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Sonntag, den 17. April 1881

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Stande. . _ .

Der Rittmeister hatte lange vor dem Hause gewartet, jede Stunde konnte ihn, nach den Bewegungen des Heeres zu schließen, aus der Stadt entfernen, sollte er nicht abschlie­ßen, ehe ihn ein neues Geschick in seinen Strudeln fortriß? Er wollte stch erklären, wurde sich selbst aber in diesem Wunsche immer unerklärlicher. Er beschloß, was er Julien bisher verweigert hatte, zu ihrer Versöhnung die kriegerische Laufbahn zu ver- lasten, die er mühsam eröffnet hatte, und die ihn jetzt sicher zur Höhe oder zum Unter- gang führen mußte. Diesen Entschluß ,hr

zweckentsprechend ist. Bismarck meints doch gut mit dem Lande und hat den besten Willen, den armen Mann mit immer neuen Steuern recht glücklich zu machen. Fast alle politischen Parteien befinden sich im Zustande der Zersetzung, ein getreues Spie­gelbild der inneren Zustände des ganzen Landes. Es scheint, die Vertreter des Volkes verstehen den leitenden Staatsmann nicht recht, weil sie zu allen seinen Vor­lagen Nein sagen, und das Volk selbst versteht ihn auch nicht, denn es wandert in Hellen Haufen nach Amerika. Das Glück, auf deutschem Boden deutsche Luft zu ath- men und in die Steuerschraube gepreßt zu werden, wird offenbar nicht richtig ver­standen. Es ist merkwürdig, kein Mensch versteht Bismarck. Wenn ich über den Reptilienfond zu verfügen hätte, würde ich einmal 1000 Mark riskiren und die Preis- frage stellen: „Treibt Bismarck conserva- tive oder liberale Politik?" Was da heraus, käme! Ich glaube, Bismarck selbst könnte den Preis nicht gewinnen, denn die richtige Antwort, die unsere Sprache für eine solche Politik hat, die bald nach rechts, bald nach links, bald vorwärts, bald rückwärts geht, würde er mit Rücksicht auf • sich selbst nicht geben wollen. Ich schweige auch und denke blos das Meinige, weil das Denken glücklicherweise noch nicht be­steuert und nicht bestraft wird. Wie auf kirchlichem Gebiete, so haben wir auch auf politischem und wirthschaftlichem noch im­mer Charfreitag, und sobald wird das Alleluja nicht erschallen. Der sOstergesang der Fortschrittler heißt: „Fort mit Bis­

Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Fürst Bismarck ist groß, aber er kann auch noch lange nicht alle Grabsteine heben, die seine Projecte zudecken, und ich würde nicht bei der Wahrheit bleiben, wollte ich behaupten, er feiere fröhliche Ostern. Die Reichsboten sind ihm davongelaufen, ohne auch nur dem Trunkenheitsgesetz den ersten und manchen andern Vorlagen den letzten Stempel aufzudrücken. Kein Mensch hat Freude an der Arbeit, weil Alles halb fertig, unreif und in Folge deffen nicht

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Seltsames Begegnen und Wiedersehen.

(Fortsetzung.)

Julie hatte unterdessen Kette und Pistole an sich genommen und ihren Geldbeutel da­für dem Hans in die Hand gedrückt, dann wandte sie sich schweigend mit gesenktem Blicke fort zur Thüre, sie hatte die abge­brochenen Reden jetzt nur zu wohl verstan­den, sie mochte keinen nähern Aufschluß mehr, sie wußte alle». Sie konnte den Rittmei­ster nicht mehr anblicken, für keinen Preis hätte sie feine Hand beim Weggehen an- nehmen mögen, es war die Hand, die ihren Vater umgebracht, es war ihr nicht mehr die verlobte Hand. Der Rittmeister folgte ihr schweigend, mehr zu ihrem Schutze gegen die Menge, als in dem Wunsche, sich näher zu erklären, obgleich ihm auch dies bald ein dringendes Bedürfniß schien; eine Nacht des ernsten Gerichts verfinsterte chm jede Ausficht, es graute ihm vor dem Unnenn- baren, der durch Zeichen dieser Welt andeu­tet, was eine andre mit ewiger Klarheit aus- spricht. Julie nahte sich erst ihrem Hause, aber es war ihr entsetzlich, unter einem Dache mit einem Manne zu schlafen, dem sie noch vor wenig Augenblicken die älteste Freund­schaft, langgehegte Gesinnung, Vaterland und

Osterlied.

Mel.: Laßt J-hova hoch erheben.

Auf die Herzen hoch erhoben Kns'ren starken Gott zu loben, Der die Wetten überwand; Schöpfung und Natur erbeben, Aus den Grüften steigt das Leben, Bricht des Todes mücht'ges Band!

