Einzelbild herunterladen
 

M 145

Dienstag, den 28. Jnni 1881.

Fuldaer

Vi-

Die .Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn-Md Feiertag» ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fuld a

i» der Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts bei oen Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementsprei« beträgt ausschließlich Sringerlohn in Fulda eine Markund 6® R.,Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins HauS gebracht 1 Mark 90 Psg. Di, ,illustrirten Sonntagsblätter" der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulva 20Pfg., auswärts am Postschalter 25 Psg., in's HauS gebracht 40 Psg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Psg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

<0, Aus Belgien.

Es ist eine heute in allen Ländern Europa'« gemachte Erfahrung, daß überall da, wo der kirchenfeindliche Liberalismus und das Freimaurerthum maßgebenden Einfluß erlangt haben, Ungerechtigkeiten, Ungesetzlichkeiten und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind. So ist es jetzt auch hier in Belgien. Einmischungen in die Angelegenheiten der Kirche, in Stift­ungen für kirchliche Zwecke, Beschränkungen der Provinzial- und Gemeindevertretungen, namentlich in Schulangelegenheiten, häufen sich seit dem Bestehen des neuen Kampf- Schulgesetzes immer mehr. Neuerdings beginnen die Behörden einen Weg zu be­treten, der mit der belgischen Verfasiung in directem Widerspruche steht.

Die belgische Verfassung schützt die Freiheit des Unterrichts, was die eigent­lichen innern Schulangeleginheiten betrifft, vor jeder Controle, sei es einer parlamen­tarischen, ministeriellen oder communalen. Unerwartet und unangemeldet sind nun vor Kurzem in drei Städten, in Lüttich, in Gent und in Schaerbeck, Polizeibeamte in den Schulen erschienen und haben dort ein eingehendes, inquisitorisches Verhör vorgenommen, sie haben die Lehrerinnen über ihren gesammten Lebenslauf, über ihre Unterrichtsmethoden, über die von ihnen benutzten Schulbücher und andere Schulgegenstände, über die Ausdehnung de« Religionsunterrichtes, über ihr Ein­kommen u. s. w. befragt; die Herren In­quisitoren erkundigten sich sogar, ob in den Bewahrschulen das Fröbel'sche System, das

Ideal der Freimaurerei, befolgt werde. ] Einzelne der auf diese Weise in's Verhör - genommenen Lehrkräfte haben sich in leicht begreiflicher Weise verblüffen lassen und die Fragen der Polizei, statt derselben die Thüre zu weisen, beantwortet. Die Auf­regung über dieses Vorgehen der Behörden ist aber im ganzen Lande eine große; selbst die liberalen Zeitungen wagen nicht, dasselbe zu vertheidigen; die katholische Presse aber weist mit Nachdruck auf das Verfassungswidrige dieses Vorgehens und auf den Artikel 151 des belgischen Straf­gesetzes hin, welcher jede gegen die durch die Verfassung gewährleisteten Freiheiten und Rechte gerichtete Willkürhandlung eines öffentlichen Beamten mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft. Auf An- regung des Abgeordneten Coemanns aus Schaerbeck haben denn auch die in Brüffel anwesenden Mitglieder der Rechten über diese Frage berathen und sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß die Vorsteher der freien katholischen Schulen, seien es Laien, Priester oder Ordensleute, es unbedingt verweigern sollten, ihre Anstalten der Poli­zei zu öffnen, wenn dieselbe nicht mit einem richterlichen Befehle Persehen und in der Ausübung ihrer gesetzlichen Befugnisse be­griffen sei; daß dieselben auf jedes Ver­hör über den Unterricht, die Unterrichts­methode, die Bücher, das Personal, das Programm u. s. w. die Antwort verweigern sollen; daß dieselben der Polizei die Er« laubniß verweigern sollen, in die einzelnen Schullocale hineinzudringen, um dort eine ungesetzliche Untersuchung vorzunehmen.

In Schaerbeck, der Heimath des Abge­ordneten Coemanns, hat man übrigens schon in dieser Weise gehandelt, das Per­sonal der dortigen Schulen hat die Herren Inquisitoren der Polizei in aller Höflichkeit vor die Thüre gesetzt, wo dieselben sich auch heute noch befinden. Ohne Zweifel wird man von jetzt ab in allen freien katholischen Schulen Belgiens nach dem selben Recepte verfahren und die Polizei wird die bittere Pille hinunterschlucken müssen, wenn sie nicht zur offenen Gewalt übergehen will; und die Belgier haben zu viel Rechts- und Freiheitssinn, als daß wir glauben sollten, die katholischen Eltern würden sich eine Einmischung der Frei­maurerei in die Erziehung ihrer Kinder gefallen lassen. Sie haben schon mehr als genug an den in Folge der neuen Schul­gesetzgebung steigenden Steuern.

