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3-18 120. Donnerstag, den 26. Mai 1881.

Fuldaer Jeikung.

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(Die ,Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

Kein Friede im Grotzherzogthum Hesse«!

Nachdem Deputationen aus verschiedenen verwaisten Gemeinden Audienzen bei Sr. kgl. Hoh. dem Großherzog gehabt hatten und mit Wohlwollen empfangen worden waren, gab man sich in gewissen Krei- sen der Hoffnung hin, daß die große gei­stige Noth, in der diese verlassenen, an der Befriedigung des nothwendigsren aller Be­dürfnisse: des religiösen, behinderten Ge­meinden schmachten, in etwas werde ge­mildert werden, und daß den hessischen 250,000 Katholiken wenigstens eine Nach­gabe gemacht werden würde, wie ste den badischen, und zwar ohne den Staat zu ruiniren, nicht versagt worden ist.

Wie diese Hoffnungen zu Schanden ge­worden sind, beweist nachfolgendes Acten« stück:

»Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz eröffnet dem N. N. zu Y. (Namen thuen Nichts zur Sache) auf die von ihm und Genoffen an S. k. H. den Großherzog gerichtete Vorstellung, daß es lediglich in der Hand der kirchlichen Oberbehörde liegt unter Beobachtung

der desfalls bestehenden Vorschriften (I) die geeigneten Anordnungen zu treffen, damit in der Gemeinde die Versehung der durch den Tod des katholischen Pfarrers erledigten kirchlichen Funk­tionen geregelt und damit der nach dem In­halte der Vorstellung i!) bestehende kirchliche Nothstand beseitigt wird. gez. v. Stark."

Wir erlauben uns zu dieser Verfügung die Bemerkung, daß wir deren Inhalt we- der als richtig noch als neu anzuerkennen vermögen. Unrichtig ist die Behauptung, daß die Kirche in der Lage sei, die „be­stehenden Vorschriften", wie die von dem Staat erlassenen Kirch en gesetze euphe­mistisch genannt werden, zu beobachten. Niemals kann die katholische Kirche eine staatliche Gesetzgebung anerkennen, welche die kirchliche Erziehung und Ausbildung des Clerus durch Aushebung der Convicte und Seminarien unmöglich macht und sie durch Zuweisung der zukünftigen Geistlichen an die durchweg von einem unchristlichen Geist erfüllten Staatsgymnasien und durch ein besonderes Examen in den Fächern, in welcher die katholischen und sog. moder­nen Grundsätze am Schärfsten von einander abweichen, dem Staat in die Hand gibt; welche ferner die Handhabung der kirchlichen Dirciplin in letzter Instanz dem Ministerium und dem staatlichen Gerichtshof zumeist, welche endlich das 'ganze Anstellungswesen i der gesummten Geistlichkeit, einschließlich der förmlichen Ernennung durch Decret, dem Staat überträgt. Würde eine kirchliche Oberbehörde, was undenkbar, in der That so weit von ihren Pflichten ab­weichen, daß sie solche Grundsätze anerkännte, so würde ste sofort von dem gesammten i

| katholischen Volke verlassen werden, denn \ wir, das Volk, wollen lieber gar keinen Pfarrer, als die in der Schule solcher Ge­setze ausgewachsenen Staatspfarrer; wir verzichten lieber auf jede öffentliche Ausübung der Religion, als daß wir uns zu einer Staats religion bekennen würden.

Der Versuch, die Verantwortung für die furchtbare kirchliche Noth von den Schultern des Staats auf die der Kirche überzu­wälzen, ist aber auch nichts weniger als neu. Schon 1874 wurde in Preußen der verunglückte Versuch gemacht, durch diesen Vorwurf die Curie und die Bischöfe in eine schiefe Stellung zu dem katholischen Volke zu bringen. In Hessen, wo man das preußische Vorbild auch in dieser Be­ziehung nachzuahmen sich verpflichtet fühlte, witrden sogar, einer s. Z. in der Kammer gehaltenen Aeußerung zufolge, die Krers- ämter durch ein Ausschreiben förmlich an­gewiesen, alle Beschwerden der Gemeinden mit dem Hinweis auf die angeblich alleinige Schuld der kirchlichen Oberbehörde zu be­antworten !

