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allgemeinen Jubel, welcher jetzt von den Karpathen bis an die Ufer des adriatifchen Meere» erdröhnt. Diese Erscheinung rührt vor Allem von dem Gerechtigkeitssinne her, mit der traditionell das österreichische Herrscherhaus die seinem Scepter unter» stellten Völker behandelt. Diese alle be­halten ihre Sonderrechte, als wenn sie unter eigenen Fürsten ständen. Nicht er­oberungssüchtig, war Oesterreich auch selten vorbereitet auf Angriffe, welche von Außen her erfolgten; aber auch die schwersten Niederlagen, selbst wenn sie in kurzen Zeit- räumen nacheinander eintraten, haben nie­mals das Fundament des Staates zu er­schüttern vermocht. Viel zum ungeschwächten Fortbestände des Reiches trägt auch die Religion bei, in der sich Fürst und Völker eins wiffen. Ein Freund der Kirche, ein Feind der Freimaurerei, hat das Haus Habsburg wohl auch seine „Cullurkämpfer" auf dem Throne gehabt; aber ein Joseph II. und ein Leopold II. bilden nur eine Ausnahme in der langen Herrscherreihe, welche vom Kaiser Rudolph ihren AuS- gangSpunct genommen hat. Die Erhaltung des Katholicismus in Deutschland ist nächst der Ansehung dem Hause Habsburg ' zu danken. Daher der Haß mit welchem unsere „Culturpauker", Rationalvereinler und Logenmänner gegen diese „Burg des Ultramontanismus" von jeher anstürmten. Ein eigenthümlicher Zufall will e«, daß gerade am Hochzeitstage des Kronprinzen Rudolph, der zehnte Jahrestag des Frank» furter Friedens traf, der dem neuen deutschen Reiche seine Basis schaffte. Als dieser Friede geschloffen wurde, war da» Veihältniß zwischen dem neuen Reiche und der alten deutschen Präsidialmacht Oester­reich, die 1866 aus Deutschland auSge- schloffen worden war, noch ein sehr ge­spanntes. Die politische Constellalion Euro» pa», die das neue Deutschland von Osten und Westen gleich sehr bedrohte, machte es indeß alsbald zur Rothwendigkeit, daß das alte 80 Millionenreich, welches eine Schutzwehr gegen alle Deutschland feind­lichen Angriffe bildete, wiederhergestellt wurde und führte so wenigstens zur diplo­matischen Annäherung an das bisher be­fehdete Oesterreich. Das aber erscheint uns noch nicht genügend und der Wunsch, den wir am heutigen Doppel-Gedenktage haben, geht dahin, daß der diplomatischen Annäherung alsbald auch eine bundes­recht l i ch e folgen möge, damit wir unsere kerndeutschen Biüder in Deutsch Oesterreich, Steiermark, Tirol u. s. w. nicht ferner­hin als Fremdlinge und diese nicht als Fremde zu betrachten haben.

— Die .Norddeutsche'schreibt: „Oeffent- lichen Nachrichten zufolge wird die sogenannte allgemeine deutsche Lehrerversammlung am 7. und 8. Juni d. I. in Karlsruhe ihre 24. Zusammenkunft abhalten. Nach den Ergebniffen, welche die vorangegangenen Versammlungen geliefert haben, und in der Voraussicht, daß die bevorstehende Versamm­lung auch von preußischen Volksschullehrern besucht werden wird, hat der Cultusminister Veranlaffung genommen, darauf aufmerk- zu machen, daß durch die Theilnahme an derartigen, dem eigentlichen Beruf der Lehrer fremden Vereinigungen der regelmäßige Un­terrichtsbetrieb in der öffentlichen Volks­schule unter keinen Umständen eine Störung erleiden darf. Der Minister hat daher an­geordnet, daß keinem die erwähnte Versamm­lung besuchenden Lehrer zu dem Zwecke ein über die Pfingstfenen hinaus reichender Ur- laub ertheilt werden darf; vielmehr ist streng darauf zu halten, daß der Unterricht sofort nach Beendigung der Ferien wieder ausge­nommen wird."

