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Freitag, den 24. Juni 1881

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* Zur Freimaurer-Frage.

(Fortsetzung.

Zum Schluß erörtert der Autor noch die Frage, wie es komme, daß der Bund stets eine große Anzahl von im Ganzen nicht unebenen Leuten gefesselt hat. Neben den rein äußerlichen Gründen, daß der Maurer überall behagliche Geselligkeit vor­findet und daß es der Eitelkeit schmeichelt, Inhaber eines großen Geheimniffes zu sein oder doch zu scheinen, findet er den Hauptgrund in dem naturalistischen Wesen der Loge, welches den Menschen mehr an­zieht, als das ascetische der Kirche. Die Freimaurerei ist eine bequeme Religion, wo vom Gericht nicht die Rede ist und nur künftige Freuden in Aussicht gestellt werden.

Obschon gegenwärtig auf der Erde be­reits 86 Großlogen und 10788 Logen mit nahezu einer Million Mitglieder existiren, so hofft Bruder Findel trotzdem, daß „das goldene Zeitalter" der Loge noch in der Zukunft liege, wahrscheinlich in ähnlicher Weise wie zur Zeit der ersten französischen Revolution die menschliche Vernunft ihre höchsten Triumphe feierte.

Die katholische Kirche, und diese aus­schließlich, ist es gewesen, welche jenem ge­fährlichsten aller Orden gegenüber von Anbeginn die richtige Stellung eingenom­men und bis heute bewahrt hat. Niemals ist man im Schooße der katholischen Kirche darüber zweifelhaft gewesen, daß der Frei­maurer^ Orden, wenn er auch unter seinen Mitgliedern eine Anzahl „guter Männer" zählt, welche „nicht dafür können" und sich hauptsächlich für die „Tafellogen" interes-

siren, hoch in seiner Gesammtheit und in - dem Personal seiner eigentlichen Leiter — i wir meinen nicht die „Großmeister" und ’ „Meister vom Stuhl", welche in dem Ka- - lender für Zeit und Ewigkeit in so über­aus treffender und drastischer Weise ge­schildert wurden, sondern die geheimen Oberen — sowohl auf dem politischen wie auf dem kirchlichen Gebiete grundstürzende Zwecke verfolgt und als sein letztes Ge« heimniß den Jakobinismus in seiner zeit­gemäßen Gestalt, d. h. als Verneinung aller Religion und Autorität und als An­betung nicht mehr der Göttin der Ver­nunft, auch nicht mehr eines „höchsten Wesens" ä la Robespierre, sondern des auf den Thron Gottes erhobenen Thier- Menschen bewahrt.

Um so befremdlicher und beklagens- werther ist es, daß dessen ungeachtet der Freimaurer-Orden selbst in seiner jetzigen Verquickung mit dem Judenthum und der Alliance israslite sich der fortdauern- i den Gunst der Regierenden erfreut, daß ; man völlig vergessen zu haben scheint, daß ; seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts i alle Revolutionen wesentlich durch das Zusammenwirken des FreimaurerthumS mit ; dem Judenthum in Scene gesetzt roorben|! sind; daß man nach wie vor alle War­nungen durch Wort und That leichtfertig in den Wind schlägt und daß man bisher ; erst an wenigen Stellen zu der Einsicht i gelangt ist, daß der gemeinsame Sturm- < lauf gegen die Kirche und deren Funda« | mente am Ende doch auch die Throne z erschüttern könnte. '

Allerdings hat man bis dahin dem „vierten Stande" nur als „dienendem Bruder" Eingang in die Loge gewährt, analog der Rolle, welche die Bourgeoisie _ der großen Masse des Volkes überhaupt

j anweist, doch wird die Vollendung des „Ge­heimnisses der Bosheit" dadurch nicht auf­gehalten werden. Wie die Carbonari in Italien und die Communards in Frank­reich nur die umgekehrten Freimaurer sind, so bedeckt sich England, das Vaterland des Maurerthums, bereits mit einem Netze von „Arbeiterlogen", und wenn die revo­lutionäre Bewegung schließlich auch die Juden nicht verschonen wird, so werden diese doch einstweilen das Zusammenwirken der Loge mit der Socialdemokratie eben­so vermitteln, wie dies neuerdings mit der Fortschrittspartei der Fall ist. (Chr.soc.Bl.)

Deutsches «eich.

* Berlin, 22. Juni. Der Kaiser empfing vorgestern in Ems den Besuch der Kaiserin. Am Abend reiste Ihre Majestät nach Coblenz. — Fürst Bismarck hofft in einigen Tagen dem märkischen Sand den Rücken kehren zu können.

