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ist ihm der Vorwurf des „Verralhs" ge- macht worden. Nach dem Kriege blieb er in Thätigkeit, wurde 1869 General der Infanterie u. Commandeur des 1. bayr. Armeecorps, an dessen Spitze er auch den deutsch'französischen Krieg mitmachte. Er focht bei Wörth und Beaumont und leitete im Herbst die Operationen an der Loire, wo er, Anfangs glücklich, später bekannt­lich dem überlegenen Feinde weichen mußte. Doch nach Einholung von Verstärkungen drängte er im Anfang December 1870 den Gegner wieder zurück; zu Ende desselben Monats rückte er zur Belagerungsarmee nach Paris ab. Nach dem Friedensschlüsse blieb von der Tann commandirender General der Infanterie.)

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 25. Aprrl. Am 31. Decem- ber 1869 wurden 30,200 Juden in Wien gezählt. Die Volkszählung vom 31. De­cember 1880 ergab, daß jetzt 72,000 Juden in Wien leben.

Italien.

* Rom, 26. April. Der Papst empfing gestern den außerordentlichen russischen Ge­sandten Oubril und überreichte ihm den Christusorden.

— Am Donnerstag ließ der siömische Magistrat zur Feier des 2634. Jahrestags der Gründung Rom's, die man auf den 21. April des Jahres 753 vor Christus annimmt, die großartigen Ueberreste des römischen Alterthums, das Colosseum, die Basilica Constantins und die zahlreichen Trümmer classischer Prachtbauten auf dem römischen Forum mit bengalischem Licht beleuchten. Der Anblick war bezaubernd.

Türkei.

* Constantinopel, 22. April. Vier ehemalige Diener im kaiserlichen Palast sind unter der Anklage, den verstorbenen Sul­tan Abdul Aziz ermordet zu haben, ver­haftet worden. Sie gestanden, daß sie den­selben erdrosselten, worauf sie die Adern am Arme öffneten um glauben zu machen, daß der Sultan Selbstmord verübte. Zwei ehe­malige Palastbeamte undZein früherer Kriegs­minister (Huffein Avni) sind an dem Com- plott ebenfalls betheiligt gewesen. Mahmud Damat Pascha und Nury Pascha, welcher Marschall des Palastes während der Re­gierung des Sultans Murad war, sind wegen Mitbetheiligung an dem Verbrechen verhaftet worden.

Rußland.

* Petersburg. „Für den ,Unmün­digen' der Mündige', für das .gemordete Weib' Dein Weib, Auge um Auge, Zahn um Zahn — so wollen wir fortan Ver­geltung üben I" Dies ist der Anfang einer neuen Proclamatio n, welche das »revolutio­näre Exccutivcomits' an den Zaren Alexan­der III. gerichtet hat. Mit dem »Unmün­digen, ist der gehenkte Zarenmörder Russa­kow gemeint; während unter dem Mün­digen' der Kaiser zu verstehen ist. Das »gemordete Weib' ist die Verbrecherin Pe- rowskaja und »dein Weib' bezieht sich auf die Kaiserin. Toller und frecher hat sich wohl noch nirgend eine Verbrecherbande geberdet, welche unter dem Deckmantel po­litischer Bestrebungen die scheußlichsten Mord­pläne verfolgt.

— Die Kaiserin soll in Folge der Auf­regung, welche sie durch die nihilistischen Drohbriefe ersaßt hat, bedenklich erkrankt sein.

— Der Pope Kibaltschitsch in Mos­kau, dessen Sohn unter den Mördern Ale­xanders II. war, hat sich in Moskau selbst erhängt.

Provirreiellis «ud Locale».

* Fulda, 27. April. Heute Nacht gegen 11 Uhr ertönten Feuersignale. Die

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der Blitz in die Kirche zu Weyhers, gerade über dem Hauptportale ein und zündete. Der Weyhers'ser Feuerwehr gelang es je­doch, das Feuer, bevor es größeren Scha- I den anrichten konnte, zu löschen.

