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O Zur Freimaurer-Frage» (Fortsetzung.)

, Wie man bemüht war, dem Logenthum einen möglichst vornehmen und ehrwürdigen Anstrich zu geben, erhellt aus dem Beispiel des Schotten Ramsey, welcher Beziehungen zum Johanniterorden aufzubringen suchte und durch die Einführung des Systems der „stricten Observanz" durch Freiherrn v. Hundt, in welchem ein Gemisch von Rit­terwesen, französischen Templer- und deutschen Maurer-Ideen enthalten ist. Das Charak­teristischste in der Entwickelung aber ist die totale Veräußerlichung in lauter Bei- und Blendwerk. Eine glänzende Schale sollte den hohlen Kern verdecken. Wir wollen von den zahlreichen Gebräuchen, deren Bedeutung dadurch noch erhöht wird, daß sie grade das „maurerische Geheimniß" Gilben und den großentheils gewaltsam Mbeigezogenen Symbolen einige der be­deutendsten heraussuchen. Natürlich sind dieselben nach den verschiedenen Nationen außerordentlich verschieden, wenngleich schließ­lich immer dieselben Ideen zu Grunde liegen.

,®o8 Lehrlings- und Gesellen-Wort sind beide dem salomonischen Tempel entlehnt, welcher als das älteste bekannte, dem Dienste des einen Gottes geweihte Bau­werk als ein Vorbild des ideellen Baues hingestellt wird. „Jakin" (der Herr wird dich aufrichten) und „Boas" (der Herr wird dich stärken): es sind die Säulen, an welchen die Lehrlinge und Gesellen ihren Lohn erhielten. Einige Systeme haben ihre besonderen Paßworte: für die Lehrlinge

das Wort „Tubolkain" und für die Ge­sellen das Wort „Schiboleth", bekannt­lich das Wort, durch dessen unrichtige Aus­sprache sich die Ephraimiten verriethen (Richter 12. 6). Der Ceremonie bei einer Meisterloge liegt ebenfalls eine Mythe zu j Grunde, welche bei dem Bau des salomo­nischen Tempels sich ereignet haben soll, i Hiram, Salomons Baumeister — so be- ' richtet man — sei von drei Gesellen er­schlagen worden, welche ihm das Meister­wort abtrotzen wollten. Erst mehrere Tage

worunter eines für Damen, erhält. Das „Lehrlied" erklärt dies, nachdem es die Ausschließung des weiblichen Geschlechts motimrt hat:

„Mädchen zwar, damit Cythere Und der kleine Bösewicht, Amor, uns're Ruh nicht störe, Findst du in der Loge nicht," damit, daß es die „süße Pflicht sei, die Schönen zu verehren". Ein Keuschheits­gelübde ist also gewiffermaffen ver­pönt.

nach dem Morde habe man die verwesende Leiche gefunden, welche dann in Gegen­wart von fünfzehn Gesellen mit weißen Handschuhen (I) und Schurzfellen im Aller- heiligsten begraben worden sei. Auch das Paßwort der Meister „Sublim" ist ein Zuname Hirams.

Von den allgemein gebräuchlichen Sym­bolen mögen folgende erwähnt werden. Der Neuling, welcher als Lehrling ausge­nommen werden will, wurde früher ganz nackt, jetzt bis auf Hose und Hemd ent­kleidet, die linke Schulter und das rechte Knie noch besonders entblößt, eingeführt — „wirklich und figürlich bloßer Mensch". Als Fußbekleidung trägt er ein Paar Filz­schuhe, von dem« einer hinten nrederge- treten ist. Dies soll bedeuten, „daß wir zum Dienste der Unglücklichen und besonders unserer Brüder gern die Zeit aufopfern, die wir zur nöthigen Ruhe verwenden müsien" — eine schwer ergründliche Sym­bolik. Eigenthümlich ist es, daß jeder als Lehrling Aufgenommene nach dem Bruder- kuß des Meisters zwei Paar Handschuhe,

Anmerkung. Der Curiosität wegen wollen wir noch einiger der so viel besprochenen Er­kennungszeichen gedenken: Das Klopfen mit zwei geschwinden und einem langsamen Schlage soll bedeuten: „Die ersteren beiden den Eifer des Freimaurers zu arbeiten, und der letzte seine Be­harrlichkeit." Das „Erkennungszeichen" des Lehr­lings ist: die vier Finger der rechten Hand aus­strecken und sie quer über seine Kehle ziehen, und das „Merkmal", wenn man den Ballen des Daumens der rechten Hand dem Bruder, der ein Wort begehrt, auf das erste Gelenk des vor­dersten Fingers seiner rechten Hand legt. Wird . auch das „Wort" verlangt, so geschieht das in der Weise, daß Beide die Worte „Boas" und „Jakin" buchstabiren, indem Jeder immer einen Buchstaben nach dem anderen sagt. Aehnliche Kindereien sind natürlich auch bei den Gesellen und Meistern, worüber die fragliche Schrift eben­falls nähere Auskunft gibt.

