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Donnerstag, den 23. Juni 1881.

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Madelom

Nach dem Französischen von I. RüttgerS.

(Fortsetzung.) I

Madelon stieß einen Freudenschrei aus und hüpfte den Schwestern entgegen, wie als ob sie einen alten Bekannten wiederge­sehen hätte.

„Dieser Koffer gehört wohl Dir, denke ich?" sagte die Schwester mit freundlichem Lächeln, als sie das strahlende Gesicht des Kinde» gewahrte.

»Ja, ich erkenne ihn jetzt wieder," rief Madelon aus; „er gehörte Mama, und er enthält noch, glaube ich, Sachen, die sie gebraucht hat. Wir haben ihn nicht immer mitgenommen, sondern oft im Hotel oder auf der Eisenbahn stehen lassen. Aber wo haben Sie ihn denn wiedergefunden, Schwester?"

„In einem Zimmer, da» al» Vorrath»- zimmer diente, und da» wir rin wenig in Ordnung bringen wollten, die Schwester Agatha und ich nämlich, und woh n man ihn gebracht hatte, als Du in’S Kloster kamst. Wir haben ihn hierhin gebracht, damit Du Nachsehen möchtest, was darin ist; vielleicht enthält er noch Kleidungs­stücke, die für Dich passen."

In demselben Augenblicke ertönte die Glocke, und die Schwester meinte:

„Es läutet, und wir müssen gehen. In einigen Tagen hoffe ich, Madelon, wirst Du auch wohl im Stande sein, in die Ka­pelle zu kommen; das wird wohl das Zeichen Deiner vollständigen Genesung sein."

Damit entfernte sie sich mit ihrer Be­gleiterin und Madelon war wieder allein.

Madelon trat mit ebenso großer Neu­gierde als einem unbestimmten Gefühle an den Koffer heran. Hatten doch die Gegen­stände, die er enthielt, ihrer verstorbenen Mutter zum Gebrauche gedient, und des­halb nahm sie mit einer Art von Ehrer­bietung einen nach dem anderen in die Hände. Sie fand anfangs nichts, was irgendwie einen besonderen Werth gehabt hätte, da Madame Linder», ehe sie starb, die geringsten Kostbarkeiten abgelegt hatte, und Alles, was man irgendwie zu Gelbe hatte machen können, später verkauft wor­den war. Es war nur noch einiges Leinen, ein Shawl, ein Mantel von altmodischem Schnitte, einige alte Bücher, die auf der ersten Seite den Namen „Madeleine Moore" trugen, ein halbleeres Arbeit«, kästch en und sodann zwei oder drei Kleider vorhanden. Unter den letzteren befand sich

O Zur Freimaurer-Frag«. (Fortsetzung.

Greift man nun vollends in das con« \ crete Leben des Logenthums hinein, so; findet man dort fast überall nicht natürliche \ Religion, sondern crassen Naturalis- mus. Zum Beweise führt der Autor die Namen einiger dem Offenbarungsglauben | feindlichen Logenbrüder, wie Voltaire, Re« ; nan, Strauß, Häckel rc. an, denen sich die ‘ obengenannten französischen Revolutions« i Helden in würdiger Weise anreihen; des- l gleichen einige Zeugnisse aus der Feder und < dem Munde namhafter Freimaurer, welche wir als charakteristisch für den Moral- unv : Sittlichkeits • Begriff derselben nicht über- ? gehen wollen.

„Bruder Po lack" eiferte in Antwerpen $ gegen die „düstere" Sittenlehre des Christen- | thums, welches dem Menschen Genüsse ver­sagen wolle, zu denen ihn die Natur bestimmt. ? In gleichem Sinne erklärte Bruder Ame- lung in Jena: „Da» Sittlichgute ist das Rcinmenschliche." Die Krone setzt : diesen Morallehren ein Artikel in der .Bauhütte' auf, in welchem eine „verein­fachte Sittlichkeit" empfohlen oder, um da» Kind beim richtigen Namen zu nennen, eine grundsätzliche Billigung der H. . . . . . ausgesprochen wird. Eine ähnliche „Verein­fachung" auf philosophischem Gebiet em­pfiehlt „Bruder Blunlschli" in Heidelberg, welcher :an Stelle des Theismus und Pantheismus einen selbsterfundenen „ma­krokosmischen Gottesbegriff" gesetzt sehen will. In aller Bescheidenheit sagt er aller­

dings, es könnten Jahrhunderte, sogar Jahrtausende vergehen, bis man so weit gelangt oder — wie der Autor hinzusetzt — „bis die schwach begabte Menschheit dahingekommen sein wird, den colossalen Gedanken Bluntschli's — dieser alten Frau im Philosophen - Mantel — noch einmal denken zu können."

