M 131
Freitag, den 10. Jnni 1881
rilung
V
Dis ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Man abonnttt gegen Vorausbezahlung zu Fulda
t» der Expedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts beiden Postämtern. Der vierteljährliche Äbonnementspreis beträgt ausschließlich üringerlohn in Fulda eine Mark und tS R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Psg. Di« ,illustrieren Sonntagsblitter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Psg., auswärts am Postschalter 25 Psg., in s Haus gebracht 40 Pfg Inserat«: Die Petitzeil« oder deren Raum 10 Pkq., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
* Was ist Rückgang der Land- wirthfchaft?
Bei der Berathung wegen der Aenderung der Zolltarifs legte der Herr Abgeordnete Freiherr v. Schoilemer-Alst in ausführlicher Rede klar auseinander, daß es eher an der Zeit sei, vom „armen Landmann", als vom armen Manne zu sprechen, der nach dem Ausdrucke des Fürsten Bismarck uns in immer neuer Form vorgeführt wird. Die heimathliche Landwirthschaft b-findet fich in einer traurigen Lage und forderte der Redner, daß von Seiten der Regierung mehr geschehe zum Schutze unserer Land- wirthschaft, als bislang geschehen sei.
„Was ist Rückgang der Land« wirthschaft?" so fragt im Verlaufe der Redner. Ich sage: Der schönste, beste und intensivste Betrieb in der Landwirthfchaft, bei dem das Resultat fehlt, daß der Ertrag die Kosten der Production deckt und noch ein Ueberschuß bleibt, ist doch ein Rückgang in der Landwirthfchaft. (Sehr richtig.) Und wenn wir unter dem stetigen Druck der Einfuhr vom Auslande stehen, dann mag unsere Landwirthschaft sich so intensiv entwickeln wie sie will, sie wird nicht in der Lage sein, die Productionskosten zu decken und den nothwendigen Ueberschuß zu liefern. Ich darf darauf Hinweisen, welche ungeheure Gefahr gerade in der Concurrenz von Amerika liegt. Es ist in einem Werke, welches Emil de Laveleye vor kurzer Zeit herausgegeben hat, hervorgehoben und hingewiesen auf die Aenderung, welche in den letzten 10 Jahren eingetreten ist. Da
ss Madels«.
Nach dem Franzbstschen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.) (
In demselben Augenblicke klopfte es heftig an der Thüre und eine rauhe Stimme ließ ? sich draußen vernehmen:
„Linders, lieber Freund, bist Du zu Hause? Darf man eintreten? Bist Du bereit, Deine kleine Revanche zu nehmen? Ich bin es, von ganzem Herzen!"
„Das ist Legros," schrie Linders wüthend; „das ist dieser Schurke, di-ser Elende! Ja, ja, tritt ein. Madelon, zünde schnell ein Licht an! Wo sind die Karten? Ah, ich werde also doch noch meine Revanche nehmen können!"
Geräuschvoll ging die Thüre auf und Legros trat eben ein, als Madelon gerade ein Licht angezündet hatte. Beim Anblicke des Sterbenden, feines bleichen, entstellten Gesichtes, feiner Augen, welche in Folge des Fiebers und de» Zornes in seltsamem Glanze erstrahlten, blieb er plötzlich stehen.
„Papa ist sehr krank," sagte Madelon. „Bleiben Sie heute Abend nicht bei ihm, ich bitte Sie darum!"
„Was sagst Du da, Madelon?" schrie Linders, „ich verbiete Dir, es noch einmal zu sagen; bring' mir dir Karten her; Le«
nach hat während der 10 Jahre von 1873 die Mehreinfuhr aus Amerika über die Ausfuhr jährlich im Durchschnitt 104,706,922 Dollar betragen; in den fünf letzten Jahren dagegen betrug die jährliche Mehrausfuhr im Durchschnitt 144,191 077 Dollar, die Differenz war also 288 Millionen u. s. w. Nun hat das schuldnerische Europa zuerst mit amerikanischen Bons bezahlt, dann aber hat Europa mit Gold zahlen müssen, und hat die Goldzahlung, diese Goldverschickung nach den Vereinigten Staaten, 1879 betragen 375 Millionen Frank« und 1880 350 Millionen. Das amerikanische Finanzdepartement sagt infolge dessen selbst: „Der beträchtliche und anhaltende Ueberschuß unserer Ausfuhr über die Einfuhr muß es als wahrscheinlich erscheinen lassen, daß wir den Strom des Edelmetalls nach Amerika sich werden fortsetzen sehen, vielleicht in viel größeren Proportionen, als in der Vergangenheit." Ich führe dies an, weil es ja zeigt, unter welch' ungeheuerem Druck unsere heimathliche Landwirthschaft gegenüber der Masseneinfuhr aus Amerika steht, aber ich glaube auch, es liegt eine Lehre darin, für die Herren, die so sehr dem System der reinen Goldwährung zugeneigt sind. (Sehr wahr!) Ich weiß ja auch, wir haben auch gute Freunde bei den Herren Freihändlern. Die Herren haben Mitleid mit unserer Lage und empfehlen uns verschiedene Auskunflsmittel; statt uns einen brauchbaren Schutz zu Theil werden zu lassen, sagen sie, nein, es ist viel besser, wenn ihr eure Wirthschaft intensiver betreibt, namentlich müßt ihr mehr Viehzucht
gros, ich bin bereit, ah, dieses Mal ist mir das Glück hold!" i
„Aber — es scheint mir, lieber Herr, : daß Sie nicht in der Verfassung sind, um j spielen zu können", sagte der junge Mann, ! indem er einen Schritt zurücktrat; „ich will i morgen wieder kommen."
