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der Censurbehörde für ausländische Preß, erzeugnifle."

Oesterreich-Ungar«»

* Wien, 23. April. Der Kaiser über­reichte in heutiger Audienz dem Minister Haymerle das Großkreuz des Slephans- orden«.

* Wien, 23. April. Der ,Polit. Corr? zufolge datirt das russtsche Circular, betr. politische Mordanschläge, vom 12. d. M. Es knüpft an zahlreiche Kundgebungen an­läßlich des letzten Attentates an, welche zur Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Bekämpfung der socialen Gefahr führ­ten, von der Rußland nicht allein bedroht sei. Indem Rußland eine Conferenz an­rege, wünsche eS gemeinsam mit den Mäch­ten Mittel zu finden zur Abhilfe jenes Nebels, ohne das souveräne Gesetzgebungs­recht der Etnzelstaaten zu beeinträchtigen. Einen Vorschlag betreffs der Zeit und des Ort« der Conferenz enthält das Circular nicht.

Deutsches Reich.

* Berlin, 24. April. Uebermorgen tritt der Landtag wieder zusammen.

— Die Conferenz der Mächte, betreff, die Frage der Bekämpfung der revolutionären Parteien, dürfte schon im Mai d. I. und zwar in Brüffel abgehalten werden.

— Es erhält sich die Meinung, daß Herr v. Puttkame r das Ministerium des In­nern definitiv übernehmen werde, sobald er vom Cultusministerium mit Ehren zurück- treten kann, d. h. sobald die Culturkampfs- wirren einigermaßen beseitigt sind.

— Fürst Bismarck hat, nach der ,Rat. Ztg.', anläßlich des Hinscheidens von Lord Beaconsfield an dessen vertrautesten Freund Lord Rowton (Montagu Corry) ein in wärmsten Ausdrücken abgefaßtes Beileids­telegramm gesandt.

— Die große akademische Ausstellung von Werken lebender Künstler des In- und Auslandes wird in diesem Jahre am Sonn­tag den 4. September eröffnet werden.

— Rach officiösen Mittheilungen ist der Kaiser von seinem Unwohlsein so wett her­gestellt, daß er nur auf günstige Witterung wartet, um die Spazierfahrten wieder auf­nehmen zu können. Rach Braunschweig wird der Kaiser jedoch keinesfalls sich be- ' geben, wahrscheinlich aber am nächsten Mitt­woch auf drei Wochen nach Wiesbaden, wie es sein Leibarzt wünscht.

— Bismarck conferirte mit Saburow in den letzten Tagen wiederholt wegen des internationalen Vorgehens gegen die Nihi­listen.

— Nach einer Meldung der .National­zeitung' wird dib Münzconferenz nach der jetzt vorliegenden Haltung der ausschlag­gebenden Mächte als vollständig aussichts­los betrachtet und dürfte in kürzester Frist vertagt oder geschloffen werden.

— Soeben fand im Centralhotel eine große Feier für Ließt unter großem Jubel statt.

— Nach dem .Deutschen Tageblatt'steht unter den Deutsch Conservativen eine Se­cession bevor, indem ein Theil der Agra­rier die eingegangene .Landesztg.' neu be­gründen und in entschiedene Opposition zu Bismarck treten will.

— Nach der ,Nordd. Allg. Ztg.' erließ der Minister des Innern eine Verfügung, welche nicht nur das Verbot gegen Totali­

sator auf Rennplätzen, sondern auch gegen sogenannte Buchmacher anordnen.

