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M 94. Dienstag, den 26. April 1881.

Fuldaer

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Für die Monate Mai nnd Juni nehmen Bestellungen ans die ,Fuldaer Zeitung^ alle Post­anstatten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition, But- termarkt 112, znm Preise von 1 Ml. (ohne Bestellgeld) an.

(Die ,Fuldaer Zeitung" ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im n. Nachtrag aub Nr. 1673 eingetragen.)

S Wo steckt der wahre Jürgen Bona-Meyer nnd sein liberaler

Schulverei«?

Merkwürdig, was so preußische Profes­soren stets das Unglück haben, „mißver­standen" zu werden! Ob daran die allzu­große Gelehrsamkeit schuld trägt? Auch Jürgen Bona aus Bonn hat das Unglück, zu jenen mißverstandenen Gelehrten ge­zählt werden zu müssen. Dieser Tage hat er nämlich im Bonner Bildungsverein sich beklagt, daß seine neulich bei Gelegenheit der Gründung des liberalen Schulvereins in Köln gehaltene Rede von den Gegnern falsch verstanden oder mißdeutet sei. Er habe durchaus nicht für confeffionslose Schulen plaidirt, sondern er sei „ein ent­schiedener Vertreter der Simultanschulen, die er für das rechte Mittel halte, religiöse Toleranz anzubahnen und die religionslose Staatsschule zu verhüten." Nun aber haben nicht bloß Gegner, sondern sogar die gewiß nicht als solche geltenden Herren von der ,Köln. Ztg/ als Quintessenz seiner

Rede vom 8. Januar d. I. bezeichnet: „Das Ziel des Schulvereins sei Ent­fernung der letzten Reste des konfessionellen Unterschiedes nicht blos an den Universi­täten, sondern von dem ganzen weltlichen Schulwesen. Der Religionsunterricht müsse aus der Schule heraus und lediglich den Eltern und Geistlichen überlassen werden." So haben, wie gesagt, nicht bloß Gegner, sondern auch Freunde verstanden, ja sein intimer Freund, Seyffarth, fühlte sich da­mals sogar gedrungen, sofort gegen diese Worte Protest einzulcgen, da sie „unvor­sichtig und verfrüht seien."

Warum hat also Jürgen-Bona, wenn er wirklich mißverstanden war, nicht damals gleich dieses „Mißverständniß" aufgeklärt und seinen Freund beruhigt? Doch die Sache wird noch toller. Zufällig fiel uns nämlich dieser Tage ein längerer Auszug aus einer Rede in die Hände, welche derselbe Jürgen vor nunmehr 7 Jahren (am 7. Dezember 1874) in Bochum über die Schulfrage gehalten. Dort er­klärte genannter Herr nach der gewiß un­verdächtigen ,Elberfelder Ztg/ u. a.: Jeden­falls hat der Staat im Hinblick auf die jetzt so schroff hervortretenden Gegensätze zwischen Katholizismus und Protestantis­mus die Pflicht, die Schule von dog­matischem „Gepäck" frei zu halten, und demgemäß den Religionsunterricht aus der Schule zu entfernen." Dann fährt er fort: „Die Zukunft wird allerdings diese Gegensache hoffentlich mildern, und dann erscheint es unbedenk­lich, den Religionsunterricht wieder in der

Schule einzuführen, jedenfalls aber in einer wesentlich veränderten Gestalt. Nicht das Confessionelle, das Trennende, sondern das allen Bekenntnissen Gemeinsame, das Glau­ben an eine göttliche Vorsehung, an eine sittliche Weltordnung soll die Basis dieses allgemeinen (Zukunfts) Religionsunterrichtes sein. Dieser letzte Satz mag uns wohl den Schlüssel liefern zum Verständniß des Gedankenganges jenes Mannes, der das Unglück hat, immer mißverstanden zu wer­den. Man muß sich vergegenwärtigen, daß im Jahre 1874 der „Culturkampf" in seiner Blüthe stand. Es war jene Zeit wo die Norddeutsche den Augenblick her­annahen sah, „wo die deutschen Katholiken nach Bonn pilgern würden, um sich von „Bischof" Reinkens nationale Priester zu erbitten". Auch der Volksbildner Jürgen Bona mag sich in solchen Zukunftsträumen ergangen haben. Daher sein Schwanken zwischen religionslosen und Simultan­schulen. Religionslos müssen sie sein, so­lang die Kirche noch ein Wort in Staat und Schule zu sagen hat, confessionell müssen sie werden, sobald der Staat Pfarrer, Küster und Lehrer zugleich ge­worden ist. Dann muß den Kindern auch wieder Religion gelehrt werden, jene Re­ligion nämlich, die der Staat sich selbst zurecht gelegt hat und die in dem einzigen Gebot gipfelt: Ich (Staat) bin der Herr und dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben. Das ist das Ziel, dem der Herr Meyer mit feinem Schulverein zusteuert.

