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Sonntag, den t Mai 18m
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Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Zu diesen „großen Dingen" muß ich nun langsam übergehen und da will ich zunächst constatiren, daß dar jüngste CorreSpondenz- blatt des „Deutschen Vereins" auf seinen drei letzten Seiten nicht weniger al« 35 Schimpfwörter von allen möglichen Sorten und Arten bat. Das ist auch ein Zeichen der Zeit; die Leute fühlen sich wieder, seit dem Trieri- schm „Zwischenfalle", und sollte das Schimpflexicon dem Herrn Dr. Leckebusch in Bonn einmal ausgehen, so empfehle ich ihm den Herrn. Meuser von der ,Bad. Schulztg.' in Karlsruhe, der sich als Großinquisitor anbietet nnd folgenden Herzenserguß zum Besten gibt: „Was das ultramontane Pfaffenfett betrifft, so ist es mir leid, daß ich nicht in der Lage bin, alle diejenigen, welche den Namen „Pfaffe" verdienen, also zu jener Kategorie von Menschen gezählt werden müffen, die allem Guten zuwider find, zum Segen der Menschheit v e r b r e n - nen zu können." Der ist der ,D. B. G? noch über, denn diese sagte doch blos vor einigen Jahren, man solle die Uktramontanm „Niederkämpfen", — aber verbrmnen, — der Gedanke ist neu und genial! Man könnte mit dem Lichte dieses koloffalen Scheiterhaufens schließlich die ganze ultramontane Finsterniß erhellen — und das Vaterland wäre gerettet. Leider hätten dann die,D. V.-C.', der »Deutsche Verein' und der liberale Schulverein für Rheinland und Westfalen Nichts mehr zu thuen und zu schimpfen, — wir wollen also den frommen und gewiß aufrichtig gemeinten Wunsch des Herrn Meu«
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Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Dann setzte sie die Scheibe in Bewegung, die Kugel fiel in eine kleine Aushöhlung, und welche Nummer auch immer herauskommen mochte, sie versäumte nicht, jedesmal den Bonbon zu verzehren — ein, mit dem außerordentlichen Ernste, womit sie ihre Einsätze machte, seltsam contrastirende» Verfahren. Es war dies jedenfalls ein sonderbares Spielzeug für ein Kind von seinem Alter, und Horace, der noch ganz vor Kurzem einige deutsche Spielorte besucht hatte, zweifelte in keiner Weise daran, daß das Kind diese etwas allzu frühzeitige Unterhaltung dort kennen gelernt hatte.
„Wirklich eine unerträgliche Hitze!" ließ sich dann mit einer kreischenden Stimme eine Dame vernehmen, welche hinter dem Kinde stand; „ich halte es in der That nicht mehr aus; würden Sie nicht die Güte haben, Jule», mir ein kleiner Glas Zuckerwaffer zu besorgen?"
Mervllle wandte sich um und gewahrte die Comteffe G . ., welche einem jungen Manne, mit welchem Sie getanzt hatte, den Arm gab.
i ser auf sich beruhen lassen; der gute Mann I hat vielleicht die Reden der Luise Michel j nicht recht verdaut. Ja, die ,D. V.-C.' ist j wieder in ihrem Elemente, ein sicheres Zeichen, l daß der „Culturkampf" in schönster i Blülhe steht. In dem hochconservativen »Kurmärkischen Wochenblatt schreibt zwar ein „praktischer Geschäftsmann" und Protestant dem Reichskanzler, er habe durch den „Culturkampf" bedeutend an Popularität verloren, und derselbe müsse eingestellt werden, wenn das Land gesunden solle; aber alle Conservativen sind nicht so vernünftig, denn selbst die ,Krzztg.' hält die Beanstandung des Herrn de Lorenzi in Trier für „gerechtfertigt". Das schroffe Auftreten der Regierung in Trier hatte alle Katholiken mißtrauisch und kopfscheu gemacht, und ich begreife sehr gut den Mann, der mir dieser Tage sagte: „Ich glaube jetzt gar nicht mehr daran, was die Zeitungen über die Beilegung des „Culturkampfes" schreiben, bis Thatsachen vorliegen; wir haben es eben mit Preußen zu thun!" In derThat, die Klauen hat man etwas eingezogen, aber in den Sammetpfötchen stechn doch die Krallen drin. Der »Deutsche Verein' soll nächstens folgenden Antrag durch Herrn v. Sybel in Berlin stellen: Weder als Bisthumsverwefer noch als Pfarrer oder sonstige Seelsorger werden in Preußen zugelassen alle Geistlichen, welche 1) jemals einen Blick in ein ultramontanes Blatt geworfen haben; 2) eine Rede in einer ultramontanen Versammlung mit angehört haben, ohne Pfui! zu rufen: 3) einen Landrath, Gensdarmen oder Nachtwächter schief angesehen haben; 4)
„Man erstickt buchstäblich," rief sie aus, indem sie sich in einen Sessel fallen ließ, während ihr Tänzer ging, das Gewünschte zu holen.