— Nach der .Kreuzztg.' ist der von Ruß­land gemachte Vorschlag einer Conferenz zur Berathung der Frage der Bekämpfung internationaler Revolutionäre in einem von Rußland an die Mächte gerichteten Rund­schreiben enthalte«. Die russtsche Regier­ung schlägt eine Conferenz der Mächte be­hufs Ergreifung von Maßnahmen gegen die internationale Revolution vor. Man darf annehmen, daß die Besprechungen, welche einer förmlichen Note jedenfalls vor­ausgingen, die Geneigtheit wenigstens einer Anzahl von Regierungen constatirten, der Idee eine» solchen Congrefles näher zu treten. Ein russische» Blatt, der ,Mo«k. Tel.', will wissen, daß der österreichische Botschafter am Petersburger Hof, Graf Kalnoky, in diesen Tagen der russischen Regierung officiell mitgerheilt haben soll, daß das Wiener Cabinet die gleichen An­sichten bezüglich der Maßregeln theile, die gemeinsam gegen die Anarchisten zu er­greifen sind, die sich in einzelnen Ländern, in denen das Asylrecht besteht, aufhalten. Die Ansicht der russischen Regierung in dieser Frage hatte dem Wiener Cabinet der russische Botschafter, Geh. Rath v. Oubril, übermittelt. Es unterliegt wohl auch keinem Zweifel, daß das Vorgehen der russischen Regierung im Einverständniß mit der deut­schen Regierung erfolgt ist.

— Aus Petersburg wird dem .Tagebl.' telegraphirt: „Gestern Mittag überraschte dem Vernehmen nach, die Polizei eine Ver­sammlung von Nihilisten auf dem Wassili Ostrom, dritte Linie, int Quartier eines Studenten. Es wurden die Versammelten arretirt und mit gebundenen Händen ab­geführt, unter ihnen auch zwei Studenten. Die Anzahl der Arretirten wird sehr ver­schieden angegeben; nach den Einen waren es zwanzig, nach Anderen nur fünf."

— Aus Petersburg wird dem .Tage­blatt' mitgethiilt: „Der neue Chef der Oberpreßverwaltung, Fürst Wjäsenski, ist der Sohn des im Jahre 1873 verstorbenen bekannten Dichters. Im Jahre 1857 war der neue Chef der Oberpreßverwaltung bereits Präses des Cenfurcomitss und dann mehrere Jahre bei den Botschaften in Constantinopel und Wien beschäftigt. Seit dem Jahre 1873 war er Präsident

Pr»vi«eielles ««d LsealeS.

* Fulda, 25. April. Am gestrigen Weißensonntage empfingen in hiesiger Stadt 216 Kinder die erste hl. Communion, 100 Knaben und 116 Mädchen. Die Dom­pfarrei zählte 83 Communicanten (44 Knaben, 39 Mädchen), die Stadtpfarrei 133 (56 Knaben und 77 Mädchen). In der evangelischen Kirche wurden 26 Knaben und 27 Mädchen conficmirt.

—s. Gestern Abend zwischen 9 und 10 Uhr durchzog eine Anzahl Jungen, unge­fähr 10—12 an der Zahl, im Älter von etwa 9—11 Jahren, lärmend und singend und unter lauten Vivat < Rufen mehr­mals die Canalstraße und zwar in einer Weise, daß sie die Bewohner der genannten : Straße förmlich in ihrer Ruhe störten. Sicher darf ein solcher Unfug, welcher auch ' noch an einem Weißensonntag geschah, i als ein nicht geringes Zeichen der I u g e n d- : Verwilderung betrachtet werdenI

— Gestern war in Hünfeld das Gerücht verbreitet, der hochwürdige Herr Dechant Waldner zu Eiterfeld sei gestorben. Ob­wohl dieses Gerücht sich nicht bewahrheitet hat, liegt demselben leider doch die That- , fache zu Grunde, daß Herr Waldner sehr bedenklich krank darniederliegt.

— Der Apotheker Ludwig Schenz er

sein Leben, er beklagte sich nicht. Der Zug ging weiter, immer ärmer wurde das Land, das die Gefangenen durchschritten, und wo er forderte, da hieß e», die Seinen hätten den Bewohnern nichts gelassen als Krankheit, die der Lebensmittel entbehren lehre.

