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Sonntag, den 24. April 1881

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Constanze bedurfte aber bald der Unter. ahnete gleich, "daß er vo?der ranzöfischen

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die er gar nicht entbehren konnte, vermochte

Constanze nur eine angcheirathete Nichte und sein Bruder, der verschwenderische Forstmeister, ihr Stiefvater war. Mit die. sem Oheim lebte sie in einem steten scher­zenden , sie aber irnerlich erbrtternden Kampfe, ihre kleine Herschsuchten hatten ihn zum ewigen Widersprechen aller ihrer Meinungen, Ansichten, selbst der Geschich­ten, die sie selbst erlebt zu haben glaubte, allmählich umgeschaffen. Die Gewohnheit, sie als sein Kind anzusehen, machte fie ihm so werth, daß jede Kränklichkeit von ihr ihn erschreckte, daß er ohne sie nicht zu

Revolution spreche, die er nie nannte, und suchte ihm den Unterschied zwischen beiden Erscheinungen mit ihrem Gefühle deutlich zu machen.

Nieder re'ßet Ordnung, Sitte, Nieder, was noch trotzig steht, Daß aus Trümmern Schutt und Chaos Bald ein neu Gebild entsteht!

Tausende jauchzen den Unheimlichen fa­natisch zu, Millionen aber wenden sich mit Entsetzen von ihnen ab und fliehen, ähnlich wie die Bewohner des Vesuv, wenn er seine glühende Lava ausspeit. Einige lahme Po- lizisten hinken hinter den Rothen her und wollen ihnen Handschellen anlegen, was aber nur theilweise gelingt; hohnlachend weisen die Schreier, die man zur Ordnung und zum Glauben zurückrufen will, auf die mit Koth beschmutzten Beicht- und Predigt­stühle und auf die Sauhatzjäger, die vor ihnen herspringen.

Die düstere rothe Gruppe ist vorbei; schmetternde Fanfaren künden das Nahen des „Herrn der Welt", der auf gol- denem Kalbe heranreitet. Ein eigenthüm« licher Knoblochgeruch schwängert die Luft, und ein fremdartiges, seltsames Gemauschel dringt an das Ohr der Umstehenden. Geld­strotzende Banguiers, geadelte Commerzien- räthe, Gründer, Kleiderhändler, Viehhänd- ler, Wucherer, Halsabschneider, — alle sind bunt durcheinander gewürfelt. Mit Ver- achtung blicken sie auf die „Gojims", die nur deshalb geduldet werden, um sich für die „Auserwählten" schröpfen zu laffen. Jeder hat ein Instrument in der Hand: entweder eine Reklametrommel, oder eine Zeitung, oder einen Wechsel, oder eine Aktie; alle diese Gegenstände sind aber Schröpf­köpfe oder Lancetten. Ein goldener Pracht­wagen, gefüllt mit den Schätzen aller Län-

ihn immer in den Schranken eines etwas tückischen, doch immer wohlbegrenzten Wi- tzes sich zurückzuhalten.

der und Erdtheile, folgt der Truppe, und hohe Herren beugen huldvoll ihr Haupt vor den Geldfürsten; aber hinter dem Pracht- wagen kommt eine lange Reihe von Leichenwa­gen, gefüllt mit den Opfern der Grün­derzeit und der Wechselreiterei, und in zehn Fuderfässern werden die Thränen nachge­führt, die das christliche Volk den Schlau- und Golvmännern nachgeweint hat. Daran schließt sich ein Handwagen, auf dem eine antisemitische Petition an Bismarck, bedeckt mit 255,000 Unterschriften, liegt.

Die deutsche Abtheilung wird durch eine sonderbare Darstellung eröffnet. Auf einem hohen Brette, das von freiwillig Gouvernementalen getragen wird, sitzt der „arme Mann", das Schooßklnd der Kanz­lers, und wird mit Schnaps und schönen Worten gefüttert. Der „arme Mann", bisher verkannt, verstoßen und nicht be­achtet, ist plötzlich der Held des Tages ge- worden; alle Zeitungen sprechen von ihm, der Reichstag debattirt um ihn — und der Arme ist noch gerade so arm wie früher. Auf einem großen Opferwagen, der die Inschrift trägt: „Das Heil und die Rett­ung Deutschlands", wird aus Tabak, Bier und Quittungen Blut zu preffen versucht und Soldaten laufen mit Kübeln umher, um das Blut aufzufangen.

„Nicht direkt I" heißt die Losung, „aber indirekt um so mehr". Ein stattlicher Reiter in Cürassir - Uniform reitet hinter dem Wagen her; bald lenkt er sein Roß nach rechts, bald nach links, bald jagt er vor­wärts bald rückwärts: kein Mensch weiß aber genau, wie er reitet, und Alle schütteln

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Seltsames Begegnen und Wiedersehen.

