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Mittwoch, den 11. Mai 1881.
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Gläubigen der ganzen Welt und es wird immer Helden finden, welche zum Martyr- thum und zum Enthusiasmus bereit sind. Wann es ihm immer gefällt, wird es Freunde finden, welche für dasselbe thätig find und Andere, welche für dasselbe alles opfern. Es ist dies ein ungeheurer Hebel, von dem wenigstens einige Päpste die ganze Kraft zu würdigen wußten. Es handelt sich heute nicht darum, diese Macht wieder- herzustellen, deren Prestige in diesem Augenblicke schwach ist. Unser letztes Ziel ist dasjenige Voltaire'« und der französischen Revolution, die Vernichtung des Ka- tholicismus für immer, fogarder christlichen Idee, die, wenn sie auf dem Ruin Roms bestehen bliebe, später die Fortsetzung des Katholicismus sein würde....
„Das was uns daher Roth thut, ist ein Papst nach unfern Bedürfnissen . . . Mit ihm würden wir bet dem Angriff gegen die Kirche sicherer marschiren, als mit den Schriften unserer Brüder in Frankreich und mit dem Golde Englands. Wir zweifeln nicht, daß wir endlich zu diesem letzten Ziele unserer Anstrengungen gelangen werden. Aber wann? Aber wie? Das Dunkel entschleiert sich noch nicht vor uns.
„Vernichtet den Feind, was auch daraus entstehen möge, zerstöret die Macht, durch böswillige Verläumdungen, aber vor allem ertödtet ihn im Keime. Es ist S ach e derJugend, daß sie vorangehe, daher müssen wir trachten, sie zu verführen und unter die Fahnen der geheimen Gesellschaften zu ziehen,ohne daß sie
es merkt.....Um uns einen Papst
unter den vorgenannten Bedingungen zu sichern, ist es nothwendig sofort eine Generation heranzubilden, des Regiments würdig, welches wir erhoffen. Der Klerus muß Euerem Banner folgen, indem er stets glaubt, unter der Fahne seiner rechtmäßigen Obern zu marschiren.
„Die Alchimisten des Mittelalters verloren ihre Zeit und das Geld der Leichtgläubigen, indem sie ihren Träumen nachjagten. Der Traum der geheimen Gesellschaften wird aus dem einfachsten Grunde in Erfüllung gehen, da er auf die menschlichen Leidenschaften gegründet ist. Laffen wir uns daher nicht entmuthigen, bereiten i wir im Stillen die Waffen der Venta vor» i bilden wir unsere Batterien, entzügeln wir l die Leidenschaften, die schlechten sowohl l wie die guten und alles deutet darauf hin j zu glauben, daß der Plan eines Tages ge« | lingen wird noch über unsere Hoffnungen hinaus."
Deutsche- Reich.
* Berlin, 9. Mai. Ter Kaiser erfreut sich in Wiesbaden des besten Wohl« j seins. Herzog Paul von Mecklenburg ist - dort eingetroffen.
\ — Auf dem letzten parlamentarischen
Diner im Reichskanzlerpalais unterhielt sich
I Fürst Bismarck am meisten mit dem : ihm zur Linken sitzenden Abg. Bisthums« ! Verweser Dr. Moufang von Mainz.
i — Berliner Blätter melden die bevor- ; stehende Ernennung des Herrn Tiedemann zum Regierungspräsidenten in Trier
4- Wozu die Kreimauerei die Jugend benutzen will,
sagt uns ein vertrauliches Schreiben eines Mitgliedes der Hohen-Venta in Italien. Es wurden nämlich bei dem Tode eines ihrer Mitglieder im Jahre 1846 mehrere wichtige Aktenstücke durch die päpstliche Regierung mit Beschlag belegt, wovon dieses Schreiben eines ist. Wir laffen die wichtigsten Stellen hier folgen:
„Nachdem wir uns zu einem Actionskörper constituirt haben und der Orden in der Ferne und in der Nähe des Centrums zu herrschen anfängt, ist es besonders ein Gedanke, der die Menschen, welche die allgemeine Regeneration anstreben, stets beschäftigt hat, es ist dies der Gedanke der Befreiung Italiens, woraus alsdann an irgend einem Tage die Befreiung der ganzen Welt, die Bruver-Republik und die Gleichheit der Menschen folgen wird. Dieser Gedanke wird von unfern Brüdern jenseits der Alpen noch nicht verstanden. Sie glauben, daß das revolutionäre Italien sich nur im Dunkeln verschwören, Dolchstöße gegen Sbirrcn oder Verräther führen und das Joch der Ereigniffe ruhig tragen könne, welche sich jenseits der Berge für Italien, aber ohne Italien vollziehen. Dieser Irr« thum ist ihm schon bei verschiedenen Gelegenheiten theuer zu stehen gekommen.
