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Freitag, den 29. April 1881.
Die,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sana- und Fe^ercaze auszenomnsn. Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda da der Txpedition, Buttermarkt Nr. 112,auS«Lets bei »eit Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Sringerlohn in Fulda eine Mark und 10 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts Bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und BO R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die »illustrirten SonntagSblLtter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.
Für die Monate Mai «nd Jnni nehmen Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ alle Post-: anstatten, Landbriefboten und ' für Fulda die Expedition, Buttermarkt 112, zum Preise von 1 Mk. (ohne Bestellgeld) an.
(Die .Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1678 eingetragen.)
Das Winkel advoeaterrthum.
Welche Ausdehnung das sogen. Winkel- Consulenthum in Preußen gewonnen hat, darüber gibt eine (nach nicht einmal erschöpfenden Ermittelungen aufgestellte) amtliche Uebersicht intereffanten Aufschluß. Nach dieser Zusammenstellung waren im Regierungs-Bezirk Königsberg 350, Gumbinnen 235, Danzig 137, Marienwerder 346, Posen 570, Bromberg 267, Stettin 120, Cöslin 107, Stralsund, 56, Breslau 340, Liegnitz 202, Oppeln 480, Potsdam 192, Frankfurt a. d. O. 291, Magdeburg 182, Merseburg 149; Erfurt 70, Münster 64, Minden 80, Arnsberg 306, Coblenz 155, Düsseldorf 333, Köln 89, Trier 130, Aachen 91, Sigmaringen 13, Wiesbaden 120, Cassel 194, Schleswig 225 und in den Landdrostei - Bezirken Hannover 37, Hildesheim 68, Lüneburg 44, Stade 158 Osnabrück 34, Aurich 50 und im Bezirk des Polizei - Präsidiums zu Berlin 309 Winkel - Advocaten, Winkel - Consulenten, Bolkranwälte rc, vorhanden. Auf da» Ver« • hältniß zur Einwohnerzahl repartirt, steht
der Landdrostei-Bezirk Hannover am günstigsten da; denn in demselben kam auf je 11,623 Einwohner erst ein Winkel-Consu- lent. Demnächst folgt der Landdrostei-Bezirk Lüneburg mit 8788 Einwohnern auf einen Winkel-Advocaten, der Landdrostei-Bezirk Osnabrück mit 8169 Einwohnern auf einen z Winkel-Advocaten. Demnächst folgen Regie- | rungS'Bezirk Köln mit 7357, Münster mit f 6927, die Landdrostei Hildesheim mit 6082, i die Regierung- - Bezirke Merseburg mit i 6066, Minden mit 6007, Stettin mit 5797, k Potsdam mit 5730, Wiesbaden mit 5658,
Aachen mit 5522, Erfurt mit 5507, Cöslin mit 5213, Sigmaringen mit 5112, Liegnitz mit 4926, Magdeburg mit 4832, Schles- wig mit 4773, Trier mit 4731, Düffel- dorf mit 4385, Breslau mit 4330, Cassel mit 4066, der Landdrostei-Bezirk Aurich mit 4021, die RegierungS - Bezirke Danzig mit 3958, Stralsund mit 3727, Coblenz mit 3687, Frankfurt a. d. O. mit 3640, Gumbinnen mit 3211, Arnsberg mit 3208, Königsberg mit 3147, der Bezirk des Polizei-Präsidiums zu Berlin mit 3129, die RegierungS Bezirke Oppeln mit 2867, Marienwerder mit 2313, Bromberg mit 2143, der Landdrostei - Bezirk Stade mit 1958 und der RegierungS - Bezirk Posen mit 1813 Einwohnern auf je einen Winkel- Consulenten. Bon 4947 Winkel-Consulenten, über welche in dieser Beziehung Aeußer« ungen vorliegen, werden 2870 oder 58 pCt. als unzuverlässig bezeichnet. Rach den anzestellten Ermittelungen wird das fragliche Gewerbe in großem Umfange nicht allein von unfähigen, sondern auch von
2 Madelon.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
„Die Umgebung von Chaudfontaine scheint mir sehr große Reize zu haben," fügte Horace, ohne gleich auf die Einladung de» Fremden zu antworten.
„In der That, nicht übel," antwortete der Fremde etwas gleichgültig. „Ich kann Ihnen nur eine Spazierfahrt anrathen, das heißt, in der Voraussetzung, daß Sie rechtzeitig zur Table d’höte sich einfinden werden. Das Diner wird excellent sein, das versichere ich Ihnen; der Koch versteht feine Sache."
„Es befinden sich wenig Fremde in dem Hotel, scheint mir," versetzte Horace; „ich habe heute Morgen noch Niemanden al» ein kleine» Mädchen zu Gesicht bekommen."
