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Mittwoch, den 8. Juni 1881

Fuldaer WD Ieikuug.

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O Rede des Abgeordnete« Grafen Droste zn Bischertng in der Sitzung des Reichstages vom 28. Mai (Stempelsteuer-Gesetz betreff.)

Meine Herren, in Uebereinstimmung mit meinen politischen Freunden bin ich der Ansicht, daß das mobile Capital in allen seinen Geschäftsverhältnissen mehr zu den öffentlichen Abgaben herangezogen werden sollte, als das bisher geschehen ist; es hat sich meiner Ansicht nach bisher mit ebenso­viel Geschick als Erfolg zurückgezogen und zurückgehalten. Meine Herren, ich halte es für ein Erforderniß der aus gleichenden Ge­rechtigkeit, daß hier einWandel geschaffen wird, namentlich mit Rücksicht auf den Grund­besitz. Ich hebe nur hervor, daß bei Trans­actionen des immobilen Besitzes hohe Stempelkosten bezahlt werden, obschon der Act dieses Bksitzüberganges keinen directen Gewinn bringt, während bei Transactionen des mobilen Capital- es doch ganz anders steht.

Meine Herren, ich möchte dem Herrn Abgeordneten Richter noch erwidern auf da«, was er gestern gesagt hat, indem er anführte, daß er wohl für ein solches Börsensteuergesktz stimmen könne, wenn gleichzeitig Reichrsteuern zum Theil erlas­sen würden. Ja, meine Herren, allerdings die Erträge aus diesem Gesetze fließen zu­nächst an das Reich, demnächst aber an die Einzelstaaten, und meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe der Einzelstaaten, dem­nächst einen Erlaß an Steuern eintreten zu lassen, ein Weg, den Preußen ja schon

: betreten hat und den ich auf das voll- ? ständigste billige. Meine Herren, in - dieser Nr. 2 liegt meiner Ansicht nach die eigentliche Börsensteuer, hier stecken bei uns die Börsengeschäfte, die soliden, aber auch die unsoliden. Ich will nun j keinswegs die soliden Börsengeschäfte ver» « | Nichten oder schädigen. Ich erkenne ihre ' l Berechtigung für die Handelswelt vollständig an, bin aber der Meinung, daß die Ge­schäfte an der Börse doch wohl so viel

i Gewinn abwerfen, daß sie eine kleine s ■ Stempelabgabe zahlen können. Ich halte l es für sehr heilsam, daß die Börsenge- ; i schäfte auf gewisse Kreise beschränkt werden, i und meinem Geschmacke entspricht es mehr, ° wenn die kleineren Leute ihre Ersparnisse i an Sparcaffen anlegen, als wenn sie zur I Börse ihre Zuflucht nehmen. (Sehr richtig I) j Meine Herren, die unsoliden Börsenge- : schäfte sollen sich etwas mehr zurückziehen, \ das würde eine sehr erwünschte Folge I dieses Gesetzes sein. Ich will aber auch \ keine Steuer zum Schein, bloß etwa um i die Gemüther zu beruhigen, die nach einer solchen Börsensteuer rufen, ich will eine Steuer, die ordentlich wirkt und die

'richtigen Kreise trifft, die getroffen t werden sollen. Meine Herren, der Vor- ij schlag der verbündeten Regierungen be- ; schreitet den meiner Ansicht nach richtigen l Weg einer procentualen Besteuerung, ver- - läßt ihn aber in dem Augenblicke wo die ; eigentliche Wirkung eintreten sollte, näm- ; lich bei Geschäften von 5000 Mark und ! darüber. Ich bin der Ansicht, daß kleinere

Geschäfte, z. B. Geschäfte von 600 Mark

oder 2000 Mark an Werthen geringer be­steuert werden sollten als Geschäfte, die viele Millionen umschlagen. Daher kann ich nur dem Anträge des Herrn von Wedell- Malchow zustrmmen, der meinen Anschau­ungen nach den Anforderungen der Ge­rechtigkeit und Billigkeit entspricht, indem er eine procentuale Besteuerung auf­stellt. (Bravo!)

Ich ersuche daher den hohen Reichstag, diesem Anträge seine Zustimmung zu er- theilen.

