desselben nicht leicht möglich ist, und wo« durch jede Gemeinde gezwungen wird, sich von der Leistungsfähigkeit ihrer Löschmaschinen genaue Kenntniß zu verschaffen.
Der Organisirung von Löichkö pern nach allen, selbst den kleinsten Verhältniffen ist vollständig Rechnung getragen und das sorgfältig ausgearbeitete Uebungs-Reglement gibt den Chargen wie Feuerwehrmännern einen guten Leitfaden.
Dasselbe zeichnet sich durch klare und ausführliche, trotzdem aber in kurzer Form gefaßte Darlegung der verschiedenen lieb» ungsstufen aus und muß als gelungen bezeichnet werden; auch die demselben angefügte Signal-Vorschrift, welche nur die nothwendigsten (10) Signale enthält, ist gegenüber den oft in's unendliche gehenden Signalen einzelner Feuerwehren, besonders hervorzuheben.
Die Feuerlöschlehre ist in leichtverständlicher Weise gehalten und beschränkt sich auf die Darlegung der wichtigsten und am meisten vorkommenden Fälle; in deren erstem Theile ist insbesondere Gewicht auf die richtige Behandlung der Feuerlötchge- räthe gelegt und enthält dieser hierüber volländige Belehrung, der zweite Theil gibt Aufklärung über den richtigen Vorgang in den verschiedenen Brandfällen, forote deren Bewältigung mit möglichster Schonung des bedrohten Objectes und richtiger Verwendung der zu Gebote stehenden Hilfsmittel.,
Wie reichhaltig dieser Theil bedacht ist, zeigt der Umstand, daß in demselben aller besonderen Brandfälle, als: Keller-, Erdgeschoß-, Stockwbrk- und Dachbrände, Bränden von Stroh-, Schindel-, Hohlziegeldächern und Dächern mit unterlegten Strohdocken, Feuer in Fußböden und Wänden, Thurmbränden und Bränden in gewerblichen Etabliflements mit Dampfbetrieb, gedacht ist, und derse'be Belehrung über das Umstellen, Aufräumen und Ablöschen der Brandstelle enthält.
In welch' vortrefflicher Weise das ganze Weikchen behandelt ist, zeigt der hinsichtlich der Disciptin erwähnte Passus, welcher mit wenigen Worten treffendes und beherzigens- werthes sagt, so daß wir nicht umhin können, denselben hier anzusühren.
„Der wichtigste Factor für eine Feuerwehr ist die Disciplin als die Grundlage jeder Thätigkeit. Alle
Feuerwehrmänner müssen den festen Willen mitbringen, ohne Widerrede den an sie gestellten Anforderungen mit Aufopferung persönlicher Ansichten Folge zu leisten. Je mehr Zucht und Ordnung in einer Feuerwehr herrschen, um somehr Achtung und Vertrauen wird man derselben entgegenbringen, umsomehr wird bei der Mannschaft das Selbstbewußtsein, die Lust und Liebe zum Dienste gekräftigt und erhöht.
Die Leistungsfähigkeit einer Feueripehr beruht nicht auf der Größe der Mitgliederzahl, sondern auf der Ausbildung der Mannschaften, auf dem Geiste der Zucht und Ordnung, der in derselben herrscht."
Wir können den Regierungsbezirk Cassel zu dieser Organisation des Feuerlöschwesens und den Feuerwehren dieses Bezirkes, zu der ihnen werdenden behördlichen Unterstützung nur gratuliren, dabei aber nicht unterlassen den Wunsch auszusprechen, es möge auch bei uns in Oesterreich endlich die Zeit anbrechen, wo unseren Bestrebungen in gleicher Weise die gerechte Würdigung, und dem Feuerlöschwesen die ihm gebührende Unterstützung auch von unseren Behörden zu Thetl wird."
Deutsche- Reich.
* Berlin, 18. April. Die deutschen Vertreter auf der Münzconferenz in Paris, Geh. Rath S ch r a u t und Leg. - Rath Thielemann sind dorthin abgereist.
— Die Fortschrittspartei hat einen Aufruf erlassen zur Sammlung von Beiträgen zu Fond« für die bevorstehenden Reichstagswahlen.
— Der Kaffer hat den vom hiesigen Gericht zum Tode verurtheilten Raubmörder Wileba zu lebenslänglichem Zuchthause begnadigt.
— Die .Rordd. Allg. Zig? versichert, daß die „Nichtzulassung" des Trierer Bis« thumrverwesers nicht eine Folge irgendwelcher Einsprache des rheinischen Oberpräsidenten, sondern lediglich ein vom Staatsministerium auf Grund des Artikels 2 des I Juligesetzes gefaßter Beschluß sei, dessen Begründung der Oeffentlichkeit vor enthalten bleiben müsse. Mit
dem letzteren Satze sind wir vollständig einverstanden.
— Im preußischen Finanzministerium ist ein neuer Entwurf betreffs Erhebung der Gewerbesteuer ausgearbeitet.
— Der Unterstaatssecrelair im Auswär« tigen Amt Dr. Busch ist zum Bevollmäch« tigten zum Bundesra'h ernannt worden.
* Paris, 17. April. Es scheint, daß Frankreich entschlossen ist, einem Theil seiner reorganisirten Armee eine afrikanische Feuertaufe ertheilen zu lassen. Alles, was nur irgendwie den Schein der Berechtigung einer gewaltsamen Züchtigung der tunesischen Grenzstämme unterstützen kann, wird von der Presse in dm grellsten Farben mit dem sichtlichen Bestreben geschildert, jede auf Mäßigung und auf friedliche Politik abzielende Strömung zu unterdrücken. Die Krumirs sollen 50—100,000 Mann unter den Waffen haben! Die kriegerische Begeisterung Allgerien« soll unbezähmbar sein! Während andere Europäer in Tunis unbehelligt bleiben, soll auf die Franzosen überall geschossen werden! Gestern roieoer hätten die Krumir» ein Gefecht provocirt! rc.
