Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

JV1 101.

Fuldaer

Mittwoch, »en 4. Mai 1881.

eitung

Die .Faldaer Zeitung' erscheint täglich, Sinn- an» ^s.-rmze »nizenonlnten Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

M der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postt ntern. v-r vierteljährliche «bonnementSpreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 10 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei »en Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., inS Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrirten SonntagSblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg

Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

6

Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.) 1

Madelon betrachtete fortwährend mit be­geisterter Bewunderung das hübsche Spiel­zeug, da» im Mondschein erglänzte.

„Hat er großen Werth? frug fie dann plötzlich.

„Nein, im Gegentheil sehr geringen," antwortete Horace, den diese sonderbare Frage nicht wenig befremdete.

„Ah, dann werde ich meinen Vater bitten, ihn mir nicht zu nehmen und ihn mich immer tragen zu lassen."

„Aber weshalb sollte er ihn Dir denn nehmen wollen?"

„Er thut die» sehr oft," versetzte Made­lon; „er gibt mir oft hübsche Sachen und nimmt sie mir dann wieder wegen ihre» Werther."

„Was macht er dann damit?"

„Ich weiß e» nicht; augenblicklich habe ich keine, denn wir haben sie in Spa ge­lassen. Wollen Sie erfahren, weshalb ich heute Abend nicht habe tanzen wollen?" fügte fie dann mit vertraulicher Miene in leiserem Tone bei. „Es war, weil ich meine blauseidene mit Guipure-Spitzen be- srtzte Robe nicht hatte, die ich in Wies­

baden und in Spa auf dem Balle trug. Aber das ist nur ein Grund."

„Und die anderen?" frug Horace er­staunt und lächelnd zugleich.

„Weil der Saal zu klein ist. In Wies­baden ist der Ballsaal so groß — so groß wie dieser Hof hier," fügte sie bei, indem sie die Arme weit ausstreckte, wie um ihre Gedanken deutlicher zu machen. „Da sind schöne vergoldete Möbel, große Spiegel, herrliche Gasleuchter überall, Damen in großer Toilette, Offiziere, die mit mir zu tanzen wünschten."

Nach Verlauf von wenigen Minuten waren Beide dicke Freunde geworden, und Madelon, auf den Knien Merville'S sitzend, begann lebhaft zu plaudern und ihm die Geschichte ihres kurzen Leben» zu erzählen. Er gewährte schon gleich, daß ihr Vater der Ausgangspunkt ihres ganzen Fühlens und Denkens in allen Dingen ihr Vorbild, und der einzige Mittler sei, durch den sie die ersten Lebenreindrücke gewonnen und ge­lernt hatte, die Welt zu betrachten und zu beurtheilen. Auf die Fragen Horace's nach ihrer Mutter antwortete fie, daß sie die­selbe in ganz früher Jugend verloren habe. Es war offenbar ihr Vater, der sie Morgens ankleidete, Abends zu Bette brachte und sie pflegte, wenn sie krank war; Niemand

Die neueste Berliner Gründung, „Vereinrbank" genannt, veranlaßt uns, zur Belehrung unserer Leser und zur Richtigstellung der in einigen Preßorganen (speciell im ,Hünfelder KreiSbl.') schon im Vorau» derselben gespendeten Lobeser­hebungen, hier ausführlicher darzustellen, was es mit dieser Gründung und nament­lich, was es mitjber ihr mit so großer Zu­versicht beigelegten „Uneigennützigkeit" und „Spesenfreiheit" eigentlich auf sich hat.

In der Ankündigung des Unternehmens heißt es wörtlich: „Die Aktien des projectir- ten Unternehmens lauten über je 500 M., von welchen 40 Pct. — 200 M. einbe­zahlt sind, und sind für die nächste Zeit weitere Einzahlungen über diese 40 Pct. hinaus nicht in Aussicht genommen."

Was hat nun wohl die Gründer-Gesell­schaft zu diesem Verfahren veranlaßt, welches ganz der Art der berüchtigten Gründungen der 70er Jahre nachgebildet scheint? Wir wollen diese Frage im Nach­folgenden zu beantworten suchen.

In der Ankündigung heißt eS weiter: „Die Einführung der Aktien geschieht zum Course von 115 Pct., dementsprechend wird dies der erste Cours an der Börse sein."

Nun ist es aber Gebrauch an der Börse, dieses Aufgeld (von 15 Pct.) welches den Actionären von vornherein abgenommen wird, nicht nach her ersten Einzahlung (von 200 M.), sondern nach dem vollen Nenn­werth der Actie (von 500 M.) zu berech­nen. Das Aufgeld oder Agio beträgt

also nicht 15 Pct. von 200, sondern 15 Pct. von 500 M., d. h. nicht 30, sondern 75 M. Die Zeichner werden also nicht 230 M, sondern 275 M. sofort einzu­zahlen haben. Mithin beträgt das wirk­liche Aufgeld über die einzuzahlenden 4O°/o der Actie oder 200 M. nicht 15 Pct., sondern 37,5 Pct.

