Mittwoch, den 15. Juni 188!
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O Zur Freimaurer-Frage»
Im Verlage von E. Bertelsmann zu Gütersloh erschien so eben eine Broschüre, betitelt: „Was treiben die Freimaurer? Kurzer Wegweiser für Laien von D. v. O." — Bei dem allgemeinen Interesse, welches diese Frage hat, wird es sich verlohnen, die wesentlichsten Puncte derselben kurz zusammenzustellen. Einen „Leitfaden" nennt der Verfasser das Werk und faßt die Bestimmung desselben dah-n zusammen, er solle „jedem Nichtmaurer Gelegenheit geben, sich zuverlässig und schnell über Wesen, Geschichte und Gebräuche des Ordens orientiren zu können." Und in der Thal, ohne die geringsten Vorkenntnisse wird Jedermann sich mit Leichtigkeit ein anschauliches Bild von der Freimaurerei aus der Broschüre qu. verschaffen können; für Jeden wird nach dem Lesen derselben der Nimbus verschwinden, welcher diesen Geheimbund in den Augen des Uneingeweihten umgibt und der ihm denselben als ein verschleiertes Bild von Sais erscheinen läßt. Hierin liegt der große Vorzug dieser Schrift vor allen anderen, welche bisher über dasselbe Thrma er« schrenen sind. Alle diese setzen, abgesehen davon, daß sie zu umfangreich und theuer sind, schon eine erhebliche Bekanntschaft mit rem Logenlhum voraus, wie dies der Verfoffer in der Einteilung auch ausdrück« lich betont.
Foricht man nun der Entstehung des Freimaurerthums nach, so ergibt sich, daß dieselbe in höchst prosaischer Weise zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Eng-
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Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Für unsere Madelon hatte der ganze Krin krieg mit all' seinen möglichen Folgen nur sehr wenig Jntereffe, und sie begriff denn auck deshalb die Antwort Horace's kaum; indessen amüsirte sie der Gedanke, sich mit einer kleinen Uniform bekleidet zu sehen, nicht wenig, und sie lachte aus vollem Halse darüber.
„Aber später," versetzte sie mit der ihrem Alter eigenen Zudringlichkeit, „später werden Sie doch in England wohnen?"
„Sehr wahrscheinlich, Madelon; aber es können noch viele Jahre darüber hingehen, ehe ich mich irgendwo an einem Orte fest niederlafle, ich muß zuerst noch daran denken, mir einiges Vermögen zu erwerben."
„Vermögen erwei ben?" sagte sie lebhaft den Kopf in die Höhe richtend; „aber — wenn Sie es wollen, will ich dies für Sie thun."
„Wirkich?" sagte Horace, der ganz in Gedanken versunken, rote zerstreut auf ihre Worte geachtet hatte.
„Ja, ganz gewiß, ich werde es thun," sagte sie mit Energie; in wenigen Sekunden hatte sie einen großen Entschluß über
land vor sich ging. Bei der Einführung des augustischen Baustils nämlich durch Inigo Jone« und Christoph Wren traten zahlreiche vornehme Leute aus Begeisterung für die neue Bauart den bestehenden Gilden (Zünfte) oder, wie sie dort heißen, „Logen der Steinmetzen" als Ehrenmitglieder (accepted masons) bei. Die Steinmetzen aber führten, weil es ihre Aufgabe ist, den freien Stein zu bearbeiten, im Gegensatz zu den die rauhe Arbeit verrichtenden rough masonS, (Roh - Maurer) den Titel free - masons (Frei ' Maurer), eine Name, welcher sich bis heute für die Genossen des so geschaffenen Bundes erhalten hat.
Aus dieser Verbrüderung wirklicher Bauleute wurde bald eine Verbrüderung symbolischer. Nach Beendigung der Bauten zogen die Steinmetzen und Gilden fort und nur die accepted masons blieben zurück. Schon 1716 traten diese im Weinhaus zum Apfelbaum in London zusammen und consnkuirten sich in der Weise, daß bte damals gangbare Idee des „Deismus" (der rein natürlichen Gotteserkennt- niß) als religiöser Hintergrund und bis zu einem gewissen Grade als Zweck hinge- stellt wurde.