„Aber ich bitte Sie, da» Hotel ist ganz besetzt; nur befindet sich augenblicklich Alle» im Gottesdienste; Einige schlafen noch, Andere sitzen beim Frühstück. Uebrigens ist el noch sehr früh."
„Gehört die» kleine Mädchen," frug Horace „zum Hause?"
„Sie meinen da» kleine Mädchen, da« auf mich zustürzte, so eben? Nein; der Gigenthümer de« Hotel« hat nur eine
Tochter, die Sie heute Abend kennen lernen werden. Aber ich kenne diese» Kind, sein Vater ist ein häufiger Gast de» Hotels. Sie ist sehr zu bedauern die arme Kleine!"
„Uud weßhalb?" frug Merville.
„Weil ihr Vater... Ah, guten Morgen, Madame — entschuldigen Sie mich, lieber Herr, ich will eben der Frau Gräfin meine Aufwartung machen," rief der Belgier au», während eine Dame, anscheinend reiferen Alter», mit wallendem Haar und in einem Anzuge von blauem Baröge mit vielen Volant» an der Krümmung des Weges erschien.
„Endlich sind Sie wieder da, mein Liebster," rief sie aus; „wie sehr hat Ihre Abwesenheit uns geschmerzt! Eine unerträgliche Langweile begann sich bereits bei uns Allen einzustellen! Aber Sie haben ein viel besseres Aussehen als bei Ihrer Abreise: die Reise hat ihnen gewiß wohl gethan; Sie haben von den Unannehmlichkeiten der Abwesenheit gewiß nichts verspürt."
„Aber, Madame, wa» wissen Sie hiervon? Und wie kann ich meinerseits ein Bedauern annehmen, das ganz spurlos verschwunden zu sein scheint? Madame sind noch reizender, noch blühender —."
Horace wollte nicht« mehr hören; er f
sittlich verkommenen, zum Theil schon mit fchweren Strafen belegten Personen betrieben, welche sich nicht von dem Interesse ihrer Clienten sondern lediglich von ihrer Gewinnsucht leiten lassen. Sie schädigen ihre Auftraggeber durch unredliche oder ungeschickte Ausführung der erhaltenen Aufträge, durch Unkenntniß der gesetzlichen Vorschriften und wissen sich für ihre Arbeiten Vergütungen zu verschaffen, welche zu dem Werthe der letztem in keinem Ver« hältniß stehen und die Gebühren der Rechtsanwälte nicht selten weit übersteigen. Auch in einem Theile der übrigen Bundesstaaten, welche gleichfalls Ermittelungen angestellt haben, namentlich im Königreich Sachsen, in Württemberg, Baden, Braunschweig, Oldenburg, Anhalt und Hamburg sind ähnliche Uebelstände in mehr oder weniger erheblichem Maße vorgekommen.
Deutsche- »eich.
* Berlin, 27. April. (Reichstag.) Auf die Interpellation Virchow's betreffend die Betheiligung Deutschlands an der Erforschung der Polargegenden erwidert Stosch, daß die Marine dies Project unterstützen werde. Staatssecretär von Bötticher erklärt, daß btt Reichsregierung zwar da« Project unterstütze aber mit großer Vorsicht daran gehen werde. — Das Trunk- suchtsgesetz und das Gesetz über die Bezeichnung des Raumgehaltes der Gefäße werden einer Commission von je 14 Mitgliedern überwrefen. — Das Küstenfrachtfahrtgesetz wird in dritter Lesung nach der ließ die interessante Comtesse und ihren Anbeter in ihrer frivolen Unterhaltung allein, überschritt die einfache Brücke und trat auf die staubige Straße, um langsam den Berg hinanzusteigen.
„Weich' ein unangenehme» alte» Weib!" sagte er zu sich selbst. „Sie zählt ganz sicher zehn Jahre mehr, als mein Freund, und er spricht mit ihr, als wäre sie ein junge« hübsches Mädchen, aber sie ist offenbar Comtesse, und das darf man nicht vergessen."
Damit setzte er fröhlichen Sinnes, frei von allen mißstimmenden Gedanken, seinen Weg fort. Diese fröhliche Laune war bei Horace Merville nichts Seltenes — stand er doch auch in einem Alter, wo Gesundheit und Jugendkraft, frische fröhliche Begeisterung und jene kostbare Gabe, in den einfachsten Dingen große Genüsse zu suchen und zu finden ihm eine Existenz als ganz glückliche erscheinen ließen, in welcher Andere bald viele Lücken und Entbehrungen gefunden hätten.
Horace Merville war nämlich nicht reich, hatte auch keine glänzende Erbschaft zu erwarten, und besaß in der ganzen weiten Welt keine anderen Verwandten, al« eine Taute, die ihn erzogen hatte, und eine bereit« verheirathete Schwester, die jedoch