Einzelbild herunterladen
 

42 W

Donnerstag, den 21. April 1881

i

R -

Die .Fuldaer Zeitung' erschemt tägliche Sonn- .und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementSpreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und |3 R »Pfg. mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 60 R.-Pfg., ins Haus gebracht I Mark 90 Pfg. Di- .illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Psg., auswärts am Postschalter 2b Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

O Tunis.

lieber die Krumirs, von denen jetzt so viel die Rede ist, kommen aus italienischer Quelle folgende Msttheilungen:

Die Italiener in Tunis nennen sie „Crumiri“ und haben am häufigsten Han­delsbeziehungen mit ihnen. Im Jahre 1878 trug man sich in Italien mit dem Gedanken an einen Revanchezug gegen die Krumirs, weil sie die Mannschaft eines Schiffes, welches nach Bona bestimmt war und an ihrer Küste scheiterte, in der grau« samsten Weise mißhandelt hatten. Angeb­lich übernahm damals dec Bcy von Tunis das Amt eines ZüchtigerS. Diese Araber gehören einigen noch wenig civilisirten Stämmen an, welche das hohe, bewaldete Gebirge zwischen Regentschaft und den al­gerischen Besitzungen Frankreichs bewohnen. Die Italiener schätzen ihre Zahl auf nicht mehr als 6000. Sie theilen dieselben n die Slouls uns Tedmaka und zahlreiche Nebenhorden. Beide Hauptstämme behaup­ten, daß sie von dem großen Marabut Sidi'Abdallah-Ben-Djemel abstammen, und sind nicht wenig stolz auf diese Deseendenz. Die Slouls werden als die Wohlhaben­der», und in Folge dessen auch als die Cultivirtern bezeichnet; sie sind den Nach­barn und den Reisenden auch weniger gefähr­lich. Sie treiben Handel mit den tunesi­schen Kaufleuten und mit den Franzosen in Algier. Die Tedmaka dagegen werden als ein ganz armes, verkommenes Gesindel be­zeichnet, welches nur von Raub und Dieb­stahl lebt. Als fanatische Moslims ver­schmähen sie jeden freundschaftlichen und

! commerciellen Contact mit den französischen - und italienischen Nachbarn und suchen den- : selben nur durch hinterlistige Ueberfälle zu l schaden. Dem Bey von Tunis sind übri- gens alle Krumirs sehr ergeben, theils weil sie ihn fürchten, theils weil, nach irlamiti- j scher Doctrin, sich in ihm die geistliche mit ; der weltlichen Macht vereinigt. Sie senden | ihm zeitweilig einen Tribut, bestehend in i Häuten und Sclaven. Von eigentlichen ’ Ortschaften kann man im Territorium der Krumirs nicht reden. Es sind echte No- madenstämme, welche sich im Sommer in , ihre undurchdringlichen Gebirgswälder zu- rückziehen und im Winter mit ihren Heer­de» in die wärmere Ebene herniedersteigen. Man sagt, daß ihr Haß gegen die Jtalie- i ner und Franzosen daher rühre, weil diese sie vom Meere verdrängt haben. Ehe Al­gier an Frankreich kam, war jener Theil der tunesischen Küste, besonders das Capo roso, um der arabischen Corsaren willen berüchtigt, welche die Kauffahrer des Mit­telmeeres oft in Schrecken versetzten. Heute ist die Küste ganz sicher; nicht einmal die Korallenfischer haben mehr etwas zu fürch­ten. Dagegen ist das Innere noch heute so gefahrvoll wie je zuvor. Mit einem außerordentlichen Mißtrauen behandeln sie alle Fremden und selbst den Beamten des Bey soll es nur selten gelingen, das Ter­ritorium der Krumirs zu betreten. Es werden übrigens in Tunis einige Fälle erzählt, wo sie unternehmende Reisende fest- genommen und ausgeraubt hatten und dann unverletzt nach dem tunesischen Gebiet zu- rücktranrportirten. Die Züchtigung dieser

eigenthümlichen Barbaren wird übrigens als eine keineswegs so leichte Sache be­zeichnet. Die Zahl und die Kriegstücktig- keit derselben sei nicht so sehr zu fürchten, als die Undurchdringlichkeit ihrer Wälder in einem völlig unbekannten und gefahr­vollen Gebirge.

Deutsche- Reich.

* Berlin, 19.April. Der Kaiser leidet nach der .National-Ztg.' an einer leichten Erkältung mit Heiserkeit. Der Tag der Abreise nach Wiesbaden ist noch nicht de­finitiv festgesetzt.

— Die römische ,Jtalie', ein verlogenes Blatt, bringt die Mittheilung, der Hoch­würdigste Herr Fürstbischof Dr. Förster von Breslau habe dem Papste seine Amts­niederlegung angeboten; in Folge dessen habe der hl. Vater in Berlin anfragen lassen, ob der Weihbischof von Breslau als Nachfolger Dr. Försters genehm sein würde.

