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Dienstag, den 21. Jnni 1881.

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'^^aeI 3«itung' erscheint täglich, Sonn- ,unb Feiertag» ausgenommen. Man abonnirtlgegen Boraukberabluna »u Fulda ^'^"^Ermarkt beiden Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementspreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und

^'^krlohn IM. 70 Pf., auswärts bei der, Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und SV R^Pfg., ins Haus gebracht 1»rfS

® * 'illuftrirten SonntagSblätter der Msser Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärt« am Postfchalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pf« _____________.____________Inserate: Di« Petit»«,!» oder deren Raum 10 Psg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt. W

Abonnements-Einladung.

Auf das 3. Quartal 1881 der ,Fuldaer Zeitung^ bitten wir un- gesäumt zu abonuire«.

Die,Fuldaer Zeitung erscheint J an allen Werktage« mit dem Da­tum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so wie a« den P-ftschaltern Mk. 1.50. In s Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der ,Kuldaer Zeitung^ ist anerkanntermatzen eine ent­schieden katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Stand- punet der des Centrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht ste rütkstchtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artitel für die landwirthsch afttrei- hende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Provineial-Nachrichten von einigem Jnterefie. CourS- «nd Marktberichte. Familiennach- richten re. Inserate finden durch Vie ,Fuld. Ztg.^ die wirksamste Verbreitung.

(Die .Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

Z Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Es heißt weiter kämpfen und des­halb müssen alle Katholiken wie ein Mann

r fest zusammenstehen. Da sind keine politischen - Reiterkunststückchen ä la Cremer (Berlin) und Liebäugeleien mit unzuverlässigen : Conservativen am Platze, mögen sie noch ' so gut gemeint sein, — am allertraurigsten aber ist es, wenn, wie in Baiern, die z eigene Partei sich bis aufs Messer be- - kämpft. „Extreme und Gemäßigtei" Dummes Zeug, - „katholisch" soll die Parole heißen und ein Band Alle um» ’ schlingen. Wollen die Katholiken in Baiern etwa die Zersplitterung des Libe­ralismus nachäffen und zum Gespötts wer­den ? . Das fehlte noch zu allem Elend I Auch in Oesterreich und Frankreich gehen i die Katholiken aus rein nebensächlichen Gründen, die mit der Religion kaum etwas zu thun haben, auseinander, anstatt sich die '■ Hand zu reichen. Sie haben wahrlich Feinde genug und Kämpfe in Hülle Fülle und zu bestehen, ohne daß sie sich selbst be­fehden und lahmlegen. Möchten die Quer- i köpfe nur Umschau halten, allenthalben ■i finden sie den Liberalismus im Sturm« l schritt gegen das Christenthum heranmar« - schiren: in Belgien, wo jetzt auch der Se­nat das Gesetz über die confessionslosen Mittelschulen genehmigt chat^. in Frank- ; reich, wo der Senat sich für den obliga« - torischen religionslosen Elementarunterricht erklärte; in Oesterreich, wo die „Ver­fassungstreuen" die Conservativen am

I Spieße braten möchten, — überall gibt's i erbitterte Feinde, und da sollten die Katho- f liken zum Jubel ihrer Gegner, sich noch ^selbst die Hälse abschneiden? Leider sind oft die Schädel so dick, daß die Vernunft

nicht hineingeht. Feinde im eigenen Lager sind gefährlich, — aber unschädlich sind die Gegner, deren Waffen nur aus Frech­heiten und tollen Schimpfereien bestehen; sie erinnern an die Marktweiber, denen Gründe und Beweise fehlen. Hast du, freundlicher Leser, die Flegeleien des jüdischen .Berliner Tageblattes' und der protestantischen .Deutschen V. C.' gelesen, welche dieselben über die deutschen R o m p i l g e r zum Besten gaben? Wenn ja, dann ärgere dich nicht, sondern bemit­leide den Fanatismus und die Wuth dieser Scribenten, die höchstens ein Achselzucken werth sind. Der Jude Moffe sagt, die Rompilgerinnen seien alle „von wahrhaft abschreckender Häßlichkeit" und sehr schmutzig; wenn ich nun eine Reihe plattfüßiger Se­miten mit dito Frauen aufmarschiren ließe, hätten wir dann etwa lauter Appollo's und Juno's vor uns? Es geht doch Nichts über die schönen und reinlichen Juden! Na, Masse wollte picant sein und einen Witz machen, deshalb möge er laufen; aber auf die unverschämten Sudeleien der ,D. V. 6/ ist die Feder schon nicht mehr die geeignete Waffe. Dieser freche Spott über den Papst, die Ablässe, die Reliquien­verehrung rc. übertrifft alles bis jetzt Da­gewesene! Ein Wort der Abwehr wäre aber eine Ehre für die schwindsüchtige Natter, die ohnehin bald in's Gras beißen wird, denn vom 1. Juli ab erscheint sie wegen Mangel an Groschen wöchentlich nur noch einmal. Pereat I

So findet der, welcher von der hohen Warte nüchterner Beobachtung aus Um-

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sie sich an die Stelle ihres Vaters Merville,

mit der ganzen leidenschaftlichen Zärtlichkeit,

der Schwester Lucia, die in den weiblichen

gegangen, die zur Folge hatte, daß sie etwas sanfter und umgänglicher wurde.

