampfes" sogar die numerische l Stärke der Centrumsfraction abhängig war, ; diese wuchs und nahm ab, nachdem es j — die „Liberalen" haben sollten. Und \ wir geben zu, daß sie es schon etwas arg ! treiben mußten, die Herren „Liberalen", ! ehe es uns gelang, in den Beiden größten katholischen Städten des Reiches, in Köln | und in München, dort für das Abgeord- ’ netenhaus, hier für den Reichstag alle ■ Wahlsitze zu erobern. Die Causalität-zwischen , Centrum und „Culturkampf" hat bis jetzt ' auch nur Einer bestr-tken, Fürst Bismarck, . der speciell in den Reichetagswahlen von i 1871 eine „Mobilmachung des Ccnlrums" l erblickte, auf die er den „Culturkampf" als i Folge eintreten lassen zu müssen erklärte, i Er hatte also das Verhältniß umgekehrt - — warum, haben wir oft genug nachge- s wiesen. Allerdings wäre nun nach den ! Regeln der Logik zu befürchten, daß wenn die Ursache hinweggenommen würde, auch die Wirkung in Wegfall käme, d. h. wenn der „Culturkampf" aufhörte, die Centrums, ftaction sich auflösen würde, über es glaubt eben im Centrum Niemand daran, daß unsere Gegner uns einen wahren Kirchen- frieden geben werden und selbst wenn dieser uns gegeben wäre, so würde das Mißtrauen, welches sich in den letzten Jahren in katholischen Kreisen aufgesammelt, auch in Zukunft für ein ganzes Menschenalter, minve- stens so lange anhalten, als alle „Liberalen" unserer Generation am Leben sein werden reparirt und in Ordnung gebracht,"vorihr. Mit lebhafter Bewegung nahm sie die alte schwarzseidene Robe in die Hände, welche sie zuletzt am Tage ihrer Flucht aus dem Kloster getragen hatte. Wie viele und welche Ereignisse waren seitdem nicht vorgefallen! Jene grausame Enttäuschung, die Angst sich wieder nach Lüttich zurückgebracht zu sehen, und dann die Krankheit, welche sie dem Rande des Grabes nahe gebracht hatte. Würde sie nicht — so dachte sie — ohne Jeanne Marie jetzt bereits tobt sein? Bei diesem Gedanken traten ihr die Thränen in die Augen. Aufs Neue wollte sie ihr betheuern, wie sehr sie sie liebe, aber sie war bereits verschwunden, und Madelon überdachte, ihre»-Rückkehr erwartend, den Plan, den sie fortwährend im Auge hatte.
XV.
Hinter dem Hause Jeanne-Mark's, am Fuße des felsigten Berges, welcher dasselbe überragte, lag ein Garten, welchen die Gäste ihres Hauses während der schönen Jahres- zeit zu benutzen pflegten, der indeß em Laufe des Tages gewöhnlich leer war. E-.ne steinerne Treppe führte nach außen aus dem Zimmer Madelon's in denselben, und so konnte sie denn gleichfalls denselben frei benutzen, ohne durch die untere Ekage gehen zu müssen. Dort war es, wo "sie den