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löst worden und die Polizeibeamten des Reviers hatten die St. Vincenzbrüder für „affiliirte" Mormonen gehalten. Nach« dem die Beamten aber einmal eingeschrit- ten waren, nahm ihr Chef sie in Schutz. Dieser Hergang der Sache erklärt es auch, daß die elf übrigen Vincenzconferenzen nie­mals irgendwie behelligt worden waren.

— Wie aus Mainz gemeldet wird, stat­teten gestern der Kaiser, die Großherzogin von Baden und die Prinzessin Victoria von Baden Nachmittag P/2 Uhr dem Großher- zog von Heflen einen Besuch ab und kehr­ten um 31/, Uhr nach Wiesbaden zurück.

— Wie die ,Voff. Ztg.« wiffen will, hat die Staatsregierung dahin Anordnung ge­troffen, daß der Gehalt der Pfarrer in den Diöcesen Osnabrück und Paderborn auf 1800 M. erhöht und dieser Betrag fortan ausbezahlt werde.

— Bei der demnächst stattfindenden zwei­ten Lesung des Brausteuergesetzes werden für dasselbe, wie wir hören, nur die Con- servativen und ein Theil der Reichspartei stimmen; bei dieser Gelegenheit wird die Regierung über ihre Stellung zur Brannt­weinsteuerfrage interpellirt werden. Der Antrag der Abgeordneten v. Below und • Genossen, wonach vom 1. Juli d. I. ab alle Malzsurrogate bei Bereitung des Bieres verboten werden sollen, wird die Zustim­mung der Regierung finden.

— Betreffs der Verlegung des Reichs­tags schreibt die .Norddeutsche: „Ganz wunderlich und verworren werden die that- sächlichen Begriffe des Abg. Richter, wenn er darauf'kommt, daß, wie er sich ausdrückt der Reichstag von Berlin fort­verlegt werden soll. Er stellt sich so an, als ob der Reichstag ober selbst der Bundesrath ein Recht darauf hätten, ge­rade nach Berlin berufen zu werden. Die Artikel 12 und 13 der Verfassung kennen darin keine Beschränkung. Der Kaiser be­ruft den Reichstag und den Bundesrath und der Rerchsrag würde, wenn es seiner Majestät gefiele, ihn an einen anderen Ort Deutschlands zu berufen, dagegen ver- faffungsgemäß nichts einwenden können. Wir sehen nicht ein, welchen Anspruch Berlin für das Monopol hätte, den Reichs­tag in jedem Jahre in seinen Mauern zu sehen. Städte wie Hamburg, Bremen, Köln, Frankfurt a. M., Nürnberg, Erfurt,

Kassel, Hannover, Leipzig, Augsburg, Stuttgart haben darauf gerade so viel Recht, wie Berlin, sind zum Theil geo­graphisch günstiger gelegen und würden dem Reichstag und Bundesrath, wenn sie in ihren Mauern Sitzung halten wollten, gewiß freundlich entgegenkommen, mehr al« dies in Berlin der Fall ist. Wir zweifeln auch nicht, daß es zur Belebung des in Berlin unter der Herrschaft des fortschrittlichen Ringes ermattenden Ge­fühls der nationalen Zusammengehörigkeit führen werde, wenn auch andere deutsche Städte und Reichsländer mit der Ge- sammtheit der Vertreter der Nation in persönliche Beziehungen treten könnten, deren Monopol Herr Richter für Berlin in Anspruch nimmt. Daß die Herren, welche in Brlin gewählt sind und dem deutschen Reichstage einen nicht Jedermann anheimelnden Ausdruck des konzentrirten Berlinismus darbieten, daß diese in ihrem Berliner Partikularismus damit unzufrieden sein würden, das glauben wir gern. Aber die gesummten Berliner bilden doch eben nur 2 Prozent der deutschen Bevölke­rung, und die politischen Freunde des Herrn Richter in Berlin noch lange nicht 2 pro Mille. Es handelt sich aber bet Reichs- fachen in gleichem Grade um die Interessen der übrigen 98 pCt. oder 998 pro Mille der deutschen Nation." Wir bringen Vor­stehendes zum Abdruck, um unsere Leser zu überzeugen, daß das Projekt des Fürsten Bismaick, den Reichstag von Berlin weg­zuverlegen, (wenigstens vorläufig) als ein ernst zu nehmendes behandelt wird.