„Das Popstthum hat zu allen Zeiten einen entscheidenden Einfluß auf die Angelegenheiten Italiens ausgeübt, mit Hilfe seines Armer, seiner Stimme, seiner Feder, durch das Herz seiner zahlreichen Bischöfe, Priester, Mönche, Ordensleute und der
Madelon.
L'. Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.) '
V.
Bei Gelegenheit ihrer Gespräches mit Horace hatte Madelon diesem einen vollständigen Abriß ihre« Lebens gegeben, wie sie es mit ihrem Vater zu führen pflegte. Das Linders das Kind wieder zu sich genommen hatte, wenn man diesen Ausdruck auf das unstäte Leben anwenden kann, wie er es führte, — so geschah dies in Folge ganz bestimmter Entschlüffe hinsichtlich der Erziehung, die er sogleich auch verwirklichte und die auch anfangs allen wünschens« werthen Erfolg hatten. Schon hatte er die Liebe und das Vertrauen Madelon's ganz und gar gewonnen, wie denn auch diese schon von dem ersten Augenblicke an in seinem Herzen festen Platz gefunden hatte; es war seine feste Absicht, daß niemals irgend Etwas die zärtlichen Beziehungen zwischen ihm und ihr trüben solle. „Madelon soll," so hatte er sich gesagt, „erzogen werden durch mich und für mich; sie soll durch meine Augen sehen, denken Und sprechen wie ich, in allen Dingen; ich । werde ihr nichl von gut oder bös sprechen, ? so daß sie, ohne jeden Anhaltspunct, meine \
Handlungen weder verurtheilen noch be« urtheilen kann; so wird mich weder irgend ein Verdacht noch irgend ein Vorwurf treffen — und vor allen Dingen, ich werde sie glücklich machen, wenigstens wird sie mir nicht sagen können: mein Glück ist zerstört, mein Dasein ist gebrochen, und Du trägst die Schuld daran; Sie wird keine anderen Wünsche, keine anderen Neigungen kennen, als ich; ihr Leben wird so frei von Sorgen und Unangenehmen sein, daß ich mich dieses Mal wenigstens rühmen kann, ein Wesen glücklich gemacht zu haben, das ich liebe und das mich liebt."
So waren die Ideen des Herrn Linders, die er sich gewissermaßen zu einem vollständigen System zusammengcbaut hatte und zu deren Verwirklichung er bereit war, Madelon all' seine Zeit und all' sein Geld zu opfern. Er nahm sie überall mit, selbst in die Herren. Gesellschaften, welche er zu besuchen pflegte, und machte sie mit seinem Spielerleben so vertraut, daß sie dies allmählich etwas ganz Natürliches zu be- trachten begann. Er brachte sie nicht in ein Pensionat, ließ ihr auch nicht einmal eine Erziehung im eigentlichen Sinne des Wortes geben, aus Furcht nämlich, sie möchte auf diese Weise sittliche Begriffe kennen lernen, die er ihr um jeden Preis
verbergen wollte; er schickte sogleich ihre Bonne — eine an Gemüth und Herz gleich ausgezeichnete Frau — weg, weil sie das Unglück gehabt hatte, ihr eine kleine fromme Legende zu erzählen, und übernahm von dieser Zeit an die ganze Sorge für sie selbst. Wenn er bisweilen in den Hotels, in welchen er sich aufhielt, die Gefälligkeit der Eigenthümerin in Anspruch nahm, so war diese meistentheils allzu sehr beschäftigt oder besaß auch nicht die Fähigkeit, irgend welchen Einfluß auf sie auszuüben und ihren Gedankenkreis zu erweitern. In der That schien es fast, als ob Alles sich verabredet hätte, Herrn Linders in feinem sonderbaren Unternehmen möglichst zu unterstützen; wer sollte übrigens auch die undankbare Aufgabe übernommen haben dem Kinde die Augen zu öffnen, und das über den Character eines Vaters, welchen sie zu innig liebte und zu welchem sie ein so unbegrenztes Vertrauen hegte? Uebrigens sah man ja auch daß sie so glücklich war! Von den unvermeidlichen Folgen derartiger Erztehungsgrundsätze abgesehen, war ja Linders der hingebungsvollste liebenswürdigste der Väter, voll Sorge um sein Kind, für die er sich hinlänglich belohnt fand durch einen einzigen Händedruck — durch einen; Freudensprung nach einer kurzen