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bewundernd die Köpfe, denn die Menge staunt bekanntlich das an, was sie nicht begreift. Hinter der Blutstropfen-Erpres- fungsmafchine kommen Taufende mit Sack und Pack daher; das Schild, das ihnen voraufgetragen wird, lautet: „Nach Ame» rika!" Fröhliche Gesichter sieht man in der deutschen Abtbeilung nicht; Alle laßen die Köpfe hängen, und fragt man die Leute nach der Ursache, so erhält man die Ant­wort : Steuern, Militärlasten, „Cultur- kampf", schwankende Politik u. s. w.

Die russische Abtheilung besteht nicht aus Bürgern, sondern aus Unterthanen, die den Wagen des Staatsabsolutirmus schleppen. Wer das Wort „Verfassung" aus- spricht, wird verhaftet. An einem Galgen baumeln fünf entsetzlich hingewürgte Nihi­listen ; die sechste Kaisermörderin muß noch 4 Monate warten und zappeln! erst leiden und dann sterben. Die Polizei hat alle Hände voll zu thun, selbst einen Großfürsten mußte sie einstecken und dann für „geistes­krank" erklären. Feile bestechliche Beamte wühlen in unterschlagenen Geldern, und die Liederlichkeit sitzt hoch zu Roß. Ueber der ganzen russischen Abtheilung, die auf einem feuerspeienden Berge hcrumspaziert, hängt eine dicke schwarze Gewitterwolke.

Dagegen haben sich die Wolken über der orientalischen Abtheilung endlich ver­zogen. Ein Türke mit amputirtem Körper schneidet ein sauersüßes Gesicht, und der Grieche schleppt einen 600 Quadrat-Meilen großen Länderlappen heim, raisonnirt, daß es nicht mehr ist und schreit schmunzelnd: „Nur schnell her damit !"

Und wieder raffeln die Kanonen und Pulverwagen. Die Franzosen kommen. Die „grrrande nation“ muß den verblaßten Ehrenschild ihrer „gloire“ neu aufputzen, und seien es auch nur Krumirs und Tu- nesen, denen man die eisernen Bomben der Cultur in den Leib jagt! Immer frisch drauf los; anncctirt wird ja nicht, blos ge­züchtigt im Namen der Humanität, der Civilisation und des französischen Ruhmes. Fremde Mächte mischen sich nicht ein; Italien behält sein altes Ministerium und hält den Mund; England, das seinen Ben- jamin d'Jsraeli verloren und in Irland genug zu thun hat, bleibt hübsch zu Hause, selbst der Sultan zieht die Nicht Inter­vention vor, — da kann Frankreich schon wo Constanze zu hart verletzte. Ihr ehe- maliger Verlobter schien unter den Offi- deren, die sie sah, wenig bekannt, sie fragte zwar nicht nach ihm, aber sie vermuthete doch, sie müßten einmal von ihm reden, wenn sie ihn kennten. Hans, der sich durch seine Dienstbefllssenheit und Geschicklichkeit dem Oheim empfohlen und bisher immer ungestört in dessen Diensten erhalten hatte, brachte endlich heraus, daß sein Rittmeister Oberst geworden und in Spanien beim Generalstabe gewesen sei. Er berichtete es den beiden Fräuleins, und Constanze beo­bachtete Julien sehr ernst, welche Wirkung diese Nachricht auf sie mache. Julie stellte sich gleichgiltig, um den innern Aufruhr zu verbergen, den diese erste Nachricht von ihm erregt hatte. Mit dem Waffenstill­stände endete das Glück dieser Feinde, sie rafften bei ihrem Abzüge alles zusammen, was sie brauchen konnten, und nur Con­stanzens Muth erhielt den befreundeten Siegern eine Nachlese an Lebensmitteln. Die Freunde wurden mit Eichenkränzen und Lobliedern reichlicher bewirthet als mit Brod, sie mußten aus dieser hungernden Gegend, in der selbst die Hoffnungen der Ernte zerstört waren, weiter forteilen. Auch der Oheim mit den beiden Fräuleins wäre gern fortgezogen in unversehrte Gegenden,

den Mund weit aufmachen. Es wäre auch merkwürdig, wenn es ohne Blutvergießen einmal in der Welt hergehen sollte; wozu sind auch die Kanonen, die stehenden Heere und die Armee-Reorganisationen da?

So zieht die internationale Maskerade an unseren Blicken vorüber, ein bunter Mischmasch, Hetzer und Gehetzte, Betrüger und Betrogene, Reiter und Fußvolk, und den Schluß bildet wieder „viel Volk", das lärmt, schreit, hüpft, tanzt und — weint.

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. April. Die Kaiserin schenkte dem hiesigen Cäcilienverein die Partitur des von Äbbo Fr. Lißt compo- nirten „Christus" in hochfeinem Prachtband.

— Die gestrige Nummer des jüdisch­fortschrittlichen .Berliner Börsencourir' wurde auf Grund des Socialistengesetzes confis- cirt, weil dieselbe etliche revolutionäre Kraft­stellen des französischen Communisten Roche­fort ohne die gebührende Zurückweisung abgedruckt enthielt.

— Die .Schlesische Volkrztg/ theilt mit, daß die Nachricht, wonach der Fürstbischof von Breslau, Dr. Förster, sein bischöf­liches Amt niederzulegen beabsichtige, voll­kommen aus der Luft gegriffen ist.

— Dem Reichstag ist die Novelle zur Gewerbeordnung, wonach Auctiona- toren, Winkelconsulenten rc. die Concession zum Gewerbebetriebe untersagt werden kann, zugegangen. Der Referent für die Reform der birecten Steuern im Finanz­ministerium, Kreishauptmann Eilers begibt sich im Auftrage des Finanzministers heute nach Boyern, Württemberg und Baden, um sich an Ort und Stelle über die praktische Wirksamkeit der dortigen Steuergesetzgebung zu informiren.

