Dienstag, den 17. Mai 1881.
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O Amerikanische Feuerwehr.
Cincinnati, 25. April.
Die Feuerwehr Berlins erfreut sich mit Recht eine» Weltruhms und ihre Organisation wurde in den Residenzstädten der europäischen Staaten vielfach nachgeahmt. In den Vereinigten Staaten nimmt man Praktisches und Bewährtes aus der alten Welt augenblicklich an, nur sucht man in jedweder Branche die Handarbeit möglichst durch automatische MasLinenverrichtungen zu ersetzen. Ein Amerikaner construirte die erste Dampfspritze und seitdem wurde dieselbe in den Großstädten Europas eingeführt, ohne indessen die Handspritzen gänzlich auszurangiren. In Amerika hat man sich in sämmtlichen bedeutenderen Städten ausschließlich für die Dampfmaschinen entschieden, allerdings nach sorgfältiger Prüfung des zu wählenden Systems. Auch in den sonstigen Einrichtungen suchte man Europa zu überbieten, was mit Ausnahme der Disciplin und Organisation der Feuerwehrmannschaften zum großen Theile gelungen ist.
Hier in der Hauptstadt des Staates Ohio functionirt die Feuerwehr tadellos, dennoch dürfte sie beispielsweise der Berliner in der Manövrirfähigkeit schwerlich gleichkommen. Andererseits besitzt die hiesige Anstalt aber wieder einige höchst originelle praktische Einrichtungen, die kaum in der deutschen Metropole angetroffen werden dürften. So bedarf es beispielsweise keiner Handleistung, um die Thüren sowohl der Pferdeställe als der Spritzenremisen zu öffnen. Der Druck auf einen Knopf be-
vT Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
„Ja ohne Zweifel; nur ist es nicht immer so feierlich; heute ist ein großes Fest. Gehst Du denn nie in die Kirche?"
„Es ist vielleicht eine kleine Protestantin," flüsterte der Vater leise, und sie geht wahrscheinlich in das Bethaus. Nicht wahr, mein Kind?"
„Ich weiß es nicht," antwortete Madelon, indem sie sich vergebens bemühte, den Sinn dieser für sie mehr als dunkeln Worte zu erfassen; „ich bin niemals in irgend einem Tempel gewesen und habe auch nie von Protestanten gehört. Papa hat mich niemals zur Kirche geführt. Uebrigens wohnen wir nicht hier, wie Ihr seht."
„Aber in den anderen Kirchen ist es überall so wie hier," rief die gute Bürgersfrau.
„Wieso? Soll in Paris und sonst Alles wie hier sein? Aber noch ein Mal: Was thut man denn in den Kirchen?
„Nun, zum Beispiel zum lieben Gott beten!"
„Ich begreife das nicht," antwortete Madelon mit verzweiflungsvoller Miene.
wirkt gleichzeitiges blitzschnelles Oeffnen. Ein zweiter Drücker löst die Halfterketten derPferde und setzt gleichzeitig eine Welle über dem Hintertheil der Thiere, an welcher spanische Rohrstöcke radienförmig befestigt sind, in rotirende Bewegung, wodurch mäßige sich wiederholende Schläge auf das Pferd her- vorgebracht werden. Letzteres springt aus der dicht neben der Krippe befindlichen, jetzt geöffneten Thüre und hält vor seiner Spritze, die wiederum seitlich neben der Oeffnung aufgestellt ist. Man schiebt hierauf die Pferde unter die auf den Deichseln vermittelst eine« sinnreichen Gestells aufrechtgehaltenen Geschirre, die durch Schließung zweier Carabinerhaken — welche keiner weiteren Handhabung bedürfen — am Pferde befestigt sind. Wiederum Tasten eines Knopfes und mehrere große Remisenthore öffnen sich automatisch, um die davonsausenden Gefährte hinauszulaffen. Die Mehrzahl der Pferde ist durch die Gewohnheit derartig dresstrt, daß sie bei Oeffnung der Thüren hinausschlüpfen, ehe die originelle Prügelmaschine noch ihre Thätigkeit beginnt. Die Stallwärter bedienen die einzelnen Stände, indem sie von rückwärtigen Thüren eintreten; die vorderen Oeffnungen sind lediglich für den Spritzendienst. Bei dm Dampfspritzen ist der Heizraum permanent mit getheerten Holzbündeln und einer sehr leicht in Brand gerathenden, mit Erdöl durchtränkten Kohle, die man im Alleghani- Gebirge gewinnt, angefüllt. Hierdurch wird innerhalb 5 Minuten Dampf erzeugt, der dann bedeutende Wassermaffen durch einen Schlauch, dessen Mündung 4 Zentimeter
zählt, treibt. Gegen 300 große Zisternen sind als Reservoirs in den verschiedenen Stadttheilen angelegt, während beinahe 900 Wasserröhren auf den Straßen, wie kleine Brunnen, speciell zum Feuerlöschgebrauch emporragen.