— Mittwoch, den 18. Mai, wird das hiesige Bataillon dem Armeecorps»Com­mandeur Herrn General Freiherrn von Schlotheim vorgestellt werden.

— Zwischen Fulda und Elm wurde gestern Morgen in dem Berlin-Frankfurter Zug ein Student tobt im Coupe aufgefunden. Ein dastehendes leeres Wasserglas mit einem dunkeln Bodensätze läßt eine Vergiftung ver- muthen. Die Leiche wurde in Hanau aus­gesetzt.

— Der General - Postmeister erläßt folgende Verfügung: „Vom 1. Mai ab können die mittels des Hectographen, Pa- pyrographs, Chromographs oder mittelst eines ähylichen Umdruckverfahrens auf mechanischem Wege hergestellten Schrift­stücke sowohl im inneren Verkehre Deutsch­lands, als auch im Verkehr mit Oester- reich-Uugarn und mit den übrigen, dem Weltpostverein angehörigen Ländern gegen die Taxe für Drucksachen befördert werden, sobald gleichzeitig mindestens 20 vollkom- men gleichlautende Exemplare am Briefan­nahmeschalter eingeliefert werden."

— Im Verkehr zwischen Stationen der Mainweserbahn einerseits und den Stationen der oberhessischen Bahnen andererseits wer­den wegen mangelnder Frequenz vom .1. Juni d. Js. ab die SchnellzugSbillets Mar­burg -Lich, Marburg-Hungen, Nauheim- Fulda, Frankfurt a. M. - Zell. Romrod, so­wie Frankfurt - Mücke aufgehoben; ebenso die directe Personen- und Gepäck-Beför­derung zwischen Bockenheim und Lich, Bocken- heim und Hungen. Auch die directen Per­sonen. und Gepäckbeförderungen zwischen Frankfurt a. M. via Gießen nach Duis­burg und Frankfurt - Gießen < Düsseldorf werden wegen ihrer Bedeutungslosigkeit vom genannten Zeitpunkte ab aufgehoben.

J. Herbstein, 26. April. Trotz der rauhen Witterung hatten wir heute Vormit- tags zwischen 10 und 11 Uhr ein starkes von Westen kommendes Gewitter mit Hagel ; bei auffallender Dunkelheit. Schaden ist

meisten Bewohner der Stadt lagen im ersten Schlafe. Es brannte auf der Tränke in der Behausung des erst vorgestern au» dem Gefängnisse entlassenen Holzspalters und Korbflechters Wilh. Zehn, und zwar 2. Etage, welche von dem Maurer I. L a 1 s ch, dem die ideelle Hälfte des Hauses gehört, bewohnt wurde. Die Familie des letzteren, die Frau mit 5 Kindern, war längst zu Bette gegangen, als das Feuer mit Heftig­keit ausbrach, so daß es mit genauer Roth noch gelang, die Kleinen vom Feuertode zu erretten. Die in größter Eile sofort auf dem Brandplatze erschienene Feuerwehr löschte das Feuer innerhalb 3/i Stunden. Dachstuhl und oberes Stockwerk sind trotz­dem verbrannt und die untere Etage hat durch die hineingeschleuderten Wassermassen stark gelitten. Das Häuschen war schlecht, jedoch auch die Mobilien des Maurers Latsch waren versichert. Was nun die Entstehung des Brandes betrifft, so ist die Polizei in eifriger Thätigkeit, um den muth- maßlichen Brandstifter, der schon wieder­holt mit Brandlegung gedroht haben soll und noch gestern Mittag bie Frau bes Maurers Latsch in gröblicher Weise insul- tirte, mit ben nöthigen Verdachtsgrünben in der Hand in Sicherheit bringen zu können.

(Wie wir nachträglich erfahren, ist p. p. Zehn wegen Verdachts der Brandstiftung heute Morgen bereits verhaftet worden.)

