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M 146. Mittwoch, den 29. Jnüi 1881.

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. . _ ■S'Jtung' erscheint täglich, Sonn- ,u<ie Feiertage ausgenommen. Ran adonmrt gegen Borausbezablung »u Fuld a

^Vidition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche SbonnementspreiS beträgt ausschließlich Sringerlohnin Fulda eine Mark und 5® mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgehslt 1 Mark und 60 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pf-,.

,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Saus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitteil« oder deren Raum 10 Pfg., Sei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

O Zur Frage der Regelung deS Auöwanvererwesens.

Der .Frankfurter Beobachter' bringt in der Beilage zu Nr. 90 vom 17. April 1881 folgenden Artikel:

Mit dem Poststempel New-Dort, 31. März, erhielten wir' die nachstehende Zu­schrift, zu deren voller Wiedergabe nebst Unterschriften wir uns verpflichtet halten, da die Klagen über unverantwortliche Be­handlung der ärmeren (meist Zwischendecks«) Auswanderer auf den Transportschiffen schon seit Jahren erhoben worden, ohne daß bis jetzt in dieser Hinsicht genügende Remedur durch eine strenge Staatsaufsicht erfolgt ist. Der Name der hier in Be­tracht kommenden Rhederei, welchen wir zu unserer Sicherung gegen eine etwaige chicanöse Klage unterdrücken mußten, steht — falls eine Untersuchung des Sachver­halts im administrativen Wege angeordnet werden sollte — der kompetenten Behörde zur Verfügung. Der Brief lautet:

„Es ist unbedingt nothwendig, unseren Freunden und College» in Frankfurt a. M. und Umgegend ein wahrheitsgetreues Bild von einem Auswandererschiff zu­kommen zu lassen, damit nicht etwa, wenn sie die Absicht haben, nach Amerika auszu­wandern, sie in dieselben Calamitäten kommen, wie die Unterzeichneten und noch viele andere Bürger des deutschen Reichs.

Als wir am 9. März in Bremerhaven eingeschifft wurden, herrschte dabei eine Un- ordnung, wie wohl wenige von uns etwas Derartiges erlebt haben. Wenn auch nur ein paar Mannschaften wären vorhanden

leerem Magen in dem kalten Dock zu lassen,

gewesen zur Anweisung der Plätze. Aber leider, nein! Die Leute hatten bis zum andern Abend (den 10. März) erst ihre Plätze eingenommen; wie es in der Zwischen­zeit ausgesehen, überlassen wir unser» Freunden, sich den Schluß zu ziehen. Die Leute konnten sich auch unmöglich mit dem 14tägigen neuen Heim vertraut machen, denn sie mußten sich, so eng als möglich zusammengepfercht, wie Vieh eben in das Unvermeidliche fügen. In der Abtheilung für Familien waren ^natürlich sehr viele Frauen und Kinder, dabei aber Alles in

- schmalen Gang gelangt man zur zweiten ! Küche, woselbst für 1383 Zwischendecks- l Passagiere gekocht wurde. In diesen Gang '» drängten sich jeden Morgen und zu Mit« l tag schon um 10 Uhr die Passagiere der- j art, daß Leute von nicht ganz gesunder Constitution und mit schwachen Nerven » entweder ohnmächtig wurden oder es vor- l zogen, wieder aus dem Haufen Leute her­auszukommen, welche mit ihren Schmerzens« schreien und Stöhnen die Luft erfüllten, f daß Einem Angst wurde und Viele lieber nichts ’ essen wollten und sich mit dem Wenigen be- ! gnügten, welches sie von Hause mitbrachten.

Die Leute, welche bis zuletzt warten mußten, i bekamen dann noch etwas Verdünntes, welches ! man angeblich als „Suppe" bezeichnete. ! Fleisch war öfters gar nicht zu genießen. ' Kartoffeln, welcye bei uns zu Schweinefutter ! verwendet werden, bekamen wir für eine i Familie von 3 Personen durchschnittlich 10 Stück von der Größe einer Wallnuß und zum größten Theile ungenießbar. Des Morgens etwas Kaffee mit einer Art Weiß- brod mit Butter, aber ungenießbar. Des Abends eine Brühe, welche eher vom ab­gebrühten Heu als von Thee herrührte. Soll vielleicht diese Art von Schiffsbeköstig­ung die Vorschule zur Dr. Tanner'schen Hungercur-Methode sein?--Bei der

