M 116.
Sonnabend, den 21. Mai 1881.
Jfultor
21
Madelon
sir zu sprechen.
dann blieb er
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.) j
Es war wirklich eine Art Krisis, welche Madelon damals durchzumachen hatte, und und unter der sie um so mehr litt, als sie Niemanden davon etwas mitiheilen wollte. Sie dachte gar nicht daran, zu dem Ame- rikaner, zwar eine gute Seele ohne Zweifel, aber sorglos und gleichgiltig nach Künstler« art, ihre Zuflucht zu nehmen. Ihr Vater hatte, wie wir wissen, ihre vertraulichen Miltheilungen kurz abgeschnitten. Dieses wegwerfende „wirklich!" war ihr noch zu gut in der Erinnerung als etwas, was sie um jeden Preis vermeiden wollte. Bisweilen, wenn sie an seiner Seite saß, litfe sie ihr Köpfchen schlaff auf seine Schultern sinken; wenn er sie dann in ängstlichem Tone frug, was sie schmerze, vermochte sie ihm nur traurig zu antworten, sie wisse es selbst nicht. In der Thal wußte sie es selbst nicht, das arme Kind; und wenn sie es auch gewußt, \ fie hätte es in Worten nicht auszudrücken vermocht. Es war schließlich der deutsche Musiker, der sich ihr Zutrauen ganz zu erwerben wußte. Der gute Greis hatte etwas Einfaches, Herzliches und Väterliches, das sie unwillkürlich herausfühlte. So war es -
Dieser Tage antwortete Jemand auf die titoge: „Was ist die deutsche Politik?" kurz entschlossen: „Der Wille Bis« marck's." Damit ist die Frage zwar nicht erklärt, aber die Antwort ist nicht ganz unrichtig. Von einer eigentlichen deutschen Politik zu reden, scheint mir Überhaupt sehr gewagt, denn dieselbe nimmt fast von Woche zu Woche ein anderes Gesicht an, macht Sprünge wie ein Kunstreiter, voltigirt bald in's liberale, bald in's conservative Lager, und wer all' diesen Windungen und Drehungen folgen wollte, müßte noch geschmeidigere Knochen im Leibe haben wie ein Kautschukmann oder Bennigsen. Fürst Bismarck gibt unserer Politik die Richtung; gefällt es ihm, die Natronalliberalen an die Wand zu drücken,
Z Politische Streifzüge, Nachdruck verboten.
sichtigen Himmelsgewölbe einige Sterne vereinzelt zu flimmern begannen. In dem Z.m- mer, in welchem ein gewisses Halbdunkel herrschte, spielte der Violinist eben eine Melodie von Spohr, und Madelon fühlte, während sie zuhörte, ohne Zweifel eine gewisse Verwandtschaft zwischen der gegen- wärtigen Stunde und jenem denkwürdigen icne unneixünöi
Augenblicke, m welchem sie zum ersten Male melnd, schütt er lahm —
ro,enn A ihre Auf- i Zuständen haben meine Leser gewiß so c. «n , , ' <^2..ge,andtrn wenig gemerkt, wie ich. Was brachten sie L bereiten und ihre Kraft der ' uns? Den „Culturkampf", Parttihader, Es ist ■ Haß und Zwietracht, den Gründungsschwm- - del, finanzielles Elend, den Bankerott des wer ! Kleingewerbes und des Handwerkerstandes
gewissermaßen mehr ihr Jnstinct , eine katholische Kirche betreten batte denn als chre Vernunft, die ihr sagte, daß sie f eine plötzlich? Bewegung überkam sie ^und hier weder Glerchgtltrgkett noch Wegwer« ? ihre Augen füllten sich mit Thränen Als