* Dortmund, 7. Mai. Das Schwur­gericht verurlheilte, laut der .Elberf. Ztg.', den 22 Jahre alten Schuhmacher Heinrich Potlhoff aus Westönnen bei Hamm, einen bereits früher mit drei Jahren Zuchthaus bestraften Menschen, wegen Raubmordes, begangen an der Ehefrau des Schäfers H. Budde, zum Tode.

* Dortmund, 9. Mai. Auch der Berg­mann Karl Weber aus Niedermaffen, wel­cher in der letzten Silvesternacht den Berg­mann August Drücke vorsätzlich ermordet und beraubt hat, wurde vom Schwurge­richt zum Tode verurtheilt.

Oesterreich-Ungar«.

i *** Wien, 9. Mai. Es verdient her­vorgehoben und in den weitesten Kreisen

bekannt zu werden, daß Kaiser Franz Josef auf dem vorgestern Abend in den kaiserlichen Appartements stattgefundenen, wahrhaft kaiserlichen Hofball, zu welchem gegen 5000 Gäste anwesend waren, während der Pausen die Reihen seiner Gäste in den verschiedenen Sälen durchschritt und vor allen anderen hohen und höchsten Herr­schaften den päpstlichen Nuntius Vannu- telli, den die belgischen Freimaurer be­kanntlich vom Brüsseler Hofe verdrängt - haben, in auffallender Weise auszeichnete. \ Der belgische Ministerpräsident Fröre Orban, ? der wüthendste Feind des Papstes und der \ katholischen Kirche, der die Aufhebung der j päpstlichen Nuntiatur in Brüssel mit allen ; ihm zu Gebote stehenden Mitteln betrieben ! hat, mag in der Handlungsweise des ; östereichischen Kaisers eine vernichtende 1 Kritik seiner kirchenfeindlichen Bestrebungen ? gefunden haben, zumal der Kaiser die

Königin der Belgier zum Balle geführt hatte und Fröre Orban selbst auf dem- ’ selben erschienen war.

* Wien, 10. Mai. Die Vermählung ; des Kronprinzen mit der Prinzessin Ste« ’ phanie ist in der Augustinerkirche durch den Cardinal Schwarzenberg vollzogen wor- ! den. Der Ringwechsel erfolgte unter Glocken­klang und Gewehrfeuer. Danach fand ein feierliches Tedeum statt.

— Der Kaiser spendete 22 Stipendien zu 300 Gulden Gold für verschiedene Hoch­schulen, und 100,000 Gulden Rente Na« ; mens des Kronprinzen für zehn Freiplätze i in Osfizierslöchter-Erziehungs-Jnstitulen. — : Die .Wiener Ztg.« publicirt die ganze ober

theilweise Amnestirung von 331 Verur- theilten.

Belgien.

* Brüssel, 10. Mai. Gestern fand eine Versammlung belgischer Socialisten statt, um gegen die Hinrichtung der wegen i Theilnahme am Petersburger Kaisermord - verurtheilten Jesse Helfmann zu protestiren. ; Es wurde ein Schreiben Rocheforl'S ver­lesen, worin derselbe den Beitritt seiner ! Gesinnungsgenossen zu der Kundgebung aus« . spricht. Nach heftigen Angriffen auf die j Presse, welche in der Helfmann'schen Sache l gänzlich unthätig sei, wurde eine Adresse f an die russischen Nihilisten angenommen.

Frankreich.

* Paris, 8. Mai. Der neue Zolltarif

Garten umherlief, hier ober dort etwas fragend oder erzählend.