Meine Herren, die Einwendungen, die uns gemacht worden sind, als ergäbe der von anderer Seite beantragte Fixstempel höhere Erträgnisse, halte ich nicht für zu­treffend. Ich erwarte höhere und vor allem gerechter vertheilte Erträge von der Besteuerung, wie sie der Antrag des Herrn von Wedell vorschlägt. Wenn ferner eingewendet worden ist, es fei prac- tisch undurchführbar mit Rücksicht auf die bestehenden Gebräuche der Börse, daß ein procentualer Stempel erhoben werde, ja, meine Herren, so können mich auch diese Einwendungen nicht schrecken. Ich glaube, daß die Makler sehr bald in der Lage sein werden, die nöthigen Berechnungen aufzu­stellen, sie werden Tabellen anfertigen, auf die ein Blick genügt, um den richtigen Betrag zu e. kennen. Außerdem bin ich der Meinung, daß sich die Formen doch unbe­dingt richten und umgestalten müssen, wenn es sich eben als nothwendig zeigt, und daß wird keine Schwierigkeiten haben. Ich würde also in Uebereinstimmung mit meinen po­litischen Freunden gegen die Anträge stim-

31 Madelon.

Nach dem Französischen von I. RüttgerS.

(Fortsetzung.)

Der junge Arzt entschloß sich frei sind offen zu sprechen, ohne alle Umschweife und Winkelzüge, da ihm diese angesichts einer solchen Gleichgültigkeit und eines solchen Leichtsinnes, mochte es nun Verstellung oder Wirklichkeit sein, gänzlich unnütz zu sein schienen.

„Die Umstände." sagte er dann, „von denen Ihre Heilung abhängig ist, Herr Lin- der«, sind so ungünstig, daß ich es nicht al- wahrscheinlich, ja nicht einmal als möglich ansehe, daß Sie länger als vierundzwanzig Stunden zu leben haben. Versuchen Sie die-, so gut Sie können, wohl zu erwägen."

Es lag so viel Theilnahme in dem Blicke und der Stimme de- jungen Manne-, daß Linders ganz gerührt wurde und ihm aus freien Stücken die Hand reichte. Trotzdem konnte er feinen Entschluß oder vielmehr eine eigenthümliche Liebhaberei nicht aufge­ben, als ein echter Philofph zu sterben.

»Ich begreife Sie vollkommen, lieber Freund," sagte er; „wenn man in meinem Alter steht, so hat man wohl schon ein «nd das andere Mal dem Tode in'« Auge gesehen. Sie glauben vielleicht, daß er

etwa- Erschreckendes für mich hat? Durch­aus nicht. Offen gestanden, fürchte ich noch mehr den körperlichen Schmerz; aber ich leide jetzt nicht mehr so sehr — vielleicht ist das ein bösis Zeichen. Wie dem auch sei, Sie haben mir nach Kräften beige­standen, und ich danke Ihnen herzlichst da­für. Von Madelon abgesehen und dem kleinen Aerger mit Legros, wie Sie wissen, bedauere ich gar nicht, daß das Ende meines Lebens herannaht; für mich war es nicht immer ein Weg auf Rosen, und gerade die Wesen, welche ich am meisten geliebt, haben noch das ihrige dazu beige­tragen, mir das Leben zu verbittern. — Jetzt, lieber Herr scheint e» mir, als ob ich ein wenig schlafen könnte. Sobald Madelon aufwacht, bitte ich sie hierhin komrnen zu lassen."

Linders war eben ein wenig einge­schlummert, als e« leise an die Thür klopfte. Es war Madame Lavaux, welche sich nach dem Befinden des Kranken er­kundigen kam und vorschlug, für die Nacht eine Krankenschwester zu holen. Merville wollte anfang» nichts davon wissen; schließlich gab er indeß ihren Bitten nach und entschloß sich selbst nach der Anweisung welche sie ihm gab, eine Schwester vom heiligen Kreuze zu holen. Sie verabredeten

mit einander, daß Madame Lavaux ihn während seiner Abwesenheit vertreten solle; und nachdem er ihr noch einiges mitge« j theilt hatte, ging er von bannen, in der i festen Ueberzeugung, daß der Kranke sich in

guten Händen befinde. Es war indeß kaum eine Viertelstunde verflossen, al» Je­mand von Neuem an der Thür klopfte und Madame Lavaux in Anspruch nahm. Sie warf einen flüchtigen Blick auf den Kranken; er schlummerte ganz ruhig, ohne Zweifel, sagte sie sich, würde es nichts verschlagen, wenn sie ihn auf einige Mi­nuten verlasse. Mit dem Vorsätze, sogleich wieder zu kommen, ging sie hinaus — aber ein Vorfall, welcher das ganze Hotel in Aufruhr brachte, ließ Madame Lavaux ihre guten Vorsätze, Heern Linders, und den Arzt mitsammt seinen strengen Weisungen ganz vergessen. Die Marquise auf der ersten Etage hatte ihren Brillant­ring verloren, einen Ring von großem Werthe, ein Familienkleinod, das man auf sechs Tausend Francs schätzte. Verloren? — nein, man hatte ihn gestohlen, sie wußte e», sie war dessen sicher; sie hatte ihn, während sie mit der Modistin oder der Näherin sprach, auf ihren Toilettetisch ge­legt und unterdessen war der Ring ent( schwunden. Eine unverzeihliche Nachlässig'