— Das Reichsgericht hat in der Sitzung vom 5. d. M. folgenden Grundsatz festgestellt: „Eine als Gotteslästerung zu bestrafende beschimpfende Aeußerung kann nicht bloß in der Schrift und in der münd­lichen Rede, sondern auch in bildlichen Dar­stellungen liegen." Die Veranlaffung wurde durch den Revistonsantrag des Malers D. und der Buchhändler B. und S. in Düffel­dorf geboten, welche wegen des Buches „Narrfingen. Neueste Wundergeschichte für Wundergläubige und Ungläubige mit Bildern und sangbaren Reimen von Michael Bär", wegen Gotteslästerung und Verbreitung un- züchtiger Schriften vom Düffeldorfer Land­gericht verurtheilt worden waren. Die Re­vision wurde für unbegründet erachtet. Die Gotteslästerung hatte da« Gericht in der verspottenden Art der Darstellung Christi erkannt.

Rirtzland.

* Petersburg, 11. Mai. ,Porjadok' meldet aus zuverlässiger Quelle: Gestern wurde hier ein sehr wichtiger politischer Verbrecher verhaftet, welcher eine Haupt­rolle bei der Anlegung der Mine in der kleinen Gartenstraße spielte. Seine Per­sönlichkeit ist bereits festgestellt; feine bei ihm wohnende Schwester wurde ebenfalls verhaftet.

— Aus Petersburg theilt man der ,Preffe' die folgende unglaubliche Geschichte mit: „Am Morgen des Hinrichtungstages der fünf Kaisermörder waren bekanntlich die Bierbuden und Kabaken der Stadt geschloffen, nach der Execulion wurden sie wieder ge­öffnet, am Abend aber nochmals geschloffen. i Einige Besitzer von diesen EtabliffementS begaben sich nach einigen Tagen zu LortS- Melckow (Minister des Innern) und be­klagten sich über die Schließung am Abend - und über den ihnen dadurch zugefügten materiellen Schaden. Loris-Melikow erklärte, nichts von der Sache zu nr.ffen und schickte die Leute zu Baranow (Stadthauptmann). Letzterer berief sich auf einen schrifilichen Befehl des Ministers des Innern. Dieser, hiervon in Kenntniß gesetzt, wünschte den an­geblich von ihm ausgegebenen Befehl zu sehen. Das Papier wurde gebracht und Loris- . Melikow sah auf demselben feine täuschend ’ nachgemachte Unterschrift. Schließlich hat es sich jetzt herausgestellt, daß die Fälschung von dem Executiv Comitö der social-revo- lutionären Partei ausgegangen ist, die den Tod von fünf der Ihrigen mit eben den­selben Trauerbezeugungen begleitet sehen wollte, wie den Tod des von ihnen ge­mordeten Kaisers."

— Die mit den jüngsten Juden-Kra- wallen verbundenen Ruhestörungen in Kiew hatten nach einer an die Statthalterei in Lemberg eingelaufenen telegraphischen De­pesche des österreichischen Consuls in Kiew, Cmgria, einen ziemlich ernsten Character angenommen. Der Pöbel begann die Waa- renlager der israelitischen Handelsleute be­reits Sonntag Früh zu plündern und Mon­tag Nachmittag, 9. Mai, dauerten die Plün­derungen noch immer ohne Unterbrechung fort. Mehrere israelitische Familien aus Kiew haben sich eilig nach Galizien geflüchtet. Danach war also die osficielle Petersburger Depesche vom 10. d. M. sehr ungenau. Auch in Schmerinka sollen Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden haben, wo­bei viele Häuser zerstört wurden. — Es heißt, daß der Kaiser seinem Oheim Kon­stantin Nikolajewitsch verboten hat, in's ; Ausland zu reifen. Derselbe wird feinen l Aufenthalt in Odessa nehmen, wo er ein ; schönes Hau« besitzt.

Provineielles u«d LsealeB.

