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Freitag, den 6. Mai 1881
Fuldaer SB Jeitung.
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O Auch ein Culturkärrrpfer.
Einer der verdientesten Kirchenfürsten der nordamerikanischen Union, der an Jchren und Ehren reiche Erzbischof Dr. Blanchet von Oregon < City, hat, nachdem ihm in der Person de» hochwürdigsten Bischöfe» Segher» von Vancouver» Island ein Coadjutor vom h. Stuhl gegeben wurde, die seit 36 Jahren ruhmvoll geführte Leitung seins» Bisthum» und seiner Kirchenprovinz niedergelegt. Nur mit schwerem Herzen gab der h. Vater den seit längerer Zeit vorgebrachten und dringlichst wiederholten Bitten de» greisen Prälaten, der ein wahrer Pionier christlicher Civilisation und christlichen Glauben» in den ausgedehnten Küstenländern am Stillen Ocean war, nach. Erzbischof Blanchet, der im Sommer 1845 zum erstenErzbischof der damals n e u g e b t l - beten Kirchenprovinz Oregon ernannt wurde, steht eben im 87. Jahre seines Lebensalters, im 63. seines Priesterthums und im 44. seiner Missionsthätigkeit. Während seiner erzbischöflichen Wirksamkeit wurde 1847 das Bisthum Vancouvers Island, 1850 das Bisthum Nesqually und 1868 da» apostolische Vicariat Jdahr errichtet. Der Coadjutor und Nachfolger des hochbetagten Erzbischöfe» Msgr. Segher» war seit 1873 al» Suffragan-Bischof von Vancouvers Island in der Lage, sich mit dm vielfachen Bedürfnissen feines neuen Amtes recht vertraut zu machen, und ist al» rüstige, bewährte Kraft sehr willkommen. Von den in seinem bisherigen Bis
thum lebenden Indianern war er ungemein geschätzt und geliebt. Erzbischof Blanchet nimmt, ehe er die wohlverdiente Ruhe zu genießen anfängt, in einem sehr herzlichen Hirtenbriefe von Diöcese und Kirchenprovinz Abschied. Ec wendet sich zunächst an die Eltern, um ihnen die christliche Erziehung ihrer Kinder eindringlichst zu empfehlen; dann an seien treuen, von dem bewährten Opfergeist des Bischöfe» mit entflammten Klerus, an die religiösen Genossenschaften, an die Laien und hat für Alle ein letztes Wort der Mahnung und die Bitte, seinem Nachfolger Gehorsam, Unterwürfigkeit und Anhänglichkeit entgegenzubringen. Selbst die protestantische Presse in den Vereinigten Staaten läßt der heldenmüthigen Thätigkeit des zurücktretenden Erzbischofes volle Gerechtigkeit und beredte Anerkennung zu Theil werden und spricht fich dahin aus, daß da» Abschiedswort desselben einen Eindruck mache, als ob man eine Partie aus den Werken der Kircheyväter und der Bischöfe der ersten christlichen Jahrhunderte lese. Loyaler und unbefangener al« die „Liberalen" der alten Welt rühmt sie die durch zwei Menschenalter fortgesetzten Strapazen und Mühm des wahrhaft apostolischen Mannes, welcher eine reiche Ernte in einem ehemals ganz wilden Land« gehalten und mit Veredelung der Gemüther und Aufklärung der Geister auch das Land selbst veredelt und in seiner Wohlfahrt bedeutend vermehrt habe.
Deutsch«» Reich. MWW
* Be rlin, 4. Mai. Mit schlecht verhaltenem Zorne schreibt die ,Franks. Ztg.': Bezüglich der Landesanstalten für die Un- fallverficherung soll ein Einverständniß zwischen dem Fürsten B i S m a r ck und den „Clericalen" (!) und Conservativen herrschen. — Die Commisfion nahm zum §13 den Antrag Stumm, die Versicherungsprämie zu 2/8 den Arbeitgebern, zu Vs den Arbeitern aufzuerlegen, mit 19 gegen 4 Stimmen an. Damit ist der Reichszuschuß beseitigt. M
— Der an Stelle der betreffenden Bestimmungen des Berliner Vertrags getretene neuere Vorschlag der Tractatmächte bezüglich der griechisch-türkischen Grenzfrage ist von der Türkei angenommen worden.
— Die Stempelsteuer-Commission nahm den Stempel auf Lotterieloose nach der Vorlage an, jedoch unter Aufhebung aller Befreiungen.
