nicht; unter Anderem gab Lieutenant Reincke zu Protokoll, daß da» Geschütz vorschriftsmäßig bedient worden sei.
* Aus Euskirchen, 26. April, schreibt man der .Köln. Vztg.': In Bliersheim wurde kürzlich eine Mission abgehalten. Gegen diejenigen Geistlichen, welche hieran Theil genommen haben, ist auf Grund des Artikels 2 ves Gesetzes vom 21. Mai 1874 die strafgerichtliche Verfolgung angeordnet worden.
Der Krieg in Tunis.
Nachrichten aus Algier zufolge vertrieb die Colonne Ritter gestern die Khrumirs aus der Position Djebeladeda und drängte dieselben nach dem Thale Queddjenan. Die Colonne Vincendon erreichte die Bergspitzen des Ufers und nahm Queddjenan, eine auf dem Plateau befestigte Stellung, nach verschiedenen Gefechten mit den Khrumirs ein. Unter den Feinden sollen viele tunesische Reiter und Jnfanteiisten sich befinden. Der Verlust der Franzosen betrug zwei Todte, zehn Verwundete. Die französische Abthei- lang auf Tarbaka besetzte das kleine Fort auf der Continentseite TabarkaS. Die Khrumirs feuerten, wurden aber durch französische Artillerie bald vertrieben.
— Aus Oran (Algier) wird gemeldet: Die von dem Stamm Ouledsidtcheiks versuchte Bewegung gegen Geryoille wurde durch getroffene Vorsichtsmaßregeln vereitelt.
— Der Bey von Tunis protestirte in einer Depesche an Granville gegen die Grenzverletzung durch Frankreich, erbot sich, die französischen Beschwerden der Entscheidung der Mächte zu unterbreiten, erklärte, Tunis habe als ein Theil des ottomanischen Reiches Anspruch auf den Schutz der Mächte, deren gute Dienste der Bey anruft. Nachrichten aus Tunis zufolge befahl der Bey den Gouverneuren von Kef und Beja, diese Städte den Franzosen zu übergeben, dabei aber formell zu protestiren.
— In der Thal ist Frankreich ohne Kriegserklärung in Tunis eingefallen; man that das offenbar, weil für eine Kriegserklärung die Zustimmung der Kammern nothwendig ist und weil man Proteste vermeiden wollte. Deshalb redete man nur von Züchtigung der Krumirs, während es sich jetzt herausstellt, daß Frankreich schon seit einem Jahre ein Prolectorat anstrebt.
Türkei.
* Der Aufstand in Albanien ist noch nicht völlig unterdrückt. Die Albanesen lagern 20,000 Mann stark bei Prizrend, Jjek und Djakowa. Derwisch Pascha so? über 25,000 Mann verfügen.
— Auch die türkisch-griechische Frage ist noch immer in der Schwebe. Die Griechen haben zwar mit süßsaurer Miene den Rath der Mächte angenommen und den letzten Vorschlag der Türkei acceptirt, aber sie stellen solche Bedingungen für die Heber- gäbe des ihnen zugesprochenen Gebietes, daß neue Verwickelungen entstehen können.
Rntzland.
* Petersburg, 25. April. Kaiser Alexander III. wendet die äußersten Vorsichtsmaßregeln an, um den Nihilisten nicht in die Hände zu fallen. Die Straßen und Brücken vom Babnhofe bis zur Peter- Paulsfestung waren am Donnerstag in besondere polizeiliche Obhut genommen, da der Kaiser Mittags zur großen „Panichida" (Gottesdienst daselbst) erwartet wurde. Laut offictellen Berichts ist der Kaiser jedoch nicht gekommen. Wie verlautet, fuhr derselbe in den letzten Tagen mehrfach ohne Kosaken.Escorte aus, da die traurige Erfahrung gelehrt hat, daß letztere keinen Schutz gegen nihilistische Attentate biete, dagegen schon von Weitem den hohen In-
soffen des Wagens erkennbar mache. Am Tage der Ueberstedelung des Kaisers nach Gatschina (Schloß 3 Stunden von Petersburg) waren avf sämmtlichen Bahnhöfen, b>S auf den Warschauer, Züge für den Kaiser bestellt, auf letzterem ein solcher für den Minister der Wege und Communi- cationen. Zugleich war nach einer Station hinter Gatschina telegraphirt worden, der Minister wolle daselbst persönlich etwas in- spiciren. Diesen angeblichen Ministerzug benutzte dann der Kaiser.
