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Mittwoch, »en 27. April 1881.

Die ,Fuldaer Zeitung^ erfch-mt täglich, Sonn- utte Feiertage ausgsno,nmea Man adonnirt gegen Vorambezahlung zu Fulda

i« der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche ilbonnementspreis beträgt ausschließlich B ringerlohn in Fulda eine Mark und 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., inS Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Di» Mustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Für die Monate Mai und Jnni nehmen Bestellungen auf die »Fuldaer Zeitung' alle Post­anstatten, Landbriefboten nnd für Fulda die Expedition, But­termarkt 112, zum Preise von 1 Mk. (ohne Bestellgeld) an.

(Die .Fuldaer Zeitung" ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag sub Nr. 1673 eingetragen.)

O Die Gartenlaube ist eine Zeitschrift, welche aus allen Fann- ■ lien und Gesellschaften, die sich fürder noch s christliche nennen wollen, unbedingt ver­bannt werden muß. Kaum eine einzige Nummer unterläßt es mehr, den Glauben wie die Gebräuche und Institutionen der christlichen Confesstonen in mehr oder min­der scharfer Weise, offen oder versteckt an­zutasten, nur das Semitenthum findet Gnade; erscheint es ein Mal unvermeidlich, den Unparteiischen zu spielen und auch am Juden einen Fehler zu rügen, so geschieht es in einer Art, die, genau betrachtet, nur ein verkapptes Lob enthält. Selbstver­ständlich richten sich die Angriffe zumeist gegen die katholische Kirche und deren fe­sten positiven Organismus. So geschieht es wiederum in dem, in der Nummer 12 von diesem Jahrgange enthaltenen, von einem gewiflen Emil Frischauer unterzeich­neten Aufsatze: „Sterbende Päpste", der fast in jeder Zeile der geschichtlichen Wahrheit auf die schamloseste Weise in's Gesicht schlägt. „Die meisten Päpste hatten

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Seltsames Begegnen und Wiedersehen.

(Schluß.) ।

Bald stand ein blutig wolkenbeschwertes Abendroth am Himmel, und da der Oheim noch nicht heimgekehrt, so beschloflen die Mädchen, die seine Spaziergänge genau kannten, ihm entgegen zu gehen. Sie gingen die Landstraße nieder, doch geblendet von der Rothe konnten sie nicht unterscheiden, was er sei, daß so viele Leute auf der­selben versammelte. Bald erkannte Con­stanze den Oheim bei einer Leiche beschäftigt. „Gewiß ist der Mensch nicht zu retten ge­wesen," sagte Constanze, und Julien fiel er schwer auf'S Herz, der Unglückliche könne wohl ihr Stauffen gewesen sein. Hans winkte ihnen, fern zu bleiben, der Oheim schien heftig bewegt, er rieb und küßte abwechselnd den Todten. Julie konnte sich nicht halten, sie lief zu den Versammelten, und er war unter ihnen und war doch nicht mit ihnen. „Es ist mein Sohn," rief der Oheim, „seine Mutter lebt, ich lebe, und der mußte sterben, der unsre» Leben» einziger Glück war!" Julie hörte nicht mehr, sie war besinnungslos in die Arme Constanzen« gesunken.

eine eigenthümliche Furcht vor dem Tode; das Rauschen des Todesengels ließ sie ver­zagen, und die Furcht, von der Herrlichkeit dieser Welt laffen zu müffen, um in das unbekannte Haus einzuziehen, aus deffen Bezirk kein Wanderer wieder kehrt, raubte ihnen zuweilen Ruhe und Besinnung." Der Grund dieser Todesfurcht „ist in den be- sondern Umständen zu suchen, die sich in fast regelmäßiger (I!) Wiederkehr mit dem Eintritt ihrer Sierbestunde geltend zu ma­chen pflegten. Die mächtigsten und gewal­tigsten unter ihnen starben elend und ver- laffen, mit ihrem brechenden Auge war auch ihr Ansehen gebrochen; kein Mensch, weder Nepote noch Diener, kümmerte sich um den sterbenden Kirchenfürsten, dem von feiner ganzen Machtfülle nicht einmal eine dienst­bare Hand geblieben war, die feiner lech­zenden Zunge den letzten Trunk gespendet hätte. Lag der Papst in den letzten Zü- gen, so waren im vaticanischen Palaste stets alle Bande der Disciplin und Ord­nung gesprengt. Die Schaar der Höflinge wußte, daß ihnen nur noch wenige Stun­den , vielleicht Minuten der Herrlichkeit übrig blieben; es galt, die Zeit auszunu- tzen. Ein allgemeines Plündern begann (!). Geld, Papiere, Kostbarkeiten wurden ge­raubt, Caffen gesprengt, was nicht niet- und nagelfest war, verfiel der Habsucht und Raubgier, während der sterbende Papst allein und verlassen in einem verschlos- senenGemache verschmachtete (! I) Diese Sitte kannte jeder Papst, und das erklärt sein Bangen vor den letzten Augenblicken. Und diese Sitte hat sich bis in unsere

