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Mittwoch, den 22. Znni 18m.

ien^e=nt??8,ti4, Sonn» ,unb F-ierlag. ausgenommen. Man abonnirt'

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Ihre Genesung verfloß langsam und trau­rig. Schwester Lucia, welche die kleine Kranke, so lange fie in Gefahr schwebte, mit außerordentlicher Hingebung und Liebe gepflegt hatte, mußte jetzt da sein, wo ihre Gegenwart nöthiger war, und mußte so Madelon einem Alleinsein überlassen, da­für ihre lebhafte und reizbare Einbildungs­kraft nicht ohne Gefahr sein konnte. Die Erinnerung an ihren Vater und die liebe Vergangenheit traten bei ihr stärker denn je hervor, und fast natürlicherweise richtetm sich ihre Gedanken wieder auf Horace. Sollte sie denn ganz auf die Verwirklichung der Pläne verzichten, dir ihr so lieb geworden waren? Sollte sie denn niemals eine Ge­legenheit finden, ihm ihre Liebe und Dank- barkrtt an den Tag zu legen? Und doch, was konnte sie, die fie ja in gewissem Sinne wenigstens eine Gefangene war, für ihn thun? Ganze Stunden lang brütete fie über diesen Punct, ohne daß sie irgend einen Aus­weg hätte finden können; dann erfaßte fie wieder ein brennende« Verlangen, aufzustehen und sich gleich an'« Werk zu machen, nämlich

gehen, dort das Glück zu versuchen und dann an Horace zu schreiben —das war die licht« \ volle Idee, welche ihr durch den Kopf fuhr. \

Als Schwester Lucia kurze Zeit darauf Madelon besuchte, waren die Spuren der Thränen auf ihren Wangen noch nicht ganz verschwunden, und das Bett noch ganz in Unordnung; aber in diesem Augenblicke war sie ganz ruhig. Die Schwester stand einige Zeit da und betrachtete mit zärtlichem Blick die bleichen, abgemagerten Züge.

„Arme» Kind;" murmelte sie dann, in­dem sie ihr die Stirn streichelte.

Madelon öffnete in diesem Augenblicke die Augen:

und Babel esse, nächstes Jahr aber in Jerusalem und in Freiheit geniesen werde.

„Herr Horace," sagte sie wie in einem Traume, „ich habe nichts vergessen — ich will —" und dann schlief fie wieder ruhig weiter.

; nach Jerusalem gebracht. Der Meister ver. theilt das Brod als „Brod des Elends",

Abonnements-Einladung.

Auf das 3. Quartal 1881 der ,^»ldaer Zeitung' bitte« wir nn- gesämut zu abonnire«.

Die-Fuldaer Zeitung erscheiut a« allen Werktage« mit dem Da­tum des folgenden Tages u«d kostet vierteljährlich bei der Expe- ditio« (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Poftfchaltern Mk. 1.50. Ins Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der ,Fuldaer Zeitung' ist anerkanntermaßen eine e u t- f ch i e d e « katholische; auf dem «-biete der Politik ist ihr Stand- punet der des Centrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht ste rütkstchtslos gege« Wucherer uud Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artikel für die landwirthschafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Provincial-Nachrichten Von einigem Jntereffe. Cours­und Marktberichte. Familiennach- richteu re. Inserate finde« durch die ,Fuld. Ztg»' die wirksamste Verbreitung.

(Die ,Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im H. Nachtrag sub Nr 1673 eingetragen.)

O Zur Freimaurer-Frage. (Fortsetzung.

Was bei der Aufnahme zum Gesellen der über dem Meister schwebende Stern

41 Madelo«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

mit der Inschrift G. bedeutet, darüber ist Nazareth sei durch den Juden Raphael man uneinig. Von einigen wird angenom- < ■ ' ~ r ' ' - - — *

men, es bedeute Gott, von anderen Geo- | theilt das Brod "als „Brod des Elends", meine; die Franzosen legen es als Gloire ! das man dies Jahr noch in Knechtschaft (Ruhm) und Grandeur (Größe) aus. Alle und Babel esse, nächstes Sabr aber in Me Gebrauche und Symbole, welchen man < weiue.