„Morgen!" sagte Linders mit halberzwungenem Lächeln; „haben Sie denn das „Morgen" so gewiß zu Ihrer Verfügung, daß Sie so davon sprechen? Ich habe nicht einmal ein einziges „Morgen", wissen Sie wohl; aber ich habe noch diesen Abend, und werde denselben schon benützen. Ah, Sie wollen mich so täuschen? Sie wollen mich auf morgen vertrösten? Dann werden Sie sagen: Dieser gute Linders wird niemals seine Revanche haben, er wird sich jetzt ruhig verhalten und ich kann sein Geld behalten. Aber Sie werden es nicht sagen, Herr! Madelon, bring'Karten und Licht herbei — hierhin, ganz nahe bei mir, denn ich sehe nicht mehr so deutlich, es wird mir so dunkel!"
Er nahm die Karten und mit zitternder Hand begann er sie zu mischen. Madelon stellte ein kleines Tischchen in seine Nähe, setzte eine Kerze darauf und, mit einer anderen in der Hand, blieb sie unbeweglich am Bette stehen. Legro» nahm einen Stuhl und trat
treiben. Nun, so klug sind wir Land- wirthe schon lange gewesen, uns mehr auf die Viehzucht legen zu müssen, aber da haben wir ja auch die Concurrenz des Auslandes. Wenn die billiger Korn bauenden Länder an fangen, die älteren Culturstaaten zu überfluthen, dann ist historisch die Rückwirkung auf die Landwirthschaft die, daß man zur Viehzucht, Fleisch- production und mehr Grünländereien schreitet, den Körnerbau beschränkt. Endlich kommt auch da die Concurrenz, infolge dessen gehen gerade die mittleren und kleineren Landwirthe zu Grunde und e» tritt dann der Zustand ein, den die alten Römer sehr gut erkannt und bezeichnet haben mit dem Worte: Latifundia perdidere Romain! „Der Großgrundbesitz hat Rom vernichtet." Da» ist das Ende des Wege«, den Sie uns empfehlen. (Sehr richtig! rechts.) Nun komme ich auf die Aeußerungen zurück, die Herr Bamberger in seiner Rede machte, als er sagte, man habe in den Motiven der Regierung die widersinnige Behauptung aufgestellt, daß die Vertheue« rung des Korns durch den Zoll zugleich das gesamwte im Lande producirte Korn ergreife, und was würde man wohl sagen, wenn das ein Freihändler ausgesprochen hätte? Nun, das hat ein Freihändler ausgesprochen in der Broschüre, welche herausgegeben ist vom Freihändlerverein: „Deutschlands Getreideverkehr mit dem Ausland." Darin ist diese Behauptung ausgesprochen und gesagt auf pag. 16, 17 u. s. w.: „Der geringe jErlraz der Kornzölle von 11 Millionen Mark kostet dem langsam und wie man sah, nur sehr ungern näher. Einen Augenblick sprachen Beide kein Wort, während Linders unterdessen seine Karten zurechtlegte.
„Sie können beginnen," sagte er dann mit einer Art fieberhafter Ungeduld. Aber im selbigen Augenblick ließ er die Karten aus der Hand fallen und sank in die Kissen zurück. Madelon stieß einen Angstschrei aus und eilte aus's Bett zu, wobei sie Tisch und Kerze umstieß; Legros sprang hastig von seinem Sitze auf.
Inzwischen ging die Thüre auf und Mer« ville trat in Begleitung einer Krankenschwester e n. Die Scene, welche sich seinem Blicke jetzt darbot, war eine von denjenigen, die sich dem Gedächtnisse so sehr einprägen, daß man sie zeitlebens nicht mehr vergißt; der umgestürzte Tisch, die auf dem Boden Herumlikgenden Karlen, Madelon in ihrem weißen Anzuge, mit ihrer erschrockenen Miene, ihre großen braunen Augen von dem Lichte erleuchtet, das sie noch in der Hand h.elt, der Ausdruck des Staunens und Schreckens bei Legros, endlich der schreckliche Anblick de» Kranken selbst — wirklich, welch ein schneidender Gegensatz zu der Ruhe und der Stille, in welchem Merville das Gemach vor kaum einer halben Stunde verlassen hatte 1
Er wandte sich zuerst an Legros und sagte