— Bereit« vor längerer Zeit hat der Hr. Cultusminister in einem an den Clerus der Diöcese Paderborn gerichteten Erlasse hinsichtlich des katholischen Religions-Unter­richtes Folgendes verfügt: „Die Kreis- Schulinfpeetoren sind angewiesen, bezüglich der Pensen-Vertheilung des schulplanmäßigen katholischen Religions - Unterrichtes überall da, wo der Pfarrer oder dessen Stellver­treter diesen Unterricht leitet, resp. an der Leitung desselben sich betheiliqt, die Vor­schläge des Pfarrers oder dessen Stellver­treters einzuholen, nicht aber selbständig die Vertheilung vorzunehmen. Für den

8 Seltsames Begegnen und Wiedersehen.

(Fortsetzung.) i

Am Abend in der Ruhe de« wohlgebau­ten Gartens, von welchem die Kirche ge­sehen werden konnte, hatte sich Julie so weit gefaßt, daß sie nach der Kunst fragte, die ihr den Genuß gewährt, die Züge des geliebten Vaters unzerstört wiederzufinden. „Es ist die Eigenschaft dieses Gewölbes," sagte der Pfarrer, „die Leichen zu erhalten und durch luftige Kälte die Verwesung zu hemmen und die Säfte auszutrocknen. Der gemeine Glaube ist, daß die Leichen hier versteinerten. Unser Dorf war abgebrannt, die Bewohner zerstreut, es fehlte an Hand­werkszeug zu Särgen, an Leuten, um Grä­ber zu machen. In der Verlegenheit schaffte ich vorläufig alle Leichen derer, die bei mir und bei meinen Nachbarn verschieden, in jenes Gewölbe, ich selbst bewahrte den Schlüs­sel, daß die Tobten ihrer Ehrenkleider am Tage der Schlacht nicht beraubt würden. Ihr Herr Vater war leider schon beraubt, er in mein Haus gebracht ward, sein herrliches ritterliches Antlitz gab mir den Gedanken ein, ihn in die Rüstung des Stamm­vaters unsere» gutsherrlichen Geschlechts

zu hüllen, gewiß ruhen sie mit verbrüder- f ter Ehre gern über einander. Unser Guts- j Herr sah, was die Noch eingegeben, und ‘ befahl dieser Einrichtung Dauer zu lassen, j und das Grabgewölbe allem künftigen Ge- ? brauche zu schließen, und mit diesem Un» j glückstage die Geschichte seines Geschlechts ■■ zu schließen, er selbst wolle in der Erde zer- j stört werden, und so solle es auch den Seinen | ergehen, bis Deutschland wieder befreit sei. i So hat er in seinem Testamente verordnet, 5; und er starb drei Monden darauf an in» j nerem Gram."

Julie blieb die Nacht im Orte, sie wollte j ihrem Vater ein ewiges Blumenopfer auf dem Altar der Kirche stiften, da sein Grab für die Blumen zu kalt und zu tief war. Sie kaufte einen Garten neben dem Gottes­acker und stiftete ihn auf ewige Zeit der Benutzung des Küsters unter der Bedingung, den Altar täglich, so lange das Jahr es verstattet, mit frischen Blumen zu schmücken, und wenn sich Betende Morgen« einfänden, einen Choral auf der Orgel zu spielen. Sie selbst sah am Morgen diese Einrichtung in . ihrem ersten Anfänge, sah die Andacht man- i cher Schwergebeugten und die Achtung der I meisten, endlich sah sie noch einmal da« ge* i liebte bleiche Antlitz und fuhr dann, in sich ! beruhigt und befestigt, dem ländlichen Au­

fenthalte zu, der ihrer beim Oheim Constan­zens wartete.

Die lange Stille im Wagen unterbrach endlich Constanze, indem sie den Abschieds­brief des Rittmeisters aus ihrem Taschen­buche zog und Julien ruhig erzählte, sie habe den Brief zurückgehalten, bis sie ihr Festigkeit genug zugetraut, eine verderbliche Neigung zu überwinden. Julie, durch den frischen Anblick des Vaters und der tiefen Wunde seines Hauptes gehärtet, beschwor, daß weder Brief noch selbst die Nähe des Rittmeisters einige Gewalt über sie hätten, der Brief sei ihr so gleichgültig, daß sie ihn nicht lesen, und daß sie ihn in keinem Falle beantworten möchte.

„Du mußt doch den Inhalt wissen," sagte Constanze.

„So lese ihn und sage mir den Inhalt in aller Kürze, ich mag ihn nicht lesen, meine Augen sind von dem Schmerze dieser Tage angegriffen."

Constanze erbrach den Brief, las ihn und sagte zu Julien: „Er will den Abschied neh­men, seinen Aussichten auf Glanz und Ehre entsagen und bei Dir leben zur Buße des unglücklichen Geschicks, al« der geringste Die­ner."

„O wie verhaßt sind mir die leeren Re­densarten dieses Volks, seit ich die Wunde