Der Einwand, daß alles dies zwar für die humanistische Maurerei gelte, nicht aber für das christliche System, ist leicht zu entkräften. Abgesehen davon, daß die christlichen Maurer einen winzig kleinen Theil Aller bilden, sieht cs auch mit deren Christenthum größtentheils ziemlich zweifelhaft aus. Die Erklärung nur eines Symboles wird hierzu genügen. Hiram, von den drei Gesellen erschlagen, bedeutet den Heiland und die drei Secten, welche ihn am meisten verfolgten. Nun, wir glauben mit dem Autor, daß es für einen überzeugten Christen unmöglich ist, seinen Heiland al» Figuranten in einem maurer- ischen System verwenden zu lassen. Be­kannte doch auch vor fünfundzwanzig Jahren, gelegentlich der literarischen Fehde zwischen dem Professor Hengstenberg und den Berliner Großlogen, der im Auftrage der Logen redende General von Selaf­fin Ski sich ausdrücklich zum Kriege, wenigstens gegen die katholische Kirche. Auch das Scherenberg'sche Gedicht: „Wem gilt unser Krieg?" spricht die» ja in dür­ren Worten. Die zweite Strophe desselben ist erwähnenSwerth:

„Wem gilt unser Krieg? Euch werde I es kund, '

Die im Dunkeln ihr schleichet zu ver­derblichem Bund

Eure Fäden und Maschen zu schürzen." rc.

Der Bruder-Dichter meint die katholische Kirche; aber wider seinen Willen hat er in diesen Worten eine Charakteristik des Logenthums gegeben, wie sie treffender und verurtheilender kaum möglich ist.

Als Resultat stellt der Autor Folgen­des hin:

„Das Logen-Dogma ist so weit gefaßt, daß es allen Confefsionen und Religionen Spielraum gewährt.

Die Logen-Moral ist weit genug, um auch den ausgesprochensten Naturalis­mus in seiner Fleischlichkeit nicht zu stören.

Was die Loge im Großen an religiösen Ideen in'» Volk getragen hat, ist Auf­lösung und Zersetzung. Was sie im Klei­nen an praktischen Werken der Liebe ge­leistet hat, ist der Rede nicht werth.

Was nun die politische Seite des Logen­thums anlangt, so folgt ihre Beschaffen­heit mit Nothwendigkeit aus dem über die religiöse Gesagten. Wer auf religiösem Gebiete liberal ist, wird es auch auf po­litischem sein. Wir haben aus der ge­schichtlichen Entwickelung dies zur Genüge in den Ländern Nachweisen können, in welchen die Logen sich geradezu in poli­tische Clubs verwandelt haben, und zwar ist es nirgends ein gemäßigter Liberalis­mus, welchem man huldigt, es ist das Banner der „Freiheit, Gleichheit, Brüder­lichkeit", mit welchem man die Menschheit zu beglücken sucht oder wenigstens vorgibt, ganz auf dem Boden des Koffers eines von schwarzer, etwas abgetragener Seide, in dessen Tasche sich einige offenbar ver­gessene Sachen vorfanden; wahrscheinlich war es das Kleid, welche« Madame Linders zuletzt getragen hatte, und in der Eile, mit welcher man Alles zusammenge­packt, hatte man vergessen, näher nachzusehen. Sie entdeckte zunächst ein Stück eines halb­verbrannten Briefes, der in englischer Sprache abgefaßt war, und dessen Anfang sowohl al» das Ende vom Feuer zerstört worden war. Die Schrift war klein, indeß deutlich, und Madelon konnte ohne große Mühe noch das Folgende entziffern:

„--daß ich Dich nicht besuchen

kommen kann, da es Herrn Linders unan­genehm sein würde. Ich muß also wohl darauf verzichten, aber wenn Du wüßtest, wie sehr ich mich darnach sehne, Dich zu sehen und an mein Herz zu drücken! Unsere lange Trennung verursacht mir nicht selten eine unsägliche Traurigkeit. Oft, wenn ich des Abends am Kamine sitze oder wenn ich den seines Grüns ent­kleideten Garten träumerisch betrachte, däucht es mir, als ob ich einen Schritt und eine Stimme hörte, die mir bekannt find, und ich glaube schon meine liebe Freundin daherkommen zu sehen. Du