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Donnerstag, den 7. Juli 188 l.

Dir ,Fuldaer Rettung' «scheint tttgltt), Sonn- unsFeirciag« ausgenommen. Ran abonmrt gegen Vorausbezahlung zu Fuldu Md« Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts beiden Postämtern. Der vierreljährliche AbonnrmentspreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 66 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 60 R.-Pfg., inS Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. vir ,Austritten Soimtagsblättet' bet Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg Jnsrrate: Die V-titreilr oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

zeichnet worden? Wie viele lästige Mahner hat man nicht ungnädig weggeschickt? Und unter solchen Umständen wundert man sich noch, wenn der mit Gift besäete Acker kein Heilkraut hervorbringt. Italien, Spanien, Deutschland und Rußland erzeugt Königs- mörder; Europa wird, wenn die Dinge ungestörten Verlauf nehmen, noch Schlim­meres erleben. Der unerträglichste Terro­rismus wird sich aller Verhältnisse im öffent­lichen und Privatleben bemächtigen. Wie auch anders? Die Schule hat ja nimmer­mehr die Aufgabe Christen, sondern nur Menschen heranzubilden. Die Wissenschaft soll Gemeingut werden. „Wissen ist Macht." Von Moral, Tugend, Christenthum keine Rede. Es ist Schade, ein Wort darüber zu verlieren. Die Kenntniß einer Luft­pumpe, der Theorie des Hebels, der Fabel, welche dem Mahabarata zu Grunde liegt, ist ohne Vergleich wichtiger als der Dekalog. Und da erwartet man noch, daß die Autori­tät geachtet werde?

Reden wir von den Männern. Die Liberalen (nicht wir) behaupten, daß die Tagesprefle bei dem erwachsenen Geschlechte die Schule ersetze. Tie Presse ist die wahre Bildung«- und Fortbildungsanstalt für die reifere Menschheit. Run, diese Bildungsanstalt hält das Christenthum für abgethan, redet dem reinen Menschenthum das Wort, erklärt alle Metaphysik für müßige Träumerei und fordert unausge­setzt und ununterbrochen zur Bekämpfung alles Autoritätsglaubens auf. Sie feindet die Monarchie an und preist die Republik. Diese Presse ist die von den Staatsmän­

nern und Regierungen künstlich gezüchtete und zärtlich gehätschelte Bildungsanstalt des der Schule entwachsenen Staatsbürgers; und da noch Erstaunen und Ueberraschung, wenn der auf solche Art herangebildete Mann aus dem Rahmen platonischer Neig­ungen auf den Schauplatz der Thaten tritt I

Was soll man zu Regierungen sagen, welche den bloßen Besitz von Capital für verdienstlich ansehen und den Versuch der höchsten Fructificirung schon mit Auszeich­nungen belohnen? Die Regierungen müssen sich von so schnöder Ueberschätzung des mobilen Mammons wieder abwenden, wenn sie wirkliche Achtung ansprechen wollen. Statt mit dem CapitalismuS im Bunde Alles zu bekriegen, was für ein willkom­menes Ausbeutungsobject gehalten wird, werden sie vielmehr Sonne und Wind gleich vertheilen und die Schwerter, deren man sich zum edlen Wettstreit zu bedienen Willens ist, einer gerechten und eingehenden Prüfung unterziehen müssen. Die Liebe der Geldmannes darf den Gewalthabern nicht höher stehen als die Achtung jedes andern ehrlichen Mannes.

Der Liberalismus hat die natürliche und göttliche Ordnung auf den Kopf ge­stellt, die legitimen Vertreter derselben wer­den sie wieder in die richtige Lage zurück- zubringen haben. Die Lehre von dem aus der brutalen Gewalt entspringenden Recht wird der einzig wahren und menschenwür­digen Vorstellung, daß der Quell alles Rechtes in Gott ruhe und die Verwirklich­ung der Rechtsidee erst alles Recht unter

* Wer hat die Autorität untergraben?

(Aus den ,Historisch-polititsche Blätter.')

Wer hat denn die Autorität untergraben ? Wer hat denn die Aeste abgesägt, auf wel­chen der Horst des Königsthrons sich auf­baute? Diemenschliche Ueberhebung, welche auch ohne Gott fertig werden zu können glaubte, der Hochmuth der Staatsweisen, die der göttlichen Gnade entrathen zu können meinten, der Fürstendünkel, den der Weih- rauch der Menschenkinder angenehmer kitzelte als die schlichte Verehrung der Kinder Gottes. Wer hat denn das sittliche Gefühl für Recht und Unrecht abgestumpft? Das einladende Beispiel fürstlicher und parla­mentarischer Rechtsverachtung. So weit wollte man allerdings nicht gehen als man gegangen ist; man gedachte auf halbem Wege Halt zu machen, vielleicht selbst um­zukehren; aber dar ist es ja eben, daß wer sich in Gefahr begibt, in der Gefahr um­kommt.