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g n de? Sache ?n^und^für^ ü^^hr we- j losigkeit das sie angesichts all' dieser Räth el si- zu sprechen f ^mb"te i '^pfand, womit sie sich beständig um-
«ÄÄH i SÄ üäS der Glocken unterbrach allein die Stille, 1 Der Greis batte bis
hier und dort erglänzten in den Straßen ' zuaebölt- aber die Lkt» k^hweigend bl«ttn,^fastdW j Bern.' 6 ^°0e ma4te
I «i/S8?ammelte cr; und dann ■ "hebend tief er: „Ach, mein
\ ® m’. kragst mich, mich darum?" ;■ «. großen Schritten durchmaß er das : «immer, eine schmerzliche Erinnerung mochte ! wohl in ihm aufzestiegen sein — mit ge- • beugtem Haupte, die Hände auf den Rücken grlegt, ganz leife unverständliche Worte mur-
det? Die charakterlose Schweifwedelet und . haben wahrlich keine Ursache fiA tmrtiftor Sä" d;: <srali6T s*-ff ä W , r m Otto Jung tn seinem Buche ä von ihnen verhimmelten Mannes' all. „Aus der Provinz" überden Fürsten Bis- - mächtig ist., 9 Mannes, all-
mard: „Dte Maffenmenschheit sinkt ihm \ Seit Jung jene Worte schrieb sind erst ä““rSUo (Düngerhaufen) ' sechs Jahre verflossen, und wenn ich jetzt |"a6, der in sich dte Kraft anzusammeln | die Frage aufwerfen wollte, wer ist denn van ist , einzelne Stämme | in Deutschland mit dem „Säcularmenschen"
von gewaltiger Höhe emporzutrerben. Alles i Bismarck eigentlich zufrieden? so würde < f.r0.®n dieser Maffenmensch- j ich eine Antwort erhalten, die ich m-t Rück«
;erf ^üentltche Held, dem göttlichen z graphirte Strafformulare nicht zu veröffent- Achilles gleich, auf der Wahlstatt erscheint, j lichen wagte. Selbst v. Bennlasen bat's nnb hIC H^'^dCmturschlacht zu schlagen ja im Reichstag erklärt, daß unsere Politik und den großen Sieg zu erzwingen. Es : eine schwankende, unberechenbare sei und wTÄ Jahrhunderte, bevor die von dem „Glück", das man sich verheißen Menschhe.t rn rhrcm Schooße die Geburt - ist in Deu schland blutw?niä ?»«& SSS ^»Bahnbrechers vorbereitet hat. i Am IO. d M. erinnetten dtt S ^°h"nd dieser Zeit arbeitet und nährt ! daran, daß zehn Jahre seit dem Frank- s° tom Hefe taS.Ä&S; I y? l"I-r Trieben feien. Mit welchen
teil herab; gefällt <- chm, den Sonferw Sb“ ngt t«t nur bm Ä™ > Mengen trug man iich bamale!
trven die Hand zu reichen, so blüht deren mengen LrkuttsMnsttin ° Holzer und hoffnungsfreudiger hat das
W-lM. und liebäugelt er bann plötzüch ma“«' ’ta SnS * S* $Ol,h”^1 "k 8-tafl ge.
»neder mit Bennigsen, so ist dieser der ganzer vorbereitender E.iltnrenn^n - ‘ 6 ~ “nb nie ist cs bitterer enttäuscht
Held des Tages. Nichts ist bezeichnender W/lltf?i «orden. Am 10. Mai 1871 schrieb die für die Machtfülle des Kanzlers und die I einer Person^ sondern mtt ®"Pnker „Nach zehn Jahren
Machtlosigkeit der Volksvertretung, als daß, Culturabschnitte zu tbun ^ie - 10 vb»Ya6,Sut^e einem Eden (Pa-
wenn einmal ein Wunsch Bismarck's nicht I vor und neben ibm vei-ti-b-n s Menschen , radtes) gleMen. Diese zehn Jahre liegen f-f-rtl« »t witb"(„ie 8. jfij L,e"L,be Mch- 3h« »« L Ä»„
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innere ^nrif f' I zu erinnern, damit das Volk erkennt, we i
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