* Braunschweig, 22. April. Der Herzog, welcher am 24., 25. und 26. April sein 50jähriges Regierungsjubiläum begeht, bewilligte anläßlich der bevorstehenden Feier 10,000 M. aus der Privatschatulle für die Stadtarmen.

Oesterreich-Ungarn.

* Wien. 22. April. Kronprinz Rudolf ist im besten Wohlsein von seiner Orient­reise hier wieder eingetroffen und am Bahn­hofe von dem Kaiser empfangen worden. Das zahlreich anwesende Publicum em- aber es fehlte an Pferden; so kam es. daß sie, allen Unbequemlichkeiten trotzend, aus­harrten und selbst manchen Flüchtigen aus verbrannten Dörfern Zuflucht und Unter­halt gewähren konnten. So vermehrte sich ihr Kreis durch zwei Frauen von Offi- eieren. Nichts auf der Welt galt seitdem in dem Kreise als Kriegswesen und Krie­ger, alle andren Beschäftigungen schienen nur diesen letzten Zweck zu haben. Die Frauen mochten nun kriegerisch oder un­kriegerisch gestimmt sein, ihre Sorge für die Krieger, die nachzogen, für die Verwun­deten, die zurück kamen, wurde planmäßi­ger, dauerte thätig aus, und die Wohlthä« tigkeit findet immer etwas in der Vorraths­kammer. Als aber auch eine große Zahl von Gefangenen Ansprüche an ihr Mitleid machten, da wurde lange untersucht, ob sie dieser Milde werth wären. Constanze wollte ihnen jede Unterstützung verweigern, sie sollten die Noth fühlen, die sie über unzählige friedliche Erdenbürger gebracht. Julie setzte es in der Versammlung durch, daß die gemeinen Soldaten einen Beistand an Lebensmitteln erhalten sollten, denn diese wüßten nicht, was sie thäten, und wären gezwungen, für eine Sache zu fechten, die sie selten dem Namen nach kennten. Die Officiere hingegen, das mußte sie Constan-

pfing den Kronprinz mit sympathischen Zu­rufen.

— In Triest, der Hauptstadt der „Italia irredenta", wurden dem Kronprinzen Rudolf auf seiner Rückreise von Jerusalem großartige Ovationen dargebracht.

Italien.

* Rom, 20. April. Die Verhand­lungen, welche zwischen der russischen Regierung und dem Vatican betreffs Regelung der kirchlichen Verhältniffe in Rußland und Polen geführt wurden, sind auf unerwartete Hindernisse gestoßen. Die römische Curie beharrt auf ihrer Forde­rung, daß den unirten Griechen der Chelmer Diözese, welche erst 1875 in russischer Form gewaltsam zum Schisma „bekehrt" wurden, die sehnlichst gewünschte Wieder­vereinigung mit der katholischen Kirche gestattet werde, während die russische Re­gierung eher alle andern Concessionen zu machen bereit ist, als diese. Die unirten Griechen der Chelmer Diözese haben sich jüngst geweigert, den Huldigungseid für Alexander III. vor den schismatischen Popen abzulegen und die russische Re­gierung hat ihnen darin nachgegeben und zur Vereidigung der Chelmer Ruthenen lateinische (polnische) Priester gesendet. Man betrachtet dies indeß in St. Peters­burg als äußerste Grenze der Nachgiebig­keit und findet in der treuen Anhänglich­keit der Chelmer Ruthenen an die katholische Kirche — trotz ihrer gewaltsamen „Be­kehrung" zum Schisma — nur einen An­laß mehr, die „Ruflificirung" dieser Pro­vinz — man weiß, was dieses fürchterliche Wort bedeutet — fortzusetzen und zu vol­lenden. Rom seinerseits kann die un­glücklichen Unirten der Chelmer Diözese, die eine sehr rührende Anhänglichkeit an den hl. Stuhl beweisen, vor Gott und vor der Welt nicht preisgeben.

Türket.

* Constantinopel, 22. April. In Albanien hat bei Scopia ein Scharmützel zwischen türkischen Truppen und auf­ständischen Albanesen stattgefunden. Die Aufständischen wurden geschlagen. Sämmt- liche in Salonichi stehenden Truppen mußten nach Scopia abmarschiren.

Rußland.

* Wie man aus Berlin meldet, soll eine Kundgebung Rußlands bei den Großmäch # nachgeben, sollten sich mit dem begnügen lassen, was die Behörden rhnen geben könn- len, sie wären mit Lust und Bewußtsein die Werkzeuge der Unterdrückung geworden. So war der Beschluß der Frauen und wurde von ihnen mit unerbittlicher Strenge gegen die zahlreichen Schaaren der Gefan­genen, die am nächsten Tage durchgeführt wurden, ausgeführt.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Nordhausen, 18. April. Gestern hat in dem nahen hannoverschen Dorfe Niedersachswerfen die Ehefrau des Hand­arbeiters Christian Lutze ihren Mann todt- geschlagen. Die Lutze'schen Eheleute haben vier Kinder. Der Mann setzte Zweifel in die eheliche Treue der Frau. Am Sonn­abend gab es wieder eine nicht gerade an­genehme Scene, der Mann benutzte deshalb die seiner Mutter — welche in die Um­gegend von Sangerhausen zu Verwandten gereist war — eingeräumte Schlafkammer, und wurde in derselben gestern früh von seiner Frau überfallen, welche ihm mittelst einer Axt den Kopf spaltete. Der Tod trat gestern Nachmittag gegen 5 Uhr ein.