Provineielles und Lseales.
* Fulda, 29. April. Der Holzspalter Wilhelm Zehn, welcher wegen Verdachts der Brandstiftung inhaftirt war, ist (vor- läufig) wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Gestern Mittag wurden die Gebrüder Latsch von einigen Burschen an der Tränke gleichsam überfallen, so daß sie ge- nöthigt waren, sich tapfer zur Gegenwehr zu setzen.
— Gegen 9 Uhr Abends herrschte unter den Bewohnern der Tränke große Aufregung, da die Drohung laut wurde, die ganze Straße würde in Flammen aufgehen. Einige ängstliche Gemüther sollen bereits ihre Kleider:c. eingepackt haben, um dieselben rasch in Sicherheit bringen zu können. Wird diesem Zustande der Unsicherheit nicht bald ein Ende gemacht werden können!?
— Se. Majestät der Kaiser Wilhelm hat Allergnädigst geruht, sich als Taufpathen des am 19. März geborenen und am 22. März — dem Geburtstage des Kaisers — getauften siebenten Sohne des Ka-f- mannes Leo Lehmer zu Hünfeld in das Taufbuch eintragen zu laffen.
— Der Kaiser ist wohlbehalten in Wiesbaden angekommen.
— Der bisherige Oberförster Richter zu Wolfgang ist zum Forstmeister mit dem Range der Regierungsräche ernannt und demseiben die Forstmeisterstelle Cassel - Frankenberg bei der Königlichen Regierung verliehen worden. — Der bisherige Oberförster Kopp zu Frankenhain ist zum Forstmeister mit dem Range der Regierungr- räthe ernannt und demselben die Forstmei- sterstelle Cassel-Rotenburg bei der Königlichen Regierung verliehen worden. — Der bisher zur Disposition gestandene Con- troleur Hermann S ck e r e r ist zum Secre- tair bei Königlicher Regierung zu Caffel ernannt worden. — Dem bisherigen Büreau- diener B a ch n i ck ist die Kastellan - und Carcerwärterstelle bei der Unrversität Marburg und dem Militäranwärter, Waldhornisten Qu ei ß n er vom Hessischen Jäger - Bataillon Nr. 11 die Büreaudienerstelle daselbst übertragen worden.
— Nach einer neueren Mittheilung der österreichischen Postverwaltung ist bei Post- päckereien mit Tabak oder Cigarren, welche nach Oesterreich-Ungarn bestimmt sind oder im Transit durch Oesterreich Ungarn befördert werden sollen, die Beifügung einer Einfuhr- bezw. Durchfuhrbewilligung in Zukunft nicht mehr erforderlich.
— Folgen der Wehrmanns- Hebungen. Der Verleger des .Hadamarer Anzeigers' theilt seinen Abonnenten mit, daß er am 26. d. M. als Wehrmann einer 1 tägigen Hebung sich unterwerfen mußte und trotz aller Bemühungen hiervon nicht dispensirt werden konnte. Da er auch für die Zeit seiner Abwesenheit einen Vertreter refp. einen Führer seines Geschäfts trotz den weitgehendsten Versuchen nicht er- langen konnte, so wird das Erscheinen des .Anzeiger»' während dieser Zeit unterbleiben.
