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M 102. Donnerstag, den 5. Mai 1881.

Jfulbarr

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S Die neue Berliner Gründung, „Vereinsbank" genannt, stellt schon in ihrer ersten Ankündigung 12—15 pCt. Dividende in Aussicht. Wir haben uns deshalb der Mühe unterzogen, aus den Coursblättern früherer Jahre die Divi­denden, die neben den einzelnen Effecten vermerkt sind, zu vergleichen, beispielsweise die Dividenden der „Frankfurter Vereins­bank", die, nebenbei gesagt, noch als ein verhältnißmäßig sehr solides Institut gilt. Dieselben betrugen: 1873 4 pCt., 1874 4i/6 pCt., 1875 2 pCt., 1876 2 pCt., 1877 2 pCt., 1878 3 pCt., 1879 6 pCt., 1880 6 pCt. Hiernach können unsere Leser sich selbst die Frage beantworten, ob die von der Berliner „Vereinsbank" in Aussicht gestellten 12—15 pCt. mit Sicherheit zu erwarten seien. Die guten Dividenden der „Frankfurter Vereinsbank" in den beiden letzten Jahren haben wahr­scheinlich darin ihren Grund, daß die Bank verschiedene Effecten zu niedrigem Course erworben hat, die seitdem wesentlich ge­stiegen find. Einen ähnlichen Gewinn kann aber die setzt gegründete „Vereinsbank", wenn sie ihren Caffenbeffand zum Theil fn zinstragenden Papieren anlegt, nicht ziehen, da die Papiere jetzt auf einer außer­ordentlichen Höhe stehen, welche den gegen­wärtigen socialen Verhältnissen vieler euro­päischen Länder in keiner Weise entspricht; es dürfte, was bei dem angehäuften Zünd, stoff leicht möglich wäre, in einem Nach­barstaat« des deutschen Reiches eine Revo­lution ausbrechen, so würde eine Masse jener Papiere, vorab der Speculations-

Madelorr.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

„Ich weiß nicht, ob es ein englischer Name ist; er hat ihn erst neulich ange- nommen, seit seiner Rückkehr von einer ziemlich langen Reise. Vordem führte er einen anderen, ich weiß gar nicht welchen; aber ich habe gehört, wie er zu Papa sagte, daß er wünsche so genannt zu werden, da das ein sehr verbreiteter Name sei, und Papa hat auch mich so zu thun geheißen."

„Ich begreife," sagte Horace.

Er begriff jetzt nur allzu gut und fühlte sein Mitleid mit diesem armen Kinde nur wachsen, deffen ganze Gesellschast ein Spieler und ein Abenteurer bildete. Sie plauderten noch mit einander, als die abendliche Stille durch ein Gewirre von Stimmen unter­brochen wurde, die aus dem Eingänge de« Hotels herkamen.

„Da gehen die Leute nach Hause", meinte Madelon.

In der That waren Musik und Tanz >u Ende, und die ehrsamen Bewohner und Bewohnerinnen Lüttichs strömten in zahl­reichen, lärmenden Gruppen au« dem Hotel heraus, und überschritten dm Hof und die Gltterbrücke, während ihre Stimmen und

papiere, noch viel schneller und um ein Be­deutendere» fallen, als sie bisher gestiegen stnd. Von Coursgewinn an Papieren kann also bei der neuen „Vereinrbank" wenigstens in einem größeren Maßstabe, gar keine Rede sein; eher von wahrschein­lichen Verlusten, da ein Rückschlag der gegenwärtigen Hausse-Stimmung in Baisse, au« irgend einem Grunde, wohl kaum noch lange ausbleiben kann. Bezüglich der jetzt im Anzuge begriffenen zweitenGründer- Periode sagt die .Frankfurter Zeitung, die wir ohne Widerspruch fürchten zu müssen kühn als das erste Handelsblatt Deutschlands bezeichnen dürfen, und die in Börsenangelegenheiten als vollkommen com- petente Richterin zu betrachten ist: (Nr. 113 vom 23. April d. I., Abendblatt, 3. Seite) „Börse und Publicum sind offen- bar wieder disponirt, jedes Gewinnver­sprechen ohne Unterschied zu glauben. Das sind sehr bedenkliche Symptome; sie deuten auf die Möglichkeit einer neuen Epoche des allseitigen Jagens nach raschem Ge­winn, obwohl dieselbe nach glänzendem „Aufschwung" schließlich wieder eine Ent- täuschung bringen müßte, welche aus der jüngsten Erfahrung doch heute noch nicht vergessen sein sollte." Wir meinen, da« sei verständlich genug, und der Gründung der neuen Berliner „Vereinrbank" gegen­über wohl zu beherzigen.

