Einzelbild herunterladen
 

M 126.

Freitag, den 3. Jnni 1881.

Fuldaer 1BB Leitung.

Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonntrt gegen Borausbezahlung zu Fulda in der Srpedition, Buttermarkt Nr. 112,auswärts beiden Postämtern. Der vierteljährliche NbonnemmtspreiS beträgt ausschließlich Bruigerlohn in Fulda eine Mark und 10 R-Pfg., mit »ringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei len Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins HauS gebracht 1 MarkSOPfg. Die .illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Pfg., auswärts am Postschalter 25Pfg., in S Haus gebracht 40 Pfg Inserat«: Di« Petit,«»« oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

qp. Der Schulunterricht an den Bttttagen.

(Schluß.)

Wenn wir boshaft wären, so würden wir vor Allem bemerken, daß so manchmal ein junger Lehrer ohne Localschulinspector im Orte, weil dieser mit dem Kreirschul- inspector in einer Person vereinigt an einem viele Meilen entfernten anderen Orte seinen Sitz hat, am Montag Morgen, freilich zum großen Gaudium seiner Schul­jugend, keine Schule hält wegen irgend einer Indisposition. Doch wir wollen auf solche kleine Unterlaffungs - Sünden größtentheils jüngerer Lehrer keinen Nach­druck legen, weil es sonst den Anschein gewinnen könnte, als ob wir den an sich ja ehrenwerthen Volksschullehrerstand in höhnischer Weise bemängeln wollten, was durchaus nicht in unserer Absicht liegt. Wir setzen einige andere Fälle.

Es erscheint der k. Kreisschulinspector in einer Schule zur Prüfung. Alle benach­barten Lehrer erachten es sofort für ge­boten, bei der Prüfung in der betreffen­den Schule sich einzufinden, hauptsächlich, um ihrem Vorgesetzten, dem k. Herrn Kreis­schulinspector, ihre Aufmerksamkeit zu be­weisen. Mit Wissen und Willen des k. Kreisschulinspectors wird also bei solcher Gelegenheit in 4—5 Schulen entweder den ganzen Tag, oder doch wenigstens Vor­oder Nachmittags kein Unterricht gehalten; aber — es hat dies durchaus nichts zu sagen. Ist der k. Herr Kreisschulinspector überhaupt auf einer Visttations Reise be­griffen, so hat er in der Regel von Ort

Madelon.

Nach dem Franzbsischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Verzeihen Sie," sagte Horace, „ich Habe Ihnen nicht von einem Priester gesprochen; aber vielleicht ist Jemand hier der--"

„Ueberlafsen Sie mir die Sorge für meine Angelegenheiten," unterbrach ihn Linder« mit gebrochener Stimme. „Ich will Nie­manden sehen, sage ich Ihnen, ich will in Frieden sterben."

Trotz seiner affectirten Gleichgültigkeit war es doch offenbar, daß ein plötzlicher Schrecken seine Seele erfaßt hatte, so sehr, daß er das Dasein seines eigenen Kindes vergaß. Horace bemeikte es wohl, glaubte indeß für den Augenblick nicht, weiter in ihn dringen zu sollen. Indem er mit dem Arme unter das Kiffen fuhr, um ihm den Kopf ein wenig in die Höhe zu heben, sagte er so heiter, als e« ihm möglich war:

„Nun, lieber Herr, beruhigen Sie stch und faffen Sie Muth."

Linders schien diese Worte kaum zu be­greifen; aber gleich darauf nahmen seine Züge einen milderen Ausdruck an und sein Blick wurde etwa« natürlicher.

„Meine arme kleine Tochter!" sagte er mit einem tiefen Seufzer — „meine kleine

fällt bei diesem Anlaffe der Unter-

abermals nichts zu sagen. Wir kommen

zu Ort ein bis zwei Lehrer in seinem Ge­folge, die ihm das Geleite geben, oder auch seine Reise-Effecten: Reisetasche, Ueberzieher und Regenschirm zu tragen. In den Schulen der betreffenden Lehrer

einem Vorschläge zur Güte schließen. Die Pfingstferien für die Schulen endigen bekannt­lich mit dem Pftngstdienstag, sodaß am Mitt­woch nach Pfingsten der Schulunterricht wieder

jetzt zu den sogen. Lehrer - Conferenzen. Der k. Herr Kreisschulinspector veran­staltet jährlich mindestens zwei Mal eine sogen, amtliche oder Hauptconferenz; selbst­verständlich halten an solchen Tagen alle an der Conferenz betheiligten Lehrer keine Schule. Die Lehrer selber halten unter sich allmonatlich, oder doch wenigstens jeden zweiten Monat, sogen, freie oder nicht­amtliche Conferenzen und zwar keines­wegs immer an schulfreien Nachmittagen; e» wird also auch aus solchem Anlaß zu öfteren Malen im Jahre in 4—6 Schulen kein nachmittägiger Unterricht ertheilt. Und nun erlauben wir uns zu fragen, ob denn diese Conferenzen der Lehrer von so großer Bedeutung für Erreichung der Zwecke der Schule seien, daß das Ausfallen des Schulunterrichts an diesen Tagen für sattsam entschuldigt gilt, während derselbe an den 3 Tagen der Bittwoche unter Strafandrohung geboten ist? Unvergäng­lich für alle Zeiten wird das bei einem