Zeit hinein erhalten; noch Gregor XVI. war ihr bemitleidenswerthes Opfer!!!" Man traut seinen eigenen Augen kaum, wenn man den haarsträubenden Unsinn gedruckt steht. Und der Beweis für diese crassen Lügen? Kein anderer, als daß — die Denkwürdigkeiten" Massimo d'Azeglios werden als die Quelle für die nachfolgende Anekdote angeführt — beim Tode Gregor's XVI. ein armer Arbeiter im vatica­nischen Garten, der den Papst noch ein­mal sehen wollte, es fertig gebracht hat, sich durch verschiedene andere in das Sterbe­zimmer zu schleichen, wo er dann den Papst allein, aber schon tobt findet, und nun niederknieet „und das de profimdis betet", wobei er „von einem Angehörigen de» Papstes, der seinen Raub wohl schon in Sicherheit gebracht hat" , hinausgewiesen wird! Das der einzige Beweis für eine vielhundertjährige „Sitte"!! Nun folgen mehrere förmliche Räubergeschichten über den Tod einzelner Päpste aus den gewalt­samen Zeiten de» dreizehnten und vier­zehnten Jahrhunderts; natürlich ohne An­gabe jeglicher Quelle. „Mitunter," fo faselt der Mann weiter, „ist das Schauspiel, das ein sterbender Papst gewährt, so er­greifend (wirklich?), daß es beinahe mit den Verbrechen feine.» Lebens versöhnen könnte. Allein häufig ist dieses Schauspiel bei seiner tragischen Größe geradezu widerlich durch das gottlose, ja unmenschliche Benehmen des Todes - Can- didalen. Namentlich die fimonistischen Päpste, welche dem blanken Golde nahezu den Charakter der Heiligkeit verliehen, ge­bar Bild der heiligen Mutter, das ihr Sohn geraubt hatte» einzupacken. Sie wollte er nach Spanien zurücksenden, weil e» ihr keine Ruhe ließ, wie sie sagte. Als sie alles vernommen, alles beweint und alles im Gebete ihrem Vertrauten darge­legt hatte, beschloß sie, mit Julien, die nichts verlangte als Einsamkeit in das stille Kloster des Gebirges heimzukehren. Spanien beruhigte sich jetzt nach seiner Be­freiung ; das ererbte Vermögen des lang­betrauerten Geliebten, meinte sie, würde hinlänglich fein, das Kloster aus feinen Trümmern herzustellen.

Mit welcher Liebe wurde das Bild der heiligen Mutter, mit welcher Zärtlichkeit Clara, mit wie viel rührendem Mitleid Julie von dem Kloster begrüßt; nichts war von der Kirche übrig, fo wunderbar war das heilige Bild erhalten, daß eine neue, unentweihte Kirche, wie ein Vorhimmel sich darüber wölbe, allen Glücklichen zur Er­hebung, allen Unglücklichen eine beruhigende Grabesdrcke, von dem Lichte einer andern Welt durchstrahlt.

Constanze erfuhr jetzt, daß Hans feinen z gewesenen Herrn gleich erkannte, daß er | ihn durch das Oeffnen des Rocks zu er« 5 leichtern suchte und einen Arzt rief, daßl aber inzwischen der Oheim herbeigekommen und, durch einige aus dem Rocke gefallene Briefe verwundert, aus der eignen Hand- | schrift, aus dm Erzählungen feiner Clara, i selbst aus der Aehnlichkeit mit sich selbst । in früheren Jahren, den Sohn ihrer heim­lichen Liebe erkannte. So löste sich zu i spät das Geheimniß der Handschriften, l mehrere Monate später kamen erst die, Briefe an, die Stauffen zu dessen Ent- i räthselung zutraulich der Post übergeben s hatte, die von den grausamen Befehlen, des Alleszerreißenden mehrere Jahre zurück- i gehalten, das Geschick eines Hauses, da» i zu einem ruhigen Dasein reifen konnte, ] nicht mehr zu retten vermochten.

Der alte Herr starb, Julien übergab er ; fein Vermögen, es her geliebten Clara al» ; einen geringen Ersatz für alle Roth, in die er sie verwickelt, zu überbringen. Dies letzte Geschäft wollte Julie noch vollbringen und sich dann von aller Welt zurückziehen. \ Sie fand Clara, die ihre« Sohne» Tod | schon lange beweinte, fo lange er von ihr i Abschied genommen, ob sie gleich keine > sichere Nachricht von ihm hatte, beschäftigt, i