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«M. 134. Dienstag, den 14. Jnni 1881.

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Einladung

zur

28. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

zu

Bonn.

Im Einverständnisse mit Sr. Durchlaucht, dem Fürsten Karl zu Löwenstein - Wert­heim. Rosenberg, als ständigem Commissar der katholischen General-Versammlungen Deutschlands, ist beschlossen worden, die diesjährige General-Versammlung, so Gott will, in den Tagen vom 4. bis 8. Sept, d. I. in Bonn abzuhalten.

Als man im vorigen Jahre auf der Constanzer General-Versammlung die Stadt Bonn als Versammlungsort für die 28. General » Versammlung der Katholiken Deutschlands in Aussicht nahm, da wurde diese Nachricht in allen deutschen Gauen mit großer Freude begrüßt. Das unter­zeichnete örtliche Comits zur Vorbereitung der diesjährigen katholischen General-Ver­sammlung sah in dieser allseitigen Ver- trauensäußerung einen Fingerzeig, Alles aufzubieten, damit, so viel an ihm liegt, den Erwartungen, welche die Katholiken Deutsch, lands auf die Bonner 28. General-Ver- sammlung setzen, in jeder Beziehung ent­sprochen werde.

Wohl wiffen wir, daß die Sympathien, welche man der Stadt Bonn entgegen bringt, vielfach ihrer romantischen Lage an dem schönsten und herrlichsten der deutschen Ströme, zu Füßen des sagenumwebten Siebengebirges, zu verdanken sind. Viele auch haben einige der schönsten Jahre

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.) ।

In diesem Augenblicke ließ sich ein leiser Gesang vernehmen.

„Hören Sie?" sagte Horace; „wahrschein­lich sind es Ordensfrauen, welche ihre Tag­zeiten absingen."

Madelon hob den Kopf in die Höhe und horchte hin; kaum wagte sie zu athmen, aus Furcht, einen einzigen dieser Töne, welche ihr Inneres tief zu ergreifen schienen, zu verlieren. Ihre Züge nahmen einen ganz andern Ausdruck an, und ihr Blick erstrahlte in lebhaftem Glanze. Diese Stimmen, welche in schöner Harmonie bald auf-, bald nieder- wallten, schienen in ihrer wahrnehmbaren Sprache der Ausdruck der geheimmßvollen Poesie de» Abends zu fein.

„Wie schön!" sagte Madelon al» der Gesang aufgehört hatte! „glauben Sie, daß sie so alle Tage fingen?"

„Da» scheint mir sehr wahrscheinlich zu sein," antwortete Horace; „Sie sehen diese» Gebäude mit den erleuchteten Fenstern; da» muß wohl die Kapelle sein."

„Und meinen Sie, ob man mir erlau­ben würde, auch so zu fingen?"

„O gewiß, wenn Sie e» wünschen. Abe»

i ihrer Jugend in unserer prächtigen Musen- stadt im Dienste der Wissenschaft verlebt. Aber noch Erinnerungen höherer Art knüpfen sich für die deutschen Katholiken an die einstige Residenz Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten des hl. Römischen Reiches z deutscher Nation. Die Stadt Bonn rühmt i sich, ihren heiligen katholischen Glauben, i der bis in die ersten Zeiten des Christen» l thums hinaufreicht, und welchen Blutzeugen i aus der Thebaischrn Legion der Ueber- lieferung nach hier mit ihrem Leben be­siegelt haben, mit Gottes Gnade treu und unversehrt durch die Stürme der Zeiten bis auf unsere Tage erhalten zu haben. Wie uns dünkt, ist daher die Stadt Bonn der Ehre, die 28. General • Versammlung der Katholiken Deutschlands in ihren Mauern tagen zu sehen, nicht unwürdig.

Wohlan denn, Ihr katholischen Männer au» allen deutschen Landen, folget zahlreich der Einladung zur 28. General-Versamm- lung der Katholiken Deutschlands, welche wir hiermit recht dringend an Euch richten. Die Zeit, in welcher wir leben, ist für unsere hl. Kirche eine wahrhaft stürmische geworden. Ueberall in der Welt sehen wir zahllose Feinde der mannigfaltigsten Art gegen dir Religion Jesu Christi sich erheben und auf den Felsen Petri ein­stürmen. Schaaren wir uns daher Alle um unsere alte römisch-katholische Fahne, bethätigen wir die treue Anhänglichkeit an unsere hl. Mutter, die Kirche, und ermun. tern wir uns auf'» Neue zur Förderung und Pflege des katholischen Vereinswesen» auf allen seinen Gebieten! Möge denn die

28. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands durch zahlreichen Besuch, noch mehr aber durch segensreiche Beschlüsse, keiner früheren General Versammlung nach­stehen ! Möge sie arbeiten unter dem Schutze der glorreichen, unbefleckten Him­melskönigin, zur Ehre Gottes und zum Heile seiner hl. Kirche I

Bonn, den 5! Juni 1881, am Feste des hl. Bonifacius, des Apostels der Deutschen.