noch viele andere hmzufugen könnte, sind Bei dem 30., dem „Kadosch (Heilig) Grad", durchaus harmloser Natur. Anders ist es besteht das Hauptstück der Feier darin, mit den Brauchen, welche bei der Auf- | daß einer dreiköpfigen Schlange, deren na^me in die höheren Grade üblich sind. \ eine Kopf die Tiara, der zweite eine Ser Aufzumhmende des „Großkreuz St. ? Krone, der dritte ein Schwert trägt, diese Johannis - Grades begibt sich in seinem » abgeschlagen werden. Die Köpfe bedeuten x s ^ratheS aller gött- - das Papstthum, das Königthum und die ^nb ^r Glone des neuen ' stehenden Heere. Viel deutlicher kann man Der Meister gibt ihm darauf feine politische Stellung wohl nicht aus- die Macht, „alle btejentgen heiligen Func- drücken und ein crafferer Gegensatz zwischen SS ®etroaüe"' welche die Apostel : Theorie (cfr. Pflicht 1 und 2 des Eon- wL?« tnra beL tr^tn K'rche verwaltet ; stitutionenbuches) und Praxis ist wohl auch haben. Gewiß eine Blasphemie ohne - schwer denkbar.

Gleichen. ; Anlangend hier noch die Kritik der

In dem altschottischen System mit 33 ; Freimaurerei nach ihrer doppelten Lebens- Graden, von welchen übrigens die meisten > äußerung, der politischen und religiösen trotz ihrer pomphaften Titel nichtig und, so soll dieselbe, wie schon bemerkt, „natür-

?*te. 'qS^uber $tnbet'' in der .Bauhütte' t liche Religion" sein, welche fern von jedem

fogt, SGuffe uni) Aepfel sind, mit denen Dogmenzwang allen Menschen gemeinsam

man den Affenhaufen spielen läßt, sind be- ; ist. Dem religiösen Bekenntniß stellt man

sonders der 18. und 30. Grad bedeutungs- : das Neben und Thun geflissentlich entgegen, Jte r9lirQlie3u b.ie,.Joctole und • den- trennenden Meinungsverschiedenheiten politische Revolution symbolisiren. Der i über diese und jene dogmatische Formu« Slutor schreibt darüber: „Der 18. Grad ■ lirung das Alles vereinende Band der des Rosenkreuzes, la väns mystique, (das Liebe. Dies erklärt geschichtlich die Ent- geheimnißvolle Mahl) ist eine parodirte stehung der Freimaurerei allerdings als Abendmahlsfeier; alle Brüder sind, um das rechte Kind des Rationalismus (Ver- das allgemeine Pnesterthum anzudeuten, als < nunftreligion) und im günstigsten Falle b'det. Neber dem Altar prangt | als den Rückfall aus dem Christenlhum in die Inschrift J. N. E. J., die nach mau- das Noahchitenthurn. Unmöglich kann man rerischer Deutung bedeutet: Jesus von die natürliche Religion für etwas Höheres

Madelon sah und hörte nichts von all' dem; sie war ganz in ihren Fluchtplan vertieft, der sich ihr während der ganzen Dauer ihrer Wiedergenesung immer stärker aufgedrängt hatte, bis er endlich in ihr zu einem festen, unerschütterlichen Entschlüsse gereift war. Freilich standen ihr noch immer zwei große Hindernisse im Wege: aber sie konnten einen so energischen Charakter wie den ihrigen kaum abschrecken; zunächst handelte es sich für sie darum, die Freiheit wieder zu gewinnen und sich dann das zu ihrem Unternehmen nöthige Geld zu verschaffen. Die eine Schwierigkeit war nun gerade nicht unüberwindlich; denn unterhalb ihres Fensters, das einige zehn Fuß vom Boden abstand, war die Mauer mit wildem Wein, Epheu und anderen Kletterpflanzen bewachsen, welche das Her­abgleiten verhältnißmäßig leicht machten. Die übrigens nicht sehr hohe Umfaffungs- mauer konnte man leicht übersteigen, in- dem man sich von einem Haufen alten Gerümpels, das in einer Ecke lag, leicht hinaufschwang, und dann hatte man an der anderen Seite nur noch ein Feld zu Überschreiten, um auf die Landstraße zu gelangen, die nach Chaudfontaine führte.

Die Entfernung zwischen Lüttich und Spa ist nicht gerade sehr groß, und es

Einige Wochen später saß Madelon an einem schönen Aprilabende an ihrem Fenster; ein sanfter Windhauch trug ihr die Wohl- gerüche der ersten Frühlingsblumen zu; lange Schatten gaukelten auf dem Rasen- platz, und die Blätter der Bäume schienen von den Strahlen der untergehenden Sonne wie vergoldet zu sein, .und nur das Ge« v ' --------------------------- spräch einiger Schwestern, welche im Garten

aus dem Kloster zu fliehen, nach Spa zu I auf« und abgingen, unterbrach die Stille.