JISL 11A. Mittwoch, de« 25. Mai 1881.
Fuldaer
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* Das Jubiläum.
IV.
Wenn schon der Verfall, dem der Protestantismus in sich entgegeneilt, nicht anders denken läßt, als daß der Kampf, in dem er eben im Bunde mit allen Elementen des Unglaubens gegen die katholische Kirche anstürmt, eher zu seiner eigenen Vernichtung als zum Untergang der Kirche führen werde, so können wir noch weniger an dem endlichen Siege der Kirche zweifeln, wenn wir sehen, daß die Katholiken im Großen und Ganzen in Folge der harten Bedrängniß geistig nur gewonnen haben, in ihrem Glauben nur befestigt worden sind, ja eine Treue, eine Opferwilligkeit, eine Einmüthigkeit an den Tag legen, die in der Geschichte der Kirche kaum ihres gleichen finden. Was hat man nicht gethan um zuerst die Bischöfe von Rom loszu- reißen und zu bewegen, zur Gründung einer Nationalkirche mitzuwirken. Aber auch nicht ein Oberhirte hat sich bethören laffen. Dann versuchte man, die Priester von den Bischöfen zu trennen. Straflosigkeit, Schutz und Erhaltung im Amte, eher Erhöhung als Sperre des Gehaltes sind ihnen zugesichert, wenn sie sich gegen ihre kirchlichen Obern aufiehnen. Doch wie klein ist die Zahl derer, die sich der Untreue schuldig gemacht haben! Und jene wenigen Priester, die ohne kirchliche Sendung vom Staate Stellen angenommen haben, die sogenannten Staatspfarrer, welche erbärmliche Rolle spielen sie! Die Gläubigen sehen sie an als Wölfe in Schafskleidern und fliehen vor ihnen. End-
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Madelon.
Rach dem Französischen von I. Rüttgers, j (Fortsetzung.)
Heute ist Horace Merville Militärarzt; er hat brillante Examina bestanden und auch bereit» durch wisienschaftliche Arbeiten die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen; er hat Frankreich, Italien und die Schweiz bereist, Menschen studirt und das Leben kennen gelernt mit seinen Enttäuschungen und eitlen Hoffnungen. Auch Mademoiselle Lin- ders ist nicht wenig verändert; so wie sie jetzt ist, etwas hager und schlank, mit den hübschen und blonden Haaren, welche in lieblicher Unordnung ihr auf die Schultern herabwallen, kennt man kaum die Madelon mit der weißen Schürze und dem Locken köpfchen wieder, wie sie im Garten vor dem Batehotel mit der Puppe spielte und mit Horace in kindlichem Geplauder sich erging. Und doch hatte Merville, dem sich die Gesichter, die er einmal sah, genau einprägten, eine dunkle Erinnerung, als ob er dieses hübsche Kindergesichtchen und diese großen blauen Augen mit ihrem merkwürdigen Glanze schon irgendwo gesehen haben müsse.
Ein Augenblick lang trat Stillschweigen ein, als Madelon, sich mit enttäuschter Miene vom Fenster wegwendend, sagte:
lich wollte man das Volk gegen den Klerus in's Feld führen, indem man ihm vorstellte, wie der Stolz und die Herrschsucht der Geistlichkeit die Ursache all' der Nebel sei, ‘ die hereinbrächen. Bald wurden die Ge- ‘ meinden ermächtigt, selbst ihre Seelsorger zu wählen. Indessen hat sich unseres Wis- [ sens im ganzen Königreiche Preußen auch - nicht eine Gemeinde gefunden, die von; jener Befugniß hätte Gebrauch machen wollen. Und nun noch gar die Gehaltssperre gegen die der Kirche treuen Priester, die Inschutznahme und Förderung der Altkatholiken! Aber das Sperrgesetz hat Priester und Gläubige nur noch enger mit einander vereinigt. Und was den Altkatholicismus angeht, so hat es im Laufe der Jahrhunderte schon viel Sccten gegeben, aber einen erbärmlicheren Verlauf, als dieser, hat wohl noch keine genommen. Und nun, nachdem alle Versuche mißlingen, bereitet man der Welt schon das kostbare Schauspiel, daß man jenen auswärtigen Obern, dessen Ansehm und Macht zu zerstören Endziel der Cul- turkämpfer war, den heiligen Vater in Rom als Vermittler anruft und von ihm verlangt, daß er zu Gunsten der staatlichen Gesetzgebung seinen Einfluß auf die Katholiken Preußens geltend mache. Wahrlich hier gilt, was der Dichter sagt: „difficile, satiram non sribere.“ Es ist schwer, nicht ein Spottgedicht zu schreiben." — Oft hört man die Katholiken klagen, daß sie schon so lange gebetet hätten und noch immer keine Erhörung sänden. Ist denn das nicht eine wunderbare Gebets-
„Ich bitte Sie, könnten Sie mir sagen, wie viel Uhr es ist? Ist es schon elf Uhr vorbei?"