Das örtliche Comitö zur Vorbereitung der 28. General-Versammlung der Katho­liken Deutschlands.*)

Philipp Freiherr von Böselager, Vorsitzen­der. Leopold Kaufmann, Oberbürgermeister a. D. und Mitglied des preuß. Abgeord­netenhauses, Stellvertreter des Vorsitzenden. Dr. juria Winand Virnich, LandlagS-Ab- geordneter, Schriftführer. Peter Hauptmann, Verleger der .Deutschen Reichszeitung', Schatzmeister. Dr. med. Arens, prakt. Arzt. Dr. mod. 'Ernst Bardenhewer, prakt. Arzt. Carl Becker, Rentner. P. Berg, Stadtver­ordneter. M. Berger, Weinhändler. I. Birkheuser, Kaufmann. Theodor Brandt, Rentner. G. Cronenberg, Kaufmann. Jacob Dahm, Stadtverordneter. I. Diesen, Kauf-

•) Das nähere Programm der 28. General- Versammlung werden wir später veröffentlichen. Anträge und etwaige die 28. Generalversammlung der Katholiken Deuischlands betreffende Anfragen beliebe man zeitig an eines der unterzeichneten Vorstandsmitglieder des Local-Comitös zu richten. Das Einladungsschreiben zur Beschickung der mit der heurigen General Versammlung verbundenen Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung ist besonders erlaffen worden.

jetzt, Madelon, ist e» Zeit, daß wir den Rück- weg zum Hotel antreten, wenn uns die Nacht nicht ganz überfallen soll."

Madelon neigte von Natur aus dazu, die Dinge gleich von ihrer glänzenden Seite aufzufassen und zu betrachten; und so machte auch jetzt das Kloster wegen der religiösen Gesänge, die sie eben vernommen hatte, nicht mehr den ungünstigen, trostlosen Ein­druck auf sie, wie noch einige Augenblicke vorher. Auf dem Rückwege zum Hotel hatte sie ihre gewöhnliche Munterkeit, ja fast eine gewisse Fröhlichkeit wiedererlangt. Einen Augenblick jedoch wurde sie wieder nachdenk­lich.

„Diese Promenade," sagte sie mit beweg­ter Stimme, „ist für lange Zeit die letzte, welche wir mit einander machen werden."

„Die letzte, ja, das heißt vor meiner Ab­reise," antwortete Merville; „indeß hoffe ich, daß wir, wenn ich aus Deutschlandzu­rück sein werde, noch mehr al» einen Aus­flug mit einander machen werden."

„Aber," fuhr das Kind fort, „wenn meine Tante Therese mich nicht zu sich nehmen wollte, was sollte es dann geben?"

„In der That, Madelon, ich wüßte es nicht; übrigens ist diese Möglichkeit kaum anzunehmen."

„Aber wenn dieselbe dennoch einträte,

wa» sollten mir dann thun? Würden Sie mich mit nach England nehmen?"

„Dich nach England milnehmen?" sagte Horace über ihre kindliche Emfalt lächelnd, „das würde kaum möglich fein I Du weißt daß ich Militärarzt bin, und daß ich dem Regiment überall hin folgen muß, wohin es geht."

„Sie reisen also immer nnd haben keinen festen Wohnort? Ach, ich reise auch so gern! Lassen Sie mich mit Ihnen reisen —"

„Dann müßtest Dn auch eine Uniform anlegen, eine Muskete tragen und schießen, wie ein wackeier Hemer Soldat; aber ich gedenke, Madelon, bald eine zu weite und zu gefährliche Reise zu machen, als daß Du mit mir gehen kannst, wofern ich nach der Krim geschickt werde."

Es war nämlich gerade zur Zeit jenes langwierigen, denkwürdigen Krieges, und während sich die einzelnen kleinen Umstände unserer Erzählung zutrugen, war die Auf- merksamkeit von ganz Europa auf jene schwe­ren Verwicklungen gerichtet, die den Fne- den der ganzen Welt zu bedrohen schienen. Wie viele andere junge Leute seines Fache», so erwartete auch Horace ungeduldig den Augenblick, wo der große Strom, der sich auf den Osten zu fortwälzte, ihn mit fort* reißen und ihn auf den Kriegsschauplatz bringen werde. (Forts, f.)