Im ersten Viertel des laufenden Jahr­hunderts wurde die Gefahr noch richtig erkannt, später ging auch die Erkenntniß verloren, noch später machten die Fürsten und ihre Rathgeber mit den Liberalen Chorus. Man arbeitete mit vereinten Kräften an der Niederlegung des alten schützenden Hauses. Heute kracht der Bau, Dank der fleißigen Minirarbeit, in allen Fugen. Ja, habt ihr denn gedacht, daß man durch Beseitigung aller Grund- und Strebepfeiler ein Gebäude befestige? Wie viele von den Abbrechern und Zerstörern sind nicht mit Orden und Titeln ausge«

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

XIV. |

Groß war die Bestürzung in dem Kloster von ***, als am Morgen nach der Flucht Madelon's Schwester Lucia ihr Zimmer betrat, es leer fand und gewahrte, daß dar Bett gar nicht berührt worden war. Anfangs dachte sie zwar an eine Flucht, wies jedoch dann gleich diesen Gedanken als fast unmöglich ab; nachdem indeß alle Nachforschungen im Hause und in den Gärten ohne Erfolg geblieben waren, mußte man wohl an die Wirklichkeit des Unmöglichscheinenden glauben. Es gab nun eine allgemeine Aufregung und das größte Erstaunen ob eines solch' schweren Vergehens, das offenbar mit unerhörter Kühnheit und mit nicht geringerem Erfolge begangen worden war. Schwester Lucia, von der Oberin des Nähern befragt, konnte keinerlei Aufschluß geben; sie hatte Madelon am Tage vorher gegen Abend verlassen und hatte nicht« Auffallendes an ihr bemerkt. Man stellte allerorts die sorgfältigsten Nachforschungsn an; das Fenster stand weit offen, hier und da waren die Ranken der Stauden und

Kletterpflanzen gebrochen, auf dem Beete unterhalb des Fensters waren die Spuren eines kleinen Fußes zu sehen.

Wohin war sie geflohen? Diese Frage war leichter gestellt, als zu beantworten, zumal weil man hier nur auf Vermuth- ungen angewiesen war, von denen die eine unwahrscheinlicher sein mußte, als die andere, da jeder Anhaltspunkt gänzlich fehlte. Wie vorauszusehen war, waren alle Bemühungen ganz ohne Erfolg, und nach Ablauf einer bestimmten Zeit mußte man die Sache selbst gänzlich aufgeben, und man konnte nur noch die Hoffnung hegen, daß irgend ein glücklicher Zufall vielleicht zur Entdeckung des Ortes führen würde, wohin der kleine Flüchtling sich be­geben hatte.

Die Comtesse G., die sich bei ihrer An­kunft in Lüttich genöthigt sah, sogleich nach Brüssel abzureisen, wo sie ihren Gemahl einholen sollte, sah sich nicht wenig ge- demüthigt wegen des lächerlichen Ausganges, den ihre Rolle als Beschützerin genommen hatte, und hielt es am Gerathensten, eine Sache nicht weiter zu verfolgen, bei welcher sie anfangs einen so großen Eifer an den Tag gelegt hatte.

Ter zweite Fieberanfall, welchen Made­lon zu bestehen hatte, war weit heftiger,

als der erste. Ohnehin noch von der letzten Krankheit sehr schwach, hatte sie eine Zeitlang einen wirklichen Todeskampf zu bestehen, aber auch diesmal überwand sie die Krise, und als sie eines Abends er­wachte, war sie nicht wenig erstaunt, sich in einem ganz unbekannten Zimmer und in einer ganz fremden Umgebung zu sehen. Bei dem unsicheren Scheine einer kleinen Lampe, welche vor einer Madonnen-Sta- tuette brannte, sah sie das grobe Bettwerk, das ärmliche Meublement und die ge­schwärzten Balken an der Decke; und ver­gebens versuchte sie sich die Sache zurecht zu legen, mehr noch wie die Vergangen­heit schien ihr die Gegenwart fast wie ein Traum.

■ Die Thür ging auf und Jeanne-Marie trat ein mit einem Lichte, das sie sorgsam mit der Hand bedeckte, während sie neben dem Bette stehend Madelon stillschweigend beobachtete.

„Es scheint mir, als ob er Dir besser ginge," sagte sie endlich, indem sie das Licht auf einen Tesch stellte und Decken und Kessen ordnete.

„Wo bin ich?" frug das Kind. „Bin ich wiederum krank gewesen?"

„Ja, erinnerst Du Dich dessen gar nicht, liebe Kleine? Aber Tu mußt Dich noch