Donnerstag, den 23. Juni 1881.
Di« .Fuldaer Zeitung' erschemt täglich, Sonn- .und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda
« der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich S ringerlohn in Fulda eine Mark und iffi R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei »en Postämtern: bei der Post äbgehslt 1 Mark und 50 R.-Pfg., inS Hau» gebracht 1 Mark 90 Pf-. St* .illustrirten Sonntag «blätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
42
Madelom
Nach dem Französischen von I. RüttgerS.
(Fortsetzung.) I
Madelon stieß einen Freudenschrei aus und hüpfte den Schwestern entgegen, wie als ob sie einen alten Bekannten wiedergesehen hätte.
„Dieser Koffer gehört wohl Dir, denke ich?" sagte die Schwester mit freundlichem Lächeln, als sie das strahlende Gesicht des Kinde» gewahrte.
»Ja, ich erkenne ihn jetzt wieder," rief Madelon aus; „er gehörte Mama, und er enthält noch, glaube ich, Sachen, die sie gebraucht hat. Wir haben ihn nicht immer mitgenommen, sondern oft im Hotel oder auf der Eisenbahn stehen lassen. Aber wo haben Sie ihn denn wiedergefunden, Schwester?"
„In einem Zimmer, da» al» Vorrath»- zimmer diente, und da» wir rin wenig in Ordnung bringen wollten, die Schwester Agatha und ich nämlich, und woh n man ihn gebracht hatte, als Du in’S Kloster kamst. Wir haben ihn hierhin gebracht, damit Du Nachsehen möchtest, was darin ist; vielleicht enthält er noch Kleidungsstücke, die für Dich passen."
In demselben Augenblicke ertönte die Glocke, und die Schwester meinte:
„Es läutet, und wir müssen gehen. In einigen Tagen hoffe ich, Madelon, wirst Du auch wohl im Stande sein, in die Kapelle zu kommen; das wird wohl das Zeichen Deiner vollständigen Genesung sein."
Damit entfernte sie sich mit ihrer Begleiterin und Madelon war wieder allein.
Madelon trat mit ebenso großer Neugierde als einem unbestimmten Gefühle an den Koffer heran. Hatten doch die Gegenstände, die er enthielt, ihrer verstorbenen Mutter zum Gebrauche gedient, und deshalb nahm sie mit einer Art von Ehrerbietung einen nach dem anderen in die Hände. Sie fand anfangs nichts, was irgendwie einen besonderen Werth gehabt hätte, da Madame Linder», ehe sie starb, die geringsten Kostbarkeiten abgelegt hatte, und Alles, was man irgendwie zu Gelbe hatte machen können, später verkauft worden war. Es war nur noch einiges Leinen, ein Shawl, ein Mantel von altmodischem Schnitte, einige alte Bücher, die auf der ersten Seite den Namen „Madeleine Moore" trugen, ein halbleeres Arbeit«, kästch en und sodann zwei oder drei Kleider vorhanden. Unter den letzteren befand sich
O Zur Freimaurer-Frag«. (Fortsetzung.
Greift man nun vollends in das con« \ crete Leben des Logenthums hinein, so; findet man dort fast überall nicht natürliche \ Religion, sondern crassen Naturalis- mus. Zum Beweise führt der Autor die Namen einiger dem Offenbarungsglauben | feindlichen Logenbrüder, wie Voltaire, Re« ; nan, Strauß, Häckel rc. an, denen sich die ‘ obengenannten französischen Revolutions« i Helden in würdiger Weise anreihen; des- l gleichen einige Zeugnisse aus der Feder und < dem Munde namhafter Freimaurer, welche wir als charakteristisch für den Moral- unv : Sittlichkeits • Begriff derselben nicht über- ? gehen wollen.
„Bruder Po lack" eiferte in Antwerpen $ gegen die „düstere" Sittenlehre des Christen- | thums, welches dem Menschen Genüsse versagen wolle, zu denen ihn die Natur bestimmt. ? In gleichem Sinne erklärte Bruder Ame- lung in Jena: „Da» Sittlichgute ist das Rcinmenschliche." Die Krone setzt : diesen Morallehren ein Artikel in der .Bauhütte' auf, in welchem eine „vereinfachte Sittlichkeit" empfohlen oder, um da» Kind beim richtigen Namen zu nennen, eine grundsätzliche Billigung der H. . . . . . ausgesprochen wird. Eine ähnliche „Vereinfachung" auf philosophischem Gebiet empfiehlt „Bruder Blunlschli" in Heidelberg, welcher :an Stelle des Theismus und Pantheismus einen selbsterfundenen „makrokosmischen Gottesbegriff" gesetzt sehen will. In aller Bescheidenheit sagt er aller
dings, es könnten Jahrhunderte, sogar Jahrtausende vergehen, bis man so weit gelangt oder — wie der Autor hinzusetzt — „bis die schwach begabte Menschheit dahingekommen sein wird, den colossalen Gedanken Bluntschli's — dieser alten Frau im Philosophen - Mantel — noch einmal denken zu können."