— Bei dem gestrigen Gewitter schlug

nicht angerichtet worden. Möge es der Vorbote warmen Wetters sein!

* Cassel, 26. April. Der Vorstand des hiesigen Thierschutzvereins hat in richtiger Erkenntniß seiner Aufgabe und zur Gewinnung der für seine Zwecke ver« werthbare Kräfte nicht bloß unter Damen und Herren aller Stände Mitglieder zu werben gewußt, sondern vor Allem und mit bestem Erfolge ganze Korporationen für sich zu gewinnen da» Glück gehabt. Wie schon vor Jahren die hiesigen Krieger­und Turnvereine mit allen ihren Mit­gliedern in die Reihen der Thierschützen eingetreten sind, so haben neuerding« sämmt« liche Straßenbaubeamte, Hofgärtner und Parkaufseher die Legitimationskarten ent­gegengenommen. Gegenwärtig sind Ver­handlungen eingeleitet, um auch das ge« sammle Forstpersonal des Regierungsbezirks für den höchst wohlthätigen Verein zu ge­winnen. Je mehr diese Beamten ihrer Bildung und ihrem Amte nach ganz be­sonders befähigt und berufen sind, die humanen Bestrebungen der Thierschutzver­eine zu fördern, um so erfreulicher ist es, wenn dieselben in Vereinigung mit den vorhin genannten ein geschlossenes Ganze bilden, das wie eine zusammenhängende Kette ein enges Netz das ganze Land um­spannt, so daß fernerhin kein Frevler gegen die Thierwelt ungesehen und ungestraft tfie dem Meschen aufgelegten Pflichten ver­letzen kann. (C. Z.)

Vermischtes.

* Ein entsetzliches Familiendrama wird au» Spandau gemeldet. Am Freitag Abend kam der daselbst wohnhafte Arbeiter Drescher nach Hause und sand seine Wohnungslhür verschlossen. Da ihm auf mehrfaches Pochen nicht aufgethan wurde, sprengte er, von in­nerer Unruhe getrieben, endlich die Thür- füllung und drang so in bie Wohnung ein, wo sich ihm ein entsetzlicher Anblick barbot. Sämmtliche Fenster waren geschlossen, die Stube dicht mit Rauch angesüllt und auf den Betten lagen, mit ihren besten Kleidern angethan, seine Frau mit den drei Kindern, dem Erstickungstode nahe. Es wurde so­fort polizeiliche und ärztliche Hilfe requirirt, und constalirte der herbeigeeilte Arzt den bereits erfolgten Tod des einen 4 jährigen Mädchens, während die Mutter, der eine 7 jährige Knabe und da» andere 43/4 jährige Mädchen in höchst bedenklichem Zustande nach dem Krankendause übergeführt wurden. Das Motiv der That ist ehelicher Unfriede, und die unglückliche Frau hatte schon im Laufe des Tages Andeutungen gemacht, die nichts Gutes ahnen ließen.

* Ein hundert Jahre alter Adler. Bei Rakkow auf der Insel Laaland wurde am 15. d. ein Königsadler erlegt, der zwischen den Flügelspitzen 6* l2 Fuß maß. Um den Hals hatte derselbe eine Messingkette, an welcher eine kleine Blechflasche befestigt war. Bei der Oeffnung derselben fand man einen Zettel, auf welchem in deuticher Schrift und in dänischer Sprache geschrieben stand: „Gefangen und wieder in Frei­heit gesetzt Anno 1792 von N. und C. Andersen. Bölö auf Falster, Dänemark".

* Cassel, 26. April. Weizen 22 M. 23 Pfg. bis 23 M. — Psg Roggen 21 M. 70 Pfg. ins 22 M. 30 Psg. Hafer 16 M. — Pfg. bis 16 M. 70 Pfg. (Alle» a 100 Kilogramm.) _____