Es war Mittags am dritten Tage nach seiner Gcfangennehmung, als eine Staubwolke die Ankunft der Gefangenen den Frauen im Landfchloffe des Oheims verkündigte. Ihre Gaben waren bereit, sie traten vor die Thüre, und Constanze sah mit innigem Behagen die Landsturmmän­ner mit ihren Kitteln und rohgeschnittenen Spießen neben den prächtig geschnittenen, farbigen, betreßten, betroddelten Uniform­röcken einhergehen. Der Oberst führte sie, so schwach er war, ein junger Lieutenant unterstützte ihn. Er glaubte hier mit Zu­versicht eine Stärkung, eine Stillung seines Hungers zu finden, und wollte eben zu dem Tische treten, wo Constanze, die beiden Officierfrauen und Julie ausgetheilt hatten, was sie in der verödeten Gegend zum Lebensunterhalt zusammenschaffen konnten, al» eine Schaar gesünderer Officiere sich ihm vordrängte. Aber Constanze und Julie betheuerten, ihre Gaben seien nur den ge­meinen Soldaten bestimmt, die Officiere

müßten für sich sorgen, es würden noch mehr Gefangene erwartet. Kaum hatte Julie dies einem Zudringlichen gesagt, als fie die bleiche Gestalt de» geliebten Obersten erblickte, und ohne eigentlich zu glauben, dies fei der Rittmeister, rührte diese Aehn- lichkeit dennoch ihr Herz, fie wollte ihm ein Brod reichen, da bemerkten es die beiden Officierfrauen und stießen Constanze an, Constanze blickte Julien strafend an, was aber der Oberst wohl nicht bemerken konnte. Er erkannte Julien und sah, daß sie mit Erröthen ihn anblickte, sich weg­wandte und das Brod zurücklegte. Die Härte empörte sein liebende» Herz, er wollte sprechen, da sah er die goldene Kette um Juliens Hal» und verstummte. Er wandte feinen Blick jetzt von Julien, schritt mit Heftigkeit fort und sprach laut mit sich, daß feine Kameraden meinten, er schwärme fieberhaft; er sprach von einem weißen Haupte, das ihm erscheine, und ver­fluchte sich, weil er mit seiner Härte die sanfteste Seele gehärtet habe. Etwa hundert Schritte von dem Schlosse klagte er heftig, daß das heilige Bild seine Augen von ihm gewendet habe, und sank nieder. Seine Begleiter befühlten seinen Pul», zuckten mit den Achseln und gingen weiter. Julie stand inzwischen wie erstarrt auf der An­

höhe am Tische, es war ihr der Gedanke aufgestiegen, er selbst könne es wohl ge­wesen fein, dem sie da» Brod versagt. Sie wäre mit dem Brode nachgeeilt, aber die Scham vor Constanzen hemmte jede Be­wegung, nie in ihrem Leben hatte sie sich in so erdrückendem Widerstreite de» Ge­fühls befunden. Constanzen blieb nicht ver­borgen, was in Julien vorging, sie suchte durch erzwungenen Scherz die Unglückliche zu zerstreuen.

Der Staub, welchen den Zug erregt, hatte sich allmählich gelegt, und Julie wagte es jetzt die Straße herabzublicksn und bemerkte einen Mensch auf der Mitte derselben liegen. Constanze ruf den Hans, hinzusehen, was dem Menschen fehlen könne, und wenn er krank fei, ihn in da» kleine Lazareth zu führen. Julie wollte mit­gehen, aber Constanze gab es nicht zu, weil die Fieber so bösartig würden, daß jede Näherung gefährlich, vielmehr führte sie Julien in den Garten, um sich von dem garstigen Anblick der verhaßten Feinde, wie sie sich ausdrückte, zu erholen. Aber wo verbirgt sich der Mensch vor seinem Geschick, vor dem ewigen Strafgericht, nur einige ruhige Nachmittagsstunden waren noch zu gewinnen.

(Schluß folgt)