Rußland.
* Petersburg, 16. Aug. Dem,Por» jadock zufolge erfoiate g stern dec Unheils- spruch des hiesigen Union sttälsgerichts über 204 hiesige Studenten, welche die Vor- schnften der Universität verletzt haben. 18 wurden ausgeschlossen, 71 erhielten drei« bi« siebentägigen Arrest mit angedrohter Ausschließung im Wlederholungsfalle, 100 erhielten einen Verweis, 15 wurden frei« gesprochen. Bei der Straffestsetzung wurde ihr früheres Verhalten in Betracht gezogen.
* Petersburg, 17. April. Die Vertreter der Mächte sollen den Wunsch geäußert haben, die „u n g e m ü t h l i ch e" Atmosphäre der russischen Hauptstadt verlassen zu dürfen. — Der Berliner ,Rat.« Zlg/ zufolge wäre an ein Einlenken des neuen Czars hinsichtlich der Versaffungs« frage nicht zu denken. „Wozu bin ich denn da," soll er gesagt haben, als man ihm den Rath erlhellte, die auf ihn drückende Last durch Einsetzung eines Parlaments zu halbiren. — Es unterliegt keinem Zweifel, daß die verzweifelnde Lage Ruß, lands bte friedliche Lötung der griechisch.
„Seltsam," sagte Julie, indem sie den Brief entfaltete, „ist es doch, als ob Du mit Dir selbst Briefe wechseltest, dieselbe Handschrift."
„Warum seltsam", antwortete Constanze, „ich war schon ein Mädchen von zwölf Iah- ren, als ich zu ihm kam und konnte noch nicht schreiben, da unterrichtete er mich selbst, damit meine Unwissenheit Keinem kund würde, so nahm ich seine Schristzüge unwillkürlich an.
„Wie die Lerchen singen in dem grünen Korn," sagte Julie zu Constanzen in dem halben Wagen, „es wird einem das Herz hier so leicht, nirgends stand das Korn so lustig."
Han«, der alles auf dem Bocke hörte, was im Wagen gesprochen wurde, drehte sich um und sagte: „Sehen sie, gnädiges Fräulein! hier ging's am blutigsten zu, wie sah es hier aus, als wir vorrückten; unsere Kanoniere hatten wie die Teufel gearbeitet; da, bei der kleinen Eiche fand ich meinen Herrn und den Herrn Vater; halt Schwager 1 das Fräulein will aus dem Wagen springen."
Julie lag lange in Gebet und Thränen auf der Stelle, wo das Blut ihres Vaters geflossen, Constanze mußte sie fast nut Gewalt der geliebten Stelle entreißen. Julie nahm einen jungen Eichenzweig zum An
denken mit, stumm fuhr sie bis zum Pfarrhause des nächsten Dorfes, wo Hans an- halten ließ. Constanze ging voran in die Stube; sie erklärte dem Pfarrer die Ursache des Besuches, der sich darauf mit Theilnahme zum Ausgehen bereit machte. Sie kamen an eine hochgelegene, schöne alte Kirche, von hoher Mauer umgeben, der Kirchhof voll steinerner kleiner Denkmale, mit wilden Rosen blühend bewachsen. Julie nahm jetzt die Blumentöpfe dem Hans ab, es waren die Lieblingsblumen des Vaters, Lilien aller Farben. Der Pfarrer öffnete die Klrchenthüre. Constanze befahl dem Hans zurück zu bleiben. Sie gingen eine steinerne Treppe nieder, die Laterne des Pfarrers leuchtete vor, er öffnete ein zweites Schloß, und sie traten in ein Gewölbe, das schaudernd kalt war. Als sie sich umblickten, sahen sie viele Krieger, Freunde und Feinde, bleich, aber unversehrt wie die Siebenschläfer in der Stunde ihres Erwachens, in ihren Kleidern umherliegen auf dem Rücken breiter alter Särge. In der Mitte lag ein Ritter in feinem schwarzen Harnisch auf einer Marmorplatte, fein Helm war geöffnet. Julie blickte hin und fant mit dem Ausruf nieder: „Mein Vater!" Die Blumentöpfe stürzten nieder, die Lilien lagen zerstreut und entwurzelt
auf vem Boden, Constanze suchte Julien zu unterstützen, und Der Pfarrer zündete einige Fackeln an, die er rings im Gewölbe vertheilt hatte. Still ließ er die Verzweiflung des ersten Eindrucks vorübergehen und entfernte sich, doch bald verkündete der Draeiflang, der durch eine Oeffnung im Gewölbe aus der Kirche zu ihnen schallte, daß er ihnen seinen Trost, so liebreich er könne, geben wollte. Er regte mit kunstgeübter Hand die schöne Melodie an: „Wie sie so sanft ruhn", und der Chor seiner Kinder, die ihm nachgeschlichen, fang da» Lied, während Julie den Elchenkranz um den Helm des Vaters schlang.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischte-.
♦ Aus Bellinzona, 11. April, wird bet ,N. Zür. Ztg.' gemeldet: „Soeben trafen die Arbeiter im Tunnel des Monte- cenere zusammen. Die Länge betiägt 1673 Meter. Die eidgenössische Fahne flattert auf der Höhe; es gibt kein Sotto« und Sopra-Cenere mehr."