-nk- Während ein Theil der Presse die Drohung des Fürsten Bismarck, den Sitz der Reichrr^iMMK und de» Reichs- tags von Berlin in irgend eine preußische Provinzialstadt zu verlegen, nicht ernsthaft nehmen zu können erklärt, während einzelne Blätter in dieser Drohung sogar ein Wahl- mannöver erblicken zu müssen glauben, schwelgen die guten Casseler, wie ein der ,Kreuzztg.' zugegangenes Privattelegramm meldet, bereits in Hellem Jubel, weil sie erwarten, daß nunmehr ihre geliebte Stadt zum Centrum des Reiches werde erkoren werden. Wir sind der Meinung, daß
8 Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttger».
(Fortsetzung.)
Aber in dem Augenblicke, wo er den Saal verließ, erhob sie sich plötzlich und rief ihm zu: „Adieu, lieber Herr, glückliche Reise I" Er lächelte, winkte freundlich mit dem Kopfe, grüßte Herrn Linders und ging dann hinaus.
„Du hast heute Abend eine schöne Bekanntschaft angeknüpft," sagte ihr Onkel nach einigen Augenblicken des Stillschweigens. KMadelon verzog ein wenig das Gesicht, antwortete indeß nicht.
„Bist Du denn toll, Adolphe, sagt er auf's Neue, daß Du Madeleine gestattest, mit dem ersten besten hergelaufenen Menschen Bekanntschaft anzuknüpfen, der sie anredet? — Und dazu noch ein Engländer!"
„Papa ist nicht toll," rief Madelon aus, die offenbar auf beständigem Kriegsfuß mit ihrem Onkel lebte. „Es ist ein guter Herr, und ich liebe ihn sehr; er hat mir einen kleinen Fisch geschenkt, den ich immer be« halten werde — immer! Damit umfaßte sie das Spielzeug krampfhaft.
„Bah," meinte Linders, „ob Engländer oder Franzose, ganz gleichgiltig; wa» sollte er übrigen» der Kleinen liebelt» thun wol- «n? Reiner Zufall, der sich kaum wieder
holen wird. Nun, Madelon, Du hast vergessen zu markiren."
„Du bist an der Reihe zu mischen, soll ich e« schon für Dich thun, Papa?"
Horace verließ mit dem ersten Morgenzuge Chaudfontaine, und von allen Personen, welche er hier während seine» Aufenthalte» im Badhotel angetroffen hatte, waren e» nur zwei, welche er später in seinem Leben nochmals antraf: Herrn Linder» nämlich und seine Tochter Madeleine.
IV.
Herr Linder» war eigentlich von belgischer und französischer Herkunft zugleich; seine Mutter, eine Pariserin au» guter Familie, hatte in einem Augenblicke der Verblendung, den sie in der Folge ihr ganze» Leben bedauerte, einen jungen eleganten belgischen Officier geheirathet, den sie auf Reisen kennen gelernt hatte; sie hatte diese Thorheit dadurch gebitzt, daß si« bie meisten Jahre ihrer Verehelichung bald in Mecheln, wo ihr Gatte in Garnison lag, bald in Lüttich zubrachte, wo er geboren war, und auch seine Familie wohnte.
Die Erziehung Adolphe'» war indeß demnach ganz französisch gewesen, denn Madame Linder«, die, so lange ihr Gemahl lebte, ihr« Verbannung au« ihrem Geburtsorte unaufhörlich betrauert hatte, war nach dem
Tode desselben mit ihren beiden Kindern, Therese, die neun Jahre, und Adolphe, der sechs Jahre alt war, gleich wieder nach Pari« zurückgekehrt.
Madame Linder» war gerade nicht reich; aber sie verstand e», das kleine Vermögen, welches sie besaß, so gut zu benutzen, wie e» eine andere Pariserin nicht verstanden haben würde, was immerhin viel sagen will. Adolphe sollte eine glänzende Erziehung erhalten, er sollte die Kleider nur nach der neuesten Mode tragen; Adolphe sollte einst ein großer Mann werden, er sollte in die Armee eintreten, und dann General, Marschall werden — und Gott weiß was für Ehrenstellen Madame Linders für ihren Adolphe sonst noch erträumte.
Therese bildete in gewisser Hinsicht mehr dar Aschenbrödel in der Familie. Sie glänzte weniger durch körperliche, al» durch geistige Vorzüge, da fie aber schließlich >ie Adolphe genährt und gekleidet werden mußte, so betrachtete man fie in diesem Hause, wo, abgesehen von den Opfern, welche für Adolphe gebracht wurden, sonst die größte Sparsam- feit herrschte, mehr al» eine Last. Jedermann sagte im Vorau», daß sie in einen Orden treten würde, was auch in der That geschah, obwohl erst nach dem Tode von Madame Linders, welcher eintrat, als The-