Euren $lidt nach Salem wendet, Wo das große Werk vollendet Auf Golgatha» heil'gen Höh'n; Seht Ihr Iefum leiden, sterben, Doch nach feinem Tod, dem herben, Triumphirend aufersteh'n!

Dankend beugen wir uns nieder, Singen frohe Zubellieder, «oti, in Deinem Heiligthum;

So lang unsere Zungen klingen, Wollen wir dem Heiland bringe« Ewig Dank und Preis und Kuhm!

H. D.

marck I" ; aber daß derselbe nicht besonders lieblich klingt, haben sie am 7. in Berlin erfahren, wo die Polizei mit dem Brumm­baß dreinfuhr und stürmisch Finale rief, gerade wie im „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein", als Semiten und Fort­schrittler tumultuarische Auftritte provo- cirtcn.

Aber Bismarck mag sich trösten, nicht er allein hat keinen Ostermorgen mit Ler­chengesang, Blüthenduft und AuferstehungS- Hymnen, — ganz Europa krankt an der­selben Brühe. Ueberall gibt'S Elend, Unzu- friedercheit, Krieg und Wirren. In P e t e r s- bürg knüpft man die sechs Nihilisten, denen man den Proceß gemacht, an den Galgen, und da kommt der Vetter des Kaisers und muß (diesmal nicht als Diamantensprtzbube) sondern als Verschwörer eingesponnen wer­den, und des Kaisers Onkel geht in's Aus­land, d. h. in die Verbannung. Die Nchi- listen kommen mit zwei neuen Proclama- tionen und nächstens wahrscheinlich mit neuen Bomben und Minen. Rußland lacht noch lange kein Ostermorgen! Aber im Orient, da scheint es zu dämmern. Die Herren Griechen sind hoffentlich so gütig, das Geschenk von 600 Quadratmeilen ohne Schwertstreich von der Türkei anzunehmm, zumal da die Geldbarone sich auf keine neue Anleihe einlafsen wollen, — aber ohne Krieg geht'« einmal in der Welt nicht, deshalb laden die Franzosen, nachdem kaum in Südafrika der Krieg der Engländer gegen die Boeren zu Ende gegangen, im Norden des Welttheils die Kanonen gegen Tunrs. Rache- und Raubkrieg, — eine prächtige

Constanze suchte sie mit Lob und Zä't lichkeit zu beruhigen und zu trösten, aber vergebens, die beiden sonst unzertrennlrch genannten Mädchen waren wieder vereimgt, aber es fehlte beiden das beruhigte Dasein, die Berathung, was zu thun sei, füllte die Nacht, ohne zu einem festen Ziele zu gelangen. Constanze wollte bitter kränkend im Namen ihrer Freundin an den Rittmeister schreiben, als sie ansetzte, fand sie, daß er nichts als seine Schuldigkeit auf dem Schlachtfelde ge- than. Juliens Schuld war es, daß sie sich dem Feinde verlobte, es kam kein Brief zu

l Freiheit geopfert hätte, die Erzählung am Verlobungstage, das blutige Haupt des Va- ters stand vor ihrer Seele, und der raffelnde Degen des Rittmeisters schallte hinter ihr wie ein Mordschwert des Henkers, das immer noch den bleichen Schatten verfolge und auch ihrer nicht schonen wolle. Sie wandte sich nach der Straße, wo Constanze wohnte, und eilte in deren Haus, ohne sich nach dem Unglücklichen umzuwenden, der verge­bens auf diesen Scheidungsaugenblick zu gegenseitiger Erklärung geharrt hatte. Mit Kette und Pistole in der Hand trat sie bleich in Constanzen» Zimmer, die eben, von der Gesellschaft früher al» gewöhnlich verlaffen, die Lichter auslöschte, die zum Ueberfluß brannten. Der Streit hatte allen eine ge­wisse Unbehaglichkeit zurück gelassen, und Constanze selbst empfand jetzt einige Reue über ihre Härte. Julie fiel ihr in die Arme, schluchzte heftig und konnte nur all­mählich sich erklären. Zuerst versicherte sie ihr nur, daß kein Streit mehr zwischen ihnen sei, daß Constanze Recht behalte, daß sie erst jetzt durch die Hand des Geschicks, das ihr den Mörder ihres Vaters unter Hun­derttausenden der Feinde als Bräutigam, B«..ö —v- ■- , , .

zugeführt, die Weisung erhalten habe,, daß schriftlich nntzutheilen, und der Ruf de» eine Liebe zu den noch unversöhnten Feinden • Wächters, der die zweite Nachtstunde abnef, des Vaterlandes"immerdar ein Frevel bleibe. I f° daß Julie wohl schwerlich mehr auf dem