und die Kmder muffen gegen ihre Herzens­neigung gezwungen in der Schule sitzen, so ist ihr Sinn gewiß weniger auf den Lehrgegenstand der Schule, als aus den Wallgang gerichtet, an welchem sie so gerne Antheil nehmen möchten, was ihnen aber unter Strafe verboten ist. Und wie wird erst durch eine solche Maßregel das Herz der Eltern erbittert? „Keinen Seel­sorger haben wir mehr, der unsere Pro« cession geleitet," mag jüngst manche Pfarr« gemeinde in der Bitterkeit des Herzens ge­sprochen haben, „und nun hält man in diesen Tagen auch unsere Kinder in der

geschehen, als daß dieselbe schon von den ? zartesten Jahren an zur regen Theilnahme i am kirchlichen Leben nach allen seinen

Richtungen hin veranlaßt wird? Zudem hängt das katholische Volk, zumal die liebe ........ Jugend mit ganzer Seele an diesen öffent« richt gleichfalls aus; aber — es hat dies. lichen Procesfionen und Wallgängen; wa« ' i rum dieselbe einer Freude berauben, die so ganz aus religiösem Boden erwächst? Es ist unsere innerste Ueberzeugung, daß der vormittägige Schulunterricht an den Bitt« tagen zum guten Theile ein verlorener war; wenn die Bittprocession singend und betend an dem Schullocale vorüberzieht,

j Schulstube statt sie mit uns unter s Gottes freiem Himmel beten und fingen zu ! lassen, da sich doch Gott vor Allem aus sehr ' ernsten "Anlässe gesprochene Wort \ dem Munde der Kinder Lob bereiten will!" unseres Kaisers bleiben, daß dem Volke Doch wir wollen unsere Erörterung mit die Religion erhalten bleiben solle. Wird ' mr (Sitte icklieken. Tr­

aber dann nicht vor Allem die Jugend religiös erzogen werden müssen? Und I könnte die« wohl auf eine bessere Weise ’

Madelon! Sie allein zurücklaflen, die arme Kleine 1"

„Eben darüber wollte ich mit Ihnen spre« chen," sagte Horace. „Auf jeden Fall wer« den Sie sich auf eine lange Krankheit ge­faßt halten müssen; aber im Interesse Ihres Kindes, haben Sie keinen Freund, den Sie zu sehen wünschen?"

„Ich habe keine Freunde und Verwandte," antwortete Linders etwas düster. „Eine lange Krankheit, sagen Sie ? „Bah, Herr Doctor, ich weiß es wohl, und Sie wiffen e« auch, daß ich nur noch wenige Stunden zu leben habe. Und sie wird allein zurück­bleiben ; sie hat Niemand anders als mich, und hat die Thorheit begangen, mich zu lieben, die arme Kleine!"

Eine Zeitlang schwieg er, und fuhr dann mit immer schwächer werdender Stimme aber mit einer Heftigkeit, in welcher seine Worte fast erstickten, fort:

„Wäre mir dieser verwünschte Unglücks­fall einen Tag früher oder einen Tag später zugestoßen, dann würde ich ihr ein Ver­mögen hinterlassen haben — aber ein herr­liches Vermögen; einen Tag früher hatte ich e« noch, einen Tag später würde ich an diesem Legro«, diesem Dämon, diesem An­fänger und Schwachkopf Revanche genom­men haben! O, wäre ich der Mann gewe­

sen, der ich früher war, dann wäre das eine andere Geschichte gewesen!"

Ec hielt inne, um Athem zu schöpfen, aber ohne Merville die Zeit zu einer Ant­wort zu lassen, fuhr er fort:

„Geben Sie mir vierundzwanzig Stun­den, und Madelon wird ein genügend gro­ßes Vermögen haben; oder vielmehr — war­ten Sie! Weshalb soll ich ihn jetzt nicht kommen lassen? Ich will Ihnen seine Adresse geben — ja, sogleich, damit es nicht zu spät sein möchte."

„Das ist durchaus unmöglich," sagte Ho­race mit Entschiedenheit, „und wenn Sie Solche« beginnen, dann kann ich nicht mehr auf Sie hören; dann thun Sie nur Alles, um Ihre Genesung so sehr al« möglich zu erschweren."

„Sie spielen nicht, mein Herr?" frug Linder«, dem offenbar ein neuer Gedanke in den Sinn kam und der offenbar auf da« gar nicht achtete oder e« gor nicht verstan­den hatte, was Merville gesagt hatte.

„Wollen Sie mir etwa mein Geld abge­winnen?" sagte dieser mit schmerzlichem Lächeln. „Nein, ich spiele nicht, und habe übrigens auch kein Geld zu verlieren. Las­sen Sie alles das fein, ich bitte Sie da­rum; beruhigen Sie sich, und müden Sie l sich nicht mit Sprechen ab, sondern sagen