Ankunft in Hobocken hatten wir abermals dieselbe Qual wie bei der Einschiffung. Ist das eine Art und Weise, die Leute vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit

offenem Zustande. Man kann sich den Ein- ä druck dieses unsittlichen Verhältnisses auf | den einigermaßen anständigen Menschen I denken. Und dann keine genügende Ven« \ tilation, so daß die Menschen schon vom j Einathmen dieser Luft krank wurden. In f der speciellen Abtheilung für Mädchen l und Frauen waren ebenfalls Familien mit l erwachsenen, ledigen, männlichen Personen » untergebracht. Eine Person von Charakter kann sich die Scham vorstellen, welche jedes noch ehrlich und sittlich denkende Mädchen T gehabt haben muß, in solch einen Augias- - stall hineingekommen zu sein. Selbst Ossi- eiere entblöveten sich nicht, Frauen unehren- | haften Rufes die Kur zu machen und I vorübergehend in ihrer Cabine zu Herbergen, f sowie sittsame Mädchen mit höchst zwei- - heutigen und unanständigen Bemerkungen zu belästigen. Die Feder ist zu schwach, um Worte zu finden, um die ganze Demo­ralisation der Schiffsleitung und Ein- ........ uv.» ^vu

richtung zu charakterisiren. Mit der Kost j daß sie erst um halb 12 Uhr Nachts in war es nicht viel besser. Durch einen 8* Castle« Garden ankommen und sie sich mit

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Damit öffnete sie die Thüre zu einem kleinen Salon, welcher rechts im Hausgange lag, und bat Madelon, einzutreten. Das Möblement des Zimmers war sehr einfach: ein Schreibsecretär, der vor dem Fenster stand, einige Nippsachen auf dem Kamin- sims, ein Sopha uno einige alte Stühle. Das ganze Zimmer bot also kaum etwas Merkwürdiges; aber Madelon fand hier eine ganze Welt von Erinnerungen wieder.

„Nichts hat sich hier verändert!" rief sie, sich zu Fräulein Henriette umwendend, fröhlich aus.

„Sie sind also schon einmal hier ge­wesen?" frug diese, indem sie Madelon aufmerksamer betrachtete.

„O ja, schon oft, zu der Zeit, wo mein Vater noch lebte; aber Sie waren damals noch nicht hier, Fräulein."

„In der Thal wohne ich erst seit einem halben Jahre bei meiner Tante; sie wird schon alt und hat Hilfe nöthig; aber ich bin fest davon überzeugt, daß sie Sie nicht vergessen haben wird. Sind Sie allein und wohnen Sie weit von hier?"

„Nicht weit von hier", sagte Madelon, indem glühende Röthe sich über ihr Gesicht ergoß, gerade als ob das Gefühl ihrer eigen- thümlichen Lage plötzlich wieder in ihr er- \ wacht wäre. — „Ich muß jetzt durchaus gehen; aber ich hoffe, daß ich Madame i Bernet bei meiner Rückkunft treffe."

„Es scheint mir," fügte Fräulein Hen- riette bei, „daß Sie besser daran thun ' würden, sich ein wenig auszuruhen; ich glaube, daß Sie sehr ermüdet sind."

„Nein," antwortete Madelon, „ich möchte lieber jetzt gehen, und werde dann später etwas ausruhen."

Denn trotz ihrer außerordentlichen Mü­digkeit hatte sie sich eines Anderen beson­nen ; sie fürchtete nämlich, wieder auf neue Hindernisse zu stoßen, und ganz besonders wollte sie der Möglichkeit eines neuen Ver­höres aus dem Wege gehen, wie sie am Morgen bereits ein solches zu bestehen ge­habt hätte.

Mademoiselle war sonst zu sehr beschäf­tigt und fand auch begreiflicherweise nicht Interesse genug an Madelon, um das Ge« I spräch mit ihr weiter fortzusetzen. Madelon ? verließ denn auch, nachdem sie ihr Packet in einer Ecke des Sopha's niedergelegt hatte, das Hotel und schritt auf die Re« boule zu.

XII.

Nachdem am Morgen die Sonne mit ihren herrlichen Strahlen Alles erfreut und erwärmt hatte, begann der Himmel sich all­mählich ein wenig zu bedecken und nahm ein düsteres, bleifarbiges Aussehen an; die Gipfel der Berge verloren sich im Nebel, und ohne Aufhören rieselte ein feiner durch­dringender Regen herab. Das Wetter war ein vollständiges Bild der Stimmung Made« lon's: die Hoffnung, welche bis dahin ihren Muth aufrecht erhalten hatte, begann zu schwinden und machte einer außerordent­lichen Muthlosigkeit und Niedergeschlagen­heit Platz.

Nichtsdestoweniger setzte sie unverdrossen ihren Weg fort, — der Gedanke an die Wichtigkeit des Zweckes, welchen sie ver­folgte, war es, der sie immer weiter vor­wärts trieb. Denn es nahte nun berent« scheibende Augenblick — jener Augenblick, um dessentwillen sie so viele Gefahren zu bestehen und fo viele Hindernisse zu Über­winden gehabt hatte, und der Entschluß, ihr Vorhaben nun auch vollständig auszu« führen, stand bei ihr jetzt fo fest, daß nur völlige physische Unmöglichkeit sie hätte ab­halten können. Sie kam an den Läden vorüber, wo sie damals, als sie noch klein war, fo oft mit ihrem Vater irgend ein