Daraus ergibt sich für jeden aufmerk­samen Leser der greifbare Beweggrund, aus welchem man das beleuchtete Ver­fahren belieben mochte. Die der „Vereins­bank" beigelegte „Uneigennützigkeit" und „Spesenfreiheit" ist also wahrscheinlich so aufzufassen, daß, nachdem die Actionäre die Einzahlung von 40% der Actie mit 37,5% Agio, also von 275 M., geleistet haben, das Bankunternehmen selbst nicht weiter von Gründungsspesen belastet werde. Ob das in der That so sein werde, da­rüber entbehren die Actionäre, bei dem Mangel an staatlicher Controle über die Privatbanken, aller und jeder Sicherheit.

Wie schauderhaft bet einigen der 1871 —73 gegründeten Banken mit dem von den Aktionären eingezahlten Gelde umge­gangen wurde, davon hat uns Otto Glagau in Berlin ebenso wahrheitsgetreu« al« abschreckende Schilderungen geliefert, die auch im Buchhandel erschienen find. „Dementsprechend" war aber auch der Cours dieser Banken. Die Aktien der „Hessischen Bank" zu Cassel standen in der Regel zu 50, die der berüchtigten „Rhei­nischen Effectenbank", deren Vorstände später sich vor den Assisen zu verantworten hatten und gerechte Bestrafung davontrugen,

noch weit niedriger, und die der Vereins­bank „Quistorp" in Berlin hatten anno 76 gar nur einen Cours von 3,50. An Dividende war natürlich nicht zu denken.

Demgegenüber muß es Wunder nehmen, daß die Gründer dieses neuen Unterneh­mens demselben die ominöse Firma „Ver­einrbank" beilegen. Man scheint dem Pub­licum ein sehr kurzes Gedächtniß beizu- messen, indem man vertraut, dasselbe werde schon nach 3 Jahren wieder auf den Leim gehen. Aber die Vergangenheit ist für jeden denkenden Menschen der Spiegel der Gegenwart und Wohl dem, der sich Anderer Schaden zum warnenden Beispiel dienen läßt, um nicht erst durch eigenen Schaden klug zu werden.

Deutsche» «eich.

* Berlin, 2. Mai. Nach einer Pa­riser Mittheilung der ,Nordd. Allg. Ztg? hätten die deutschen Delegirten zur Münz- conferenz sich dahin ausgesprochen, daß nach ihrer Meinung Deutschland die Silber- Ausprägung nicht freigeben könne, nament­lich in solange England dies nicht thue, daß es wohl aber bereit sein werde, falls Frankreich und Amerika die Silberaus­prägung in Werthverhältnisse von 1 zu 15% freigäben, sich hinsichtlich der Ver­fügung über seine Thalerbefiände Beschrän­kungen aufzulegen, eventuell auch im eigenen Münzumlaufe Raum für eine größere Ver­wendung des Silbers zu schaffen. Die Haltung der deutschen Delegirten werde gegenüber der reservirten Haltung Eng-

anderes hinwiederum war es, als er, welcher mit ihr spaziren ging, sie in Theater und Concerte mitnahm, fie tanzen, fingen und vorlesen lehrte — sie hingegen liebte in so sehr — weit mehr noch: er bildete den einzigen Gegenstand ihre« Vertrauen», ihrer Liebe, ja ihren wahrhaften Abgötterei.

„Wo wohnt Ihr den gewöhnlich?" forschte Merville weiter.

„Im Grunde genommen nirgendwo," antwortete da» Kind; „wir sind immer auf Reisen: augenblicklich sind wir von Spa zurückgekehrt, nachdem wir zuvor in Hom­burg und Wiesbaden gewesen sind. Den letzten Winter haben wir iu Nizza zuge- bracht, und wir befinden uns jetzt auf der Reise nach Paris."

„Bist Du denn immer allein bei Deinem Vater?"

„Nein, auch Onkel Charles begleitet uns gewöhnlich, aber oft verläßt er uns, und darüber bin ich gar nicht böse!"

„Aber weßhalb denn? Magst Du ihn nicht leiden?"

„Nein, ich mag gar nichts von ihm wissen; er ist sehr unangenehm und quält mich immer, und drängt immer meinen Vater, daß er mich in ein Pensionat thun möge; aber Papa hört nicht auf ihn, denn er ist fest enschloffen, — so hat er mir