„Es ist schon mehr als halb Zwölf," ant- wartete Horace. „Warten Sie schon lange hier?"
„Seit zehn Uhr; Papa hat mir gesagt, er würde dann zurückkommen. Ich kann mir dieses Ausbleiben nicht erklären."
„Wahrscheinlich," meinte Horace, „wird ein unvorhergesehener Umstand ihn zurückgehalten haben.
„Aber er hat noch Jemand auf heute Abend zu sich bestellt; vielleicht wartet Jemand gerade auf ihn."
„Wäre e» nicht möglich, daß er nach Hause gekommensei, ohne daß Sie es wüßten?"
„Ich glaube kaum," versetzte Madelon; „er würde mir gerufen haben, und ich hätte ihn dann übrigens auch über den Hof kommen sehen müssen."
Trotzdem ging sie von der Stelle weg und eilte hastigen Schrittes auf das Zimmer zu, welches sie mit ihrem Vater bewohnte. Dasselbe lag gerade demjenigen Horace's gegenüber und dieser, welcher ihr, ohne gerade einen bestimmten Grund zu haben, nachging, konnte durch die halbgeöffnete Thür eben einen Blick hineinwerfen.
Es war ein ziemlich geräumige» Zimmer, an welches ein zweites kleineres anstieß. Ein
erhörung, daß alle Angriffe gegen uns gegen die Angreifer selbst sich kehren, uns stärken jene in ihrer Ohnmacht blos stellen? Rein hier ist der Finger Gottes, müssen wir vielmehr j sagen , und wenn das Vertrauen eine der nothwendigsten Eigenschaften ist, die unsere Gebete haben müssen, um Gott zu gefallen, und erhört zu werden, so muß das Ergebniß, welches die Angriffe gegen uns seither gehabt haben, bei unseren Jubiläumsandachten mit der festesten Zuversicht uns erfüllen, daß unsere hl. Kirche im gegenwärtigen Kampfe obsiegen werde. —
Deutsches Reich.
* Berlin, 23. Mai. (Reichstag). Das Gerichtskostengesetz wird in zweiter Lesung nach den Commissionsbeschlüssen angenommen; darauf der Vertrag ‘‘mtt China in zweiter Lesung genehmigt. Nächste Sitzung morgen (Nachtragsetat).
— Dem Bundesrath ist der folgende Entwurf einer Verordnung betreffenv die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Reichsbankbeamtcn zugegangen:
Die Bestimmungen des Gesetzes, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Reichsbeamten der Civilverwaltung vom 20. April d. I. finden auf die ReichSbankbeamten mit folgenden Maßgaben entsprechende Anwendung: 1) An Stelle der Reichscaffe tritt überall die Caffe der Reichsbank. * *2) Die Wittwen- und Waisengeldbeiträge werden bei der Reichsbank zu einem besonderen Fonds angesammelt und verwaltet. Insofern derselbe nicht zu den laufenden Zahlungen an Wittwen- und Waisengeld zu verwenden ist, erfolgt die zinsbare Anlegung in Schuldverschreibungen des Reichs oder deutscher Bundesstaaten Meublement aus Utrechter Velours, eine mit einem hohen Spiegel gezierte Console und zwei angezündete Kerzen schmückten dasselbe; in der Mitte stand ein Tisch, auf welchem sich mehrere Spiele Karten und eine Liqueurflasche mit einigen Gläsern be- fanden; dem Kamin gegenüber befand sich ein Bett. Die ganze Atmosphäre war von Tabaksrauch geschwängert, was sich übri- gens durch die Anwesenheit eines jungen Mannes erklärte, der, die Cigarre zwischen den Fingern, zum Fenster hinauslehnte und mit einem Vorübergehenden sprach.
Als Madelon hereinkam, hob er den Kopf in die Höhe und trat langsam vom Fenster zurück und man konnte jetzt ein fleischloses, eingefallenes Gesicht sehen, dessen Anblick durch den unordentlichen Haarwuchs, den langen und etwas vernachlässigten Bart des Mannes nur noch widerwältiger wurde.
„Es scheint, daß Ihr Herr Vater heute Abend das Nachhausekommen ganz vergißt," sagte er in etwas spöttischem Tone zu ihr.
„Ich habe ihn noch nicht zurückkommen sehen, aber ich glaubte ihn vielleicht hier zu finden."
„Durchaus nicht; er ist vollständig un- sichtbar! vielleicht soll das ein kleiner Streich sein, den Papa mir spielt — er hat Furcht vor der kleinen Revanche, von welcher er