Der Abgeordnete Woeste wies neulich in seiner Rede das reißende Steigen der Steuern in Folge der neuen Schulgesetz­gebung ziffermäßig nach. Es belief sich das belgische Unterrichtsbudget in 1879 auf 14i/a Mill. Frcs,; bis 1881 ist das- selbe auf 18^/z Millionen, also um 4 Millionen gestiegen. An außergewöhnlichen Schulausgaben wurden in derselben Zeit S1^ Millionen Frcs ausgegeben; und da die Katholiken die bei weitem größte Mehrzahl in Belgien bilde, so würde dieses, zur Entchristlichung des belgischen Volkes bestimmte Geld zum größten Thcil aus den Taschen der Katholiken genommen. Haben die Katholiken so gehandelt, als sie die Regierung in Händen hatten? Man

46

Madels«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers. | (Fortsetzung.)

In Pepinster, wo Madelon den 'Zug ; wechseln mußte, stieg sie in ein leeres j Coups und hätte sie nicht ein heftiges Kopfweh und eine große Müdigkeit ver­spürt, so hätte sie sich ganz ihren süßen Träumereien und der Befriedigung über­lassen können, die sie darüber empfand, daß sie den schwierigsten Theil ihres Vorhabens hinter sich hatte. Sie vertraute viel auf die Schnelligkeit des Zuges, durch welche die Möglichkeit entdeckt zu werden, falls man sie verfolgte, immer geringer wurde. Nichtsdestoweniger zögerte sie, als sie an ihrem Bestimmungsorte anlangte, noch einen Augenblick, den Wagen zu verlassen, — es war ihr, al« sollte sie einen ruhigen, friedlichen Zufluchtsort verlassen, um sich mitten in die Gefahren der Außenwelt zu stürzen.

Jndeß bemerkte sie Niemand, während । sie mit herabwallendem Schleier bei Seite trat, um die anderen Reisenden Vorbeigehen zu lassen. Uebrigens waren ihrer sehr wenige: einige englische Touristen, ein gicht­brüchiger Ruff-, der sich auf den Arm seines Dieners stützte, und endlich die >

schreckliche Gräfin, die zu ihrer größten Freude eiligen Schrittes davon ging, während sie selbst langsam die Lindenallee verfolgte, und mit dem Auge die Berge, ■ welche die kokette, reizende Badestadt um- : geben, wie alte Bekannte begrüßte. Auf dem Place Royale angelangt, blieb sie vor : einem Hause stehen, welches die Aufschrift j trug: „Hotel de Madrid.""

Jeder, der Spa besucht hat, kennt den • Place Royale mit seinem eleganten Kiosk, seinen Blumenbeeten und seiner Einfassung von Kastanienbäumen, während auf der einen Seite der Weg zu der Promenade de Sept heures, an der anderen zu der gewerbreichsten und belebtesten Straße der Stadt und zu der berühmten Quelle Peters des Großen führt. Das „Hotel de Mad­rid", das übrigens schon nach Außen hin einen bescheidenen Eindruck machte, war besonders wegen seiner Lage im Mittel« puncte der Stadt, seiner nicht übermäßigen ' Preise und der Gefälligkeit seiner Besitzerin S viel besucht. Herr Linders, dessen Mittel - ihm nicht immer erlaubten, einen großen • Luxus zu entfalten, und dessen Credit nicht gerade unbeschränkt war, war hier abge­stiegen, als er zum ersten Male nach Spa gekommen war, um sein Glück wieder zu machen, ^nachdem er eben schwere Verluste j

erlitten hatte, und war in der Folge noch oft hierhin gekommen, zum Theil wenigstens wegen der ganz besonderen Freundschaft, welche Madame Bernet seiner kleinen Tochter erwies. Madelon freute sich nicht wenig, die gute Frau wiederzusehen, und voll Vertrauen näherte sie sich diesem Hause, das ihr so wohlbekannt war.

Die Thür stand offen: ein weiter Haus­flur durchschnitt das Haus von der Fa?ade bis zur Hinterseite, und hinter dem Hotel lag ein großer, schöner Garten. Links be­fand sich der Speisesal, auf welchen Made­lon sogleich zuschritt.

Ein Fremder saß in einer Fensternische und war mit seinem Frühstück und seiner Zeitung beschäftigt, während ein Kellner die Couverts für die Mittagstafel zurechtlegte.

„Ist Madame Bernet zu Hause?" wandte sich Madelon an den Letzteren.

Erstaunten Blickes betrachtete der Kellner das junge Mädchen, dessen Anzug und Be­nehmen ihm etwas sonderbar vorkommen mochte; dann antwortete er sehr höflich, daß Madame Bernet nicht zu Hause sei, und frug, ob „Mademoiselle etwas wünsche."

„Ich wünsche mit Madame Bernet zu sprechen," antwortete Madelon etwas ver­legen; „wird sie bald zurückkommen?""