Madelons Kindheit wurde von der Welt eine glückliche genannt. Viele Jahre später, als sie die Geschichte jenes Lebensabschnit­tes wieder la« und in den geringsten Erin­nerungen etwas Bitteres fand; — selbst damals noch gestand Madelon ein, daß ihre Kindheit eine „Glücksperiode" ohne Wolken gewesen sei, wie es wenigen Kindern ver­gönnt fit.

Die Schwenkungen des Glückes, die plötz­lichen Utbergänge vom Reichthum zur Ar- muth, die Schulden, die Auswege, deren Ehrenhaftigkeit mehr als zweifelhaft war und von Linders nicht verschmäht wurden, um sich Geld zu verschaffen, da» so pein­liche Gefühl, sich so ganz von Allem, was es Besseres und Edleres im Leben gibt, ausgeschlossen zu sehen, der Kummer ihrer Mutter, alle« das berührte Madelon wenig oder gar nicht; da« Eine wußte sie nicht und das Andere hielt sie für ganz selbst­redend. Was lag ihr denn auch in der Thal daran, ob sie in einem großen Hotel oder in einer bescheidenen Herberge über­nachteten, ob die Schulden gedeckt wurden oder nicht? Ihr Vater trug immer Sorge, daß sie unter solchen Dingen nicht zu leiden hatte. Die Feste und Vergnügungen, welche

ihr den einen Tag versagt blieben, standen ihr für den andern wieder in Aussicht, und selbst die Nothwendigkeit, in welche sich Lin­ders mehr als einmal versetzt sah, ihr alle ihre Kostbarkeiten und Luxusgegenstände zu nehmen, um einen unerbittlichen Ho­telbesitzer befriedigen zu können, verursachte ihr nicht die geringste Unruhe, denn ste wußte, daß man ihr einige Tage darauf neue und noch viel hübschere Dinge geben würde. Uebrigens hatte sie ja noch immer ihren Vater; und was bedurfte sie mehr? Bei dem geringsten Verdruß, der kleinsten Unannehmlichkeit, brauchte sie ihre Zuflucht nur zu ihm zu nehmen, und sie fand im­mer Hilfe und Theilnahme, und in der Thal lag für sie bei allen kleinen Sorgen und Widerwärtigkeiten jener Jahre in den väterlichen Prüfungen und Schmeichelwor« ten immer ein genügendes Heilmittel.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* 1. (Erfüllter Wunsch.) Der Dichter „Müller von der Werra" schrieb einst in ein Fremdenbuch einige hölzerne Verse. Ein Witzbold schrieb darunter:

„ O Müller von der Werra! Dir fällt das Dichten schwerra. Es würd mich freuen serra,

Wenn du nicht dichtest merra, O Müller von der Werra I"

Dieser Wunsch ist nun in Erfüllung ge­gangen, denn Müller von der Werra, der > kürzlich gestorben, ist dichtet gewiß nicht mehr, j 2. (Nichterfüllter W u n s ch.) Da ! fällt mir gleich noch eine Geschichte vom ' Müller von der Werra ein. Bei dem vorig- jährigen Goldfunde in Mardorf hatte ein e Mardorfer sich ein Gedicht bei Müller t von der Werra „bestellt", welches derselbe auch „lieferte", das aber recht armselig war. Der besagte Mardorfer schickte nun eines von den alten Goldstücken mitsammt dem erwähnten Gedichte an den Kaffer. Der Kaiser schickte aber das Goldstück und das Gedicht von Müller von der Werra wieder zurück. So waren der Mardorfer und Müller von der Werra beide „abgeblitzt."

* Einen heitern Druckfehler hat die ,Frankfurter Zeitung« verbrochen. Sie schreibt nämlich: „Ueber da« Testament Girardin's erfährt der.Figaro' Folgendes. Sein Enkel Karl Emil v. Girardin ist zum Universal. Erben eingesetzt; sein Sohn Alexander v. Girardin zum Testaments- Vollstrecker mit dem Mißbrauch des Vermögens bis zur Großjährigkeit de» Erstern." Mißbrauch statt Nießbrauch ist nicht übel!