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Dienstag, den 31. Mai 1831.

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O Anrede Sr. Durchlaucht des Fürste» Löwenstein an den hl. Bater, in der Audienz der deutschen

Pilger vom 86. Mai.

Indem Du, hl. Vater, uns Deine treuesten Söhne, die aus allen Gauen Deutschlands nach Rom zusammengekommen, huldvollst vor Deinem Thron empfängst, wissen wir kaum den Gefühlen kindlicher Ergebenheit, süßesten Trostes und höchster Freude Aus­druck zu verleihen, wie sie unsere tiefinnerste Seele bewegen. Denn was alle Seine deutschen Söhne mit gleicher Inbrunst er­sehnten, wird uns jetzt zu Theil: Daß wir mit unseren Augen Dich sehen und mit dem süßen Vaternamen Dich begrüßen dürfen, Dich, Leo, unseren Papst, der Du der ganzen Christenheit gemeinsamer Vater, gleichwohl unsere Nation mit doppelter Vaterliebe umfassest. Denn gleich dem guten Vater, der seine von großen Leiden bedrängten Kinder um so zärtlicher liebt und für sie sorgt, hast auch Du vom ersten Tage Deines Oberhirtenamts an mit ganz be> sonderer Liebe und Sorgfalt den Leiden zu steuern gesucht, von welchen D« zu Deinem bitteren Schmerze vor Allen Deine deutichen Söhne so sehr bedrängt sichst. Und wahr­lich, nicht ohne Grund, gehen Dir unsere Leiden ;u Herzen; denn tiefbetrübend ist die Lage der Kirche in der Heimalh. — Von unseren legitimen Hirten leben mehrere in der Verbannung, fern von ihren Heerden; andere sind uns — einer in der Verbannung — durch den Tod entrissen worden und haben in Folge einer harten Gesetzgebung noch keinen Nachfolger ge­

funden. — Wiederum anderen ist durch dieselbe Gesetzgebung die Freiheit zur Aus­übung ihrer Amtsgewalt genommen; ein großer Theil der Gemeinden sieht sich der Seelsorger beraubt und zahllose Gläubige schmachten sogar in der Sterbestunde ver­gebens nach den Tröstungen unserer hl. Religion. Der segensreiche Einfluß der Kirche auf die Erziehung der Jugend ist sehr beschränkt, ja vielerorts vernichtet; die Genossenschaften der Ordensleute sind aufgelöst und ihre frommen Stifte aufge­hoben. Aus all Diesem entspringt nun unsägliches Verderben, nicht nur für das ewige Heil der Seelen, sondern auch für die zeitliche Wohlfahrt unseres geliebten Vaterlandes, das von tiefgehender Zwie­tracht zerrissen, nicht die nöthige Ruhe findet, für das Wohl des Volkes Sorge zu tragen.

Wenn nun, heiliger Vater, Deine so wohl- wollenden Bemühungen, diesem Unheil nun ein Ende zu bereiten, schon von glücklichem Erfolge gekrönt wären, ja dann würde ge- miß in dieser feierlichen Stunde unsere Freude eine vollkommene sein. Aber da Du Deiner und unserer Wünsche Ziel noch nicht erreicht hast, sondern wir vielmehr immer von Neuem in der freudigen Hoff- I nung, mit Der wir Deine Bemühungen be- ; gleiten, getäuscht werden, und daher unsere Lage statt sich zu bessern, sogar täglich sich verschlimmert, so kann in der Bitterkeit unserer Seele nicht» uns süßer fein, in unserem Leid nichts zu größerem Tröste | uns gereichen, als daß wir zu den Füßen l eines so liebevollen Vater« hingeworfen, I

' ihm den Dank unserer Seele weihen und j durch das Band kindlicher Liebe mit ihm । auf’« Engste uns vereinen. — Wohl wird - Deine Vaterhuld Deinen Söhnen e« Der» ; zeihen, daß sie bei diesem erhebenden An» ! laß au« überquellendem Herzen wieder und ; wieder von ihrem Leiden erzählen. Doch, \ da so viele von uns ihrer Hirten beraubt i sind, wie sollten wir da vor Dir, unserem obersten Hirten zu verschweigen und zu unterdrücken vermögen, was so tief unser - Herz beängstigt und unsere Seele bedrängt. > — Aber in Mitte diese« Schmerzes und : der betrübenden Verhältnisse unseres Vater- I landes wollen wir nicht verzagen, sondern > gerade gegenwärtig mit um so größerem ? Eifer Alles das befolgen, was Du als dem ! Wohle der gesammten Kirche förderlich er» 5 achtest und anempfiehlst. Und so suchen wir nach Vermögen beizutragen, daß die

. christliche Philosophie nach dem Vorbild ; des hl. Thomas von Aquin ihre Wiederher» < stellung feiere, hocherfreut über den neuen « Ruhmesglanz, der von dem großen Schüler ; zurückstrahlt auf dessen Lehrer, unseren sel. ' Alb. Magnus, dessen 6. Centenarium wir im verflossenen Jahre mit erhöhter Feier­lichkeit begangen haben.