„Ah, da ist die kleine Madelon; ich habe sie heute noch nicht gesehen; wie kommt e«, daß sie nicht tanzt?"
„Ich mag nicht," antwortete das Kind, während es sein Spiel fortsetzte.
„Aber das ist kein hübsches Spiel, da» Du da hast," sagte die Comtesse achselzuckend; „Mlle. Pauline hat dies Roulette auch nicht für Kinder da auf den Tisch gesetzt. Weshalb spielst Du nicht mit deiner Puppe?"
„Meine Puppe ist zu Bette» und ich spiele lieber Roulettes" antwortete das Kind etwas schnippisch. „Immer diese unglückliche sechsunddreißig! Ich habe heute Abend wirklich kein Glück!"
„Es wäre besser, wenn Du selbst zu Bette wärest. Gib mir dieses dumme Spielzeug her, da steht ein Herr und betrachtet Dich mit bösem Gestchte."
Madelon hob ihr Köpfchen in die Höhe und betrachtete Horace mit ihren großen, ausdrucksvollen Augen, als ob sie sehen wolle, ob die Behauptung der Gräfin richtig sei; da ihr aber schien, als ob dies nicht der Fall sei, so setzte fie, ohne ein Wort i zu erwidern, ihr Spiel fort. I
im Gerüche des Ultramontanismus stehen; 5) Röcke tragen, deren Schööße länger al» ein Fuß sind, und 6) Jesuitenhüte tragen. Alle, die solche Verbrechen begangen haben, müffen verbrannt werden. Aber nun möchte ich den armen Pastor auf der evangelischen Pastoren-Conferenz in Neuwied hören, der über die 13. These zu sprechen hat: „Der evangelische Christ greift nur zu anständigen und gesetzlichen Mitteln, und nimmt nicht, um seine Gegner zu unterdrücken, zu Gewaltmaßregeln seine Zuflucht." Was sagt wohl die Staatsregierung mit ihren Maigesetzen dazu? . . . Kürzlich schrieb unser Kaiser dem Oberconsistorium von Elsaß-Lothringen: Möge auf Ihrer pflichttreuen Wirksamkeit immerdar Gottes reicher Segen ruhen und durch die Pflege der Religion Zucht und Sitte in allen Classen der Bevölkerung stetig wachsen und zunehmen." Die katholische Kirche ist die Trägerin und Hüterin der Religion; wie kann sie aber deren Pflegerin sein, wenn ihr Arme und Beine gebunden sind? Was soll denn eigentlich, die Kirche thun, wenn ihr auf Schritt und Tritt Steine in den Weg gelegt werden» und wie sollen die Priester sein» wenn schon ein de Lorenzi nicht paßt. Unsere liberalen „Culturkämpfer" lächeln zweifelsohne zu den kaiserlichen Worten; sie freuen sich, daß das Ende de» Kampfes gar nicht abzusehen ist, daß die Vertreter der höheren Schulen auf der Conferenz in Köln den Religionsaufsatz beim Abiturientenexamen für „überflüssig" erklärt haben, und jubeln weit eher den
„Nun sei vernünftig," hob die Comteffe wieder an, „gieb mir das her und geh' mit den anderen Kindern tanzen."
„Aber ich mag nicht tanzen, und ich will spielen," rief Madelon heftig, indem sie mit beiden Händen das Roulette umklammerte, welches die Gräfin an sich nehmen wollte; Sie haben auch nicht das Recht, es mir wegzunehmen. Papa läßt mich Roulette spielen, und Sie haben mir nichts zu befehlen! Geben Sie es mir zurück, ich sage es Ihnen: ich will es — ich will es I"
„Du wirst es nicht bekommen", sagte die Comteffe, indem sie das Roulette fortschob, so daß Madelon es nicht erreichen konnte; ,ohne Zweifel hast Du Deinen Vater bei diesem elenden Spiel gesehen, aber deshalb brauchst Du ihn noch nicht nachzuahmen. Sei verständig und iß deine Bonbons wie andere vernünftige Kinder."
„Ich werde sie nicht essen, wenn ich nicht darum spielen kann," sagte Madelon, und strich dann mit dem Arme alle vom Tisch herunter und zerstampfte sie mit ihren kleinen Füßen.
„Sie haben nicht das Recht, so mit mir zu sprechen," fuhr fie dann mit Heftigkeit fort; ich kenne Sie nicht, ich mag Sie nicht leiden..... Sie find sehr häß
lich!" (Forts, folgt.)