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M 124.

Mittwoch, den 1. Juni 1881.

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* Ansprache des hl. Balers an die deutsche« Pilger am 26.

Mai 1881.

Wie wir alle Söhne der kath. Kirche, die zu uns herbeieilen, allzeit mit väter­licher Liebe und Wohlwollen umfangen, so nehmen wir auf gleiche Weise mit inniger Zuneigung, ja mit noch größerer Herzensfreude Euch, vielgeliebte Söhne auf. Sehen wir ja vor uns und reden wir zu kath. Männern, welche aus den verschieden­sten Gauen Deutschlands hier hergepilgert sind und welche der heftige gegen die! Kirche erregte Sturm der Früchte und der i Wohlthaten des religiösen Friedens schon i längst beraubt hat. Gleichwohl seid Ihr ■ ungebrochenen Mulhes, ja beeifert Euch, die Ihr alles Herbe erduldet und noch ferner zu ertragen bereit seid, bei dem religiösen Nothstand in Deutschland mit vereinten Kräften Hilfe zu schaffen; noch mehr, Ihr hanget nicht blos mit der größten Entschlossenheit dem Hirten Eurer Seelen und diesem apostolischen Stuhle an, sondern Ihr suchet auch unserem Willen in Allem Folge zu leisten, wie Ihr dies durch Wort und mehr noch durch die That offen an den Tag legt. Daher sind wir, vielgeliebte Söhne, ob Eures Anblickes hocherfreut und wünschen Euch zu Eurer frommen Pilger­fahrt nach Rom von Herzen Glück. Hier, wo ja die h. Ueberreste der Apostelfürsten auf ganz besondere Weise verehrt werden und die Denkmale der christl. Märtyrer von ihren Kämpfen und Siegen zeugen, empfinden und fühlen die frommen Pilger- schaaren, wie ihre Kräfte wachsen und ihre

Herzen zu gleicher Siegeshoffnung sich er­schwingen. Um aber ein Wort von dem zu sagen, was Euch so tief berührt, so wiffet: wir sind durch Eure Drangsale, die Ihr eben erwähntet, aufs Schmerz­lichste bewegt, Drangsale, welche die Katho- liken und besonders die Seelenhirten in Eurem Vaterlande bedrücken. Zugleich be­weinen wir mit unendlichem Leid den trost­losen Zustand der kath. Sache in Deutsch­land, indem die Kirche durch neue Gesetze jeglicher Freiheit beraubt und einer fremden Gewalt unterworfen wird. So haben wir denn, wie Ihr wohl wißt und auch er­wähnt habt, von dem Wunsche beseelt, diese Hebet zu heben, gleich nach dem An- tritt' unseres Hohenpriesterlichsn Amtes die Unterhandlungen mit dem erhabenen deutschen Kaiser und den Uebrigen an seinem Hofe, die an der Spitze der Verwaltung stehen, begonnen. Dazu bewog uns das Gefühl unserer Pflicht und die Sorge für das ewige Seelenheil aller Christgläubigen, so­wie endlich die zuversichtliche Hoffnung, daß die Wiederherstellung der Eintracht und des Friedens mit der kath. Kirche dem ganzen deutschen Reiche zum Gedeihen ge­reichen werde. Und damit uns hierin nichts beirren könnte, haben wir uns bei den Friedensverhandlungen sehr zuvor­kommend und nachsichtig erwiesen.

Nichtsdestoweniger jedoch gebot uns unser apostoliches Amt und unsere heiligste Eides­pflicht, in keiner Weise etwas zu gestatten, was der göttlichen Einrichtung der Kirche und ihrer Natur widerstreiten könnte. In dieser Hinsicht lehrt die katholische Kirche,

; die wir vertreten, genau nach dem Beispiele • und den Grundsätzen Jesu Christi Gott -zu geben, was Gottes ist, dem Kaiser aber, was des Kaisers;

: wie sie daher offen bekennt, daß die Staatsgewalt, sofern sie die weltlichen und ; bürgerlichen Interessen zum Gemeinwohle ' verwaltet, vollständig unabhängig sei, eben- ■ so nimmt sie in den Angelegenheiten des ' ewigen Heiles freie und ungehemmte

Gewalt für sich in Anspruch. In den Dingen aber, wo sich die Rechte der Kirche und des Staates begegnen, hält sie ein freundschaftliches, wechselseitiges Einver­nehmen für die beste Art und Weise kirchl. und weltliche Macht in Einklang zu bringen. Daraus sieht man klar, mit - welcher Vermessenheit und welchem Unrecht ' gewisse Leute sich nicht scheuen, der Kirche wieder und wieder vorzurücken, sie wolle in fremdes Rechtsgebiet eindringen und der Gewalt der Fürsten Abbruch thuen. Im Uebrigen werden wir, was uns anbe­trifft, niemals von unserem Vorhaben ab- stehen, ja immerdar trachten, die Ursache der Zwietracht zu beseitigen und so einen festen und andauernden Frieden zu schaffen. Möge der allgütige Golt, durch gemeinsame Bitten bestürmt, diese heißersehnten Tage beschleunigen, inzwischen aber von deutschen Landen jene Prst entfesselter Menschen ab- wenden, welche mit Aufruhr, Schrecken und Trümmern Alles zu erfüllen suchen. In dieser so großen Umwälzung der Dinge und Zeitverhällnisse, von welcher zur Stunde die menschliche Gesellschaft aller­orts bedrängt wird, wollen wir, vielge-