Nicht als ob sie etwa aufgehört habe, ■ ein Kind zu sein, zu denken und zu handeln i wie ein Kind in den meisten Dingen, durch den Unterricht, welchen sie im Kloster erhielt, lernte sie zwar eine Menge neuer Kenntnisse, aber ihr Charakter hatte sich dadurch nicht eigentlich entwickelt; sie hatte sich bis dahin noch in keiner Weise mit den Elementen befreundet, die sie umgaben — Elemente, die mit ihren Grundsätzen und ihrer gan­zen Richtung in so schroffem Widerspruch standen ; sie hegte eine Menge unabhängiger Gedanken, auf die ein äußerer Einfluß gar

Wer weiß, wie lange sie noch in dieser Geistesverfassung geblieben wäre, wenn die Eindrücke der Kindheit nicht allmählich ver­blaßt wären, und andere Einflüsse ihre religiö­sen Anlagen nicht weiter entwickelt und ihrer Begeisterung eine höhere Richtung gegeben hätten. So heilig ihr auch die letzten Worte ihres Vaters sein mochten, so hätten sie doch vor einem Rufe von Oben und

Madels«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

VIII.

Der Winter verfloß, ohne daß ein irgend­wie bemerkenswerthes Ereigniß die Eintönig, keit eines Lebens unterbrochen hätte, an welches ein weniger hitziger und mehr nor- mal gebildeter Geist al« derjenige Madelons, sich rasch gewöhnt haben würde. Sie war der Vollendung ihres zwölften Lebensjahres eben ganz nahe gekommen; für ihr Alter war sie bereits groß und schlank und nicht ohne eine gewisse Anmuth; ihr Gesicht, das

Versprechens auf diese vielleicht noch in wei« ter Ferne liegende Zeit verschob, wo sie ihre ! Freiheit wiedererlangt haben und sie nach ' Herzenslust benutzen würde.

dichte, blonde Haarflechten umwallten, zeigte noch immer die frühere Bläffe, und ihre i Züge ließen schon jetzt mit großer Wahr­scheinlichkeit darauf schließen, daß sie einst 1 eine Schönheit sein werde. In gewisser Hin- ; sicht hatte sie sich mit ihrer jetzigen Lage ; , ....... o„.

ein wenig ausgesöhnt, die sie indeß immer l nicht einwirken zu können" schien; sie" "um- nur als eine provisorische betrachtete, in ' faßte fortwährend das Andenken ihres Vaters die sie sich fügen mußte, bis rin neuer Gesichts. ! mit der ganzen leidenschaftlichen Zärtlichkeit,

uirrgen Schülerinnen immer mehr mied aber in ihren Zukunftsträumen gaukelte

und dafür fast ausschließlich den Umgang ihre Einbildungskraft ihr unaufhörlich die

mit der Schwester suchte, war sie etwas Wiederkehr dieser Zeiten vor, nur dachte

ernster und ein wenig ruhiger geworden; sie sich an die Stelle ihres Vaters Merville,

ihre anfängliche Ausgelassenheit und Unbot- indem sie die Erfüllung des ihm gegebenen

Mäßigkeit war in eine stille Melancholie über« l Versprechens auf diese vielleicht noch in wei«

vor den wiederholten Mahnungen des Ge­wissens wohl kaum Stand gehalten. Aber ehe noch eine solche Umwandlung in ihr vorgehen konnte, trat ein Ereigniß ein, wel­ches den Lauf der Dinge völlig änderte; , .. - v ■ - , .. , ■ - ; . - , v----------- gegen da« Ende des Monates März brach

kreis sich vor ihr aufthun würde. Sie lag ; deren ihr liebender Herz fähig war, und sie in dem Kloster ein typhöse« Fieber aus, ihren Studien ob, sang in der Kapelle, und i hielt an der Erinnerung an die Vergangen- j das wahrscheinlich durch einen feucht«n unae. verstand schon in Folge der Unterw.isung > heil mit einer Zähigkeit fest, die durch den ’ sunden Winter veranlaßt war und mehrere der Schwester Lucia, die in den weiblichen Gegensatz, in welchem dieselbe zu ihrer jetzigen Opfer forderte. Die Oberin, welche von Handarbeiten ausgezeichnet war, sehr hübsch Lage stand, nur vergrößert wurde. Diese \ der schrecklichen Krankheit sogleich ergriffen zu sticken. Indem sie den Umgang mit den glücklichen Zeiten waren nun einmal vorüber; ! worden war, erlag derselben nach Verlauf