* Mansbach bei Herrfeld, 26-
April. Heute Morgen ertönte um 4 Hhr Feuerlärm. — Das obere Wirthshaus stand in Flammen. Mit Mühe unv Noih konnte der Besitzer mit Familie gerettet werden. Durch unsichtiges Eingreifen der hiesigen und benachbarten Feuerwehr gelang es bald, das Feuer auf feinen Heerd zu beschränken, so daß gegen 9 Hhr früh alle Gefahr gehoben war. (C. Z.)
* Frankfurt, 28. April. Nach dem Vorgänge in verfloffenem Jahre beabsichtigt die hiesige königliche Eisenbahn - Direc« tion Extrazüge von Berlin nach Frankfurt via Beltzig-Nordhausen zu befördern und hierzu Billete mit 50 pCi. Preisermäßigung und entsprechender Giltigkeitsdauer auszugeben. Die ersten dieser Züge sind für den 28. Mai und 5. Juni nächsthin in Aussicht genommen. (Fr. Ztg.)
* Frankfurt, 28. April. Gestern Morgen wurden in dem Keller eines Hauserder Savignystraße zwei Kindesleichen in Lumpen eingewickelt gefunden.
* Cassel, 28. April. Die Reihen der ehemaligen höheren kurhessischen Osficiere lichten sich immer mehr. Vorgestern verstarb zu Cassel der Oberst a. D. von Osterhausen, welcher lange Zeit dem Jägerbataillon angehörte. (C. T.-A.)
Kirchliches.
Nach einer Entscheidung der Römischen Pöniteirtiarie von 25. März d. I. ist die zur Gewinnung des gegenwärtigen Jubiläums vorgeschriebene Beobachtung eines Fasttags im strengsten Sinne zu nehmen, d. h es sind nicht allein Fleisch, Fleischbrühen und überhaupt gefettete Speisen sondern auch Eier und alle Milchspeisen, wie Milchsuppen, Kaffee mit Milch, Butter, Käse, mit Milch oder Butter oder Eiern bereitetes Backwerk untersagt. Freilich werden Manche außer Stand sein, das JabrläumSsasten in dieser Strenge zu beobachten. Für solche ist daher auch vor- geforgt, indem die Beichtväter ermächtigt sind, vorgeschriebene Jubiläumswerke, die unausführbar sind, in andere gute Werke umzuändern. Auch kann die Umänberung außer der Beicht, jedoch nur bei Beichtkindern, vorgenommen werden.
Die betreffende Emscheidung der Pöniten- tiarie lautet: Pro Jubilaeo hoc conse- quendo .... adhibeantur tantum cibi esuriales, vetito usu, quoad qualitatem ciborum, cujuscunque indulti seu pri- vilegii etiam Bullae Cruciatae. Daß aber der Genuß von Sacticinien bei uns in der v'erzigtägigen Fastenzeit vermöge eines Privilegiums gestattet ist, erklärt ausdrücklich Benedict XIV. (Jnst. 16.) Non ignoramus, regiones quasdam, in sep- tembrione positas ovia et lacticiniis uti, quod crebris assiduisque immunitatibus Romanorum Pontificum liberalitate con- cessis tribuendum est; illas deinde po- puli, pluribus annis interjectis, cum Pontifices rem disaimularent vel scienter paterentur, in privilegium perpetuamque facultatem converterunt. “ 8.
Für Pilgerz-ll gingen ein: 24 Flaschen Roth wein. Ungenannt 3 M. — S M. — 3 M. — 2 M.
* Cassel, 28. April. Weizen 22 M. 70 Pfg. bh 23 M. 08 Pfg. Roggen 21
M. 85 Pfg. bis 22 M 50 Psg. Gerste
17 M. 50 Pfg. bis 18 M. 25 Pfg. Hafer
.16 M. — Pfg. bis 16 M. 70 Pfg. (Alles
ä 100 Kilogramm.)
Meteorolog. Peobachtungeu d. Ltatiov Zulda
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Windrichtung.
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