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Sonntag, den t Mai 18m

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M der Trpedition,Buttermarkt Nr.l l2,aus!v!trtS bei den Postämtern. Orr vierteljährliche Nbon aemsntspreiS beträgt ausschließlich S ringerlohn in Fulda eine Mark und »0 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die Mustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Zu diesen „großen Dingen" muß ich nun langsam übergehen und da will ich zunächst constatiren, daß dar jüngste CorreSpondenz- blatt des „Deutschen Vereins" auf seinen drei letzten Seiten nicht weniger al« 35 Schimpf­wörter von allen möglichen Sorten und Ar­ten bat. Das ist auch ein Zeichen der Zeit; die Leute fühlen sich wieder, seit dem Trieri- schm „Zwischenfalle", und sollte das Schimpf­lexicon dem Herrn Dr. Leckebusch in Bonn einmal ausgehen, so empfehle ich ihm den Herrn. Meuser von der ,Bad. Schulztg.' in Karlsruhe, der sich als Großinquisitor an­bietet nnd folgenden Herzenserguß zum Besten gibt: „Was das ultramontane Pfaf­fenfett betrifft, so ist es mir leid, daß ich nicht in der Lage bin, alle diejenigen, welche den Namen „Pfaffe" verdienen, al­so zu jener Kategorie von Menschen gezählt werden müffen, die allem Guten zuwider find, zum Segen der Menschheit v e r b r e n - nen zu können." Der ist der ,D. B. G? noch über, denn diese sagte doch blos vor einigen Jahren, man solle die Uktramontanm „Niederkämpfen", — aber verbrmnen, — der Gedanke ist neu und genial! Man könnte mit dem Lichte dieses koloffalen Scheiter­haufens schließlich die ganze ultramontane Finsterniß erhellen — und das Vaterland wäre gerettet. Leider hätten dann die,D. V.-C.', der »Deutsche Verein' und der liberale Schulverein für Rheinland und Westfalen Nichts mehr zu thuen und zu schimpfen, — wir wollen also den frommen und gewiß aufrichtig gemeinten Wunsch des Herrn Meu«

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Madelon.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Dann setzte sie die Scheibe in Bewegung, die Kugel fiel in eine kleine Aushöhlung, und welche Nummer auch immer heraus­kommen mochte, sie versäumte nicht, jedes­mal den Bonbon zu verzehren — ein, mit dem außerordentlichen Ernste, womit sie ihre Einsätze machte, seltsam contrastirende» Verfahren. Es war dies jedenfalls ein sonderbares Spielzeug für ein Kind von seinem Alter, und Horace, der noch ganz vor Kurzem einige deutsche Spielorte be­sucht hatte, zweifelte in keiner Weise da­ran, daß das Kind diese etwas allzu früh­zeitige Unterhaltung dort kennen gelernt hatte.

„Wirklich eine unerträgliche Hitze!" ließ sich dann mit einer kreischenden Stimme eine Dame vernehmen, welche hinter dem Kinde stand; „ich halte es in der That nicht mehr aus; würden Sie nicht die Güte haben, Jule», mir ein kleiner Glas Zuckerwaffer zu besorgen?"

Mervllle wandte sich um und gewahrte die Comteffe G . ., welche einem jungen Manne, mit welchem Sie getanzt hatte, den Arm gab.

i ser auf sich beruhen lassen; der gute Mann I hat vielleicht die Reden der Luise Michel j nicht recht verdaut. Ja, die ,D. V.-C.' ist j wieder in ihrem Elemente, ein sicheres Zeichen, l daß der „Culturkampf" in schönster i Blülhe steht. In dem hochconservativen »Kurmärkischen Wochenblatt schreibt zwar ein „praktischer Geschäftsmann" und Pro­testant dem Reichskanzler, er habe durch den „Culturkampf" bedeutend an Popularität verloren, und derselbe müsse eingestellt wer­den, wenn das Land gesunden solle; aber alle Conservativen sind nicht so vernünftig, denn selbst die ,Krzztg.' hält die Beanstan­dung des Herrn de Lorenzi in Trier für „gerechtfertigt". Das schroffe Auftreten der Regierung in Trier hatte alle Katholiken mißtrauisch und kopfscheu gemacht, und ich begreife sehr gut den Mann, der mir dieser Tage sagte: „Ich glaube jetzt gar nicht mehr daran, was die Zeitungen über die Beilegung des „Culturkampfes" schreiben, bis Thatsachen vorliegen; wir haben es eben mit Preußen zu thun!" In derThat, die Klau­en hat man etwas eingezogen, aber in den Sam­metpfötchen stechn doch die Krallen drin. Der »Deutsche Verein' soll nächstens folgenden Antrag durch Herrn v. Sybel in Berlin stellen: Weder als Bisthumsverwefer noch als Pfarrer oder sonstige Seelsorger werden in Preußen zugelassen alle Geistlichen, welche 1) jemals einen Blick in ein ultra­montanes Blatt geworfen haben; 2) eine Rede in einer ultramontanen Versamm­lung mit angehört haben, ohne Pfui! zu rufen: 3) einen Landrath, Gensdarmen oder Nachtwächter schief angesehen haben; 4)

„Man erstickt buchstäblich," rief sie aus, indem sie sich in einen Sessel fallen ließ, während ihr Tänzer ging, das Gewünschte zu holen.