Trotz dieser Bemühungen war indessen bis jetzt nicht ein einziges, wenn auch noch so beschränktes Individuum aufzutreiben, - welches diesen Versicherungen auch nur den i entferntesten Glauben geschenkt hätte. Wenn daher im Mai 1881 die Regierung auf die bittersten Klagen und Beschwerden Nichts mehr entgegnen kann, als die Be­ziehung auf diesen doch sehr veralteten Satz, so muß sie um Gründe sehr : verlegen sein, obwohl diese doch wohl- ! seil wie Brombeeren sind.

Madelo«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. I (Fortsetzung.)

Das war für ihn eine Enthüllung; von l dieser noch einen Augenblick vorher so un- l bestimmten Vergangenheit hob sich ihm jetzt i ganz klar und deutlich ein unbestimmtes i Bild ab; der Hof eines Hotels, das Mur« : mein eines Baches, ein von Bergen um- s rahmtes Panorama, ein kleines zudringliches j Mädchen mit dem Lockenhaar und großen braunen Augen.

„Ich glaube, daß wir uns bereits irgend­wo gesehen haben," sagte er lächelnd; „aber ohne Zweifel erkennen Sie mich nicht wie­der, obwohl ich mich Ihrer ganz genau entsinne.

„Ich errinnere mich nicht."

„Es war in Chaudfontaine vor fünf f Jahren. Sie waren noch ganz klein. Made­leine Linders, nicht wahr? Das ist wohl Ihr Name?"

„Ja ich bin Madeleine Linders," ant« wartete sie. „Wir kamen häufig nach Chaud­fontaine; wohnten Sie auch im Badhotel?"

„Nur eine einzige Nacht habe ich mich dort aufgehalten," sagte Horace; „aber Sie und ich haben an jenem Abend lange mit einander in dem Hofe des Hotels geplau­

dert. Erinnern Sie sich nicht eines kleinen ä emaillirten Fisches?"

„Wie, das sollten Sie sein?" rief sie aus, j während ein freudiger Zug über ihr Gesicht glitt; „ich habe ihn noch, den kleinen Fisch, i Es freut mich sehr, daß ich mich nicht da- I von getrennt habe. Dieser Herr war so r gut gegen mich; ich werde ihn nie verges« I sen. Also e>ie waren das?" fügte sie sin- j nend bei. „Ich habe oft an Sie gedacht, z und es freut mich sehr, Sie wiederzu« \ sehen."

Sie sprach diese Worte anscheinend frei \ und herzlich aus, wobei sie zugleich Horace ] anmuthig die Hand drückte.

„Ich bin es wohl zufrieden, daß Sie [ mich nicht ganz vergessen haben," sagte Ho­race, indem er sich neben sie auf die Fen­sterbank setzte; „Sie sind so sehr gewachsen, daß ich Sie wirklich nicht wiedererkannt hätte, wenn ich nicht Ihren Namen in die­sem Buche gesehen hätte. Wa» haben Sie denn während dieser fünf Jahre begonnen ? Sind Sie auch wieder einmal in Chaud­fontaine gewesen?"

„O ja, mehr al» einmal; wir gehen fast jedes Juhr dahin, nur waren wir die­sen Sommer in Wiesbaden, von wo wir dann direct hierhin gekommen sind."

„Und Sie gehen niemals nach England? ,

Sie hatten dort ja Verwandte? Der Onkel, welcher — "

„Sie meinen, meinen Onkel Charles,, Er ist schon lange tobt, und das war der einzige Verwandte, den wir hatten."

„Sie sprechen also niemals englisch mehr? Sie erinnern sich ja, wie Sie mir sagten, daß ich das Französische so sonderbar aus­spräche ?"

„Ich erinnere mich nicht mehr," sagte Madelon lächelnd und zugleich erröthend. „Aber wie war es möglich, daß ich so un- höflich war? Ich finde im Gegentheil, daß Sie es sehr gut sprechen. Aber ich habe mein Englisch doch nicht vergessen; ich lese es oft, und übrigens kommen wir auch oft mit Amerikanern zusammen, die Papa be­suchen. Sie erinnern sich ja meines Vaters, nicht wahr?"

„Sehr gut," antwortete Horace.

Er erinnerte sich in der That auch ganz genau der Scene, von welcher er Zeuge gewesen war, der beiden Spieler, welche in dem großen Saale des Hotels in Chaud- fontaine gespielt hatten, und des kleinen Mädchens, welches auf den Knieen dessen saß, den sie Vater nannte.

„Ich entsinne mich recht wohl," fügte er dann nach einem Augenblick des Still­schweigen» bei. (Forts, folgt.)