Ganz besonders sinnreich jedoch muß der Feuermelde-Apparat genannt werden. Die Stadt ist in 527 Sectionen (squares) eingetheilt, von denen jede einzelne eine sogenannte „fire box“ (Feuerbüchse), die vor einem bestimmten Hause, in der Regel an einer Telegraphenstange, für Jedermann erkennbar angebracht ist, besitzt. Der Eigen- thümer eines bestimmten Hauses, zu welchem die ganze Nacht hindurch Zutritt gestattet sein muß, hat den Schlüssel zur fire box des square’s. Da die einzelnen Sectionen nur geringe Ausdehnung haben, vermag Jedermann leicht den Schlüssel zu erlangen, falls Zintretende Gefahr es erheischt. Er eilt hierauf zur box, die mit grellrother Farbe bestrichen, leicht erkenntlich ist, schließt dieselbe auf und dreht den sichtbar werdenden kleinen Hebel dreimal um sich selbst. Sowohl auf der nächstgelegenen Feuerwache wie auf der Hauptwache setzt der aus der box laufende Draht ein elektrisches Läutewerk in Bewegung, welches den betreffenden Square, in dem es brennt, dadurch laut bezeichnet, daß es die einzelnen Ziffern der fire box - Nummer mit kurzen Intervallen durch ebensoviele Glockenschläge anzeigt. Also beispielsweise ist im Square Nr. 324 Feuer ausgebrochen, so meldet die elektrische Glocke des zunächst liegenden Feuerwehrcirkels und der Hauptstelle laut
- „Was hat denn Alles das, diese Musik, l diese Lichter und Bilder zu bedeuten?"
I „Aber ist es denn möglich, daß man Dir von Allem Diesem niemals etwas mitge- theilt hat? Und was machst Du denn Sonntags?" frug die Mutter, während Eocile Madelon mit immer mehr erstaunten Augen anblickte.
„Gewöhnlich gehen wir auf'« Land Sonntags. Papa geht niemals in die Kirche, deß bin ich sicher, benn sonst würde er auch mich dahin geführt haben. Ich werde ihn bitten, daß er mich dahin zurückgehen läßt, denn da ist es so schön!"
In diesem Augenblicke bogen sie in die Straße ein, in welcher das Hotel lag.
„Ah, da ist Papa," rief Madelon, indem sie auf ihn zueilte.
Herr Linders, der etwas spät in das Hotel zurückgekehrt war, war voller Angst gewesen, als er das Kind nicht vorgefunden hatte,'und schickte sich eben an, es zu suchen.
„Mein Gott!" tief er, indem er es in feine Arme schloß, „wo bist Du doch gewesen?"
Da« arme Kind, ganz verwirrt, stammelte einige Worte der Entschuldigung, und nachdem ihr Vater den wackeren Leuten, die es zurückgebracht hatten, herzlich gedankt hatte, trat er mit ihr in's Hotel.
Er war allzusehr über die Rückkehr | Madelons erfreut, um sie wegen ihres Davonlaufens zu schelten; indeß zeigte er sich sehr mißvergnügt, als sie ihm ihr Abenteuer erzählte. Mit einem Male hatte ihn eine Thatsache, die er feit langer Zeit in unbestimmter Weise befürchtete und die er sorgfältig fern zu halten gesucht hatte, Überrascht» ganz und gar unvermuthet. Es j war dieses ein vielleicht folgenschwereres j Ereigniß, als er selbst denken mochte, denn er ahnte nicht im Entferntesten das, was im Geiste feines Kindes vorging, obwohl er zwar bemerkte, daß ihre jetzt einmal lebhaft erregte Neugierde dieses Mal schwerer als gewöhnlich zu befriedigen fein werde.
„Weshalb gehst Du niemals in die Kirche, Vater? Und weshalb führst Du mich niemals dahin? Es war so schön da und es befanden sich so viele Leute dort! Diese Frau hat mir gesagt, daß es so alle Sonntage sei. Warum gehen den alle diese Personen dahin?"
„Wahrscheinlich, weil sie es amüsirt," antwortete Herr Linders. „Es gibt Leute, die alle Tage dorthin gehen und von Morgen bis Abend dort bleiben — zum Beispiel die Ordenrfrauen, welche nichts Anderes zu thun haben."