— Die conservativen Wahlvereine Ber­lins azitiren schon jetzt sehr lebhaft für die Reichstagswahlen. Im besten Falle werden sie höchstens einen Sitz in den 6 Wahl­kreisen erringen.

— Das im Reichstage unerledigt ge­bliebene Trunksuchtgesetz, welches nicht uner­hebliche Abänderungen im Schoße der Com­mission erfahren, soll im Reichsjustizamte nochmals einer Revision unterzogen werden.

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

X. I

„Es däucht mir, mein Kind, daß Du heute Abend ganz wohl in die Capelle kommen könntest," sagte Schwester Lucia einige Tage nach dem eben beschriebenen Vorfälle zu Madelon.

„Heute Abend!" sagte Madelon ganz be­trübt.

„Nun ja, weshalb nicht? Du bist wie­der ganz hcrgestellr und stark genug, um Deine täglichen Arbeiten wieder aufnehmen zu können; Du könntest sie nicht besser da­mit beginnen, als daß Du dem Gottes­dienste beiwohntest."

Madelon war wie zerschmettert. Seit der Entdeckung der kleinen Geldsumme, die durch einen ganz unerwarteten Zufall in ihre Hände gerathen war, war ihre Flucht nur noch eine Frage der Zeit, und sie hatte gerade heute die Stunde des Gottes­dienste» zur Ausführung ihres Planes auiersehen, da sie diese Zeit dazu für am geeignetsten hielt. Um diese Zeit waren nämlich die Schwestern alle in der Capelle beisammen; sie konnte also ohne bemerkt zu werden, den Rasenplatz überschreiten,

, und war sie einmal draußen, so werde, i glaubte sie, schon die Dunkelheit die weitere Ausführung ihrer Flucht begünstigen.

„Nicht heute Abend, Schwester Lucia, ich bitte Sie darum, nicht heute Abend; —ich — ich bin müde — ich bin den ganzen Nachmittag im Garten gewesen — das heißt, ich bin nicht gerade müde, — aber es wäre mir lieb, jetzt gerade nicht her­unter zu gehen."

„Nun, so will ich Dich für heute noch dispensiren," antwortete die Schwester mit Milde: „aber morgen wirst Du Dich doch ernstlich wieder an Deine Arbeit machen müssen; Du wirst also gut thun, jetzt zu Bette zu gehen, damit Du gut ausruhest und so morgen besser arbeiten kannst. Gute Nacht!"

„Gute Nacht, Schwester!" antwortete Madelon. Dann erfaßte sie etwa» wie Reue bei dem Gedanken, daß sie im Be­griffe stehe, die gute Schwester zu täuschen.

„Schwester Lucia, lieben Sie mich?" frug sie plötzlich, indem sie die Arme um ihren Hals schlang.

„Ob ich Dich liebe!" sagte die Schwester erstaunt; „ganz gewiß, wenigstens wenn Du vernünftig und gelehrig bist und wenn Du thust, was man von Dir verlangt."

„Wenn i$ also etwas Böses thäte, so

würden Sie mich nicht mehr lieben?" frug Madelon.

„Ich begreife wirklich den Zweck Deiner Frage nicht; Du hast ja nicht vor, Böses zu thun? Aber ich kann nicht länger bleiben," fuhr sie fort, indem sie die Hände Madelons losließ; „nun spute Dich, und geh' gleich zu Bette."

Mit diesen Worten ging die Schwester hinaus, und Madelon machte sich sogleich daran, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, einige Toilettegegenstände zusammen- zuroffen, die sie dann einpackte. Es war keine Zeit mehr zu verlieren; entweder mußte sie ihr Vorhaben sogleich ausführen, öder es ganz aufgeben. Dicht neben dem Garten lief freilich im Innern des Ge­bäudes ein Gang, aus dem man unmittel­bar in den Garten hineinsehen konnte und den dir Schwestern, wenn sie aus der Capelle zurückkehrten, zu benutzen pflegten; es war auch nicht unmöglich, daß eine von den Schwestern verhindert war, dem Gottesdienste selbst beizuwohnen; aber sie war fast genöthigt, auf die Gefahr hin, daß eine Schwester sie bemerke, ihr Vor­haben jetzt auszuführen, da bei Nacht, wo Alles ganz still war, das geringste Geräusch gehört werden mußte und überhaupt die Gefahr größer war. War sie einmal