Deirtsche» »eich.

* Berlin, 3. Mai. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bringt einen überaus scharfen Artikel ihr Lachen immer schwächer wurde, je näher sie der Station kamen. Zehn Minuten später verkündete ein dumpfes Geräusch das Herannahen de» Zuges; Horace sah, wie er aus dem Tunnel herauskam, in langsamem Tempo das Thal durchfuhr, welches herrlich im Mondenschein da lag, und dann hielt, um sein Contingent an Reisenden aufzunehmen.

Fast unmittelbar fuhr er wieder ab, und auf das Gewirre von Stimmen und Ge­dränge der Reisenden folgte wieder tiefste Stille.

In diesem Augenblicke trat ein Mann von hoher Statur in den Hof und ging, als ob er Jemanden suche, in demselben umher.

„Madelon!" rief dann eine Stimme, welche Horace schon am selben Tage ge­hört zu haben glaubte.

„Papa sucht mich, ich muß gehen," sagte das Kind, und ehe Horace ihr hatte ant­worten können, war sie von seinen Knieen herabgeglitten und zu ihrem Vater geeilt. Sie nahm seine Hand und an seiner Seite springend und hüpfend, verschwand sie mit ihm im Innern de» Hotels.

Auch Horace trat sogleich hinein, fand jedoch Niemanden mehr im Salon, als Mademoiselle Pauline, die eben damit be­schäftigt war, die Lichter auszulöschen. Die

. gegen die nationalliberale Partei, weil diese ; gegen das Dienstwohnungsgesetz gestimmt ; hat. Die Nationalliberalen wollen — heißt | es — lieber mit der Fortschrittspartei gehen, als Frieden mit der Regierung suchen. Die Regierung hat den dringenden Wunsch ge­habt, daß die Nationalliberalen mit der Gruppe Schauß und den Freiconservativen zur Verständigung gelangen und zur Reichs­regierung wieder in das frühere Verhältniß treten. Wenn die Nationalliberalen sich der Fortschrittspartei anschließen, so nehmen sie auch das Feldgeschrei an: „Fort mit Bis­marck", und schneiden der Regierung die Möglichkeit ab, mit ihnen zu gehen.

— Fürst Bismarck zog die Vorlage wegen Errichtung des Reichstagsgebäudes auf dem Terrain des Palais Raczinski zurück, ob­wohl der Magistrat der Regierung be­treffs des Terrains entgegengekommen war.

— Nach der »Nationalzeitung' lehnte Frankreich den Vorschlag Rußlands zur Be­theiligung an der Conferenz gegen die „Internationale" ab.

— Unter Hochrufen auf Bismarck ha­ben vorgestern die Antisemiten die General­versammlung des liberalen Charlottenbur­ger Wahlvereins gesprengt. Die Versamm­lung tagte in dem Restaurant Ecke Belleal­liance- und Teltowerstraße. Der fortschritt­liche Abg. Wöllmer, welcher sprechen wollte, mußte seine Rede abbrechen.

— Die Stempelsteuercommission des Reichstags nahm zur Börsensteuer folgenden Antrag des Abg. Büsing an: Schlußnoten für Cassa-Geschäfte aller Art in Werth-Pa­pieren, Wechseln und Maaren 10 Pf., Schluß- Gänge des Hotels waren leer und öde, die Gäste schienen alle zu Bette zu sein; der weite große Speisesaal lag völlig im Dunkel, mit Ausnahme einer kleinen Ecke, wo beim Scheine einer Lampe zwei Männer tranken und rauchten und zugleich Karten spielten.

Der Eine von ihnen konnte fünfund- dreißig bis vierzig Jahre alt sein; er trug einen bis zum Halse zugeknöpften Ueber- zieher, sein Gesicht war mager, ein kleiner blonder Schnurrbart bedeckte seine Ober­lippe, seine grauen stechenden Augen — ein Gemisch von Bosheit und Mißtrauen — machten einen höchst unangenehmen Eindruck, während im Uebrigen seine Physiognomie schön und regelmäßig zu nennen war. In dem andern Spieler erkannte Horace zugleich Herrn Linders, und einen Augen­blick sah er, wie die kleine Madeleine an seiner Seite stand oder vielmehr auf seine Knie sich lehnte. Das Licht der Lampe fiel gerade auf ihr lockiges Haar, und ihr hübsche», unschuldig dreinschauendes Gesicht, wobei sie dem Spiele mit großer Aufmerk­samkeit folgte. Sie sollte für ihren Vater markiren, und jede» Mal, wenn er die höchste Zahl von Point» hatte, klatschte sie in die Hände und brach in fröhliches Lachen au«.

Schmerzlich betrachtete Horace einen Au«