Der Einwand, daß alles dies zwar für die humanistische Maurerei gelte, nicht aber für das christliche System, ist leicht zu entkräften. Abgesehen davon, daß die christlichen Maurer einen winzig kleinen Theil Aller bilden, sieht cs auch mit deren Christenthum größtentheils ziemlich zweifelhaft aus. Die Erklärung nur eines Symboles wird hierzu genügen. Hiram, von den drei Gesellen erschlagen, bedeutet den Heiland und die drei Secten, welche ihn am meisten verfolgten. Nun, wir glauben mit dem Autor, daß es für einen überzeugten Christen unmöglich ist, seinen Heiland al» Figuranten in einem maurer- ischen System verwenden zu lassen. Bekannte doch auch vor fünfundzwanzig Jahren, gelegentlich der literarischen Fehde zwischen dem Professor Hengstenberg und den Berliner Großlogen, der im Auftrage der Logen redende General von Selaffin Ski sich ausdrücklich zum Kriege, wenigstens gegen die katholische Kirche. Auch das Scherenberg'sche Gedicht: „Wem gilt unser Krieg?" spricht die» ja in dürren Worten. Die zweite Strophe desselben ist erwähnenSwerth:
„Wem gilt unser Krieg? Euch werde I es kund, '
Die im Dunkeln ihr schleichet zu verderblichem Bund
Eure Fäden und Maschen zu schürzen." rc.
Der Bruder-Dichter meint die katholische Kirche; aber wider seinen Willen hat er in diesen Worten eine Charakteristik des Logenthums gegeben, wie sie treffender und verurtheilender kaum möglich ist.
Als Resultat stellt der Autor Folgendes hin:
„Das Logen-Dogma ist so weit gefaßt, daß es allen Confefsionen und Religionen Spielraum gewährt.
Die Logen-Moral ist weit genug, um auch den ausgesprochensten Naturalismus in seiner Fleischlichkeit nicht zu stören.
Was die Loge im Großen an religiösen Ideen in'» Volk getragen hat, ist Auflösung und Zersetzung. Was sie im Kleinen an praktischen Werken der Liebe geleistet hat, ist der Rede nicht werth.
Was nun die politische Seite des Logenthums anlangt, so folgt ihre Beschaffenheit mit Nothwendigkeit aus dem über die religiöse Gesagten. Wer auf religiösem Gebiete liberal ist, wird es auch auf politischem sein. Wir haben aus der geschichtlichen Entwickelung dies zur Genüge in den Ländern Nachweisen können, in welchen die Logen sich geradezu in politische Clubs verwandelt haben, und zwar ist es nirgends ein gemäßigter Liberalismus, welchem man huldigt, es ist das Banner der „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", mit welchem man die Menschheit zu beglücken sucht oder wenigstens vorgibt, ganz auf dem Boden des Koffers eines von schwarzer, etwas abgetragener Seide, in dessen Tasche sich einige offenbar vergessene Sachen vorfanden; wahrscheinlich war es das Kleid, welche« Madame Linders zuletzt getragen hatte, und in der Eile, mit welcher man Alles zusammengepackt, hatte man vergessen, näher nachzusehen. Sie entdeckte zunächst ein Stück eines halbverbrannten Briefes, der in englischer Sprache abgefaßt war, und dessen Anfang sowohl al» das Ende vom Feuer zerstört worden war. Die Schrift war klein, indeß deutlich, und Madelon konnte ohne große Mühe noch das Folgende entziffern:
„--daß ich Dich nicht besuchen
kommen kann, da es Herrn Linders unangenehm sein würde. Ich muß also wohl darauf verzichten, aber wenn Du wüßtest, wie sehr ich mich darnach sehne, Dich zu sehen und an mein Herz zu drücken! Unsere lange Trennung verursacht mir nicht selten eine unsägliche Traurigkeit. Oft, wenn ich des Abends am Kamine sitze oder wenn ich den seines Grüns entkleideten Garten träumerisch betrachte, däucht es mir, als ob ich einen Schritt und eine Stimme hörte, die mir bekannt find, und ich glaube schon meine liebe Freundin daherkommen zu sehen. Du