„Ah, da ist die kleine Madelon; ich habe sie heute noch nicht gesehen; wie kommt e«, daß sie nicht tanzt?"

„Ich mag nicht," antwortete das Kind, während es sein Spiel fortsetzte.

„Aber das ist kein hübsches Spiel, da» Du da hast," sagte die Comtesse achsel­zuckend; „Mlle. Pauline hat dies Roulette auch nicht für Kinder da auf den Tisch gesetzt. Weshalb spielst Du nicht mit deiner Puppe?"

„Meine Puppe ist zu Bette» und ich spiele lieber Roulettes" antwortete das Kind etwas schnippisch. „Immer diese un­glückliche sechsunddreißig! Ich habe heute Abend wirklich kein Glück!"

„Es wäre besser, wenn Du selbst zu Bette wärest. Gib mir dieses dumme Spielzeug her, da steht ein Herr und be­trachtet Dich mit bösem Gestchte."

Madelon hob ihr Köpfchen in die Höhe und betrachtete Horace mit ihren großen, ausdrucksvollen Augen, als ob sie sehen wolle, ob die Behauptung der Gräfin richtig sei; da ihr aber schien, als ob dies nicht der Fall sei, so setzte fie, ohne ein Wort i zu erwidern, ihr Spiel fort. I

im Gerüche des Ultramontanismus stehen; 5) Röcke tragen, deren Schööße länger al» ein Fuß sind, und 6) Jesuitenhüte tragen. Alle, die solche Verbrechen begangen haben, müffen verbrannt werden. Aber nun möchte ich den armen Pastor auf der evangelischen Pastoren-Conferenz in Neuwied hören, der über die 13. These zu sprechen hat: „Der evangelische Christ greift nur zu anstän­digen und gesetzlichen Mitteln, und nimmt nicht, um seine Gegner zu unterdrücken, zu Gewaltmaßregeln seine Zuflucht." Was sagt wohl die Staatsregierung mit ihren Maigesetzen dazu? . . . Kürzlich schrieb unser Kaiser dem Oberconsistorium von Elsaß-Lothringen: Möge auf Ihrer pflicht­treuen Wirksamkeit immerdar Gottes reicher Segen ruhen und durch die Pflege der Religion Zucht und Sitte in allen Classen der Bevölker­ung stetig wachsen und zunehmen." Die katholische Kirche ist die Trägerin und Hüterin der Religion; wie kann sie aber deren Pflegerin sein, wenn ihr Arme und Beine gebunden sind? Was soll denn eigentlich, die Kirche thun, wenn ihr auf Schritt und Tritt Steine in den Weg ge­legt werden» und wie sollen die Priester sein» wenn schon ein de Lorenzi nicht paßt. Unsere liberalen „Culturkämpfer" lächeln zweifelsohne zu den kaiserlichen Worten; sie freuen sich, daß das Ende de» Kampfes gar nicht abzusehen ist, daß die Vertreter der höheren Schulen auf der Con­ferenz in Köln den Religionsaufsatz beim Abiturientenexamen für „überflüssig" er­klärt haben, und jubeln weit eher den

„Nun sei vernünftig," hob die Comteffe wieder an, „gieb mir das her und geh' mit den anderen Kindern tanzen."

„Aber ich mag nicht tanzen, und ich will spielen," rief Madelon heftig, indem sie mit beiden Händen das Roulette umklam­merte, welches die Gräfin an sich nehmen wollte; Sie haben auch nicht das Recht, es mir wegzunehmen. Papa läßt mich Roulette spielen, und Sie haben mir nichts zu befehlen! Geben Sie es mir zurück, ich sage es Ihnen: ich will es — ich will es I"

„Du wirst es nicht bekommen", sagte die Comteffe, indem sie das Roulette fort­schob, so daß Madelon es nicht erreichen konnte; ,ohne Zweifel hast Du Deinen Vater bei diesem elenden Spiel gesehen, aber deshalb brauchst Du ihn noch nicht nachzuahmen. Sei verständig und iß deine Bonbons wie andere vernünftige Kinder."

„Ich werde sie nicht essen, wenn ich nicht darum spielen kann," sagte Madelon, und strich dann mit dem Arme alle vom Tisch herunter und zerstampfte sie mit ihren kleinen Füßen.

„Sie haben nicht das Recht, so mit mir zu sprechen," fuhr fie dann mit Heftigkeit fort; ich kenne Sie nicht, ich mag Sie nicht leiden..... Sie find sehr häß­

lich!" (Forts, folgt.)