„ (Fortsetzung.)

Besorgnisse, Julie sei vermählt, waren leer; sie wies die Bewerbungen mancher achtenswerlhen Männer von sich. Auch ihre Freundin war noch unvermählt. Constanze lebte ganz von der Güte ihres Oheims, von ihm allein konnte sie eine Erbschaft erwarten, und dieser Oheim, so alt er war, zögerte noch immer ein Testa­ment zu machen, und ohne ein Testament fiel alles an seine Verwandten, unter denen

stützung des Oheims zu ihren Lieblings­plänen. Nach vieler Ungeduld trat endlich : in dem festen Fortschritte der Zeit jene - merkwürdige Aufregung aller deutschen

Völkerschaften nach dem Untergange des französischen Heeres in Rußland ein. Con- stanze, die von keiner Zärtlichkeit zerstreut, schon lange mit ganzer Seele und ganzem - Munde der allgemeinen Angelegenheit er« ; geben gewesen, fand sich nun erst in ihr ; Lebenselement gesetzt, sie fand ihre Thätig- - kett von allen Seiten angespannt, und J wurde bald der Mittelpunkt aller Bemüh- : ungen in der Gegend, für den ausbrechen- : den Krieg im Voraus zu sorgen. Der

Oheim, obgleich von größerer Milde gegen । Die besiegten Sieger regiert, versagte ihr ; ieiien, was sie zu diesem Behuf von ihm i begehrte, wenn er gleich seinen Spott nicht ■ unterdrücken konnte, wo sie etwas Vergeb- k liches oder etwas Verkehrtes durchsetzte. \ Wie die Freiwilligen zu den Heeren eilten, und ein frischer Geist alles lüftete, da zog

, eine Zeit gemahnt, die unter tausend lo- - ckenden Versprechungen ihn um alle Seelig« | ketten seiner Jugend betrogen hätte. Julie

Wie aber die Weltgeschicke immer neu ä und immer alt sind, wie das Alte immer | wieder in neuer Art erscheint, so wurde 8 auch diesmal die Erwartung eines schnellen $ Erfolges getäuscht. Der Anfang des Krie« | ges war unglücklich, nach wiederholten zer« ; störenden Durchzügen besetzten die Feinde : auch das Landgut des alten Herrn mit l der übrigen Gegend und zehrten dieselbe s während des Waffenstillstandes schonungs« ; los aus. Ein fremder Osficier herrschte l unumschränkt im Schlosse, der Oheim war , froh in dem Hinterzimmer seines Hauses - einige Ruhe zu finden, hier lernte er zuerst i die Franzosen hassen. Constanze, mit ihrem rnnern Zorne bewaffnet, bot allen Feinden die Stirn, wenn es nöthig war, und erhielt, so viel sich unter solchen Umständen erhal­ten ließ. Julie bewunderte sie in ihrer ? Ausdauer, Thätigkeit, Festigkeit und unter.

5ÄV4«ISEäk - ’ er roerbe öon ben Reden der Leute an > wußte mit ihrer Anmuth aurzugleichen

Für die Monate Mai und Juni nehmen Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ alle Post­anstalten, Landdriefboten und für Fulda die Expedition, But­termarkt 112, zum Preife von 1 Mik. (ohne Bestellgeld) an.

(Die ,Fuldaer Zeitung' ist im Post-Zeitungs- Preisverzeichniß pro 1881 im II. Nachtrag aub Nr. 1673 eingetragen.)

Politische Streifzüge.—

Nachdruck verboten.

Es folgt nun eine unheimliche Schaar mit rochen Mänteln und Grimm in den verbissenen Zügen; auch hier sind Leute aus allen Ländern vertreten; russische Nihilisten, deutsche Socialdemokra- ten, französische Communisten, italienische und spanische Internationalisten, irische Agi- tatoren, und alle ballen die Fäuste und knirschen mit den Zähnen. Auf einem Wa- gen, den sie umschließen, liegt ein zerfetzter I Kaiser, stehen Tonnen mit Dynamit und l Bomben: Dolche und Revolver liegen um- ! her, und die Wände tragen die Inschriften: I „Meder mit den Fürsten, nieder mit den l Pfaffen! Keinen Gott und keinen Herrn!" I Die Portraits der Attentäter in Berlin, J Madrid, Neapel und Petersburg werden als Feldzeichen voraufgetragen, und der ganze Chor singt:

Mordet, brennet, würgt und senget, Tilgt sie aus die Fürstenbrut!

Kaiser, Bischöf, Pfaffen hänget, Watet durch der Bourgeois Blut.