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TsttfameS Begegnen und Wiedersehen.

(Fortsetzung.)

Der Oberst war nicht so früh, al» er erwartete, zum Heere in Deutschland ab- geschickt worden, die Willkür, die über einen Soldaten schaltet, hatte ihn in mancherlei Aufträgen herumgetrieben, und e» kränkte ihn tief, die neuen Lorbeeren nicht miterrungen zu haben. Endlich wurde fein Wunsch erfüllt, er wurde zum Gene­ralstabe de» Heere» in Deutschland berufen, erreichte in vierundzwanzig Stunden den Rhein und ließ sich sogleich, obgleich die Sonne schon im Sinken, mit Pferden und Gepäck an'» deutsche Ufer übersetzen. Seine Blicke waren auf einen Nachen gerichtet, der mit vollen Segeln herbeieilte, seinen Lauf zu durchschneiden, aber nahe dem Ufer wendete sich der Nachen, und beide Fahrzeuge liefen zügle ch an'» grüne Ufer. Da» Schiff hatte nun einmal eine Bezieh­ung für ihn gewonnen, er fragte, wer in dem Schiffe liege? Die Schiffer antwor- • toten in derber Sprache: e« sei ein ver- ■ lorenes Mädchen, da» den Franzosen nach- i gezogen und nun zurückgeschickt werde, von ■ Ort zu Ort, zu Schiffe und mit Fuhre !

bi» in ihr Vaterland. Er war Charlotte. Da» ist mein erste» Unglückszeichen, dachte der Oberst, während er ihr tröstend zu­sprach. Aber das Mädchen nahm keinen Trost an, sie sei verloren, sagte sie, und habe alles Unglück durch ihren Undank gegen Julien wohl verdient. Umsonst er­kundigte er sich nach Neuigkeiten von Julien bei ihr, sie war mit ihm zugleich ausge­zogen und kam zurück al« eine wandernde Leiche. Der Oberst gab ihr noch reichlich Goldstücke vor dem Abschiede, aber da« alles konnte sie nicht trösten, sie verglich sich krampfhaft lächelnd mit der Jungfrau von Orleans, die sie einst gespielt, und schloß parodirend mit den Worten: „Kurz war die Lust, und ewig sind die Beinen."

Der Oberst schwang sich auf sein Pferd und ritt weiter, da begegnete ihm etwa eine Meile von dem Landungsplätze eben der Curier, der ihm einst Constanzens Brief einhändigte. Der Curier tobte, feine Depeschen wären im Schlafe aus feinem Wagen gefallen, er fei verloren, und die Armee fei auch verloren. Die» war sein zweites Unglückszeichen, und er harrte un­geduldig auf das dritte, aber e» zeigte sich ihm noch nicht.

Beim Heere fand er die gewohnte Zer­streuung irt der anstrengendsten Thätigkeit

Mit Eifer suchte er die Gefangenen auf und ärgerte stch an ihren stolzen Hoff­nungen. Einst fragte er seinen Frei­willigen, der ihm besonders trotzig geant­wortet, wer ihn gekleidet und bewaffnet habe, und dieser nannte mit Ehrfurcht Julien als seine Wohlthäterin. Von ihrer eigenen Handschrist zeigte er ein Lied, vor, als der Oberst zweifeln wollte. Diese» Lied schien ihm sein letztes, drittes Unglücks­zeichen, und er bereitete sich mit Ernst zum Untergänge, der ihm unvermeidlich schien, schrieb einen zärtlichen Brief an seine Mutter, in dem ein Abschied auf ewig, wenn gleich von Duft und Blumen gedeckt, den reinen Demantglanz kindlicher Liebe durchschimmerte.

Einige Tage darauf war er mit wenig Reiterei eingeschlossen, er hielt sich noch tapfer mit den Letzten, sein linker Arm war schon zerhauen, da wurde auch sein rechter durch einen Hieb unbrauchbar, und er mit allem Muthe so wehrlos wie ein Kind.

So war er gefangen, feine Arme von einem Kameraden, ohne feinen Willen, noch- dürftig verbunden, aber noch gänzlich un­brauchbar, als er mit einer großen bunten Masse von Gefangenen in eine Kirche ge­sperrt wurde. Ein Trunk Wasser fristete