5 D-utfcheS Reltv.

* Berlin, 16. Juni. Nachdem das Unfallversicherungsgesetz, wie wir nachstehend berichten, in den gestrigen Schlußsitzungen des Reichstags erledigt worden ist, steht die Regierung, welche dasselbe in der von der Majorität des Reichstags beschlossenen Form seither bekämpft hat, vor der großen Frage

Madelo«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Dann drückte er ihr mehrmals Herzlich die kleinen Hände, mit denen sie sich fest an ihn zu klammern suchte, und versuchte sich sanft loszuwinden; plötzlich ließ sie ihn los, und Merville eilte rasch von dannen, aber in dem Augenblicke, wo er sich ent- fernen wollte, wandte er sich noch einmal um.

Madelon stand an der entgegengesetzten Seite des Sprechzimmers; die Arme auf die Fensterbank gestützt, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend, weinte sie heftig. Die Schwester stand neben ihr und suchte vergeblich sie zu trösten. Gern wäre Ho- race nochmals zurückgeeilt — aber die Zeit drängte, und er mußte seinen Blick von einer Scene abwenden, die ihm noch lange fest in der Erinnerung haften blieb.

VH.

Horace war abgereist; für Madelon war damit das letzte Band, daß sie mit der Außenwelt verband, zerrissen. Vielleicht jetzt erst kam ihr die ganze Veränderung der Lage, in welcher sie sich befand, so recht zum Bewußtsein. Bis dahin hatte die Reise und die kleinen Zerstreuungen sie noch nicht so recht begreifen lassen, daß

ihr früheres so glückliches Leben, das nur aus einer Reihe nacheinander folgender fröhlicher Tage zu bestehen schien, auf immer zu Ende sein sollte; aber jetzt drückte ihre Betrübniß und ihre Trostlosig­keit sie mit doppelter Wucht, und vergeblich waren alle Bemühungen der Schwestern, sie einigermaßen in ihrem Leid zu trösten.

Mit Recht sagt man, daß der Kummer eines Kindes nur vorübergehend ist, und daß die Thränen eines Kindes ebenso schnell trocknen, als sie fließen. Jndeß können immerhin Prüfungen über ein Kind kommen, die auf seine ohnehin so empfäng­liche Natur tiefer einwirken und e» ganz besonders nachhaltig berühren, seine Tage, die sonst ja nur Fröhlichkeit und Lust sind, verdüstern und den sonst so süßen Schlaf stören. Gerade wegen der eigen- thümlichen Natur des Kindes ist denn auch kein Schmerz größer, keiner schwerer zu trösten, als eben sein Schmerz. Wir, die Erwachsenen, die wir das Leben bereit» kennen, die wir vielleicht mehr oder minder eine Schule des Unglücks und der Prüfung durchgemacht haben, wir haben jene Kraft, die wir aus dem Leiden selbst schöpfen, wir habm den Balsam der Hoffnung, welcher unsere Wunden heilt, wir haben noch immer die Erwartung, daß auf die

düsterste Stunde immer noch einmal eine Helle, glänzende Zukunft folgen wird; das Kind dagegen kennt weder Vergangenheit noch Zukunft, und wenn es einmal von den Schlägen des Schicksals hart getroffen zu fein glaubt, dann bedarf es langer Zeit, um in ihm wieder neuen Muth und die Hoffnung auf eine bessere Zeit aufleben zu lassen.

Einer solchen harten Probezeit mußte auch Madelon nach einer langen Reihe von Jahren ungetrübten Glückes sich unterwerfen. Als ihre anfängliche Bekümmerniß sich ein wenig beruhigt hatte, trat ihre ehemalige Energie wieder in etwa zu Tage; aber für sie war es kaum ein Fortschritt zu nennen, denn diese ihre Heftigkeit, die bei der augenblicklichen Geistesverfassung nach Außen oft als eine äußerst große Unbotmäßigkett und Lust zum Widerspruch zu Tage trat, war jetzt die Ursache, daß sie alle Beweise der Güte und Theilnahme, welche man ihr angedeihen ließ, ungestüm und ungeduldig zurückwie». Sie wurde äußerst reizbar, launisch und ungelehrig, so daß man sie schließlich für ein Kind von wenig liebens­würdiger Gemüthsart ansah, und daß so­gar die Schestern selbst, die ihr anfangs mit großem Wohlwollen entgegen gekommen waren, schließlich gegen sie eine gewisse