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Madelon.*) 1

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. Erster Theil.

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In dem Leben eines Jeden von uns gibt es Tage, die uns weder in trauriger noch in fröhlicher Hinsicht besonders bedeutungs­voll zu sein scheinen, und dennoch, oft wegen irgend eines Umstandes, den wir auf den Augenblick nicht beachten, ganz darnach an- gethan sind, sich bis zu unserem Lebensende unserm Gedächtniß fest einzuprägen. Eine solche Bedeutung hatte für Horace Merville ein Augusttag, welchen er einst in Chaud- fontaine zubrachte.

Jeder, der nur einmal die Fahrt von Brüssel nach Köln gemacht hat, wird ge­wiß kurz vor Lüttich — von Köln aus ge­sehen — dieses kleine hübsche Dorf mit seiner romantisch gelegenen, hübschen Kirche, seinem großen Hotel, seinen Villa'» und seinen kokett unter hübschen Baumgruppen versteckten, oder in dem klaren Wasser der vorbeiflicßenden Berdre sich wiederspiegeln­den Häuschen bemerkt haben. Bon allen Seiten umgeben liebliche, in hübsche» Grün gekleidete Berge das stille Thal. Eine von italienischen Pappeln beschattete Straße schlängelt sich am Flusse vorbei zu anderen

•) Nachdruck verboten.

herrlichen Partieen hin; anmuthige Gebüsche, geschwätzig murmelnde Bächlein, schattige Plätze, grüne Wiesen, schroffe Felsen folgen in bunter, malerischer Reihenfolge aufein­ander, eines zwischen dem andern und neben dem anderen, und gewähren so dem Reisen­den in den kurzen Zwischenräumen von einem Tunnel zum andern herrliche Aus­sichten in Hülle und Fülle.

Man trifft sehr selten Engländer in Chaud- fontaine, und es war nur ein ganz beson­derer Zufall, der Horace Merville an jenem warmen Augusttage des Jahres 185 . dort­hin verschlagen hatte. Ein Malheur, welches einem Güterzuge passirt war, hatte auf der ganzen Strecke eine Verspätung von meh­reren Stunden verursacht, und auf den Rath eines seiner Reisegefährten hin hatte er sich entschlossen, die Nacht in Chaudfontaine zu­zubringen, anstatt, wie er anfänglich vorge­habt hatte, die Reise in der Richtung auf Brüssel zu fortzusetzen.

Hinter dem Hotel befindet sich ein schat­tiger mit Tischen und Bänken versehener Garten; dann weiter ein Rasenplatz, dem man übrigens nicht allzu viel Sorgfalt an­gedeihen zu lassen scheint, und der mit Bäu­men und Staudcngewächsen bepflanzt ist, deren verschiedenartig gefärbtes Blätterwerk sich wohlthuend von der mehr einförmigen

Donnerstag, den 28. April 188t.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- ,unk Feiertage ausgenommen Ran abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

M der Expedition, Buttsrmarkt Nr. 112, auswärts bei »en Postämtern. D -r vierteljährliche AbonnsmsntspreiS beträgt ausschließlich Sringerlohn in Fulda eine Mark und SS R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Die »illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

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(Die .Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

O Tunis, Frankreich nnd Italien.

Frankreich hat offenbar weitergehende Absichten, als die Züchtigung der auf­ständischen Stämme an der algerisch-tune- sischen Grenze; es ist au,f Tunis selbst abgesehen. Das Organ Gambetta's, die „Republique Fransaise" erklärt bereits die Insel Tabarka für sehr geeignet zu einer französischen Flottenstation. Von den Groß­mächten dürfte England, da es Cypern, ohne die andern Großmächte zu fragen, annectirt hat, und so eifersüchtig es auf das Wachsen einer andern Macht im Mittelmeer, welches es durch Gibraltar, Malta, Cypern und seine Besitzungen am Suezcanal beherrscht, sein mag, einer An- nection von Tunis ruhig zusehen. Auch Deutschland Oesterreich wird eine „Expan­sion" der französischen Republik im Orient nicht verhindern, so wenig wie die übrigen Mächte.

Rur in Italien würde man, weil Regie­rung und Volk lieber selbst Tunis an tc< tiren möchten, als Frankreich, zu der Ver­

größerung de« algerischen Reiches scheel sehen, und die französische Repulik dürste darauf bedacht sein müssen, das aufgeregte Italien durch irgend ein Gegengeschenk zu beruhigen.

