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Sonnabend, den 28. Mai 1881
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Prtvattelegramm der,FuldZtg?
^München, 27. Mai, 1 Uhr Morgens. Bei Oer gestern stattgefundenen Audienz der deutschen Pilger antwortete der hl. Vater auf die Huldigungsadrefle derselben mit einer herrlichen Ansprache, in der er zunächst die Pilgerschaar herzlich begrüßte und dann ungefähr Folgendes ausführte:
Wir beklagen mit herbem Seelenschmerz die betrübende Lage der katholischen Sache in Deutschland, indem durch eine neue Art von Gesetzen die Kirche jeglicher Freiheit beraubt und fremder Gewalt unterworfen wird. Daher Wir, wie auch Ihr betont, sofort nach Antritt Unseres Pontificats Unsere Sorge darauf verwendet haben, die unterdrückte Sache der Religion aufzurichten. Wir haben sofort mit dem erlauchten deutschen Kaiser und den übrigen Persönlichkeiten an seinem Hofe, in deren Hand die Staats- leitung liegt, Unterhandlungen begonnen. Dazu bewog Uns das Gefühl heiligster Pflicht und die Sorge für da« Seelenheil aller Gläubigen, sowie die zuversichtliche Hoffnung, daß die Wiederherstellung des Frie
dens und der Eintracht mit der kathol. Kirche dem ganzen deutschen Reiche zum größten Gedeihen gereichen werde. Damit also Niemand an Unserer aufrichtigen Gesinnung bei den Friedensverhandlungen zweifeln könne, haben wir Uns auf's Nachgiebigste gezeigt; nichts destoweniger gebot Uns Unser Apostolisches Amt und Unsere heiligste Eidespflicht, in keiner Weise etwas zu gestatten, was der göttlichen Einrichtung und der innersten Natur der Kirche Widerstreiten könnte. Die Kirche und der Staat sind zwei souveräne Gesellschaften. Gebet Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Daraus steht man, mit welcher Vermeffenheit und mit welchem Unrecht gewisse Leute stets die Kirche zu verdächtigen wagen, als ob sie in fremdes Rechtsgebiet eingreifen oder die fürstliche Gewalt schmälern wolle. Uebrigens werden Wir niemals von Unferm Vorhaben abstehen, sondern fortwährend bemüht sein, der Zwietracht Ursachen zu beseitigen und so einen festen und andauernden Frieden zu schaffen. Dann ermuntert Leo XIII. die Katholiken in Preußen zur Geduld und zu eifrigem Gebete und spendet allen den Apostolischen Segen.
O Das Jubiläum.
V.
(Schluß.)
So zuversichtlich wir hoffen dürfen, daß unsere eben so bedrängte Kirche schließlich siegen werde, so bleibt doch nicht aus und fühlen wir nur zu sehr, daß ihr recht empfindliche Verluste beigebracht werden. Doch die«
darf uns nicht befremden. Im Kampfe sind Verluste unvermeidlich. Aber Verluste können größer oder geringer sein, der Sieg kann früher oder später errungen werden, mehr oder weniger segensreich ausfallen. In dieser Beziehung glauben wir nun unbedenklich sagen zu können, daß der; mehr oder weniger glückliche Verlauf und^ Ausgang de» Kampfes gegen unsere 'Kirche wesentlich bedingt sein wird von dem größeren oder geringeren Eifer, mit dem die Gläubigen diese Gnadenzeit benützen werden. Gott hat in der übernatürlichen Ordnung ebenso wie in der natürlichen seine bestimmten Normen und Gesetze. Er gibt dabei dem freien Willen der Menschen einen großen Spielraum zum Guten wie zum Bösen. Und wie in der natürlichen Ordnung die Erfolge an die Mitwirkung des Menschen geknüpft sind, so auch im Reiche der Gnade, in der übernatürlichen Ordnung. So wird daher auch der Segen des Jubiläums um so reicher sein, der Zweck desselben, „Kraft zum Kampfe, Macht zum Triumpfe", rote es in dem Rundschreiben heißt, wird um so vollkommener erreicht werden, je treuer die Gläubigen bie- Bedingungen erfüllen, an welche die Jubiläumsgnaden geknüpft sind. Das Wesentliche bei diesen Bedmgungen aber ist die aufrichtige Aussöhnung mit Gott und eine wahrhaft bußfertige Gesinnung, wie es der hl. Vater auch hervorhebt, indem er sagt, „daß Gott um so eher sich erweichen lasse, je größer in den Menschen der Wille sei, Buße zu thun und sich mit ihm auszusöhnen." Hierauf
Madelo«. 24
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
„Ein glücklicher Zufall, daß Sie meinen Namen in diesem Buche gesehen haben," meinte Madelon, „sonst hätten Sie viel- leicht gar nicht erfahren, wer ich bin? Papa wird es sehr freuen, Sie wiederzu- sehen. Ich möchte doch wirklich, daß er nach Hause käme," fügte sie bei, indem sich plötzlich wieder ihre ganze Unruhe einstellte.