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Indem sie leise die Thür öffnete, trat sie lautlos auf den Gang, wo sie Merville begegnete, als er eben zu dem Kranken zu­rückgehen wollte.

„Aber ich glaubte, Sie seien noch zu Bette," sagte er bei dem Anblicke des armen Kin­des, dessen bleiche Mienen und verstörtes Wesen rhm in dem Halbdunkel nicht ent­ging. „Wünschten Sie Ihren Vater zu j sehen? Jetzt können Sie es; aber Sie \ werden sich ganz ruhig verhalten müssen, | denn er schlummert eben ein wenig."

„Es geht ihm also besser?"

Merville antwortete nicht; eröffnete die Thür und ließ sie eintreten.

Tas Zimmer gewährte einen düsteren ' Anblick. Das Tageslicht vermochte kaum | hinemzudringen; große verschwommene [ Schatten zeichnelen sich auf dem Boden urtb i auf den Bettvorhängen ab, und der schwache s Schein einer Nachtlampe vermischte sich mst s der grauen düstern Färbung des MorgerH ■

Herr Linders lag zu Bett, den Kopf in s etwas senkrechter Stellung und mit einer l Binde umgeben, welche einen tiefen Schnitt bedeckte, der ein wenig unterhalb der Schläfe

lag. Auf seinem Antlitze lag Todenbläffe, seine Augen waren geschlossen und er ath- mete sichtlich mit großer Mühe. Madelon glauble, er sei eingeschlafen, es war indeß vielmehr ein Zustand der Bewußtlosigkeit, aus welchem ihn ein stärkeres Geräusch als die leichten Schritte des Kindes nicht hätten erwecken können. Das Kind trat auf den Zehen gehend hinzu, betrachtete ihn wenige Secunden lang, und brach dann, das Ge­sicht mit beiden Händen bedeckend, in hef­tiges Schluchzen aus.

„Er ist sehr krank, er wird sterben!" war die einzige Aniwort, welche sie auf die Trostworte Horace's hatte.

„Fassen Sie guten Muth," sagte derjunge Mann, heftig erschüttert bei dem Anblick eines so großen Schmerze»; „und beson- der» weinen Sie nicht so, Madelon; wie wollen Sie, wenn Sie unaufhörlich in sol­cher Betrübniß bleiben wollen, ihn pflegen und so die Heilung befördern helfen?"

Diese Worte beruhigten sie ein wenig.

„Glauben Sie wirklich, daß er noch ge­nesen könne?" sagte sie, mit Mühe ihre Thrä- nen zurückhaltend; „er sieht so krank aus."

Horace antwortete anfangs nicht. In Wahrheit sah er bei Linder» keine Aussicht auf Genesung, obwohl er die Möglichkeit zugab, daß er wieder zum Bewußtsein käme

und sich noch einige Tage hinschleppe. Aber immer war ja noch die Möglichkeit der Ge- nesung vorhanden und er wollie Madelon nicht von vornherein gleich vollständig zur Verzweiflung bringen.

„Hoffen wir, daß er wieder genesen wird", sagte er endlich; „indeß darf man ihn nicht im Geringsten beunruhigen — Sie und ich werden bei ihm wachen, daß Niemand kommt ! und ihn aufregt."

„Gewiß, und wir werden >hn gut pflegen," sagte Madelon, ihre Thränen trocknend.

„Jetzt," sagte Horace, „wenn Sie auf \ einige Augenblicke meine Stelle einnehmen l wollen, will ich Madame Lavaux aufsuchen, ' mit welcher ich Verschiedenes zu besprechen l habe."

Er ging, und Madelon blieb hocherfreut, daß sie bei ihrem Vater weilen dürfe, zu­rück. Unbeweglich saß sie da, die Augen fest auf sein Gesicht gerichtet, so ängstlich bemüht, sich ruhig zu verhalten, daß sie kaum zu athmen wagte. Wann sollte er, so dachte sie, noch einmal erwachen, ihr zu- lächeln und mit ihr auf's Neue sprechen? Es täuchte ihr jetzt so lange, daß sie seine Stimme nicht gehört Hobe, es schien ihr eine Ewigkeit verflossen zu sein, seit sie ihm guten Abend gewünscht hatte. Und mitten ! in ihrer Betrübniß konnte sie nicht zu ihm