Nicht minder arbeiten wir, trotz der Un­gunst der Verhältnisse, mit vereinten Kräf« ten dahin, daß die Jugend in der Furcht des Herrn erzogen, daß für die Bedürfnisse des Arbeiterstandes entsprechend gesorgt werde, damit er nicht den verderblichen Lehren des Soeialismus anheimfalle, end« lich, daß dmch die Presse gute Schriften übeiallhin verbreitet werden. Und damit

25 Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Gewiß sie kann mit mir gehen," ant­wortete Madame Lavaux, die eiligst aufge- stanoen war und sich rasch angekleidet hatte, indeß nicht besonders guter Laune zu fein schien; „nur möchte ich bitten, so wenig Geräusch al» möglich zu machen, denn sonst würde mein Hotel ganz voll Aufregung fein, und Alles würde davon- laufen."

Der Wunsch der Madame Lavaux wurde gewissenhaft befolgt, und der kleine Trauer­zug ging stillschweigend die Treppe hinaus über den Corridor auf das Zimmer des Herrn Linders zu. Harare ging vorauf, Madame Lavaux hielt Madelon zurück, die in ihrer Aufregung nur unwillig gehorchen wollte; als sie ober oben auf der Treppe anlangten, gewann ihre natürliche Energie wieder die Oberhand, und als die Träger da drinnen im Schlafzimmer verschwanden, konnte man sie kaum zurückhallen, daß sie nicht in ihrer fieberhaften Ungeduld zu ihrem Vater geeilt wäre. Seine letzte Krank- heit war ihr noch zu frisch im Gedächtniß, und sie wußte, daß da» Erste, war er thun würde, wenn er wieder zum Bewußt«

, fein tarne, sein würde, nach ihr zu fragen. Ihr einziges Verlangen war, auf feinen Ruf herbeizueilen und dem Kranken alle mögliche Sorgfalt zuwenden zu dürfen. Schon stand sie auf dem Puncte, das Zimmer ihres Vaters zu betreten, als Horace ihr den Weg vertrat und zu ihr sagte:

„Hören Sie Madelon, Sie können in diesem Augenblicke für Ihren Vater nichts thun. Er würde Sie nicht einmal er» f kennen; aber ich verspreche Ihnen, daß Sie ihn sogleich sehen werden."

„Sogleich? Wann denn?"

„Sobald ich es Ihnen erlauben kann." Nichts in der Welt hätte sie bewegen

können, sich der Aufforderung von Madame Lavaux zu ergeben; aber ein einzige« Mort von Horace genügte, um sie zu über­reden. Indeß wollte sie noch einen letzten Versuch machen:

„Zum wenigsten brauche ich nicht hin- aufzugehen, nicht wahr?" sagte sie mit thränenerstickter Stimme. „Darf ich aus mein Zimmer gehen?"

„Wo ist Ihr Zimmer?" frug Horace.

„Dort, neben demjenigen Papa's, sagte sie, indem sie mit dem Finger auf die Nebenthüie zeigte.

„Ja, Sie können da bleiben, wenn Sie

es wünschen, aber meinen See nicht, daß Sie besser bei Madame Lavaux sein wür« i den, al« ganz allein?"

„Nein, ich möchte lieber hier warten," antwortete sie; dann fügte sie gedanken­voll bei:

„Ich darf ihn ja bald besuchen? Ich habe ihn immer gepflegt, nenn er krank war."

„Ich zweifle gar nicht daran, daß Sie eine ausgezeichnete kleine Krankenwärterin sein werden," sagte Horace gütig lachend, „und ich werde es Ihnen mitlheilen, wenn Sie kommen können, aber es wird noch einige Zeit dauern. Da« Beste, was Sie thun können, ist, daß Sie sich zu Bette be­gehen ; so werden Sie besser im Stande fein, sich morgen nützlich zu mache."

\ Er konnte nicht mehr sagen, denn man z nahm seine Dienste in Anspruch. Er gab Madelon eine Kerze, und incem er die Ver« bindungsthüre zwischen den beiden Zim­mern schloß, ließ er sie allein.

II.

Sie wollte trotzdem nicht zu Bette gehen, da­ran hatte sie zuletzt gedacht. Aus die ge­waltige Aufregung folgte eine Art Be­täubung — dazu hatte das stundenlange Warten und Wachbleiben sie fo ermüdet