* Fulda, 12. Mai. Gestern Mittag

spielte sich auf dem Buttermarkt dahier eine tragikomische Scene ab. Ein Haus­besitzer daselbst hat den Dachstuhl seines Hauses in höherer Gestalt neu aufgeführt, nachdem er, wie wir hören, vorher mit seinem Nachbar über die gegenseitigen Rechte und Pflichten ein schriftliches Abkommen getroffen hatte. Trotzdem erlaubte sich der „Nachbar", einen Theil des neuen Dach- gesimfes mit eigner Hand am hellen Mittag zu zerstören.Natürlich ging es nicht ohne laute und pikante Redensarten rc. ab, sodaß eine be­deutende Menschenmenge sich am Butter­markt versammelte, die theils durch Helles Lachen, theils durch ihren lebhaften Un­willen die bedauerliche Scene derart vollendete, daß dieselbe am gestrigen Nachmittage das eigentliche Stadtgespräch bildete. Wie uns mitgetheilt wird, ist gegen den betreffenden „Nachbar" bereits eine Entschädigungsklage und eine zweifache Jnjurienklage anhängig gemacht.

— Die Zahl der hiesigen Landbriefboten ist vom 1. Mai d. I. ab von 6 auf 10 gestiegen. Obwohl nun zwei derselben trotz- ' dem täglich zwei Begänge haben, so ist i doch das Loos unserer Landpostboten durch die neue Einrichtung wesentlich bester ge­worden. So sehr wir aber diese Erleich­terung der Landpostboten mit Freuden be­grüßen, ebensosehr müssen wir es bedau­ern, daß unsere Stadtbriefboten nicht eben­so berücksichtigt worden sind, da es wohl schwerlich in ganz Preußen eine Stadt von der Größe Fulda's geben wirb, die bei so zahlreichen, durch die Post zu bestellenden Brief- und Geldsendungen nur vier Brief­boten aufzuweisen hat.

— Die Lehrerinnen Fräulein Schäfer und Fräulein Meester sind vom 15. Mai ab an den katholischen Schulen dahier an« gestellt worden, nachdem an beiden Mäd­chenschulen je eine neue Classe errichtet worden ist.

— Nach einer dem bekannten Casseler Zeitungscorrespondenten aus Vacha zuge­gangenen Notiz soll binnen Kurzem in dieser Stadt oder auch in Geisa eine Be­sprechung über die Fortsetzung der Felda­bahn nach Geisa und Hilders und even­tuell nach Hünfeld statlfinden. Mehrere Interessenten beantragen die Abfassung einer Denkschrift über das Project und die Ueber# Mittelung derselben an die Regierungen in Weimar und Berlin. (F. K.)

— Der Gensdarm Leineweber ist von Niederaula nach Fulda versetzt. Der­selbe genoß in Niederaula die Achtung und Liebe aller Bewohner — gewiß ein gutes Zeugniß für einen Gensdarm.

— Am letzten Freitag sollen in dem Dorfe Fuchsstadt bei Hammeldurg ca. 25 Gebäude abgebrannt fein.

— Es wird jetzt der Versuch gemacht, Bäume aus allen Gegenden der bekannten Welt bei uns heimisch zu machen, und zwar sind die Wälder des Waldauer Re­viers bei Cassel ausersehen, in ihrem Bo­den den verschiedenartigsten Samen aufzu­nehmen. Unsere Nachkommen werden viel­leicht so glücklich sein, unter dem Riesen« lebensbaum aus Kalifornien wandeln zu dürfen, aber auch an Bäumen und Sträu­chern aus Japan, China, Neuseeland u. s. w. werden unsere Augen sich erfreuen und man wird nicht mehr nöthig haben, Reisen zu machen. Im Juli kommen mehrere hundert Forstleute in dem gedachten Re­vier zusammen, um die vielleicht bis dahin aufgekeimten Pflänzchen zu betrachten und ihr Gutachten darüber abzugeben (H.Bl.)

— Dem ,Knr. Poz.' geht von Berlin die Mittheilung zu, der Cultusminister v. Putt- kamer habe in Folge eines Gesuches des Abg. Dr. Jazdzewski allen Regierungen die Wei-