In Italien hatte die tunesische Frage zu einer Ministerkrisis geführt, welche nun­mehr durch das Verbleiben des Cabinets Cairoli-Tepretis beseitigt ist. Diese Lösung der Frage ist franzosen-freundlich, aber dem italienischen Volke keine befriedigende. Um nun die öffentliche Meinung in Italien zu beschwichiigen, raffelt die Regierung mit dem Säbel. Von diesem „griechischen" Kunststück bis zu einer energischen Action ist aber noch ein weiter Weg.

Im Kriegshafen von Spezia hat man zunächst drei Panzerschiffe armirt, — der Contreadmiral Piola Caselli hat das Ober- commando der beiden italienischen Mittel« meergeschwader übernommen und Admiral Sanitbon, Commandant von Spezia, hat an die Marineofficiere eine schöne Ansprache gehalten, in welcher er sagte: „Die Flotte wird vielleicht (!) bald zu Thaten be­rufen sein; er hoffe, daß die italienischen Matrosen zu siegen oder zu sterben wüßten!" j — In der Roth verlangt man auch wieder | einmal den Anschluß Italiens an Deutsch- । land- Oesterreich, aber in Wien und Ber« | Itn, wie auch in Petersburg kennt man zu sehr die Zuverlässigkeit Italiens, als daß man die Freundschaft allzu hoch taxirte.

Ob Frankreich seine Absichten, Tunis einzusacken, verwirklichen kann und wird, läßt sich jetzt noch nicht beurtheilen. Jeden­

falls sind die Schwierigkeiten in Wirklich­keit weit größer, als sie in der Phantasie Gambetta's waren. Schon macht sich im Süden Algiers unter den Moslemins eine Bewegung bemerkbar, welche den Franzosen leicht einen dicken Strich durch die Rech­nung machen könnte. In der That zeigen die unter der Redoction Gambetta's ver­öffentlichten nichtssagenden „Nachrichten" aus Tunis-Algier, daß die französischen Truppen, welche am Montag die tunesische Grenze überschritten haben, vor einem Berge von Hindernissen stehen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 26. April. (Reichstag.) Auf die Interpellation Hcyl über bett Zu- stand des Rheinstromes antwortet Minister v. Bötticher, der frühere Plan, den Rhein­strom nur durch Baggerung zu reguliren, sei aufgegeben worden. Zunächst sei für die Strecke Mainz-Bingen ein neues Pro- ject ausgearbeitet, welches der preußischen und der hessischen Regierung vorliege und voraussichtlich deren Billigung finden werde. I’ Die Regierung hoffe in kürzester Zeit Ab­hilfe zu schaffen. Bei der daran geknüpften Besprechung der Interpellation betonen Schröder, v. Nordeck zur Rabenau» Thi- lenius, Gerwig und Schalscha die einheit- " liche Regelung des ganzen Stromlaufs im Zusammengehen mit Holland. Es folgt die erste Lesung des Gesetze« über die Ge- schäftüsprache des elsäffischen LandesauS« schuffes. Guerber hält die Vorlage für unritterlich und plaidirt für fakultative Bei- Farbe der naheliegenden Berge abhebt. Eben hierhin war Horace Merville geeilt, um die frische, reine Morgenluft Sonnen, men, unbelästigt von den warmen einzuoth. strahlen, die sich bereit« über den großen Platz vor dem Hotel ergossen. Die ersten Eindrücke, welche unser junger Reisender bei seinem Eintreffen in Chaudfontaine am vorhergehenden Abende genommen hatte, waren nicht besonders angenehm gewesen. Es war bereits nahezu Mitternacht gewesen, als er die Brücke überschritten hatte, welche die Eisenbahnstation mit dem Hotel ver­bindet, und als er das weitläufige Gebäude erreicht hatte, wo nur noch ein einziges Fen- fier in der späten Nachtstunde erleuchtet war. Die Ermüdung, der Unfall, der ihm zuge- stoßen war auf der Eisenbahn, die Beschaf­fenheit des Soupers, welches viel zu wün­schen übrig ließ, das Langweilige eines nächt- lichen Hin- und Hergehens in düsteren, end- losen Corridoren unter Begleitung eines schlaftrunkenen Portiers, dann ein Zimmer, das ziemlich bescheiden möblirt war und aus dem man Aussicht auf eine Reihe trostlo­ser Pappeln hatte, — Alles das war nicht besonder« ermuthigend, und Horace hatte sich mit dem festen Entschlüsse zu Bette be­geben, am folgenden Morgen mit dem ersten Zuge seine Reise fortzusetzen.