„Warten Sie immer auf ihn, wenn er so spät heimkehrt," fiug Horace. „Vielleicht thäten sie besser, zu Bette zu gehen."
„Das habe ich Fräulein auch eben gesagt, bereits vor einer Stunde," ließ sich eine fremde Stimme, welche Madame La- vaux angehörte, vernehmen. „Wozu soll er auch dienen, daß sie hier auf ihren Vater wartet, der doch deshalb nicht früher nach Hause kommt."
„Aber lassen Sie mich lieber warten," bat Madelon, „er kann nicht länger mehr ausbletben."
„Aber, hebe Kleine —"
„Ich muß auf ihn warten," sagte sie dann flehend; „ich bleibe immer auf, bi» er zurückkehrt."
Merville dachte, daß e« das Beste sei, wmn er sie der Obhut von Madame La«
vaux anvertraue. Er wünschte ihr freundlich gute Nacht und nachdem er ihr noch versprochen, sie am folgenden Tage zu besuchen, begab er sich auf fein Zimmer und begann zu lesen. Einige Augenblicke darauf hörte er, wie die Besitzerin des Hotels über den Gang schritt und zur oberen Etage hinaufging.
Im Hotel lag Alles in tiefster Ruhe; die Uhren hatten schon lange die Mitternachtsstunde verkündet, als Horace, leise die Thür öffnend, das atme Kind noch immer an derselben Stelle sah, an welcher er sie verlassen hatte. Schon überlegte er sich, ob er aufs Neue mit ihr plaudern solle, al« ein schwacher Schrei und ein Geräusch von Tritten an sein Ohr schlugen.
„Endlich ist er nach Hause gekommen," sagte er zu sich selbst, indem er mit einer Art von Erleichterung das Buch au« der Hand legte und eine gewisse Befriedigung darüber empfand, daß das Wachbleiben, welches er freiwillig übernommen hatte, zu Ende fei. Dann trat wieder einen Augenblick lang vollständige Stille ein, worauf sich ein Durcheinander von verworrenen Stimmen, die indeß sogleich wieder verstummten, vernehmen ließ — fast al« ob man den Schlaf der Hausbewohner nicht i hätte stören wollen. j
„Es muß irgend ein Unglück geschehen fein," dachte Merville; „ach, mein Gott, das arme Kind! — Soll seine Furcht doch noch am Ende begründet gewesen sein?"
Eiligst ging er hinunter.
Das Geräusch der Stimmen wurde s immer stärker, je näher er dem Hausflur : kam, und als er eben um die letzte Ecke der Treppe gebogen war, begriff er so- | gleich die Veranlaßung zu dieser Aufregung. ! Mitten in dem Hausflur war eine kleine i Gruppe von Personen versammelt. Alle umstanden nun ein Individuum von hoher Statur, welches auf einer Bank in der Mitte unter der Laterne halb ausgestreckt lag, und welches zwei Männer stützten, die dasselbe offenbar so hereingebracht hatten. Er lag völlig bewußtlos da, um den Kopf ein Taschentuch gewunden, welches eine Stirnwunde verdeckte; man hatte ihm die Halsbinde losgeknüpft und die Kleider aufgemacht, damit er so freier athmen könne. Schon hatte sich die Kunde von dem Vorfall im ganzen Haufe verbreitet; das Thor stand weit offen und draußen auf der Straße sah man einen Fiaker stehen.
„Man hole unverzüglich einen Arzt," sagte eine von den Personen, welche da- standen, während Horace, der auf den Verwundeten zugetreten war, in ihm nicht