Schon bald genügte den „Brüdern" \ diese Art der Entstehung nicht mehr, sie war nicht großartig, nicht phantastisch ge- nug. Man suchte auf die verschiedenste Weise dem Logenlhum ein höheres Alter, eine vornehmere Herkunft anzudichten, wie dies in der crossesten Art durch den Geist, lichen Anderson geschehen ist. Derselbe
läßt die Freimaurerei mit der Schöpfung beginnen und beschreibt im ersten Capitel seines Werkes die Geschichte „Von der Schöpfung bis auf den Großmeister Nimrod" und so weiter.
Wie Anderson sich bemüht hat, dem Freimaurerthum einen glänzenden Stammbaum zu verschaffen, so versucht Findel, eine möglichst pomphafte, aber mehr phrasenhafte Definition (Erklärung) von der Sache zu geben. Der langen Rede kurzen Sinn faßt der Verfasser dahin zusammen: „Freimaurerei ist natürliche Religion, der Freimaurerbund die Vereinigung ihrer Bekenner." Wir kommen im Folgenden wieder hierauf zurück. Zunächst wollen wir dem Autor folgend an der Hand eines vom Bruder Marbach, Meisters vom Stuhl der Loge „Balduin zur Linde" in Leipzig gethanen Ausspruches, welcher den Zweck des Bundes als ein „Streben nach Selbst- erkenntniß, Selbstüberwindung und Selbstveredlung" hinstellt und der in Andersons Constitutionen buch genannten hauptsächlichen Pflchten der Freimaurer zeigen, wie zahlreiche Thatsachen und die ganze geschichtliche Entwickelung denselben geradezu Hohn sprechen.(Forts, folgt.)
Deutsche- Ketey.
* Berlin, 13. Juni. (Reichstag.) Berathung der deutsch rumänischen Convention : Lasker spricht der Regierung den Dank für die Regelung der Frage der Gleichberechtigung der Bekenntnisse aus. Mmnigerode hebt hervor, Lasker hätte besser gethan, den Dank unter den jetzigen
dacht und gefaßt; „ich will es thun, ich verspreche es Ihnen, und ich halte immer mein Versprechen. Aber Sie wissen nicht, wie ich dies anstellen werde, und ich sage es Ihnen auch nicht."
„Was willst Du mir denn nicht sagen?" frug Merville, der nicht recht wußte, wovon sie sprach.
„Was ich thun werde; Sie werden es sehen, ich verspreche es Ihnen."
Dann hüpfte sie vor Freude bei dem Gedanken an den Plan, den sie entworfen j hatte. Horace versuchte nicht, hinter dieses l wichtige Geheimniß zu kommen; er ver- • muthete nur, daß es sich um irgend ein j kindliches Geheimniß handle, womit sie ihn ! in Spannung halten wolle. Madelon in- i deß sah die Sache mit allem Ernste an, > und war schon bereit, ihre ganze Willens« \ kraft dafür einzusetzm. Ein Vermögen er« ? werben! Wie oft hatte sie nicht gesehen, 1 wie man ein solches in einem Tage, ja in einer einzigen Stunde gewann und verlor!
„Man gebe mir zehn Francs und ich will mein Glück damit macken!"
Dieses Wort de« verstorbenen Linders, welches sie Horace gegenüber vor einigen Jahren erwähnt hatte, war vor ihr gegen- wärtig. j
Sie waren noch nicht zum Hotel zurück- gekehrt, als sie ihren Plan bereits nicht hlo« im Ganzen, sondern sogar bis in's Einzelne hinein vollständig entworfen hatte. Spa lag, das wußte sie wohl, nicht weit von Lüttich entfernt, ohne Zweifel würde sie, so dachte sie, von ihrer Tante die Er« laubniß erhalten, einen Tag dort zuzubringen ; wäre sie einmal da, dann würden keme ernstlichen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen; sie würde sich dann zur Re- doute begeben, an den verführerischen Roulettetisch herantreten und wer weiß, vielleicht noch ehe Horace aus Deutschland zurück sei, würde sie ihr Versprechen bereits eingelöst haben — konnte sie ihm dann mit einem Vermögen entgegenkommen! So war der tolle Plan, den das zehnjährige Kind in seiner Begeisterung für Horace entworfen hatte — ein toller Plan ganz gewiß, der aber jedenfalls ein klarer Beweis'von der Zähigkeit und Energie ihres Charakters und von ihrer Liebe zu Horace war; denn sie liebte ihn mit einer Hingabe und einer Begeisterung, die keine Grenzen kannte.
Ehe sie an jenem Abend zu Bette ging, blieb sie noch lange am offenen Fenster stehen, welches auf einen kleinen Platz hin- ausging und einem herrlich erleuchteten